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Das spiel bei Else Lasker-Schueler Plett, Emma 1966

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DAS SPIEL BEI ELSE LASKER-SCRUELER by EMMA PLETT B.A.,.University of B r i t i s h Columbia, 1962 A THESIS SUBMITTED IN PARTIAL FULFILMENT OF THE REQUIREMENTS FOR THE DEGREE OF MASTER OF ARTS i n the Department of" German We accept t h i s thesis as conforming to the required standard. The U n i v e r s i t y of B r i t i s h Columbia A p r i l , 1966 In present ing th i s thes i s in p a r t i a l f u l f i lment of the requirements for an advanced degree at the Un ivers i ty of B r i t i s h Columbia, I agree that the L ibrary sha l l make i t f r ee l y ava i l ab le for reference and study. I fur ther agree that permission for extens ive copying of th i s thes i s for s cho la r l y purposes may be granted by the Head of my Department or by h i s representat ives. It is understood that copying or pub l i ca t i on of t h i s thes i s for f i n anc i a l gain shal l not be allowed without my wr i t ten permission Department of f V w « -n The Un ivers i ty of B r i t i s h Columbia Vancouver 8, Canada Zum Geleit Beim Lesen der Werke Else Lasker-Schuelers wurde meine Aufmerksamkeit nach kttr-zerer Zeit auf die standige Wiederholung des Wortes spielen oder Spiel gelenkt, ° ein Gedanke der mich bis dahin i n meinem Literaturstudium kaum beschaftigt hatte, noch mir besonders aufgefalien war. Auffallend war mir weiter, dass bei den zahlreichen Arbeiten, die uber diese Dichterin i n den letzten Jahren geschrieben wurden, das Spielelement i n ihrem Leben und i n ihrer Dichtung wohl bemerkt, aber nicht weiter beachtet wurde. Nicht einmal Karl Krolow, der i n Aspekte zeitgenfls- sischer deutscher Lyrik. auf die wichtige Rolle hinweist, die das Spiel i n der Dichtung ubernimmt, erwahnt diese Lyrikerin des zwanzigsten Jahrhunderts. M e Dichtung Else Lasker-Schuelers, die Lyrik wie auch die Prosajwird zum S p i e l . Im Spiel kann sie ihre Kindlichkeit bewahren und Kindsein heisst ftlr sie unver-dorben und vor al ien Dingen, gltlcklich sein. Das al l tagl iche Leben mit seinen Beschwerden, seinen Leiden und Beschrankungen t r i t t i n den Hintergrund und kann eine zeitlang vf l l l ig vergessen werden. Ihre Hoffnungen, die i n der Wirklichkeit hie erftl l lt werden kOnnen, finden im S p i e l , i n einer Art Marchen, ihre Erfullung. Das Spiel bietet ein sorgenfreies Leben, Prieden und Ordnung mitten im Chaos hier auf Erden. Auch i h r Glaube, ihre Gottessuche— Else Lasker-Schueler blieb i h r ganzes Leben lang eine ernste Sucherin— wird vom Spiel begleitet und durch das Spiel ver-starkt. Oefters geschieht es jedoch, dass Zweifel ihren Glauben erschtlttern, und i n solchen Augenblicken scheint es, als ob sie das Spielen verlernt habe. In ihrer Gottessuche wird sie dadurch bestarkt, dass sie glaubt, die ganze Na-tur, ja die ganze.SchHpfung bete Gott spielend an und verkunde auf diese Art und Weise das Lob des Schttpfers. Die Baume im Walde spielen ein "Schopfungs-i i s p i el". Die Kieselsteine am Wege, die Muscheln am Strand sieht die Dichterin als Spielzeug an, Bringt die Fahigkeit zum Spiel im Leben der Dichterin meistens Heilung von Kummer und Sorgen, so kann es aber auch geschehen, dass das Spiel eine nieder-drttckende Auswirkung hat. Dieser letzteren Tatsache i s t sich die Dichterin be-wusst, wenn sie mit der Liebe spielt. In solchen Fallen wird sie ironisch und oft auch spOttisch. Eine besondere Form im Spielgebiet der Dichterin nimmt das Maskenspiel an, Es i s t zum T e i l ein Versteckspiel, ein sich verstecken hinter Figuren, wie der Prinz von Theben oder Jussuf von Bagdad. Dieses Spiel hebt die Dichterin aus der Wirklichkeit hinaus und versetzt sie i n ein schOnes Traumland. In dieser BetStigung kommt ihr die rege. Phantasie zu Hilfe, die unermtldlich neue Masken erschafft. Je filter die Dichterin wird, desto After kommen Zeitabschnitte, wo ihr Spiel-eifer und ihre Spielfahigkeit versagen, Besonders nach dem Tode ihres Sohnes i s t die Dichterin des Spiels kaum noch fahig, da das Leben etwas i n ihr zer-stflrt zu haben scheint, Wohl glaubt sie noch im hohen Alter an die heilende Macht, die das Spiel im Leben des Menschen austlbt, sie selbst kann aber nicht mehr so recht spielen. Man kann wohl sagen, dass das Spiel im Leben Else Lasker-Schuelers stets die Rolle ubernimmt, als Marchen, als Maske, als Gleichnis, sie vor der Willkttr des Lebens und harten Schicksalschlagen zu schtltzen und vor der Verzweiflung zu bewahren. INHALT Page ZUM GELEIT i EINLEITUNG 1 I. KAPITEL: 10 Dichtung a l s S p i e l I I . KAPITEL: 37 S p i e l a l s kin d l i c h e Gottessuche I I I . KAPITEL: 61 Ironie, Masken- und Wortspiel SCHLUSSBEMERKUNGEN 8 9 FUSSNOTEN '95 BIBLIOGRAPHIE 107 Einleitung: Mitten in dem furchtbaren Reich der Krafte und mitten in dem heiligen Reich der Gesetze baut der asthetische Bildungstrieb unvermerkt an einem dri t ten , frohlichen Reiche des Spiels und des Scheins worin er dem Menschen die Fes-seln a l l e r Verhaltnisse abnimmt und ihn von allem, was Zwang heisst sowohl im Physischen als im Moralischen entbindet. Zahlreiche Philosophen und Dichter der verschiedensten Zeital ter beschaftigen sich mit dem Begriff des Spiels und seiner wichtigen Rolle im Leben des Menschen. Sch i l l er , dem kaum je etwas spielend gegeben wurde, sieht in ihm eine befreiende Macht von jenen Erscheinungen, die uns beangstigen und unser Leben oft erschwe-ren. Wie Schi l l er , so sieht auch Huizinga etwas Erhebendes, Beseligendes und vor al ien Dingen etwas Lebensnotwendiges im Spie l , sowohl fur das Kind, wie auch oft fur den Erwachsenen, "Not being 'ordinary 1 l i f e i t stands outside the immediate satisfaction of wants It interpolates i t s e l f as a temporary act iv i ty satisfying in i t s e l f and ending there. As a regularly recurring relaxa-t ion , however, i t becomes the accompaniment, the complement, in fact , an inte-2 gral part of l i f e in general." Das Spie l , in welcher Form es auch immer erscheinen mag, i s t also fur den Menschen lebensnotwendig und in seinem Dasein durchaus berechtigt. Fur Huizinga und Schi l l er i s t die Welt, sind die Werke der Menschen Spielzeuge. Plato aber sieht im Menschen selber ein Spielzeug und halt das fur eine der besten Eigen-schaften, mit denen die Gotter die Gesch8pfe beschenkt haben: "Why, I mean we should keep our seriousness for serious things, and not waste i t on t r i f l e s , and that, while God i s the real goal of a l l beneficient serious endeavor, man has been constructed as a toy for God, and this i s , in fact , the finest thing about him. A l l of us then, men and women a l ike , must f a l l in with our role and spend l i f e making our play as perfect as possible - to the complete inversion of current theory." 2. Sehr interessant i s t es, weiter zu sehen, was in der Gegenwart, in diesem Zeitalter der Technik und der Vernichtungswaffen, ttber die Rol le , die das Spiel im Leben der Menschen und besonders in der Dichtung tlbernimmt, geschrieben wird. Karl Krolow, der Dichter und Li teraturkr i t iker widmetjdiesem Thema in seiner Studie Aspekte zeitgenossischer deutscher Lyr ik . ein langeres Kapite l . "Das Spielerische macht s ich oft dann f r e i , wenn irgend eine Pression vorhanden i s t . Das Spiel als Vent i l also? Als Gegendruck?.,. Es i s t ja immer ein S ich- in -die-Luft-Erheben dabei, ein Ballastabwerfen, ein sanfter Uebermut, das Leichte, das Yorlaute schoner Augenblicke, das dem Augenblicke g i l t und glucklicherweise 4 keine Vorsorgen fur das t r i f f t , was solchen Augenblicken folgt ." Obwohl Karl Krolow Else ^asker-Schueler in seiner Betrachtung nicht erwahnt, hat er hier ein Bi ld gezeichnet, das nicht treffender sein kOnnte. Im Spiele wirft die Dichterin wirklich jeden Ballast ab, ohne sich darum zu kummern, was vorher gewesen i s t und was kommen mag. Was ftlr Schi l l er und Plato vMle i ch t mehr als Theorie angesehen werden kttnnte, denn Schi l l er hat wohl kaum je im wahren Sinne des Wortes gespielt, musste er s ich doch a l les , im Leben und in der Dichtung, schwer erringen, und Plato verbannte die Dichter aus seiner Re- v publik, v ie l l e icht gerade darum, weil sie zu v i e l vom Spielelement besitzen, vrird bei der "Dichterinvan grossen Wurf", einfach in die Praxis tibersetzt. " Else Lasker-Schueler theoretisiert nicht tlber Spie l , sondern spie l t bei allem und mit allem. Sie spielt mit dem ganzen Kosmos, mit den Preunden, mit der Liebe und oft selbst mit der Ewigkeit und Gott. Kulturgeschichtlich gesehen, wie auch Huizinga f e s t s t e l l t , hat die Kunst ihren Ursprung gerade im Spie l . Diese Tatsache i s t in der Dichtung besonders klar erkennbar. Auch Else Lasker-Schueler glaubt, dass die VBlker vergangener Zeiten eine ganz besondere Begabung fur das Spiel hatten. Ftlr sie i s t Spiel in erster 3. Linie Ausdruck des Kindes und damit des Unverdorbenseins, der Reinheit, Sie spricht i n diesem Sinne auch von der Kindheit der Menschheit, von der "jungen Weltseele", die noch ein froheres Dasein hatte. Jener vollkommene Zustand i s t im Laufe der Jahrhunderte getrttbt worden, wird aber nach des Menschen Tode wie-der v o l l i n Erscheinung treten. Wo die Dichterin i n ihrem Zeitalter heimatlos und einsam i s t , i s t sie andererseits mit den alten Volkern verbunden, ftthlt sich dort beheimatet und jenen verwandt. Ihre Lieblinge, mit denen sie immer wieder i n ihrem Dichterspiele verkehrt, sind die Bewohner Thebens, Bagdads und nattlr-l i c h das Volk Israel . Auch ihre Vflter, obwohl zum auserwahlten Volke geh8rend,sind den gleichen Weg gegangen, den die ganze Menschheit ging. Sie sind von Gott, ihrem Fuhrer^abge-i r r t . Damit i s t g le ichzeit ig verbunden, dass sie ihre Spielfahigkeit, ihr Kind-heitsrecht verloren haben, und damit auch ihre Reinheit geschwunden i s t . Im Laufe der Zeit haben viele der alten Werte und Gesetze ihre Bedeutung verloren und sind nicht durch etwas Neues'ersetzt worden. Zurttckgeblieben i s t die Schwere des Lebens, Einsamkeit, Verlassenheit und Leere. Von dieser Leere, diesem Un-behaustsein kann Else Lasker-Schueler, die i n Wirklichkeit immer einsam b l i e b , sich nur dadurch befreien, dass sie Heilung im Spiele sucht und findet. 1st der Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts, wie Holthusen f e s t s t e l l t , durchaus unbehaust, wenn er auch noch unter seinem Volke lebt, so i s t die Heimatlosigkeit dieser jtldischen Dichterin, die doch das Abendland als i h r Geburtsland und dessen Kultur als ihre eigenev. l i e b t , v i e l l e i c h t noch starker fflhlbar als die anderer Dichter. Die ausseren Umstande, wie auch das Wesen der Dichterin selbst, erzeugen also einen starken Dualismus, den sie i n ihrem Leben nie ganz tlberbrucken kann. Auch hier i s t es jenes sich wiederholende Spiel der zwei Seelen von denen Faust 4. s p r i c h t , e i n Suchen nach dem Ebenich, wie die D i c h t e r i n es i n "Ich und Ich" so bezeichnend nennt, e i n Ringen nach der LBsung des Weltenratsels von dem MOrike an Hartlaub schrieb: "Sieh! dann f l i e s s t mein Wesen ganz i n eine Wehmut zusam-men, und es i s t , a l s sehe i c h durch meine Tranen hindurch mein eigenes B i l d n i s doppelt, wtlsste nicht welches das rechte i s t oder das g u t e — kurz, i c h bin mir D u, a l l e s — i s t mir ein R a t s e l — . . , " Im S p i e l aber hebt s i c h der Dualismus ftlr kurze Z e i t auf. Oft wird das Werk der D i c h t e r i n e i n i n s t i n k t i v e s S p i e l , o f t aber s p i e l t s i e sehr bewusst und tlberlegt, und manchmal i s t eine gewisse R a f f i n i e r t h e i t zu bemerken und das kindlich-naive S p i e l wird Verstellungs-s p i e l , wird Maske, Der Endzweck jedes Spie l s i s t jedoch immer der gleiche, nam-l i c h eine Flucht aus der rauen W i r k l i c h k e i t i n e i n schBneres Traumland. Dem S p i e l i n der Dichtung f e h l t es aber durchaus nicht an Ernst und T i e f e , In Lasker-Schuelers Dichtung ubernimmt das S p i e l jene Funktionen des Lebens, die i n der W i r k l i c h k e i t so s e l t e n e r f t i l l b a r sind, namlich dem Anschein nach bringt "es ftlr s i e Wahrheit, Ordnung und Frieden und vor a l i e n Dingen Geborgensein, Else Lasker-Schueler glaubt, dass s i e a l s D i c h t e r i n eine besondere Stellung im Leben habe. So hat der Dichter das Vorrecht mit Kttnigen zu verkehren und damit ubernimmt er aber auch die Verantwortung eines Herrschers. In der Dichtung ver-kttndet Lasker-Schueler Wahrheit und Frieden. Sie i s t s t o l z auf ihre Berufung, denn unter a l i e n KtLnsten i s t gerade die Dichtung ftlr s i e die erhabenste. Dichtung, und wenn auch a l s S p i e l , bringt nicht nur die Wahrheit ans L i c h t , son-dern sc h a f f t vor a l i e n Dingen Ordnung im Chaos des Lebens. Das S p i e l l e h r t s i e die Grenzen des Lebens, sowohl raumliche wie auch z e i t l i c h e , respektieren. Ordnung bringt Geborgensein. I s t dieses Geftihl des Behtlteteeins dann auch o f t 5. nur eine Traum- und Spielheimat, die der Wirklichkeit bald weichen muss, so gewinnt die Dichterin wahrend des Spiels immer wieder neue Krafte, das Leben weiter auf sich zu nehmen. Inmitten des Wtttens der Weltkriege, im feindlichen Kampfe der Menschen unterein-ander, lehrt das Spiel Else Lasker-Schueler den Frieden zu machen. Sie kann nie-mandem feindlich begegnen, wenn sie sp ie l t . Schranken werden niedergerissen und kein Streit kann in solchen Augenblicken ausbrechen und Wunden verursachen. Das Spiel ubernimmt eine ganz besonders wichtige Rolle in Lasker-Schuelers kind-l icher Gottessuche. Schon das Vater-Kind-Verhaltnis in ihrem monotheistischen Glauben berechtigt die jtldische Dichterin,, sich dem Spiel v o l l hinzugeben. Immer wieder betont Else Lasker-Schueler, dass die Bedeutung des Spiels, besonders furs Kind, nicht Ernst genug genommen werden kann. Spiel sol l te immer sorgfalt ig ge-pflegt werden. Gott selber l iebt das spielende Kind und wachst in jedem Kinde von neuem auf, heisst es in ihrer Prosa. Wie das Kind in Reinheit seinem Schopfer spielend dient, so lobt ihn auch die ganze SchBpfung. Die N a tur selber i s t fur Else Lasker-Schueler unverdorben. Hat der ^ensch im Paradiese Schuld auf sich geladen, indem er gegen Gottes Gebot sttndigte und darum vieles von seinem vollkommenen Urzustand verlor , so i s t die Natur noch fast so unverdorben wie bei der SchOpfung. Die Natur hat keine grosse Wandlung durchgemacht. Darum verweilt die Dichterin gem draussen und besonders im Walde, weil sie dort die Nahe Gottes besser zu versptlren glaubt. Die Natur selbst in ihrer bunten Vie l fa l t igke i t verlockt den Menschen immer wieder zum Spie l , i s t sie doch iiberfullt mit "Spielzeug". Dort liegen Eicheln unter den Schatten der Baume, am Meer bricht sich Tang aus und leuchten die Muscheln. Der Wind, der durch die Blatter weht, begleitet das Spiel mit leisem Gesang. 