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Witiko : das Kleine und das Grosse in der Entwicklund und als Darstelluingsmedium Hempel, Rainer Lutz

Abstract

Urn Stifters groβen Geschichtsroman, Witiko, und die Werke davor in das richtige Verhӓltnis zueinander zu bringen, wird in der vorliegenden Arbeit illustriert, daβ der Dichter seine Ansichten vom Kleinen und Groβen im qualitativen Sinne, d.h. vom Wirken des Sanften Gesetzes, zuerst im einzelnen Menschen, im physisch Kleinen veranschaulichte. Nachdem er das Gesetzmӓβige am Einzelnen, im Kleinen, formuliert und erprobt hatte, zeigte er in Witiko dieselben Gesetze an ganzen Völkern, im Groβen. Diese Arbeit beweist, daβ die Werte und Gesetze in Witiko die gleichen sind wie in den Werken davor, daβ das Handeln und die Entwicklung von Individuen und ganzen Völkern in Beziehung auf das Sanfte Gesetz erstaunliche Parallelen aufweist, nur daβ das Medium der Darstellung vom Mikro- auf den Makrokosmos verlegt wurde, also vom physiscen Kleinen auf das pbysisch Groβe. Stifters Gebrauch des Makrokosmos', der Sphӓre des Voikes als Mittel, um seine Ideen und Gesetze zu illustrieren, wo er doch vorher den Mikrokosmos, das: Individuum als Medium dafür benützt hatte, war ein Schritt, der eine lange Entwicklung hinter sich hatte. Zum tieferen Verstӓndnis für den Zusammenhang von Witiko und den Werken davor wird der Weg des Dichters vom Individuum zum Volke, vom Kleinen zum Groβen, verfolgt. Zunӓchst steht Stifters Entwicklung vom Subjektiv-Kleinen zum Objektiv-Groβen in Selbstzeugnissen und in der Sekundӓrliteratur zur Diskussion. Der Einfluβ, den zeitgenössische Rezensenten auf Stifters Werke in Beziehung auf die Form im Kleinen und Groβen gemacht haben, wird auch in Betracht gezogen. Die Eindrücke von 1848 auf seine Weltanschauung und der durch sie ausgelöste Beginn seines groβen Erziehungswerkes brachte Stifter einen Schritt weiter in der Entwicklung zum groβen Geschichtsroman, da die Form oder der Stoff im Gegensatz zu dem ethischen Gehalt für den Pӓdagogen von wenig Bedeutung war. Stifter konnte deshalb seinem pӓdagogischen Bestreben gemӓβ die Allgemeingültigkeit seiner Gesetze veranschaulichen, indem er sie lediglich in eine andere Form, in die groβe Sphӓre des Volkes in Witiko versetzte. Hebbels mangelndes Verstӓndnis für Stifters Kunst- und Erziehungsbestrebungen und seine Angriffe auf Stifters Werk gaben dem Dichter in der Zurückweisung dieser Attacken zugleich Gelegenheit, seine Kunstbestrebungen in der Vorrede zu den Bunten Steinen zu formulieren und die Begriffe groβ und klein im qualitativen Sinne zu definieren und zu illustrieren. Die Entwicklung Stifters von subjektiver zu objektiver Lebensanschauung war verbunden mit einem zunehmenden Blick für das Ideale, das Allgemeine, das schon in der Formulierung des Sanften Gesetzes mitgewirkt hatte. Die Tendenz, das Typische in seinen Werken zu zeigen, führt geradewegs auf den historischen Roman zu, in dem der Dichter seine Erkenntnisse auf breiter Basis und in groβen Völkermassen zeigte und sonit die Universalitӓt dieser Erkenntnisse veranschaulichte. Auf den Konflikt in der kleinen Sphӓre des Individuums und in der groβen Sphӓre des Volkes zwischen den Iebenserhaltenden Krӓften des Sanften Gesetzes und den zerstörenden Krӓften der Einseitigkeit wird an Doktor Augustinus in der Novelle Die Mappe meines Urgroβ-vaters und an dem böhmischen Volke in dem Roman Witiko in Einzelbeiten eingegangen. Die Erkenntnisse, die der Ver-gleich zwischen Dr. Augustinus und dem böhmischen Volke erbrachte, werden in Beziehung auf die verschiedenen Formen der Einseitigkeit auf andere Werke Stifters erweitert. Das Problem der immer gröβer werdenden Aktionsradien, der Lebenskreise, in dem geschichtlichen Roman—wie der Kreis der Volksgruppe der Waldbauern, der Kreis des böhmischen Volkes und der Kreis des ganzen Reiches—, das Wirken des Sanften Gesetzes in jedem einzelnen der Kreise und der Vergleich dieser mit dem Kreise des Individuums in Beziehung auf das Walten des Sanften Gesetzes wird in einigem Detail untersucht. Da es nun Stifter als Pӓdagogen auch darum ging, die Erziehung des Menschen nicht nur durch die strafenden Mittel des Sittengesetzes zu veranschaulichen, sondern auch durch ein harmonisches Einleben des Menschen in seine Umgebung, durch Erziehung ohne den Schmerz des Irrenden, so wird die Erziebung Heinrich Drendorfs im Kleinen in dem Roman Der Nachsommer der Erziehung des Waldbauernvolkes im Groβen in Witiko gegenübergestellt. Witiko wurde also in Beziehung auf alle Aspekte des Sanften Gesetzes mit den anderen Werken davor verglichen.

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