6. Wie die D i c h t e r i n i n i h r e r s p i e l e r i s c h e n Dichtung durch das B e i s p i e l , dass s i e i n der Dichtung ihres eigenen Volkes f i n d e t , angeregt wird, i s t auch ihre Got-tessuche mit dem Gottesdienste jenes Volkes vergleichbar. Gerade im S p i e l brach-te das- Volk I s r a e l seine Dankbarkeit Jehova gegenuber zum Ausdruck, Das Lob wurde durch Pauken-«nd Saitenspiele oder auch durch Reigenspiele und Tanzedargestellt. Mit besonderer Ehrfurcht und Liebe b l i c k t Else Lasker-Schueler zu David, dem grOssten Dichter I s r a e l s hin, der i h r i n seiner A r t , Gott im Spiele und im Werke zu loben, g e i s t i g sehr verwandt i s t . Die Anbetung der D i c h t e r i n wird im Ernst des S p i e l s zu einem Psalm, der das Lob Gottes i n einer ganz eigenen Weise besingt, Gott i s t i h r i n solchen Augenblicken sehr nahe, Sie darf ihn wie einen Spielgefahrten duzen, Wie s i c h i n der Geschichte ihres Volkes die Bande zwischen Gott und dem Menschen oft lockerten, so verspurt auch Else Lasker-Schueler, durch schwere Zweifel ange-regt, e in z e i t w e i l i g e s Schwinden ihres Vertrauens zu Gott und seinen u n e r k l a r l i -chen Puhrungen, "Wenn er ein M i t t e l wusste, urn dieser Ungerechtigkeit Herr zu 7 werden, m i r mtlsst 1 er's doch sagen, i c h musst' es doch wissen!" Der Zweifel hat ftlr die D i c h t e r i n aber schlimme Polgen. Er zerstttrt i n i h r die FShigkeit zum S p i e l und ttberlasst s i e der W i r k l i c h k e i t i n einem of t erbarmungs-wflrdigen Zustand. Das Schwanken zwischen Glauben und Zweifel, zwischen der Pahigkeit zum S p i e l und damit erlBsender Befreiung aus dem Leben i n der W i r k l i c h k e i t s t e l l t Else Lasker-Schueler i n dem fragmentarischen Buhnenstuck "Ich und Ich" dar, A l s D i c h t e r i n 7. und Vogelscheuche be f i n d e t s i e s i c h auf dem Wege der Gottessuche und ahnt, dass das Ende a l l e s Leidens und a l l e r V e r g a n g l i c h k e i t gekommen i s t . Das S p i e l h i e r auf d i e s e r Erde, auf der "Buhne des Herzens", i s t a u s g e s p i e l t , nur urn i n h(5herer Form, i n der Vollkommenheit und Ewigkeit nach dem Tode wieder vor Gott zu beginnen. Die R e i n h e i t und Unschuld, d i e die Urschopfung besass, w i r d wieder h e r g e s t e l l t und das Geschflpf darf von nun an immer i n der Wahe Gottes v e r w e i l e n . Nicht immer jedoch hat das S p i e l b e i Els e Lasker-Schueler jene erhebende und erlttsende K r a f t . Es kann zerstttrend wirken, sowohl f u r s i e selber wie auch f u r i h r e Mitmenschen, jemandem weh tun Oder i n n durch i h r S p i e l zerstOren. Wie El s e Lasker-Schueler uberhaupt v i e l mit den Romantikern gemein hat, wie z.B. i h r Traumleben, i h r Wandern i n f e m e , ezot i s c h e Lander, sowohl im Geiste wie auch i n der W i r k l i c h k e i t , i h r Streben nach einem unerreichbaren I d e a l , so t e i l t s i e i n manchen F a l l e n mit jenen auch einen S p i e l t r i e b , - den s i e n i c h t mehr beherrscht, sondem der s i e i n s e i n e r Gewalt hat. Was A. Liede von Morike sagt, t r i f f t v i e l -l e i c h t o f t , wenn auch meistens n i c h t i n so k r a s s e r Form, im F a l l e Lasker-Schuelers zu: "Dem damonischen S p i e l t r i e b v e r f a l l e n e n Menschen i s t es v f l l l i g g l e i c h , ob s e i n Gegenstand eine hflchste Empfindung menschlichen Lebens und Schick-s a l s i s t Oder ob er mit Sandktfrnchen oder S t r e i c h k r o t e n s p i e l t : im S p i e l i s t Q jeder innere und aussere Masstab aufgehoben,..." Ob man i n Lasker-Schuelers F a l l von Damonie im S p i e l sprechen kann, wird spater zur Frage kommen, was aber z w e i f e l l o s immer wieder i n i h r e r Dichtung zum Ausdruck kommt, i s t i h r e F u r c h t l o s i g k e i t mit a l i e n Dingen zu s p i e l e n . S i e s p i e l t mit Freunden, s i e s p i e l t mit dem Gatten, der v i e l l e i c h t i n der g l e i c h e n Miinze zu-r i l c k z a h l t . S i e s p i e l t vor a l i e n Dingen mit den Gefuhlen der Liebe und i s t s i c h dessen k l a r bewusst. Die D i c h t e r i n l e r n t kaum je aus b i t t e r e n Erfahrungen, s i e 8 . versucht i h r l e i c h t f e r t i g e s S p i e l mit der Liebe immer wieder, wenn das Ende auch jedesmal mit v i e l Kummer und Schmerz verbunden i s t . Gerade im L i e b e s s p i e l , scheint eine T r i e b k r a f t zu l i e g e n , d i e die D i c h t e r i n mehr beherrscht a l s s i e s e l b s t den T r i e b . H i e r i s t i h r e Leidenschaft meistens der eines K a r t e n s p i e l e r s v e r g l e i c h b a r , der seinem S p i e l t r i e b gehorchen muss, w e i l dessen Macht s t a r k e r i s t a l s s e i n eigener W i l l e . Weiter t r i t t i n der Dichtung Lasker-Schuelers das Maskenspiel auf und i s t i n s e i n e r Funktion von grosser Bedeutung. Oft hat es wohl auch etwas von jenem dunkeln T r i e b , den das S p i e l mit der Liebe k l a r erkennen l a s s t . A l s P r i n z von Theben beherrscht s i e die ganze Welt, i n ihrem P a l l e , i h r e ganze Umgebung, s p i e l t l S chelnd mit den Menschen oder wird zum Tyrannen derselben. Auch das Maskenspiel d u r c h l a u f t die Gefuhlsstufen von H e i t e r k e i t zum E r n s t , und w e i t e r zur I r o n i e , d ie manchmal i n s Groteske uberschlagt. A l s l y r i s c h e D i c h t e r i n i s t Lasker-Schueler auch im Gebiete des Wortspiels daheim, eine ganz neue Welt wird dem Leser o f f e n b a r t . Oft entstehen die schonsten Neu-bildungen und dann wieder werden wortwflrtliche Ausdrucke ohne besonderen, kon-v e n t i o n e l l e n Sinn gebraucht oder i h r e Wortbildungen drtlcken masslose U e b e r t r e i -bungen aus. Der Gebrauch des Ausdruckes ohne Sinn kann i n diesem P a l l e aber nur so verstanden werden, dass d i e D i c h t e r i n i n ihrem Sprachgebrauch a l t e T r a d i t i o -nen und Konventionen i l b e r s i e h t , s i c h dartlber hinwegsetzt und Weubildungen s c h a f f t , deren Sinn e r s t nach s o r g f a l t i g e m Studium erkennbar werden kann. Liede v s p r i c h t i n diesem Zusammenhang von einem zerstOrenden S p i e l t r i e b ; wo die Zer-storung jedoch nach dem Durchlaufen verschiedener Stufen, s c h l i e s s l i c h zu p o s i -t i v e n Ergebnissen gelangt: "Die Zerstorung i s t sogar eines der h a u f i g s t e n S p i e l e , e i n S p i e l mit dem Entsetzen und der Macht des M enschen ttber d i e Dinge. Gerade 9 im S p i e l mit der Sprache w i r d der zerstorende S p i e l t r i e b s i c h t b a r . " Werte, d i e i n der Sprache e i n s t a l s absolut g u l t i g anerkannt wurden, werden i n der modernen Dichtung z e r s t t t r t , urn neue Formen zu schaffen und e n d l i c h d i e a l t e n , ausgetretenen G e l e i s e zu v e r l a s s e n . In der Dichtung der E l s e Lasker-Schuelers i s t das S p i e l s i c h e r l i c h eines der w i c h t i g s t e n Elemente. I n welcher Form wird es b e i i h r wohl am s t a r k s t e n be-merkbar? 1st der S p i e l t r i e b eine t r e i b e n d e , dfimonische Macht, wie Liede es b e i den Romantikern bemerkt, Oder i s t es e i n Z e r s t O r u n g s t r i e b , der im zwanzigsten Jahrhundert besonders im Sprachgebrauch der Dadaisten und E x p r e s s i o n i s t e n be-merkbar w i r d , GehOrt E l s e Lasker-Schueler l e t z t e n Endes v i e l l e i c h t zu k e i n e r d i e s e r L i t e r a t u r r i c h t u n g e n , sondern s c h a f f t s i e s i c h eine eigene Welt, e i n eigenes S p i e l , dessen Regeln nur s i e kennt und v e r s t e h t ? 10. I . K a p i t e l : Dichtung a l s S p i e l . Eine der grfissten D ichterinnen Deutschlands 1 wurde E l s e Lasker-Schueler e i n s t genannt. K a r l Kraus w o l l t e sogar den ganzen Heine f u r e i n so hervorragendes Gedicht wie "der a l t e T i b e t t e p p i c h " opfern. Die GrOsse der D i c h t e r i n muss jedem beim l e s e n i h r e r L y r i k erkennbar werden, wenn man an d i e Gedichte wie "Mein Volk" oder "das blaue K l a v i e r " denkt. Versucht man s i c h dann aber etwas naher mit dem Werk zu b e s c h a f t i g e n , so erkennt man, dass d i e Gedankenwelt der D i c h t e r i n i n z i e m l i c h engen Schranken v e r l a u f t . E i n a u f f a l l e n d e s und sehr o f t wiederholtes Motiv i s t die Idee des S p i e l s , welches die Dichtung geradezu beherrscht. Ernst und H e i t e r k e i t h a l t e n s i c h dabei d i e Waage. Es e n t f a l t e t s i c h e i n scheinbar bunt durcheinander gewurfeltes S p i e l mit Gegenstanden, Gedanken und Worten, wie auch mit Gefuhlen. Um E l s e Lasker-Schueler a l s D i c h t e r i n im B e r e i c h des S p i e l s zu verstehen, w i r d es notwendig s e i n , e i n i g e Betrachtungen daruber a n z u s t e l l e n , welche R o l l e das S p i e l i n der K u l t u r g e s c h i c h t e der Menschheit ubernimmt. In diesen Betrachtungen werde i c h mich auf J.Huizinga berufen und besonders auf s e i n Buch, Homo Ludens. Wie er f e s t s t e l l t , drtlckt s i c h der Mensch der p r i m i t i v e n VOlker auf a l i e n Gebieten i n Form des S p i e l s aus. S p i e l entsteht e i g e n t l i c h , ehe eine K u l t u r hervorgebracht w i r d . Im Laufe der Jahrtausende s i n d manche Veranderun-gen bemerkbar. " C i v i l i z a t i o n as a whole becomes more s e r i o u s - law and war, commerde, t e c h n i c s and science l o s e touch w i t h the play, and even r i t u a l , once the f i e l d par e xcellence f o r i t s expression, seems to share the process of d i s s o c i a t i o n . F i n a l l y only poetry remains as the stronghold of l i v i n g and noble p l a y . " 2 11. In dem angeftlhrten Z i t a t sehen w i r , dass Huizinga glaubt, e i n Spielelement s e i sogar i n der Kriegsfuhrung vorhanden gewesen. Diese Tatsache i s t v i e l l e i c h t b e s t r e i t b a r , sagt doch P l a t o i n "Gesetze": "But the t r u t h i s that i n war we 3 do not f i n d , and we never s h a l l f i n d , e i t h e r r e a l p l a y or any r e a l education." U n b e s t r e i t b a r b l e i b t aber s i c h e r l i c h d i e Tatsache, dass s i c h d i e Dichtung auf der Ebene des S p i e l s bewegt und a l s Nebenerscheinung des S p i e l s entstanden i s t , Wie Huizinga auch w e i t e r ausftthrt, bedurften d i e p r i m i t i v e n VOlker k l e i n e Verse und Reime, d i e i h r e R e igenspiele b e g l e i t e t e n . Daraus entstand im Laufe der K u l t u r g e s c h i c h t e die Dichtung a l s Kunst. Das Spielelement i s t b e i manchen Dich-t e r n s i c h e r l i c h weniger a u f f a l l i g , aber s i c h e r l i c h meistens da. Schon das Reimen der Worter oder sonst k l a n g v o l l e Wortspiele b e s t a t i g e n diese Tatsache. "Poesis, i n f a c t , i s a p l a y - f u n c t i o n . I t proceeds w i t h i n the play-ground of the mind i n a world of i t s own which the mind cr e a t e s . There things have a very d i f f e r e n t physiognomy from the one they wear i n ordinary l i f e , and are bound by t i e s other 4 than those of l o g i c and c a u s a l i t y . " Dichtung a l s S p i e l i s t aber durchaus ernst zu nehmen und kann das ganze Sein des D i c h t e r s z e i t w e i l i g a u s f u l l e n und seinem Leben e r s t so einen Sinn geben. S p i e l i s t dem D i c h t e r n i c h t nur eigen und e r l a u b t , n e i n , wie Goethe es s i e h t , kann nur so wahre Kunst entstehen. "Nur aus i n n i g verbundenem Ernst und S p i e l 5 kann wahre Dichtung entspringen...." Fur E l s e Lasker-Schueler w i r d S p i e l Lebensnotwendigkeit, H e i l m i t t e l der Seele. Diese Seele wurde e i n s t gezwungen, s i c h i n K t t r p e r l i c h k e i t zu k l e i d e n , i n der s i e s i c h fremd f u h l t . "Das i s t die U r t r a g i k der Menschenseele, das s e i n e r d i c h -12. 7 t e t e r Koloss s i e gefahrdet." Die D i c h t e r i n s p r i c h t dann immer wieder von e i n e r jungen und a l t e r e n , wenn n i c h t gar von e i n e r a l t e n Seele. Die junge Seele, und h i e r denkt s i e wohl an d i e jener Menschen, d i e am Anfang der Ge-schiehte l e b t e n , war noch f S h i g , s i c h z e i t w e i l i g von d i e s e r Erdenschwere, der K O r p e r l i c h k e i t zu b e f r e i e n und dieses im k i n d l i c h e n S p i e l . So h e i s s t es von der jungen Seele: " V i e l l e i c h t begehe i c h eine I n d i s k r e t i o n , da i c h das Ge-heimnis des Menschen und s e i n e r Welt v e r r a t e . Der L e i b i s t nur I l l u s i o n . Und auch den KBrper der Welt e r d i c h t e t e die e r s t e M e n s c n e n s e e l e . . . , Das k i n d l i c h e Wechselspiel der noch jungen Seele h i e s s : S i c h verktirpern und entkernen! Der Q l a l l e n d e Reim wurde b l u t i g e r E r n s t . " I n s t i n k t i v f t t h l t E l s e Lasker-Schueler einen Wandel i n dem Leben der Menschen. " B l u t i g e r E r n s t " w i l l h i e r wohl andeuten, dass d i e sehr a l t e , "ergraute Seele" der Welt dieses Wechselspiel n i c h t mehr kennt und n i c h t mehr f a h i g i s t , s i c h zu entkernen,. wohl aber die Schwere des Korpers immer s t a r k e r f t l h l t . Getragen von der l e b h a f t e n Phantasie, v e r s e t z t die D i c h t e r i n s i c h i n jene Z e i t , wo die Seele die P a e h i g k e i t besass, s i c h zu entkernen. Die Volker jener Z e i t besassen mehr R e i n h e i t und K i n d l i c h k e i t . Das S p i e l b e e i n f l u s s t e a l l e Gebiete des Lebens. Dass die D i c h t e r i n s i c h mit den VOlkern vergangener Z e i t e n verwandt f t t h l t , i s t j a w e i t e r n i c h t verwunderlich, ubernimmt s i e a l s J t l d i n j a das Erbe eines a l t e n Volkes, das der Vater Abrahams, Isaaks und Jakobs, dessen Nachkommen e i g e n t l i c h zu einem der wenigen VtJlker gehOren, die eine jahrtausend a l t e , ununterbroche-ne T r a d i t i o n geerbt haben. Durch die F a h i g k e i t zum S p i e l , haben jene V f l l k e r eine R e i n h e i t und einen Froh-s i n n bewahrt, i h r Zustand war noch unverdorben und die D i c h t e r i n sehnt s i c h , 13. jene HBhe auch zu erreichen. So beschreibt s i e dann die Z e i t , wo die Menschen-he i t den Lebensweg betrat: Am Anfang Ring an einer goldenen Lenzwolke, Als die Welt noch Kind war, Und Gott noch junger Vater war Wurde 10 000 Erdgluck geben, Nochmal so gottgeborgen leben-So gottgeborgen, so offenbar. Der Gedanke, dass die Welt, Oder die "Weltseele" wie die Di c h t e r i n s i c h o fters ausdruckt, einst r e i n war, j e t z t aber verdorben i s t , kommt i n ihrem Werk immer wieder zum Ausdruck. Eine e h r l i c h empfundene Wehmut b e g l e i t e t dieses Empfinden. "Gott weint...ergraut kommt seine Welt zurtlck, Die ER i n Seiner Schflpfung s c h n i t t aus himmlischem T u r k i s e . " 1 ^ Wie die Welt aussah, ehe s i e ergraute, beschreibt dasselbe Gedicht. Sie war ein Paradies,-das nun ver l o r e n i s t . Der Mensch hat j e t z t nur noch eine Ahnung von jenem "versunkenen Gltlck." In meinem Herzen sp i e l e n Paradiese... Ich aber kehre aus versunkenem Gltlck In eine Welt t r o s t l o s e s t e r Entblatterung zurtlck, Gibt es wohl ein schwermutigeres B i l d , a l s das der entblatterten, starren Baume, die, ihres Schmuckes beraubt, dastehen Oder, wie die D i c h t e r i n es sehen wurde, i h r e r warmenden M i l e beraubt, b i t t e r f r i e r e n ? Wie die Welt am Anfang aussah, berichtet "Weltscherzo". Das B i l d des E i n s t und J e t z t kehrt immer wieder i n dem Werk der Lasker-Schueler. Es i s t aber nicht nur das Einst und J e t z t , eine d r i t t e Phase kommt hinzu, die Z e i t nach dem Tode, Zwischen dem Dasein vor dem Leben und dem nach dem Tode l i e g t das Erdenleben. Wahrend die ersteren l e i c h t und h e i t e r sind, i s t das Leben i n dieser Welt er-barmungslos und schwer. Schttn i s t der Zustand vor und nach dem Leben, weil der 14. H e n s c h oder die Seele, da f a h i g i s t i n R e i n h e i t zu s p i e l e n , ohne das Ende des S p i e l s fttrchten zu mtlssen. "Am Anfang" s o i l h i e r von der Z e i t vor dem Le-ben und "Ich und I c h " von der nach dem Tode sprechen. Am Anfang Ring an e i n e r goldenen Lenzwolke, A l s die Welt noch Kind war, Und Gott noch junger Vater war Schauke1te, h e i Auf dem l e t h e r e i , Und meineWollharchen f l i t t e r t e n r i n g e l r e i . Und "Ich und Ich'' Und die Moral des H O l l e n s p i e l s t h e a t r a l i s c h e r Geschichte:-Das Teufelchen im Himmel wiederum A l l o t r i a t r e i b t . . . S p i e l t mit den grossen Engeln R e i t e r ^ Im Paradiese w i r d man wieder k l e i n . H e i t e r i s t das S p i e l vor dem Leben und nach dem Tode, ernst und o f t von Kummer get r t i b t , i n der Zwischenzeit, wMhrend des Daseins auf d i e s e r Erde, i n d i e s e r Z e i t . Nur s p i e l e n d kann die D i c h t e r i n darum das Leben ertragen. Priedmann sagt h i e r z u : "Von besonderer M e i s t e r s c h a f t s i n d i h r e l y r i s c h e n K U nstlerpor-t r a t s , ebenso p h a n t a s t i s c h v e r s p i e l t wie s c h a r f s i n n i g . . . . S o entsteht e i n r e i z -v o l l e s S p i e l zwischen dem r e l i g i t t s e n Heimweh und der Sehnsucht nach Liebestod, zwischen K i n d l i c h k e i t und b i t t e r e r Erfahrung, zwischen W i r k l i c h k e i t und B i l d . " ' G l t l c k l i c h war e i n s t d ie M e n s c h e n s e e l e und g l t t c k l i c h w i r d s i e wieder werden, Welches s i n d nun aber die u r s a c h e n , dass "die Welt ergraute, dass Gott weint"? Sucht man die Antwort auf diese Prage i n der Dichtung Lasker-Schuelers, so erkennt man, dass s i e zuerst aus der Geschichte i h r e s Volkes s c h f l p f t , urn den Werdegang oder die Entwicklung b i s h i n zum gegenwartigen Zustand zu e r k l a r e n . N a t u r l i c h s p i e l t d i e Geschichte des Abendlandes auch eine w i c h t i g e R o l l e , da die D i c h t e r i n j a i n Deutschland geboren wurde und dort i h r e schoiisten und b i t t e r s t e n Jahre v e r l e b t e . Obwohl s i e unter der tausendjahrigen jtldischen T r a -15. d i t i o n schwer l e i d e t , d ie i h r n i c h t Gluck zu bringen s c h e i n t , so kann s i e das Erbe i h r e r Vater doch n i c h t a b s c h t l t t e l n und t r a g t schwer an der L a s t . Das h i n t e r l a s s e n e g e i s t i g - r e l i g i f l s e Gut d i e s e r Vorfahren h e i s s t : Schuld, s c h u l d i g werden an Gott Jehova, der i h r Volk unter a l i e n anderen VtJlkern begtinstigte, es heraushob und es zu s e i n e r erwahlten w a t i o n e r k o r , zum Gottesvolke machte. In i h r e eigene Geschichte schauend, s i e h t E l s e Lasker-Schueler, wie i h r e Vater immer wieder vom rechten Wege abwichen und s i c h i n der Dunkelheit v e r i r r t e n ^ o h n e s i c h s e l b s t und v i e l weniger Gott Jehova, i h r e n Fuhrer, zu f i n d e n . "Dunkel s i n d 13 w i r Lebenden, so dunkel, w i r f i n d e n uns s e l b s t n i c h t . " Dieser Zustand wire aber zu vermeiden gewesen, derm, wie die Kabbala l e h r t , hat j a der SchOpfer dem Menschen genug L i c h t gegeben, um den Weg zu f i n d e n , denn dort h e i s s t es, dass d i e G o t t h e i t s i c h entdunkelte, ehe s i e d i e Welt erschuf. Von Gottes Offenbarun-gen h e i s s t es w O r t l i c h , und die D i c h t e r i n erwahnt diese Tatsache zu wiederholten Malen: "...that God wrapped hims e l f i n t o a garment of l i g h t , w i t h which he i l l u m i n a t e d the e a r t h from one end to the other..." or "that the i n f i n i t e God 14 l i m i t e d or contracted himself i n order to r e v e a l Himself," Weil Jehova seine ^enschen l i e b t e , gab er ihnen etwas von seinem g t t t t l i c h e n L i c h t und t e i l t e seine Ureigenschaft, d i e des L i c h t e s , mit seinem GeschBpf. Diese Gnadengabe vrar aber g l e i c h z e i t i g mit einem Gebot verbunden, das wohl i n Liebe aber auch i n Strenge gegeben wurde, namlich Gott Jehova t r e u zu dienen: "Und der a l l g i i t i g e Vater p f l u c k t e einen S t e r n von seinem K l e i d e und hob das Kind unter den VtJlkern zu s i c h empor und s e t z t e das L i c h t i n seine braune S t i r n . Mit d i e s e r k l e i n e n Ent-l i c h t u n g am g t i t t l i c h e n Leibe des Wachters der Welt e n t f a l t e t e der Herr die e r -le u c h t e t e n Juden zum Volk der Propheten, ihm zu dienen i n jedem Lande, i n jedem 15 Volke, auf a l i e n Wegen." Tragischerweise hat s i c h aber das Herz dieses L i e b -l i n g s v o l k e s von "Gottosten" abgewandt, und nur einmal i n Jahrhunderten erwachst diesem Gottesvolk e i n Begnadigter, der wie der Urgrossvater der D i c h t e r i n , der 16. Oberrabiner vom Rheinland, "Sein Herz aus der Brust habe nehmen kflnnen,,..um 16 den Zeiger des roten Z i f f e r b l a t t e s wieder nach Gottosten zu s t e l l e n , " Solche Manner haben dann j e w e i l i g a l s Filhrer gedient und das Volk a n g e l e i t e t , s i c h wiederum auf den rechten Weg zu begeben, Wie die Kabbala dann w e i t e r l e h r t , i s t es dem ^enschen nicht. nur mflglich, schon h i e r auf Erden Gott naher zu kommen, n e i n , es wir d vom Geschopf v e r l a n g t , dass es zuerst AnnSherungsversuche mache, da Jehova i n s e i n e r Treue s t e t s unwandelbar gewesen, der Mensch 3und besonders s e i n V o l k j i h n v e r l a s s e n habe. Von diesem Sich-zu-Gott-wenden s p r i c h t d i e Kabba-l a , wenn s i e sagt: the pious are enabled to ascend toward God even i n t h i s 17 l i f e . " ' Die Kabbala l e h r t w e i t e r auch, dass das Gebet das e i n z i g e M i t t e l s e i , Gott schon h i e r auf Erden nahe zu t r e t e n , s i c h von der I l l u s i o n des KOrpers, der Erdenschwe-r e 3 f u r Augenblicke zu b e f r e i e n . Die D i c h t e r i n sagt dazu: "Wenn e i n Mensch i n -b r u n s t i g b e t e t , t r i t t seine Seele an d i e P f o r t e des Kflrpers. Im Gebet zu s t e r -ben, e r s p a r t der entkflrperten Seele den Abschied, n i c h t nur vom eigenen L e i b e , 18 auch den ent g t t l t i g e n vom M u t t e r l e i b e der Welt." Gott Zebaoth hat das s e i n i g e getan, dem Menschen naher zu kommen, indem er i h n i n seinem L i c h t suchte, s i c h entdunkelte und auch seinem Volke noch d i e Mt i g l i c h -k e i t gab, dem Vater im Gebet naher zu t r e t e n . Der W i l l e zum Beten muss aber im Menschen s e l b e r vorhanden s e i n , auch e r muss etwas f u r seine eigene Rettung tun. E l s e Lasker-Schueler weiss, dass f u r das Opfer, dass i h r e Vater bringen mussten, j e t z t das Gebet genugt, urn des Schopfers Wohlgefalien zu erwerben. Aber n i c h t nur die Kabbala s p r i c h t von d i e s e r P f l i c h t des Menschen, sondern auch das v M a l t e r e Buch des Gesetzes des Zohar: "Thus, to form the cloud, vapor ascends f i r s t 17. from the e a r t h and l i k e w i s e , the smoke of the s a c r i f i c e ascends, c r e a t i n g har-mony above, and u n i t y of a l l , and so the c e l e s t i a l sphere has completion i n i t . I t i s from below that the movement s t a r t s , and t h e r e a f t e r i s a l l p e r f e c t . I f the community of I s r a e l f a i l e d to i n i t i a t e the impulse, the One above would a l s o not move to go to her, and i t i s thus the yearning from below which b r i n g s about the 19 completion above." E l s e Lasker-Schueler hat erkannt, dass d i e V e r p f l i c h t u n g e n vom Menschen n i c h t e r f u l l t worden s i n d , dass das ganze judische Volk versagt hat und. darum den dunklen Weg gehen muss, j a sogar dem Untergange nahe zu s e i n s c h e i n t . In dem Bewusstsein der Schuld, dem Verschwinden a l t e r Pormen und Werte, d i e durch keine neuen Werte e r s e t z t werden, s c h r e i b t s i e eines i h r e r e r g r e i f e n d s t e n Gedichte. Mein Volk Der P e l s w i r d morsch Dem i c h entspringe Und meine G o t t e s l i e d e r singe... Jah s t i l r z e i c h vom Weg und r i e s e l e ganz i n mir Pernab, a l l e i n ilber K l a g e g e s t e i n Dem Meer zu. Hab mich so abgestrBmt Von meines B l u t e s Mostvergorenheit. Und immer, immer noch der W i d e r h a l l In mir, Wenn s c h a u e r l i c h gen Ost das morsche Pelsgebein, Mein Volk zu Gott s c h r e i t . Unauslttschlich b l e i b t der Eindruck dieses Gedichtes schon, nachdem man es nur einmal gelesen hat, w o l l t e man auch nur die Gegenstande und Dinge betrachten, die h i e r im B i l d e d a r g e s t e l l t s i n d . Man f i i h l t und s i e h t d i r e k t das s t e t e Tropfen auf den S t e i n , das i h n langsam aber u n w e i g e r l i c h aushOhlt.Schaut man t i e f e r , so glaubt man f a s t zu bemerken, dass die D i c h t e r i n dieses zerstBrende Trttpfeln am 18. eigenen Leibe oder i n der Seele aufs schmerzlichste v e r s p u r t . Der F e l s , das Volk I s r a e l , das den Kampf gegen so v i e l e Widerwartigkeiten Jahrhunderte, j a tausende von Jahren bestanden hat, wird morsch, er z e r b r i c h t , z e r b r f l c k e l t wie e i n f a u l e r Baum. Neben F e l s s t e h t dann auch noch "Klagegestein". Wortlber k l a g t der S t e i n ? I s t es n i c h t das Elend des Volkes, s e i n nahender Untergang, der M i t l e i d i n seinem Herzen erweckt? Interessant i s t dieses B i l d , e r i n n e r t es doch an d i e Worte Jesu, des "Gottesbesuches", wie i n n die D i c h t e r i n nennt. Dort werden die Steine auch zum Leben erweckt und stimmen eine Klage an: "Wenn di e s e schweigen, werden d i e 21 Steine reden." Und w a h r l i c h , i n E l s e Lasker-Schuelers Gedicht sprechen d i e Steine eine k l a r e Sprache. Wie schwer das Los dieses Volkes nun auch s e i n mag, die D i c h t e r i n w i r d es mit ihm t e i l e n . Sie glaubt jedoch n i c h t nur berufen zu s e i n , das S c h i c k s a l des Volkes zu t e i l e n , sondern ihm a l s M i t t l e r i n zu dienen, d i e die V e r i r r t e n auf den Weg zu Gott h i n w e i s t . S i e h t s i e keinen E r f o l g , w e i l s i e klagend a u s r u f t : "Hab mich so ab-gestrBmt/...Und immer, immer noch der W i d e r h a l l / In mir," S p r i c h t s i e h i e r vom W i d e r h a l l der v i e l e n Schuld I s r a e l s , von jener Schuld, deren s i e s i c h i n "Kain und A b e l " e r i n n e r t , dem Anfang a l l e s A b i r r e n s von Gott? In jenem Gedicht h e i s s t es namlich: "Und wer w i r d seinen Bruder erschlagen/ A b e l , Abel dein B l u t f a r b t 22 den Himmel t i e f . " Der Gedanke an i h r Volk, an seine Leiden, dem Verschwinden so v i e l e r Werte und der darauf folgenden Leere, erweckt i n i h r immer wieder den Wunsch, s i c h aus der W i r k l i c h k e i t zu entfernen und s e i es nur f u r eine kurze Z e i t , fur.:die Dauer eines unterhaltenden S p i e l s . E i n zweiter Grund f t l r das E n t w u r z e l t s e i n der D i c h t e r i n i s t dann w e i t e r der 19. Dualismus, den i h r e Geburt i n der c h r i s t l i c h - d e u t s c h e n Welt h e r v o r b r i n g t . In Wirk-l i c h k e i t f t t h l t s i e s i c h mit der K u l t u r und der Sprache i h r e s Geburtslandes aufs i n n i g s t e verbunden, wenn s i e spater auch s c h r e i b t : "Ich kann d i e Sprache/ dieses ktlhlen Landes n i c h t / und seinen S c h r i t t n i c h t gehn." Zum T e i l f t l h l t e s i e s i c h wohl a l s Fremde i n Deutschland, wenn s i e auch d i e K u l t u r und Sprache l i e b t e , aber i h r A u f s c h r e i der Vereinsamung g i l t i n dem z i t i e r t e n Gedicht wohl n i c h t s o v i e l Deutschland wie der ganzen Welt, wo s i e heimatlos i s t , wo s i e die "ktthle Sprache" n i c h t verstehen kann. In Deutschland, ihrem Geburtsort, e r l e b t e Lasker-Schueler dann ausserdem noch den grtfssten Schmerz i h r e s Lebens. H i e r l a g i h r e Mutter begraben, d i e wohl sehr f r u h verstorben war. I h r f o l g t e der e i n z i g e Sohn i n seinen besten Jahren, i n der Jugend. Nach seinem Tode begann eine grosse Umwandlung im Leben der D i c h t e r i n . S i e wurde v i e l e r n s t e r , und die Wunde, d i e dieses Unglttck schlug, h e i l t e n i e ganz. Wenn s i e spater dennoch f a h i g i s t , zu s p i e l e n , so gewinnt das S p i e l eine andere Form, es v e r l i e r t an L e i c h t i g k e i t und wohl auch an H e i t e r k e i t . I h r Leben w i r d e r n s t e r , o f t aber auch v e r w i r r t e r . Eine Schwermut, die s i e n i c h t mehr f a h i g i s t a b z u schutteln, b e g l e i t e t s i e . A n d e r e r s e i t s s c h e i n t s i e s i c h aber auch etwas von i h r e r Ichbezogen-h e i t zu entfernen. S i e gewinnt etwas mehr Abstand von s i c h s e l b e r und kann s i c h philosophischen, wenn man b e i i h r von P h i l o s o p h i e sprechen kann, aber s i c h e r l i c h r e l i g i o s e n Betrachtungen hingeben, d i e n i c h t unbedingt i h r e p e r s f l n l i c h e n E r l e b n i -se s i n d . Walter Muschg sagt von der Veranderung nach dem Tode des Sohnes: "Das 24 war die Entzauberung, die l e t z t e R e i f e . Sie wurde armer, e r n s t e r , demutiger." Auch Peter H i l l e ahnt schon urn 1902, wo die D i c h t e r i n i n Deutschland noch i h r e \/ Heimat sah, dass E l s e Lasker-Schueler einen dunklen Weg werde gehen mussen: 20. "Der schwarze Schwan I s r a e l s , eine Sappho, der die Welt entzwei gegangen i s t . S t r a h l t k i n d l i c h , i s t u r f i n s t e r . In i h r e s Haares Nacht wandert Winterschnee. 25 Ihre Wangen, f e i n e Frtlchte, verbrannt vom Schnee." Schon damals s c h e i n t i h r e S t i r n e gezeichnet zu s e i n . Nach dem Tode des Kindes w i r d s i e dann aber v o l l -kommen heimatlos, Ihre Einsamkeit t r e i b t s i e aus ihrem Zimmer hinaus i n s Cafe, wo s i e Menschen t r e f f e n kann. Sie w i r d f l e i s s i g e Kinobesucherin. Nur n i c h t a l l e i n s e i n ! Zuerst versucht s i e die Oede i h r e s Zimmers damit zu uberttinchen, dass s i e a l l e r l e i F l i t t e r z e u g und Spielsachen. - auch h i e r noch der S p i e l t r i e b T h i n e i n -b r i n g t . Dann e r t r a g t s i e aber" n i c h t einmal i h r Zimmer mehr. Sie nimmt Wohnung im H o t e l . So heimatlos, sehnt d i e D i c h t e r i n s i c h im Schosse i h r e r Mutter zu s p i e l e n und Trost zu suchen. Jedoch auch das i s t i h r versagt; denn die L i e b s t e i s t t o t . In der Welt i r r t l a u t nur eine Klage: Ich werde j e t z t immer ganz a l l e i n s e i n Wie der grosse Engelg Der neben mir ging, Und So nackt war n i e mein Leben, So i n die Z e i t gegeben, A l s ob i c h abgebluht H i n t e r des^Tages Ende Versunken. Wohl i s t die Welt ergraut, der Mensch heimatlos und doch hat er noch eine Ahnung von dem versunkenen Gluck. Nur a l s Kind e r l e b t man noch etwas von jenem v o l l -kommenen Urzustand, er. i s t i n asinem Wesen mit der K i n d h e i t der Menschheit v e r -wandt. Darum w i r d d i e D i c h t e r i n i n i h r e n g l u c k l i c h s t e n Stunden zum K i n d , Kind und S p i e l s i n d aber u n z e r t r e n n l i c h , und Heinz P o l i t z e r u n t e r s c h S t z t oder hat k e i n Verstandnis f i i r d i e lebenswichtige R o l l e , d i e das S p i e l i n E l s e Lasker-Schuelers Leben ilbernimmt, wenn er sagt: "Only when she ceased to play charming games of make b e l i e v e amid the demi-monde of the c a f e s , does her poetry become human and 21. 28 take on human d i g n i t y . " Dieser F e s t s t e l l u n g kann i c h durchaus n i c h t b e i p f l i c h -ten. E r s t die F a h i g k e i t zum S p i e l , i h r e ganze K i n d l i c h k e i t , macht es der D i c h t e r i n mflglich, i h r e L y r i k zu schaffen und dann auch im Gegensatz ernste und t i e f e Wahr-h e i t e n hervorzubringen, die ganz f r e i vom Spielelement s i n d . Die Form des S p i e l s i s t v i e l s e i t i g . A l s B e i s p i e l k i n d l i c h e n S p i e l s ftthre i c h h i e r "Der a l t e T i b e t -t e p p i c h " an, wo e i n s c h i l l e r n d e s W o r t s p i e l entsteht und das von den meisten K r i -t i k e r n a l s eines i h r e r schBnsten Gedichte anerkannt w i r d : E i n a l t e r T i b e t t e p p i c h . Deine Seele, d i e die meine l i e b e t I s t v e r w i r k t mit mir im T e p p i c h t i b e t . S t r a h l i n S t r a h l , v e r l i e b t e Farben, Sterne, d i e s i c h himmellang -unwarben Unsere Fusse ruhen auf der K o s t b a r k e i t , Maschentausendabertausendweit. Susser Lamasohn auf Moschuspflanzenthron, Wie lange kusst dein Mund den meinen schon Und Wang die Wange buntgeknupfte Z e i t e n schon. Zuerst f a l l t einmal das s u b t i l e S p i e l mit Worten und Lauten auf. H8rt man n i c h t f a s t das F l t l s t e r n der Kinder, die e i n Geheimnis zu bewahren haben, wenn man auf die Wiederholung der Laute "S*"Sty "Sch" la u s c h t ? " S t r a h l i n S t r a h l " , Maschen-tausendabertausendweit", "Stern", "Moschuspflanzenthron". Wie e i n Kind den B a l l s p i e l e r i s c h i n d i e blaue L u f t w i r f t , so bewegen s i c h i h r e Worte und drehen s i c h im K r e i s e umher. " T i b e t t e p p i c h " , T e p p i c h t i b e t " . B e t r a c h t e t man d i e Symbolik der Worte, so wird man erkennen, dass "Verkntipft s e i n " und "bunt" vom S p i e l spre-chen. Eine P a r a l l e l e i s t auch i n " F o r t i s s i m o " v e r t r e t e n . Du s p i e l s t e i n ungestumes L i e d Und die Farben des Teppicb^g s p i e l e n In RegenbogenfarbentOnen. "Regenbogenfarbentonen", i n Verbindung mit Farben des Teppichs s c h e i n t wiederum das F l t l s t e r n hervorzubringen und zwar dieses Mai n i c h t so s t a r k im Klang der Laute 22. a l s durch d i e zweifache Bedeutung des Wortes "tflnen". Sind es die Parben, die i n l i e b l i c h e n Tonen von a l t e n , vergangenen Z e i t e n e r z a h l e n , von dem Leben fr t l h e r e r V b l k e r 9 o d e r s i n d es die ParbentOne, d i e dem k i n d l i c h e n Gemttte eine Gelegenheit geben, d i e Harmonie zwischen den verschiedenen P a r b s p i e l e n auf-zuweisen? Wie wichtiggerade die Harmonie zwischen Klang und Farbe f t l r Lasker-Schueler i s t , beweist auch noch e i n P r o s a a b s c h n i t t , i n welchem s i e eine Erinnerung aus der K i n d h e i t e r z a h l t . "Meine Mutter r i e f w i c h t i g 'Schokolade* und i c h erwiderte e i n s i c h darauf reimendes Wort. Meine Mutter T i n t e ' F i n t e ' ( P l i n t e ) , 'Paul', ' f a u l ' ! B i s mein a l t e r e r Bruder, der mir s e i n e r Herbheit wegen imponierte und i c h i h n darum wohl auch 'Mann' nannte, s i c h einmischte, auf das Wort 'hoch' das ungeschickte Wort 'Koch' wahlte und i c h zu e r s t i c k e n drohte vom dumpfen S c h a l l der Paarung, j a geradezu ausser mir g e r i e t , vom 31 Knie meiner besorgten Mutter w i l d auf den Teppich p u r z e l t e . " Dieses S p i e l mit Wortern scheint s i c h i n s t i n k t i v aus dem Gemttte der D i c h t e r i n zu entwickeln. Oft aber wendet s i c h das B i l d und man bemerkt, dass E l s e -Lasker-Schueler auch f a h i g i s t , i n r a f f i n i e r t e r Weise s i c h der Method.e eines Kindes zu bedienen, um noch a l s Kind zu erscheinen, aber e i g e n t l i c h schon ganz mit Ueberlegung s p i e l t , um gewisse Zwecke zu e r r e i c h e n . Dies i s t e i n V e r s t e l -l u n g s s p i e l , dessen s i e s i c h besonders i n Momenten der Angst und V e r l a s s e n h e i t bedient. In solchen F a l l e n merkt man aber auch g l e i c h z e i t i g immer wieder etwas S e l b s t i r o n i e : "...,Ich s t a r b am Abendrot, . . . 0 , i c h scherze n i c h t , i c h w i l l Dich und Euch n i c h t amttsieren, aber mich immer r e t t e n mit T i l l e u l e n s p i e g e l S p i e -l e n . Ich ware Clown geworden, Herwarth, wenn i c h Dich n i c h t damit b e l e i d i g t h a t t e . " 3 2 GeSchickt wie e i n K i n d , das sehr s c h n e l l merkt, ob der Erwachsene s e i n V e r s t e l -23. l u n g s s p i e l durchschaut Oder n i c h t , n f l t z t auch d i e D i c h t e r i n den Glauben i h r e r Mitmenschen aus, die s i e zu verstehen und i h r zu h e l f e n versuchen. "Ich habe bemerkt, dass s e l b s t der roheste Mensch bewegt wi r d von meiner Angst. Nun s p i e l e 33 i c h o f t d i e Angst, wenn i c h mir zu schwer werde." Wie die D i c h t e r i n im Leben b a l d ttberlegend, b a l d i n s t i n k t i v s p i e l t , so s c h a f f t s i e auch i h r e Dichtung. So u n z e r t r e n n l i c h wie Kind und S p i e l s i n d , s i n d auch Dichtung und S p i e l und i n diesem F a l l e d ie l y r i s c h e Dichtung i n i h r e r Ichbezogenheit. Wie Eckart P e t e r i c h es d a r s t e l l t , i s t es gerade d i e Frau, d i e a l s Mutter dem Kinde am nachsten i s t , der es s e l t e n gelingen w i r d , von s i c h s e l b e r Abstand zu nehmen. Dass nun gerade E l s e Lasker-Schueler immer wieder zu ihrem I c h zuruukkehrt, be-weist j a auch gerade B r i g i t t e B a l d r i a n i n Form und S t r u k t u r der B i l d l i c h k e i t b e i E l s e Lasker-Schueler. Auf dem Gebiete der L y r i k wird s i e dann zur M e i s t e r i n , "Die L y r i k i s t die e i n z i g e Kunst, i n der Frauen ebenso Bedeutendes v o l l b r a c h t haben wie Manner. Y i e l l e i c h t hat eine Sappho das erfunden, was w i r L y r i k nennen; jene erhe-34 bende und manchmal a l l g u l t i g e Gestaltung des I c h . " Es i s t aber n i c h t nur b e i E l s e Lasker-Schueler, der F r a i l , wo man das Spielelement bemerkt, sondern auch b e i manchen i h r e r mMnnlichen Dichterfreunde, d i e i h r mit grossem Verstandnis auf g l e i c h e A r t urid Weise entgegenkommen. So s p i e l t Theodor Daubler i h r S p i e l mit, wenn er i h r e Verwandlung beobachtet und s i c h ganz i n d i e Welt der D i c h t e r i n v e r s e t z t , indem er i n i h r den P r i n z e n von Theben anerkennt, Hiervon s p r i c h t wiederum Eckart P e t e r i c h : "Theodor Daubler sagt daruber, 'Sie l e b t e vor, was s i c h t u t , wenn r e i n e L y r i k e ntsteht.' Er hatte eine unheimliche A r t , s i e zu beobachten: a l s v e r f o l g e er einen chemischen, n i c h t einen s e e l i s c h e n Vorgang. 'Ich sehe es genau!, sagte e r , 'wenn aus der E l s e der P r i n z von Theben wird.'Er nannte s i e 'mein D i c h t e r 1 , s i e i h n 'Furst von T r i e s t ' . So s p i e l t e n s i e 24. 3 miteinander D i c h t e r f f l r s t e n , doch n i c h t ohne Selb s t v e r s p o t t u n g , " K l i n g t aus dem S p i e l auch etwas Selb s t v e r s p o t t u n g , so nimrat die D i c h t e r i n s i c h doch durchaus ernst und nochmals mttchte i c h h i e r auf Goethe hinweisen, der sagt, dass echte Kunst nur aus Ernst und S p i e l entstehen kann. Fur unsere D i c h t e r i n i s t i h r e Kunst das Erhabenste und Grtisste. Dichtung i s t g f t t t l i c h e Berufung und zwar i s t es " e i n Platzmachen f u r Gott." Diese Frau, die s i c h dem schwachen Kinde so verwandt f u h l t , r a f f t i h r e ganze K r a f t zusammen, um d i e so o f t verachtete Kunst zu v e r t e i d i g e n und i h r den P l a t z zu v e r s c h a f f e n , den s i e v e r d i e n t . In "Ich raume auf", s p r i c h t s i e den Verleger an und z e i g t ihm, dass das S p i e l der Dichtung durchaus ernst zu nehmen i s t , dass es d i e hochste Berufung s e i , d i e einen Men- v schen z u t e i l werden kann. "Der Kunste edle Eigenschaft h e i s s t ' E w i g k e i t 1 . Wir s o l l t e n s i e hegen... Kunst i s t keine Beschaftigung, h.P., S p i e l keine S p i e l e r e i . " H i e r erkennt man, dass auch Lasker-Schueler das S p i e l n i c h t nur i n s t i n k t i v sondern auch t h e o r e t i s c h i n der Kunst a l s durchaus b e r e c h t i g t anerkennt. Dichtung, und wenn auch a l s S p i e l , i s t n i c h t nur eine hohe Berufung, sondern d i e n t o f t a l s M i t t e l , den D i c h t e r -fiber d i e rauhe W i r k l i c h k e i t hinwegzuheben. In der Kunst kann die D i c h t e r i n ihrem Gefuhl f r e i e n Lauf geben; Kunst s t e l l t Wahrheit dar, b r i n g t Ordnung i n s Chaos des Lebens, schwacht den Schmerz, den das unbarm-her z i g e S c h i c k s a l so o f t b r i n g t , bedeutend ab und g i b t der D i c h t e r i n immer wieder neuen Mut, das Leben w e i t e r zu ertragen. Bemerkt man auch k l a r , dass die Dichtung die s t e l l v e r t r e t e n d e Funktion des S p i e l s einnimmt, so darf man jedoch k e i n systematisches Wirken und Schaffen erwarten. Wttrde man d i e gebrauchten B i l d e r und Gegenstande nach ihrem w o r t w o r t l i c h e n Wert b e u r t e i l e n , so mussten s i e o f t i h r e w i r k l i c h e Bedeutung und den Sinn v e r l i e r e n . 25. Oft i s t e i n sehr krass erscheinender Sprung von e i n e r Ebene zur anderen, von der W i r k l i c h k e i t i n s Traumbild bemerkbar. Es s c h e i n t , a l s ob die D i c h t e r i n ganz unfMhig s e i , s i c h zu ko n z e n t r i e r e n . E i g e n t l i c h bewegt s i c h d ie ganze Dichtung i n zwei Spharen. Das S p i e l Oder der Traum e r s c h e i n t neben der W i r k l i c h k e i t und g r e i f t wohlwirkend i n das o f t grausame Leben e i n . Diese P a r a l l e l e i s t dann aber nur f u r Augenblicke vorhanden, denn d i e W i r k l i c h k e i t muss meistens dem S p i e l oder dem Traum weichen. In einem der schwedischen B r i e f e , e r s c h e i n t d i e Zauberin aus dem "Peter H i l l e Buch", d i e der D i c h t e r i n d ie Schulden im Restaurant b e z a h l t . Das druckende Gefuhl der Geldschulden w i r k t auf die Phantasie der D i c h t e r i n , und da es f u r s i e sonst keine M B g l i c h k e i t g i b t , s i c h von i h r e n Geldschulden zu b e f r e i e n , v e r s u c h t s i e i h r Problem mit H i l f e des Marchens zu 18sen. Dieses Unreale scheint der Bedrangten dann aber v o l l i g e Linderung zu bringen und s i e a l l e r Sorgen zu entheben. Logische Ueberlegungen, dass d i e g l e i c h e n Sorgen nach dem Verschwinden des Traumes wieder mit neuer K r a f t an s i e herantreten werden und mussen, kommen f u r s i e n i c h t i n Prage. Diese S o r g l o s i g k e i t i s t dann aber auch wiederum e i n Zeuge i h r e s , i n gewisser H i n s i c h t , k i n d l i c h e n Gemtltes. Unlogik und Traumbilder s i n d aber durchaus keine Beweise, dass der Dichtung Ernst und T i e f e f e h l e n . Im Ge g e n t e i l : "Like e v e r y t h i n g e l s e that transcends the bounds of l o g i c a l d e l i b e r a t e judgement, myth and poetry both move i n the playsphere. This i s not to say a lower sphere, f o r i t may w e l l be that myth, so p l a y i n g , can 38 soar the heights of i n s i g h t beyond the reach of reason." "Beyond the reach of reason" i s t besonders bezeichnend f i l r E l s e Lasker-Schueler. Was kummert s i e s i c h a l s D i c h t e r i n um Vernunft! E i g e n t l i c h i s t s i e r e c h t stolz zu sagen, dass i h r e Dummheiten an Wert i h r e K l u g h e i t e n weit u b e r t r e f f e n . "Ich b i n sogar s t o l z auf meine Dummheiten: 'Eine Seele und k e i n Gedanke, e i n Herz und e i n B i e n e n s c h l a g . 1 " 26. I h r Sehnen und Trachten geht eben "fiber das Vernunftsgemasse hinaus", wie Huizinga sagt. Es i s t e i n s t e t e s Suchen nach dem Ewigen, nach Gott. Der Wunsch, von der " I l l u s i o n des Korpers" b e f r e i t zu s e i n , e r f u l l t i h r ganzes Sein. M i t der Vernunft i s t d ieses Z i e l n i c h t zu e r r e i c h e n . Nur d i e b e f l u g e l t e V o r s t e l l u n g s k r a f t , das spielende Herz 4kann i h r da eine Antwort geben. Dass s i e mit Logik und Vernunft n i c h t v i e l zu s chaffen hat, bekennt s i e j a selbsb, wenn s i e sagt: "Womit schreibe i c h e i g e n t l i c h meine Gedichte? Was glaubt i h r wohl?,Die schreibe i c h mit meiner unsichtbaren Gestaltung, mit der Hand der Seele, mit dem F l u g e l . " ^ Was die Seele des D i c h t e r s h e r v o r b r i n g t , wenn man es mit H i l f e der Vernunft auch n i c h t e r k l a r e n kann, i s t Wahrheit und s p r i c h t von dsn T i e f e n der Mysterien des Lebens, d i e der D i c h t e r n i c h t zu e r k l a r e n versucht, sondern auf deren E x i s t e n z nur h i n w e i s t . "Die Dichtung e r g i b t a l s o , vom erwahlten D i c h t e r niedergeschrieben: den E x t r a k t hOherer Wahrheit. Die Dichtung i s t eine Gunst, die der D i c h t e r auf s i c h nimmt. Und s e l b s t das mit Gott hadernde Gedicht k n i e t vor ihm. Der D i c h t e r weiss wohl, es dauert e i n Leben der V e r t i e f u n g und vorangegangener V e r t i e f u n g Leben, b i s er zwischen den Weiten der Welt nur e i n noch 'leuchtendes Liebeswort' "41 f i n d e t , das seine Seele vorttbergehend schon auf Erden vom S t a r erlost, H i e r l i e g t e i n Geheimnis des Lebens. Vom S t a r vorubergehend b e f r e i t , von der K5r-p e r l i c h k e i t f u r Momente g e l B s t . Wo die Vernunft immer beschrankt b l e i b e n muss, kann der D i c h t e r durch I n s p i r a t i o n und durch seine Phantasie die f e r n s t e n Weiten e r r e i c h e n und i n Spharen schweben, d i e der gewohnliche M e n s c h kaum j e e r r e i c h e n wird. Im l y r i s c h e n S p i e l , im Marchen und o f t durch maskierte Beschreibung versucht Lasker-Schueler a l s D i c h t e r i n die Geheimnisse des Lebens zu e r k l a r e n , oder wie 27, Goethe i n seinen "Maximen" sagt, darauf hinzuweisen. In manchen s e i n e r spateren Werke s p r i c h t Goethe besonders o f t von den Geheimnissen des Lebens, d i e man nur im G l e i c h n i s oder im Symbol sehen kann. In den Wander.jahren s p r i c h t der Astronom folgende Worte aus: "Lassen Sie mich z u f o r d e r s t g l e i c h n i s w e i s e reden! B e i schwer b e g r e i f l i c h e n Dingen t u t man wohl, s i c h auf diese Weise zu h e l f e n . " ^ 2 In Makariens A r c h i v k l i n g t d i e s e l b e Weisheit durch nur mit der Erganzung, dass es der D i c h t e r i s t , der auf diese Geheimnisse h i n w e i s t : "Die Geheimnisse der Lebenspfade darf und kann man n i c h t offenbaren; es g i b t Steine des Anstosses, tiber d i e jeder s t o l -43 pern muss. Der Poet aber weist auf d i e S t e l l e h i n . Auf die "Steine des Anstosses" hinzuweisen, i s t a l s o d i e M i s s i o n des D i c h t e r s . D i c h t e r s e i n , h e i s s t Yerantwortung tragen. E l s e Lasker-Schueler drtickt dieses Bewusstsein i n i h r e r Dichtung i n Form des Marchens, des S p i e l s aus. Wie Huizinga, so s t e l l t auch S i g r i d Bauschinger f e s t , dass gerade dieses d ie rechte A r t i s t , Werke wie die "des P r i n z e n von Theben" zu schreiben. "Auch im B e r e i c h des I r d i -schen g i b t es zwei Erscheinungen, die nach der g l e i c h e n Richtung weisen: das i s t das S p i e l des Kindes und das Schaffen der K u n s t l e r . Im S p i e l w i l l das Kind n i c h t etwas e r r e i c h e n . Es kennt keinen Zweck. Es w i l l n i c h t s a l s seine jungen K r a f t e auswirken, s e i n Leben i n der zweckfreien Form der Bewegung...zweckfrei, aber v o l l t i e f e n Sinnes;...deshalb w i r d der Ausdruck auch harmonisch, w i r d d ie Form k l a r 44. und schOn...Das i s t S p i e l . . . , s i n n v o l l i n seinem r e i n e n Dasein." Der Hinweis des D i c h t e r s auf die Wahrheiten des Lebens, ob im S p i e l oder im G l e i c h -n i s hat n i c h t nur S s t h e t i s c h e n Wert, sondern auch moralischen, wie Eckart.: P e t e r i c h es s i e h t , Er glaubt sogar, dass die Dichtung d i e s e r Frau, wenn man sonst i h r e r Stimme GehBr schenkt, nachwirkend den Menschen und besonders d i e deutsche Nation von e i n e r entwtirdigenden Schande b e f r e i e n kttnnte. "In den Gedichten der Lasker-Schueler l i e g t e i n deutsch-judischer Mythos, der uns h e i l e n kBnnte, wenn w i r die Liebe der D i c h t e r i n zu uns erwidern vermflgen." 28. Eckart P e t e r i c h s p r i c h t h i e r "von der Liebe zu uns" und s i c h e r l i c h , wenn s i e o f t auch mit Verachtung vom Spiessburger s p r i c h t , das deutsche Volk a l s solches hat s i e wohl kaum gehasst, sondern vielmehr nach Worten der Liebe f u r die leidende Menschheit gesucht. Im selben Z i t a t h e i s s t es w e i t e r von der Dichterin:"Doch der P a l l E l s e Lasker-Schueler...dieser P a l l i s t so h e r r l i c h r e i c h an scheinbaren Wider-sprtlchen, d i e doch unter dem G e s i c h t s w i n k e l der Ewigkeit gar keine s i n d , i s t so sehr e i n Stuck der 'wahren Weltgeschichte", die w i r nach N o v a l i s i n Marchen und Gedichten erkennen s o l l e n , dass i c h immer denken muss, es ktfnne von a l l dem heilende Wirkung ausgehen, es kBrme dadurch e i n T e i l jener furchtbaren Schande von uns genommen werden, d i e keine Wiedergutmachung wiedergutmachen kann, sondern nur eine jener K r a f t e , die die VtJlker mit Mythen beschenken." H i e r erwahnt auch E . P e t e r i c h d i e scheinbaren Widersprttche, die Geheimnisse des Lebens, die l e t z t e n Endes auf die Wahrheit s e l b s t im Marchen und i n den Mythen hinweisen, die dem Menschen i n seinem Dasein begegnen. Mit dem Erwahnen des deutsch-jttdischen Mythos, r u h r t E . P e t e r i c h dann w e i t e r an eine der wundesten S t e l -l e n der deutschen Geschichte und deutet g l e i c h z e i t i g auf e i n i g e Ursachen h i n , die d i e D i c h t e r i n zwangen, Z u f l u c h t im S p i e l zu suchen. S p i e l w i r d so o f t zum l e t z t e n Strohhalm, den die D i c h t e r i n e r g r e i f t , urn n i c h t v b l l i g zu v e r s i n k e n . Die t r a g i s c h e Geschichte der jtidischen Einwohner Deutschlands schon s e i t 1933, hatte i c h schon erwahnt, aber i n jenem Umstand kann man n i c h t a l l e i n die Ursache suchen, dass Lasker-Schueler eine heimatlose, l e t z t e n Endes doch u n g l u c k l i c h e Prau, e i n "unbehauster Mensch", war. W i l l man das S c h i c k s a l der D i c h t e r i n o b j e k t i v behandeln, so erkennt man n i c h t 29. nur das Unglflck der Z e i t a l s Drsache i h r e r H e i m a t l o s i g k e i t , sondern auch eine t r a g i s c h e I r o n i e i n ihrem Wesen s e l b e r . Sie konnte wohl vorubergehend Freundschaft und Liebe gewinnen, war aber n i c h t f a h i g , s i e zu bewahren oder s i e zu e r h a l t e n . Wie nahe stand s i e doch K a r l Kraus, dem s i e dann aber spater s c h r i e b , dass s i e i h n hasse. Kam die Freundschaft einmal i n s Wanken, so v e r h a r r t e s i e t r o t z i g b e i i h r e r eigenen E i n s t e l l u n g und machte durchaus n i c h t den k l e i n s t e n Versuch, den Bruch wieder zu h e i l e n , Ueberhaupt glaubte s i e e i n Recht zu haben, i h r e n Gefuhlen und o f t wohl auch i h r e n Launen f r e i e n Lauf zu geben, und dennoch w o l l t e s i e von den Mitmenschen verstanden und g e l i e b t werden. Sehr bezeichnend i s t h i e r e i n B r i e f an Herwarth Walden, i h r e n zweiten Gatten: '"Herwarth, warst Du mir treu? Ich mSchte aus Geschmacksgrunden i n Deinem I n t e r e s s e , dass Du mir t r e u warst. Nach mir d u r f t e s t Du Dich n i c h t r i c h t e n , i c h hab den Menschen n i e anders empfund.en, 46 a l s einen Rahmen, i n den i c h mich s t e l l t e . " Wie w i r h i e r sehen, wie der Rahmen des B i l d e s wegen da i s t , werden auch die Mitmenschen der D i c h t e r i n wegen i n i h r e Umwelt g e s t e l l t , und s i e w o l l t e zum Zentrum derselben werden. Das Empfinden der t r a g i s c h e n U n f a h i g k e i t , Freundschaft wie auch Liebe gebtthrend zu erwidern, z e i g t das V e r h a l t n i s mit ihrem Sohn Pa u l . S i c h s c h u l d i g ftthlend a l s Mutter f r a g t s i e i h r Kind einmal, ob es wtinsche, dass s i e l i e b e r eine b u r g e r l i c h e J Mutter ware. Wo s i e j a e i g e n t l i c h s e l b e r s t e t s einKind b l i e b , war s i e auch n i c h t f a h i g , dem eigenen Kinde Mutter zu s e i n . In " M u t t e r " k l i n g t eine dunkle Klage d e u t l i c h heraus, die auf diesen Umstand h i n w e i s t . 0 Mutter, wenn du leben wtirdest, Dann mb'cht i c h s p i e l e n i n deinem Schoss. Wo s o i l mein Kind hin? Ich baute keinen Pfad f r o h * A l l e Erde i s t aufgewtthlt, Ihre Trauer, dass s i e ihrem Kinde keinen frohen Pfad b e r e i t e n konnte, i s t h i e r s i c h e r l i c h sehr a u f r i c h t i g gemeint. Wie i h r Wesen eine gewisse I r o n i e im V e r h a l t n i s zu Freunden und dem Kinde h e r v o r b r i n g t , so scheint dasselbe auch i n i h r e r E i n s t e l -30. lung der Heimat gegenttber bemerkbar zu s e i n . Schon i n f r u h e s t e r K i n d h e i t traumte s i e den Traum des P r i n z e n von Theben, den Traum vergangener Z e i t e n , wo der Mensch s i c h noch e i n e r inneren Harmonie, der Ruhe und des Priedens der S c h u l d l o s i g k e i t erfreuen konnte. Die Wohnstfitte jener frtthen V Blker, Bagdad, Theben, das Land i h r e r Vater, werden nun Traum- oder S p i e l h e i m a t , wahrend i h r e s Verweilens i n Deutschland. So h e i s s t es i n "Hebraerland" von jener i d e a l e n Heimat: "Sic h erholen, namentlich im s e e l i s c h e n Sinne, i s t Jerusalem, P a l a s t i n a s Hauptstadt, der rechte Ort, das heilende Bad der Seele. Denn die Stadt segnet den Menschen, der s i c h nach dem Segen sehnt, d i e fromme Stadt t r O s t e t den, der g e t r o s t e t werden mochte, 48 Jerusalem i s t die Sternwarte des J e n s e i t s , der Vorhimmel des Himmels." Dieses war das Paradies nach dem s i e s i c h sehnte, wahrend s i e noch i n Deutschland v e r w e i l t e . A l s s i e P a l a s t i n a besucht h a t t e , s c h r e i b t d ie D i c h t e r i n : "Nicht zu s c h i l d e r n Verwunderung und Handel und Meer und Dunkelheit: H e r r l i c h e s B i b e l l a n d , Karawanen fortwahrend am Balkon v o r b e i : ganz anders wie man s i c h v o r s t e l l t . Aber 49 schwer." P a l a s t i n a i s t a l s o anders a l s s i e es s i c h v o r g e s t e l l t , dunkel und schwer. Ihre I l l u s i o n b r i c h t zusammen wie e i n Kartenhaus. Die Sehnsucht der D i c h t e r i n ging dann wieder nach Deutschland zurttck, S i c h i h r e s unheilbaren Zwiespalts bewusst, r u f t d i e D i c h t e r i n dann i n a u f r i c h t i g e m 50 51 Schmerz aus: " i c h kenne mich s e l b s t n i c h t mehr." oder "Mir i s t n i c h t zu h e l f e n ! " S i e kannte s i c h s e l b e r n i c h t und brachte i h r Leben damit zu, nach ihrem "Ebenich" zu suchen, wie s i e s i c h i n "Ich und I c h " ausdrtlckt. Dieses zweite Ich s o l l t e das Le b e n s r a t s e l lBsen. In diesem Zustand i n n e r e r Spannung zu leben, ohne unter der Last zusammenzubrechen, 31. i s t f u r den Menschen unmfeglich. Es tfffnet s i c h der D i c h t e r i n immer wieder nur e i n Ausweg, und der i s t der bergende Schutz im S p i e l . S p i e l i s t vor a l i e n Dingen etwas anderes f u r s i e a l s das a l l t a g l i c h e Leben. Es b r i n g t Abwechselung. Langeweile scheint neben dem Unbehaustsein b e i E l s e Lasker-Schueler geradezu a l s Krankheit a u f z u t r e t e n . In "Mein Herz" h e i s s t es: "Ich habe b a l d tlberhaupt n i c h t s mehr zu;sa-gen, dunkt mich...Ich kann b a l d n i c h t mehr leben unter Menschen, i c h langweile mich so uberaus,-fiber a l l e hinaus und h i n , i c h seh k e i n Ende mehr und weiss n i c h t , 52 wo es aufhort s i c h zu langweilen und t r a u r i g s e i n . " Das S p i e l , dem s i e s i c h dann i n i h r e r Langeweile zukehrt, i s t aber nur von ku r z e r Dauer, denn jedes S p i e l i s t zeitbestimmt, hat Grenzen. Es beginnt und dann i s t es p l t f t z l i c h a u s g e s p i e l t . Z e i t w e i l i g kann es erfreuen und "fiber d i e Leiden hinweg-h e l f e n . Dann i s t die W i r k l i c h k e i t wieder da und behauptet i h r Recht. Fast mtJchte man s i c h wundern, dass E l s e Lasker-Schueler s i c h s o l c h e r Begrenzung u n t e r w i r f t , besonders s i c h e i n e r Beschaftigung h i n g i b t , d ie nur so k u r z f r i s t i g einen Wert haben kann. Sonst uberspringt s i e j a Z e i t und Raum, Bald i s t . s i e i n Jersualem, b a l d i n Bagdad, b a l d unter den Indianern i n Amerika. Dass d ie Z e i t k e i n Recht der E i n -schrankung auf s i e ausilben d u r f t e , beweist auch, dass s i e einen f a l s c h e n Geburtstag i angab, dass s i e ewig leben w o l l t e und s i c h spater vor dem Altwerden ungeheuer fwren-s' t e t e . Und doch konnte s i e i h r e r Gedankenwelt wahrend der kursen Z e i t der Spieldauer f r e i e n Lauf l a s s e n und a l l e Grenzen des Raums und der Z e i t u b e r s c h r e i t e n . In ihrem A l t e r aber musste s i e mit Schmerz erkennen, dass ihrem S p i e l luiuberbruckbare Grenzen gesetzt warden. Sie w o l l t e noch der P r i n z von Theben s e i n , aber s i e war es n i c h t mehr. In den frttheren Jahren b l e i b t das S p i e l jedoch s t e t s erhebend und-erlosend, b i s d i e D i c h t e r i n s i c h der Schranken bewusst wird und wieder i n die W i r k l i c h k e i t zuriickkehrt. Darauf b r i c h t d ie Not und das L e i d i n verstarktem Masse uber s i e h e r e i n . D i e s er Umstand e r k l a r t dann aber auch den o f t sehr s c h n e l l e n und 3 2 . uberraschenden Wechsel i n i h r e r Dichtung. E i n B e i s p i e l aus dem "Malik" s o i l h i e r aeigen, wie s c h n e l l d i e H e i t e r k e i t von der T r a u r i g k e i t abgelBst w i r d , nur w e i l d i e D i c h t e r i n f f l h l t , dass das S p i e l f u r dieses Mai wieder zu Ende g e s p i e l t i s t , Zuerst das Begraben a l l e r Sorgen im S p i e l : "Es i s t aufatmend, wenn einem auf einmal a l l e v e r a n t w o r t l i c h e n Gedanken und e i n g e n i s t e t e n Geftthle von der S c h u l t e r g l e i t e n und man eine Marionette i s t , am f e i n e n Seidenfaden g e l e i t e t . Aber manchmal b i n i c h e i n goldener B a l l , den er l i e b e v o l l i n Kinderhande w i r f t . ...Wenn er n i c h t mit mir 53 s p i e l e n wurde" Ich mttsste verdorren i n der M c h t e r n h e i t i " Uebermfltig r u f t der P r i n z im "Malik" aus: "Jedesmal, wenn das biegsame Rohr wie e i n P f e i l wieder zur HtJhe g l i t t , s c h r i e n die R i t t e r vor Entsetzen auf und die 54 Hauptlinge; aber da s i e ihrem S p i e l g e f a h r t e n n i c h t das S p i e l verderben w o l l t e n . . . Im l e t z t e n A b s c h n i t t e r k l i n g e n noch d i e ubermtttigen Freudentone des Spielenden, aber zwei b8se Worte l a s s e n schon einen Umschwung, das Ende des S p i e l s ^ ahnen, Diese s i n d : "Entsetzen" und "Spielverderben", S c h n e l l e r a l s man denkt, wird die dunkle Ahnung be s t M t i g t . Schon h e i s s t es w e i t e r vom Prinzen: "Der M a l i k , der gegen aussere Dinge t a g l i c h apathischer wurde, sass meist einsam h i n t e r v e r h f l l l t e n B a l -55 konen..." Einsamkeit ohne S p i e l b r i n g t Verzweiflung, und schon lese n w i r : "Er war e i n e r Stufe, die n i c h t vorhanden, e n t g l e i t e t , dumpf fuhr es ihm durch die Eingeweide, und e n t r i s s die Wurzel seines B l u t e s . Und i n ubermachtiger Scham ttber diese P a l l g r u b e b e l e i d i g t , erhangte s i c h der schon s e i t langer Z e i t schwermutige 56 K a i s e r noch i n s e l b i g e r u n g l u c k l i c h e r Stunde." Die " P a l l e " v e r r a t h i e r wohl, dass s i c h w i r k l i c h e i n S p i e l v e r d e r b e r eingefunden hatte und das Geftthl des Geborgen-s e i n s , des Gluckes i s t damit beendet. Es i s t dann aber gerade die Rtlckkehr i n d i e W i r k l i c h k e i t , d i e d i e D i c h t e r i n immer wieder dazu v e r a n l a s s t , im S p i e l nochmals Zuflucht zu suchen, denn mit dem A l t e r wurde i h r Leben schwerer. Wie E l s e Lasker-Schueler es s i e h t , hat j a der SchBpfer dem Menschen a l l e r l e i Spielzeuge schon i n 33. die ^ a t u r h i n e i n g e l e g t . Man braucht nur die Augen zu offnen, um dieses zu sehen und zu erkennen, dass S p i e l Gott w o h l g e f a l l i g s e i n muss."...und sammle d i e E i c h e l n und Kastanien und Beeren, a l l e d i e bliihenden Spielsachen auf den Wegen und bewahre den Grashalm vor der B r u t a l i t a t des T r i t t e s . Das Wasser i s t mein S p i e l g e f a h r t e 57 mit seinen Muscheln und seinem Tang." Dieser A b s c h n i t t kommt aus "Konzert", i h r e r spateren Dichtung und doch, welch eine K i n d l i c h k e i t , welch eine Preude am S p i e l ! Im S p i e l f i n d e t d ie D i c h t e r i n n i c h t nur Abwechselung sondern vor a l i e n Dingen Ord-nung. In den Wirren des 20,Jahrhunderts und besonders nach dem zweiten W e l t k r i e g glaubt man n i c h t mehr an< die M B g l i c h k e i t e i n e r Universalordnung. Wie schwer d-ie D i c h t e r i n gerade unter den Wirren der Z e i t l e i d e t , beweist das Gedicht: Chaos Die Sterne f l i e h e n s c h r e c k e n s b l e i c h Vom Himmel meiner Einsamkeit, Und das schwarze Auge der M i t t e r n a c h t S t a r r t naher und naher. Ich f i n d e mich n i c h t wieder In d i e s e r Todverlassenheit, M i r i s t , i c h l i e g e von mir Weltenweit Zwischen grauer Angst und Urangst. Ich w o l l t e , e i n Schmerz rege s i c h und s t u r z e grausam nieder und r i s s e mich jah an mich! Und es lage eine S c h u p f e r l u s t Mich wieder i n meine Heimat Unter d i e Mutterbrust. Heine Mutterbrust i s t s e e l e l e e r , Es bluhen keine Rosen Im warmen Oden mehr -...Mticht einen H e r z l i e b s t e n haben, Und mich i n seinem P l e i s c h vergraben, Auch h i e r s c h r e i t d ie SchBpfung, die ganze Kreatur nach ErliSsung zusammen mit der D i c h t e r i n . Zuerst s i n d es die Sterne, das Symbol des H e i l i g e n , des Guten und der Ordnung, die "schreckensbleich f l i e h e n " . Das unbarmherzige Gespenst der 34. Einsamkeit droht, das wehrlose Opfer zu zerstoren, "Urangst", die Angst die am Anfang war und graue Angst, die Angst der "ergrauten Welt", e r f u l l t das Herz jedes Geschopfes. "Urangst" und "graue Angst" drtickt die Angst a l l e r Zeiten und VBlker aus, die die D i c h t e r i n a l s Individuum d e u t l i c h versptirt. Das Chaos im Inneren der D i c h t e r i n selber-, hat schon so eine unheilbare Form angenommen, dass j e g l i c h e s Geftthl abgetfltet seheint. Die Strophe: Ich wollte, e i n Schmerzen rege s i c h Und sturze grausam nieder Und r i s s e mich jah an mich!, erinnert an den Zustand eines Erfrierenden. Vor dem Tode schwindet bekanntlich a l l e r Schmerz. Der Wi l l e des Menschen i s t v t f l l i g geMhmt. Kein Geftthl, kein Leiden i s t mehr da, dass den Unglucklichen aus seiner Apathie erwecken konnte. Nur das Denken b l e i b t z e i t w e i l i g noch k l a r . Er weiss, welchem schrecklichen Ende er h i l f l o s entgegen geht. Ware wenigstens noch ein Schmerz da! Dann ashwindet sein Denken, und h i e r i s t der Zustand mit dem der D i c h t e r i n nicht mehr vergleichbar. Ihr Denken i s t k l a r und seheint immer k l a r e r zu werden, je mehr die Verwirrimg zunimmt. Und doch, ohnmachtig muss s i e a l l e s uber s i c h ergehen lassen, obwohl es gerade die Er-leuchtung i s t , die s i e befahigt, j a zwingt, das Chaos i n seinem ganzen Ausmasse zu erkeiinen. Ihre einzige Rettung ware das Wieder-Kind-Werden, eine Rtlckkehr an die Mutterbrust. Dass nur an der Mutterbrust wahres Gltick zu finden i s t , deutet auch die Erzahlung von A b i g a i l I an. Jener weigerte s i c h ganz einfach, b i s zu seinem zwanzigsten Lebensjahr, den Leib seiner Mutter zu verlassen, da er wusste, dass er die Wirkli c h k e i t nicht ertragen konnte, Er flirchtete das Chaos des Lebens so sehr, dass er seiner Angst das Leben der geliebten Mutter zum Opfer brachte. Auch ftlr Else Lasker-Schueler i s t keine Mutter mehr da. "Meine Mutterheimat i s t seelenleer. " Wie hart und grausam diese ftlnf "e" klingen! Die Seele der Mutter hat ja schon langst die " I l l u s i o n " , den KBrper verlassen und schwebt j e t z t fernab vom Leid der Tochter. 3 5 . Zuruckgeblieben i s t nur ein Chaos, und doch i s t Gott ein Gott der Ordnung und Ruhe, "Also die Gottheit machte dem W e i t a l l P l a t z , h i n t e r l i e s s ihm seine Atmo-sphere, aus der a l l e s wuchs und gedieh, s e l h s t die Temperaturen, die Eigenschaf-58 ten der Lander. Weltordnung halten: des Menschen einzige Mission." Diese Mission hat der Mensch aber nicht e r f u l l t , und die Ordnung i s t z e r s t f l r t . A l s Jttdin und Dichterin, deren Berufung j a g f i t t l i c h i s t , glaubt s i e berufen zu sein, vor a l i e n Dingen M i t t l e r i n zwischen I s r a e l und Gott zu sein, ihrem Volke Ruhe und Ordnung inmitten des Chaos zu verkflnden. "Ich b i n nicht Bebraerin der Hebraer w i l l e n , aber Gottes Willen. Doch dieses Bekenntnis s c h l i e s s t die Liebe und Treue unerschutterlicher Ergebenheit zu seinem Volke e i n . Zu meinem kl e i n s t e n Volk 59 unter den Vfllkern, dem i c h mit Herz und Seele angehOre. Diese Aufgabe, "Hebraerin um Gottes Willen" zu sein, ware i h r s i c h e r l i c h zu schwer geworden, hatte s i e nicht immer wieder das Bewusstsein gehabt, dass s i e e i g e n t l i c h a l s Zugehfirige ihres Volkes ein Kind Gottes s e i . Als Kind aber darf s i e spielen und braucht nicht i n den wirren und unter der grossen Verantwortung zu versagen. Solch ein Tun i s t vor Gott wohlgefallig, und darum h i l f t er seinem Kinde immer wieder. "Gott l i e b t das spielende K i n d . . . " ^ Das Else Lasker-Schueler i n ihrem kindlichen S p i e l w i r k l i c h Bergung mitten im Chaos fand, sagt auch Werner Kraft, der s i e j a a l s treuer Freund durch die l e t z t e n Jahre ihres Lebens b e g l e i t e t e . Das Denken der D i c h t e r i n i s t komplex, a l l e s geht ineinander liber, das Banale i n die Sprache des Genius, das K i n d e r s p i e l i n die fflieimnisse Gottes. Dem Motiv des Herzens benachbart i s t das des S p i e l s . Es schimmert i n a l i e n Farben des Regenbogens und besonders i n der Farbe des S p i e l s . . . . Die Variationen des S p i e l s sind z a h l r e i c h , s e i es dass die D i c h t e r i n a l s Kind konkreten A n t e i l daran hat, s e i es dass s i e die Harmonie der kosmischen Gewalten im Spiele durch-scheinend macht." Die Rolle des Spie l s i s t h i e r eine zweifache. Im Gleichnis macht die Dichterin, wie schon frilher erwahnt, auf die Geheimnisse des Kosmos aufmerksam. Der Mensch 36. kann das Walten jener tt b e r i r d i s c h e n Machte, ob gut oder bose, n i c h t verstehen, aber s i e s i n d s i c h e r l i c h da. Zweitens f i n d e t die D i c h t e r i n im S p i e l Schutz und Ordnung mitten i n den Wirren des Lebens. Dort kann s i e s i c h s t a r k e n , wenn s i e auch bestimmt weiss, dass nach e i n e r bestimmten Z e i t das S p i e l a u s g e s p i e l t s e i n w i r d . Es g i b t i h r : neue K r a f t , den Sturmen des Lebens zu widerstehen. Wenn d i e D i c h t e r i n s p i e l t , konnen weder Tod noch Chaos des Universums, noch f i n s t e r e Machte i h r etwas antun: "Was w i l l s t du von mir, Tod! Mein Herz s p i e l t mit dem jungen Morgenrot.gg Und tanzt im Funkenschwarm der Sonnenglut. Das S p i e l l e h r t den Menschen aber n i c h t nur Ordnung, sondern auch F r i e d e n , Wer k e i n S p i e l v e r d e r b e r s e i n w i l l , w i r d n i e s t r e i t e n . "Aber i c h konnte n i c h t mehr s t r e i t e n , i c h hatte mich schon abgewandt und s p i e l t e mit der runden Z e i t . " E r n s t , T i e f e , Liebe, Wahrheit, Ordnung und Frieden erwartet sogar noch die a l t e r n -de D i c h t e r i n vom heilenden S p i e l , Mit t i e f empfundenem Schmerz nur s i e h t s i e auf die arabischen und jtidischen Einwohner i h r e r Urheimat, die s i c h g e g e n s e i t i g be-kampfen und verwunden, Geheimnisvoll v e r r a t d i e D i c h t e r i n i h r e n Freunden e i n H e i l -m i t t e l : "Wissen S i e , wie man das jt l d i s c h - a r a b i s c h e Problem los e n kann? Es g i b t nur einen Weg: Freude schaffen. Wir grunden einen Rummelplatz f t l r d i e Juden und Araber, den beide VOlker besuchen werden und wo s i e gemeinsam Reibpfannkuchen 64 essen, K a r u s s e l l fahren und Gltlckschaffen s p i e l e n . " Zurtlckblickend mochte i c h nochmals betonen: S p i e l beherrscht a l l e Lebensgebiete E l s e Lasker-Schuelers. Aus dem S p i e l w i r d i h r e Dichtung geboren. Auf diese Weise i s t s i e f a h i g , die Leiden des Lebens auf kurze Z e i t zu vergessen und e i n f r o h e r Mensch zu s e i n , H i e r t r i f f t auch S c h i l l e r s Bemerkung zu, wenn er sagt:"...der Mensch s p i e l t nur, wo er i n v o l l e r Bedeutung des Wortes Mensch i s t , und er i s t 65 nur dann Mensch, wo er s p i e l t . " 37. Im S p i e l f i n d e t E l s e Lasker-Schueler neue Kr&fte f t l r d i e andauernden KSmpfe des Daseins. A l s Gegensatz zum Chaos des zwangzigsten Jahrhunderts, b i e t e t das S p i e l Ordnung und Geborgenheit. Wenn dann die Rettung aus dem Wirrwarr auch z e i t l i c h und raumlich begrenzt i s t , denn jedes S p i e l i s t einmal a u s g e s p i e l t , so d i e n t diese Tatsache nur a l s B e i s p i e l , dass das Leben mit a l i e n Leiden j a auch v e r g a n g l i c h i s t . W i c h t i g i s t , dass s i e s i c h i n ihrem k i n d l i c h e n Gemut die PMhigkeit bewahrt, dem Dasein e i n e r s i n n v o l l e n Zukunft z e i t w e i s e ahnend Glauben zu schenken. Geborgen kann d i e D i c h t e r i n i n solchen Momenten sagen: Ich hab die Welt vor Welt vergessen, Getrankt von edlen Meeresnassen. ^ A l s IMge i c h i n Gottes w e i t e r Hand. 38, I I . K a p i t e l S p i e l a l s k i n d l i c h e Gottessuche. "Gott l i e b t das spielende Kind, Er l a s s t l f l c h e l n d s p i e l e n mit s i c h , j a zerren an S i c h und Seinen Himmeln. Es drangt den Ewigen immer wieder von neuem aufzuwachsen im Menschen.""'' E l s e Lasker-Schueler, das Kind Gottes darf s p i e l e n , auch i n i h r e r Gottessuche. J a , e r s t das Kindwerden erhebt s i e i n d i e Nahe des Vaters und Schttp-f e r s , a l l e r V o lker. Schon a l s D i c h t e r i n f u h l t s i e eine g e i s t i g e Verwandtschaft mit den Urvttlkern, i n denen s i e die K i n d h e i t der Menschheit erkennt, d i e Gott, dem jungen Vater^noch v i e l naher stand, a l s der Mensch i h r e s Z e i t a l t e r s : Im Anfang Ring an e i n e r Lenzwolke, • A l s d i e Welt noch jung war, Und Gott noch junger Vater war. Wurde 10 000 Erdglilck geben, Noch einmal so gottgeborgen zu leben, Spielend diente d i e junge Weltseele Gott, dem Ewigen. H i e r handelt es s i c h f u r die D i c h t e r i n n i c h t nur urn e i n Gefithl g e i s t i g e r Verwandtschaft mit den UrvOlkern, sondern s i e glaubt gar, dass i h r e Seele e i g e n t l i c h schon einmal unter jenen Men-schen gelebt habe. Zum T e i l i s t i h r e Gottessuche, ausgedrtlckt i n .Form des S p i e l s , e i n Erbe, dass s i e aus jener Z e i t g e r e t t e t hat. Dass d i e R e l i g i o n aus dem S p i e l erwuchs und dem S p i e l e verwandt b l e i b t , f u h l t d i e D i c h t e r i n i n s t i n k t i v . J.Huizinga sagt i n diesem Zusammenhang von den a l t e n YOlkern und ihrem Gottesdienst: " P r i m i -t i v e , or l e t us say, ar c h a i c r i t u a l i s thus sacred p l a y , indispensable f o r the we l l - b e i n g of the community.... In t h i s sphere of sacred play the c h i l d and the poet are at home, w i t h the savage." A l s j t d i s c h e D i c h t e r i n f u h l t d i e D i c h t e r i n s i c h n a t t i r l i c h b e i ihrem Yolk beheimatet, dass wohl n i c h t zum Urvolk gehttrt, aber doch eines der sehr a l t e n VOlker mit e i n e r ununterbrochenen T r a d i t i o n i s t . In dem 39. Dienste des Gottes Jehova, i s t b e i diesem Volke das Spielelement von grosser W i c h t i g k e i t . In meinen Betrachtungen liber das S p i e l a l s k i n d l i c h e Gottessuche, werde i c h Tanz a l s eine Form des S p i e l s betrachten. Tanz und S p i e l bringen j a das g l e i c h e zum Ausdruck, namlich: Freude, Dankbarkeit und das Geftihl mit. dem Mitmenschen verbun-den zu s e i n , denn man s p i e l t kaum a l l e i n e , noch f i t h r t man einen Tanz ohne Partner oder Publikum auf. L i e b t man die S c h r i f t e n des judischen Volkes, und E l s e Lasker-Schueler war s i c h e r -l i c h im A l t e n Testament und i n der "Kabbala" zu Hause, so merkt man, dass Tanz und S p i e l eine w i c h t i g e R o l l e i n der Geschichte dieses Volkes d a r s t e l l e n . Das Lob Gottes und der Dank des Volkes wurde i n d i e s e r Weise zum Ausdruck gebracht. Neben S p i e l und Tanz konnte man z w e i f e l l o s auch noch Harfen-Pauken oder das S a i t e n s p i e l im allgemeinen betrachten, da aber d i e D i c h t e r i n anscheinend n i c h t sehr m u s i k a l i s c h war, so werde i c h den V e r g l e i c h h i e r n i c h t i n Betracht Ziehen kOnnen, wenn man s i c h auch Tanz ohne Musik kaum denken kann. Wo das S p i e l zu Hause i s t , da i s t auch F r i e d e n , Von d i e s e r Tatsache sprechen d i e Propheten I s r a e l s i n d.en erwahnten Buchern, wenn s i e erzahlen, dass Kinder f u r c h t -l o s auf den Strassen der Stadt s p i e l e n und i n i h r e r Freude die Dankbarkeit dem Ewigen gegenitber darbringen. Wohl i s t diese Ruhe und der Frieden zur Z e i t der D i c h t e r i n unterbrochen worden, aber s i e weiss, wenn s i e ab und zu e i n Kind i n den l e e r e n Strassen Jerusalems s i e h t , dass d i e s e r Zustand wieder kommen wird und dass der Prophet J e s a j a die Wahrheit vor v i e l e n Jahren erkannt hat, wenn er s p r i c h t : "Die P l a t z e der Stadt werden wieder a n g e f u l l t s e i n mit Knaben und Madchen, die auf den P l a t z e n spielen...,Wenn das dem Ueberest des Volkes zu wunderbar 40. s e h e i n t , i s t es denn i n meinen Augen auch wunderbar?^ N a c n tausendjahriger Zer-streuung und Verbannung kehrt das Volk I s r a e l wieder heim und f u r c h t l o s bewegen s i c h d i e Kinder an a l i e n Orten. H i e r gedenkt s i e der Worte des Gottesbesuches, wie s i e Jesus nannte, der e i n s t segnend sprach: "Lasst doch die K i n d l e i n und h i n d e r t s i e n i c h t , zu mir zu kommen; denn die KBnigsherrschaft der Himmel i s t 5 gerade f t l r s i e da." Im Kinde l e b t a l s o das S p i e l i n der U r e i n h e i t w e i t e r . Eine t r a u r i g e Entwicklung s i e h t die D i c h t e r i n nun d a r i n , dass das Kind durch den Anfang der Schultage seinen ungehemmten Bewegungen, s e i n e r a u f r i c h t i g e n Freude am S p i e l , e n t r i s s e n wird. V i e l zu jung i s t das Kind am Schulanfang, um die Lasten der E r -wachsenen zu tragen: "Denn mit sechs Jahren p f l e g t man i n d i e Schule zu kommen. Manche Kinder kOnnen vor Erwartung d i e N a c n t vorher n i c h t s c h l a f e n , andere ft i h l e n g dumpf: Ihre e r s t e S p i e l z e i t i s t vortlber." H i e r s p r i c h t d ie D i c h t e r i n aus E r f a h -rung, denn jenes dumpfe Geftihl hat s i e s e l b e r i n i h r e r ganzen t r a g i s c h e n Schwere empfunden. Die Schule hasste s i e und sann Tag und Nacht auf einen Weg, d i e s e r Qual zu entgehen, E i g e n t l i c h f o r d e r t e Gott, der Schopfer j a von i h r , dem Kinde, dass s i e i n n im S p i e l e suche, i n n auf die A r t des Kindes anbete. Dieses bezeugt die D i c h t e r i n , wenn s i e s c h r e i b t : "Obendrein i c h eine S p i e l l u s t geerbt hab' son-dergleichen; w a h r s c h e i n l i c h meinem Vater zum Vorwand h i n , noch i n seinen weissen 7 Jahren die Spielwaren der Laden vorschiebend, u n a u f f a l l i g betrachten zu konnen." Es g i b t , fand die D i c h t e r i n , nur s e l t e n erwachsene Menschen, die noch wie e i n Kind s p i e l e n konnen, j a d i e auch nur e i n Verstandnis f u r das S p i e l a l s solches haben. Neben ihrem Vater kannte dieses D i c h t e r k i n d noch e i n i g e , die noch etwas von dem K i n d l i c h e n bewahrt haben. Zu ihnen gehBrt K a r l Kraus. "Aber die Leute, wie ge-sagt, l a c h e l n immer l a n g w e i l i g , wenn i c h was sage, auch verstehen s i e n i c h t meinen gaukelnden Worten e i n S e i l zu spannen. Nur der M i n i s t e r f r e u t s i c h meiner Sprthige, Q er i s t ernst genug." Mit Hochachtung s p r i c h t die D i c h t e r i n gerade von jenen E r -zieherinnen, die s i c h Mtlhe geben, den T r i e b zum S p i e l e im Kinde so lange wie mttglich zu wahren und i h n zu f o r d e r n . L e i d e r gab es vori d i e s e r A r t n i c h t sehr — 41. v i e l e : " A l l e r d i n g s g i b t es auch noch musterhafte Padagoginnen unter den Kinder-madchen oder " F r a u l e i n s " - i c h meine n i c h t solche, die unter jedem S c h r i t t des Kindes e i n Rechenexempe'l' oder e i n Abe legen, n e i n , i c h meine jene, die zu s p i e l e n verstehen, und die mussten doppelt besoldet werden....Nichts f o r d e r t Technik i n 9 s o l c h feinem Masse, wie die Kunst des Kindes, 'das S p i e l ' . " Das S p i e l des Kindes i s t h e i l i g ; denn Gott s e l b e r i s t der ^ e i l i g e , von dem d i e D i c h t e r i n im Hebraerland sagt: "Der l i e b e Gott i s t j a s e l b e r e i n Kind, immer wieder aufwachsend mit jedem k l e i n e n Menschen, der gross wird. Darum mag auch das * e i n -f a l t i g e ' Menschenherz so gern,. mit einem Guckglas davor, durch das man i n e i n Feenreich schauen kann"?"^ Weil Gott i n jedem Menschen Kind w i r d , versucht auch der Mensch, der seinen h e i l i g e n Wandel f t l h r t , s i c h diese K i n d h e i t im Herzen zu bewahren. In "Arthur Aronymus und seine Vater" h e i s s t es vom frommen Rabbi: "Ephraim: Der Rabbi i s t e i n Kind, i c h muss den Rabbi t a g l i c h zwei-dreimal daran er i n n e r n : "Der Rabbi i s t e i n Kind!' Und abends, wenn der Rabbi s i c h zur Ruhe l e g t : 'Der Rabbi i s t e i n Kind!' Und wieder muss i c h es dem Rabbi sagen: 'Der Rabbi i s t e i n Kind.' Kern: Fiirwahr, e i n h e i l i g e s Kind i n I s r a e l . So e i n rechtes Urkind dunkt der Rabbi 11 mich, e i n s c h l i c h t e s , aus Sternen auf unsere e i t l e Welt g e f a l l e n e s . " Ungleich der e i t l e n Welt, die f u r das S p i e l des Kindes k e i n Verstandnis hat, hat die Natur von der U r l a n d s c h a f t , dem Paradies die F a h i g k e i t des S p i e l s ttbernommen und s i e bewahrt. Gerade i n der Unverdorbenheit der Natur erkennt die D i c h t e r i n das Walten Gottes. Im ersten K a p i t e l erwahnte i c h schon, dass die ganze SchOpfung mit dem Menschen 42. i n einen Zustand des Elends durch den Sundenf a l l gekommen s e i . Wie Lasker-Schueler es s i e h t , g i b t es verschiedene Stufen d.er Verstlndigung. Wenn die D i c h t e r i n von, der P f l a n z e n - und T i e r w e l t s p r i c h t , s i e h t s i e i n der e r s t e n weniger Verdorbenheit, j a e i g e n t l i c h noch U r e i n h e i t . Schuldiger a l s das T i e r wurde dann aber der Mensch. Das • T i e r beweist seine Harte, indem es s i c h seinem I n s t i n k t e folgend, von schwacheren und h i l f l o s e n lebenden Wesen ernahrt. Rein und s c h u l d l o s b l e i b t d i e P f l a n z e , d i e k e i n Leben z e r s t o r t , um zu wachsen, zu gedeihn. S ie l e b t a l l e i n von Gottes Odem und i s t Gott darum auch am nachsten. In d i e s e r Auffassung l i e g t durchaus k e i n p a n t h e i s t i s c h e r Glaube, denn Gott s e l b e r . i s t i n den Pflanzen n i c h t v e r k o r p e r t , sondern i s t ihnen nahe. Aus diesem Grunde w e i l t auch d ie D i c h t e r i n so gerne im Walde, w e i l s i e glaubt, Gott dort l e i c h t e r f i n d e n zu kOnnen a l s unter den Menschen, d ie s i c h hassen und ein and.er zerstttren. Die Ueberzeugung von der S c h u l d l o s i g k e i t der Natur druckt d i e D i c h t e r i n o f t da-durch aus, dass s i e den guten, r e i n e n Menschen mit e i n e r Pflanze v e r g l e i c h t . I s t der Mensch zu jener Stufe gelangt, so hat er s e i n H8chstmt5glich.es, wie Goethe sagen wilrde, seine E n t e l e c h i e e r r e i c h t . Lasker-Schueler v e r g l e i c h t den Menschen dann w e i t e r mit Ti e r e n , wenn s i e i h n i n der Auswirkung s e i n e r angeborenen oder i n s t i n k -t i v e n Eigenschaften d a r s t e l l e n w i l l , Eigenschaften wie K r a f t , Mut und L i s t . Ich denke h i e r an die "Hebraischen B a l l a d e n " , wo Jakob der B t l f f e l das B l u t der A f f e n -b i s s e im Plusse k l l h l t . Dieses B i l d bezeichnet erstens d i e K r a f t Jakobs und anderer-s e i t s das Schuldigwerden der T i e r e , die einander Wunden schlagen. So i s t es aber n i c h t im Bereich der Pflanzenwelt, i n Gottes f r e i e r Natur. Die Baume, zum B e i s p i e l , haben a l s e i n z i g e Geschopfe s i c h d i e PMhigkeit bewahrt, das Lob des Herrn i n r e i n s t e r Form zu besingen, indem s i e s i c h der H e r r l i c h k e i t der Schopfungstage erinnern. Dieses Lob b r i n g t d i e Natur dem Herrn n a t u r l i c h i n Form des S p i e l s zum Audruck: "Ein von Anfang der Welt erhaltenes U n t e r h a l t u n g s s p i e l , das Aufzahlen der sieben Schopfungstage; bunt i n den L t i f t e n , s t a r k auf dem E r d r e i c h e r h a l t e n , h e l l liber den Wassern und hold unterm Himmel l e b t es nur im Spielprogramm der B&ume 43. 12 noch." Auch haben die Baume im Schimmer des Abendrots einen H e i l i g e n s c h e i n , der immer wieder i h r e R e i n h e i t beweist. Wie Lasker-Schueler, so s p r i c h t auch Goethe vom Sp i e l e n der Natur. Auch er s i e h t eine g O t t l i c h e Eigenschaft im S p i e l a l s solches. Wenn er so das S p i e l der Natur b e t r a c h t e t , s i e h t er i n ihm jedoch n i c h t so sehr den Ausdruck der Anbetung Gottes, a l s e i n Verlangen derselben, den Menschen zu er f r e u n . "Die Menschen s i n d a l l i n i h r und s i e i n a l i e n . Mit allem t r e i b t s i e e i n f r e u n d l i c h e s S p i e l , und f r e u t s i c h , j e mehr man i h r abgewinnt. S i e t r e i b t mit v i e l e n 13 so im verborgenen, dass s i e ' s zu Ende s p i e l t , ehe s i e ' s merkt." A l l e i n es s p i e l t n i c h t nur die Natur, d i e Pflanzenwelt und die T i e r w e l t zum Lobe Gottes aus eigenem A n t r i e b , n e i n , Gott s e l b e r schuf s i c h Geschopfe zum Spi e l z e u g . Zu d i e s e r Erkenntnis kam schon der P s a l m i s t , der grBsste D i c h t e r des Volkes I s r a e l s : " 0 Herr, die Erde i s t e r f t l l l t von deinen Gutern. Da i s t das Meer so gross und we i t , es wimmelt d a r i n ohne Zahl und von grossem und k l e i n e n G e t i e r : Meeresungeheuer schwimmen d a r i n , auch der Leviathan, den du d i r zum Sp i e l z e u g e r s c h u f s t . S i e a l l e 14 schauen aus nach d i r , dass du ihnen Speise zur rechten Z e i t g i b t . " Einen verwandten Gedanken hat auch P l a t o ausgedruckt. Er s c h r e i b t i n den "Gesetzen": "Jeder von uns V e r t r e t e r n lebendiger GeschBpfe, werde von uns b e t r a c h t e t a l s eine Marionette g B t t l i c h e n Ursprungs, s e i es, dass s i e von rifen Gottern b i o s zu ihrem 15 S p i e l z e u g a n g e f e r t i g t worden i s t oder i n irgendwelcher e r n s t h a f t e n A b s i c h t . " A u f f a l l e n d i s t h i e r , dass der Philosoph dem S p i e l wohl durchaus eine p o s i t i v e R o l l e zuschreibt,• es aber a l s Kontrast zum Ernst d a r s t e l l t , wo d i e D i c h t e r i n a n d e r e r s e i t s S p i e l und Ernst a l s synonym ans i e h t . Wie schon mehrmals erwahnt, i s t besonders f u r unsere L y r i k e r i n das S p i e l eine durchaus ernste Angelegenheit. So s i e h t die D i c h t e r i n im Z i r k u s dem S p i e l e der Pferde zu. I h r Tun s o i l das Lob des SchSpfers 44. verkunden: "Der Tempel der Pferde i s t der Z i r k u s , i c h meine, jedes Pf e r d w i l l s p i e l e n , und das h e i s s t i n der Sprache des Wieherns, beten, a l l e T i e r e wollen s p i e l e n , aber welche Tieraugen brennen vor Begeisterung so t i e f wie d i e des Rap-pen; die Schimmel s i n d fromme P i l g e r oder H e i l i g e . " " ^ B i s dahin habe i c h das S p i e l des Kindes und das der Natur b e t r a c h t e t . Weiter ware es notwendig, zu sehen, wie man S p i e l a l s Gottessuche beim Erwachsenen sehen kann. B e i diesen Betrachtungen wende i c h mich nochmals an die jtidischen S c h r i f t e n . Yon David, dem L i e b l i n g s k o n i g der D i c h t e r i n h e i s s t es: "David und das ganze Haus I s r a e l zogen im Tanze vor dem Herrn her und sangen mit l a u t e r Stimme v i e l e L i e d e r . . . 17 Auch tanzte David i n ganzer Hingebung vor dem H e r r n . " Ich habe schon erwahnt, dass Tanz wohl eine p r i m i t i v e r e Form des Ausdrucks der S p i e l f r e u d e s e i , aber durch-aus als M i t t e l der Gottessuche und Anbetung angesehen werden kann. Jedoch schon damals, zur Z e i t des KBnigs David, wurde diese A r t , das Lob des SchtSpfers zu be-singen, von der hBheren Klasse missverstanden und b e s p t J t t e l t . Im selben K a p i t e l h e i s s t es i n diesem Zusammenhange von M i c h a l , der Tochter des Kttnigs Saul und Frau des gegenwartigen KBnigs David, der j a kaum aus seinem Hirtenberuf herausgewachsen i s t , wie f o l g t : "Als s i e nun den Konig David vor dem Herrn her tanzen und. springen 18 sah, schamte s i e s i c h s e i n e r i n ihrem Herzen und verachtete i h n . " Jene Verachtung des v e r s t a n d n i s l o s e n Menschen, e r f a h r t auch die D i c h t e r i n i n vollem Masse, nach der V e r f l f f e n t l i c h u n g i h r e r frtthen Gedichte. Nur " c h r i s t l i c h e P h a r i -19 saer" und jene Spiessburger kBnnen s i c h wie M i c h a l , d i e d i e K i n d l i c h k e i t der r e i n e n Seele v e r l o r e n haben, ausdriicken, wie es Cyprian, i n seinem A r t i k e l uber 11 20 E l s e Lasker-Schuler f e r t i g b r i n g t . Dort kbmmentiert er uber das so o f t angefuhrte und wie h i e r v i e l l e i c h t missverstandene Gedicht, welches die D i c h t e r i n , wenn n i c h t im L e i c h t s i n n , so doch s i c h e r l i c h im Uebermut e i n e r v i e l l e i c h t zu impulsiven 45. k i n d l i c h e n Regung geschrieben hat. Zebaoth Gott, i c h l i e b e d i c h i n deinem Rosenkleide, Wenn du aus deinen Garten t r i t t s t , Zebaoth. 0 , du Gott j t l n g l i n g , du D i c h t e r , Ich t r i n k e einsam von deinen Duften. Meine e r s t e B M t e B l u t sehnte s i c h nach d i r , So komme doch, Du stlsser Gott, Du Gespiele Gott, 2]_ Deines Tores Gold s c h m i l z t an meiner Sehnsucht1.1 Und darauf Cyprian: "Das i s t n i c h t wie b e i v i e l e n grossen c h r i s t l i c h e n M y s t i k e r n t l b e r s i n n l i c h e s G otterleben, das nach s i n n l i c h e n G l e i c h n i s s e n t a s t e t , sondern das i s t s c h l a c k e n v o l l e E r o t i k , die Gottes Namen missbraucht. H i e r aber l i e g t das t i e f s t e Geheimnis- der k u n s t l e r i s c h e n U n z u l a s s i g k e i t E l s e Lasker-Schuelers: " i n der zuchtlosen Zerfahrenheit i h r e s Erlebens, ihrem Mangel an i n n e r e r Sammlung, an Ethos, an Weltanschauung, Mediale Impressionen r e i c h e n 22 n i c h t aus, urn eine echte und ausstrahlende Kunst zu scha f f e n , " Zugegeben, dass das Dichten und Denken der D i c h t e r i n sehr komplex i s t , so kann man i n ihrem P a l l aber n i e von Got t e s l a s t e r u n g , Missbrauch des Namen Gottes sprechen. Es geschieht e i g e n t l i c h sehr s e l t e n , dass die D i c h t e r i n s i c h zu s o l c h e i n e r Hohe der Anbetung und so l c h e r Preude wie i n diesem Gedicht, f r e i von jedem Schmerze, aufschwingt. V i e l Ofters steht s i e i n Gefahr, den Worten Nietzsches zu glauben, der aussprach, er s p i e l t e wohl auch mit dem Gedanken, dass Gott t o t s e i . S i c h e r -l i c h hat s i e aber n i e i n ihrem Herzen auch nur den geri n g s t e n Z w e i f e l an die Erhabenheit. Gottes gehegtjUnd nur mit Ehrfurc h t t r i t t s i e v o r i h n h i n . Sagt s i e doch s e l b e r i n "Ein L i e d an Gott" Ich suchte Gott auf i n n e r l i c h s t e n Wegen Und k r a u s e l t e die Lippe n i e zum S p o t t . ^ 46. Ihr Gottesglaube war n i c h t nach den Regeln der T r a d i t i o n zu messen. Von d i e s e r Tatsache s p r i c h t e i n anderer Zeitgenosse, der d i e A u f r i c h t i g k e i t d i e s e r Gottes-kampferin kannte und mit i h r die l e t z t e n Jahre i n Jerusalem v e r l e b t e : "Sie hatte V i s i o n e n , aber s i e wusste n i c h t , von wem s i e stamm'ten. Sie war v o l l der Ahnung des G o t t l i c h e n , aber ohne die Gewissheit der Rechtglaubigen, die niemals so t i e f und l e i d v o l l um die l e t z t e n Erkenntnisse gerungen hatten, wie diese grb*sste Dich-t e r i n , d i e das j M i s c h e Volk i n den 2weitausend Jahren s e i n e r Zerstreuung hervor-gebracht hat'^^ In ihrem Ringen nach K l a r h e i t , i s t es der D i c h t e r i n dann aber auch o f t vergttnnt, t i e f e und a u f r i c h t i g e Freuden zu erleben, wenn s i e Momente lang f t i h l t , dass s i e Gott w i r k l i c h gefunden habe. Gerade w e i l Zebaoth der Gott der Liebe i s t , l a s s t er mit s i c h s p i e l e n , wie es i n "Zebaoth" h e i s s t , oder er s p i e l t mit den ^enschen. Gott i s t unwandelbar, er b l e i b t ewig jung: "Ich B i n , Der Ich Sein Werde." Von d i e s e r Liebe zeugen j a auch die Propheten und gar Jeremia, der Mann des Schmerzens und der Tranen. Wie d i e D i c h t e r i n , so sucht auch er Trostung im S p i e l , welches Anbetung wird: "Ich habe d i c h mit ewiger Liebe g e l i e b t , darum habe i c h d i c h zu mir gezogen aus l a u t e r Gute. J e t z t w i l l i c h d i c h wieder umhauen, dass du neu gebaut w i r s t , du Jungfrau I s r a e l s . Du s o l l s t wiederum d i c h mit deinen Pauken 26 schmiicken und ausziehen und f r f l h l i c h e n Reigen tanzenl' Die Pauken Lasker-Schuelers s i n d i h r e Gedichte. Ihre Anbetung vlrd e i n Psalm^und s i e i s t j a b e i dem grtfssten D i c h t e r I s r a e l s , b e i D a v i d j i n d i e Schule gegangen. Was o f t wie e i n zweckloses S p i e l anmutet, wie auch Hoeltg.en bemerkt, i s t i n W i r k l i c h k e i t e i n Psalm, v o l l t i e f s t e n Sinnes, denn er besingt das Lob des Schflpfers, Zu den weni-gen, die s p i e l e n ktinnen wie s i e , gehOrt auch Peter H i l l e , der H e i l i g e . "Peter H i l l e l i e b t e seine S p i e l g e f H h r t e n , genau wie w i r i h n , mit a l l e r Inbrunst. Er l i e b t e i n uns ' g o t t l i c h ' das S p i e l ; seine Augen l a c h t e n braun und b l a u aus der 47. Rune seines Angesichts. A l l e r d i n g s das Verstandnis zum k i n d l i c h e n S p i e l hatte 27 er s i c h wie k e i n e r bewahrt." " G o t t l i c h " im Zusammenhang mit S p i e l , b e zeich-net h i e r wieder die ^ r e i g e n s c h a f t e n des r e i n e n Menschen, der seine Dankbarkeit im S p i e l e ausdrttckte. Im Paradies s p i e l t e n Adam und Eva mit den T i e r e n , s i e s p i e l -ten Namengeben. Vom S p i e l , dass schon vor der Schopfung seine Heimat i n der Nahe Gottes ha-tte, s p r i c h t auch der weise Salomo i n seinen Sprtichen: "Als er den Himmel aufbaute, war i c h dabei. A l s er das Gewtflbe absteckte uber der weiten T J r f l u t , a l s er die Wolken hervorbrachte, a l s er dem Meer seine Grenzen s e t z t e , damit die Wasser .seinem Be— f e h l e gehorchten, a l s er d i e Grundfesten der Erde l e g t e , war i c h a l s K t t n s t l e r i n ihm zur S e i t e und war v o l l e r Entzucken Tag fttr Tag. Ich s p i e l t e a l l e z e i t vor ihm, s p i e l t e auf seinem weiten Erdenrund und hatte meine Freude an den Menschenkindern, So h6ret denn auf mich, meine Stthne!...Denn wer mich f i n d e t , der f^Lndet das Leben und e r l a n g t Wohlgefalien beim Herrn;:" Diese Worte s p r i c h t "Weisheit", die das S p i e l vor Gott Zebaoth a l s sehr w o h l g e f a l -l i g d a r s t e l l t . Wie Lasker-Schueler im Z i t a t von Peter H i l l e w e i t e r bemerkt, erzeugt das S p i e l Ruhe. Diese Tatsache i s t e i n w e i t e r e r Grund, es auch a l s g f i t t l i c h anzusehen, i s t doch Gott, wie die Kabbala es l e h r t , e i n ruhender Gott, der auch Ruhe g i b t . Diese Lehre hat s i e i n vollem Glauben angenommen und erwahnt s i e r e c h t o f t i n i h r e r Prosa. "Seine Augen leuchten braun und b l a u aus der Ruhe seines Angesichts." Das S p i e l v e r l e i h t n i c h t nur Ruhe, sondern ftthrt auch i n die Nahe Gottes. Nur muss der Mensch selbstvergessen zu s p i e l e n verstehen. Auf dem Weg der Gottessuche, i s t die D i c h t e r i n s i c h , u n g l e i c h dem Kinde, das s p i e l t , 48. w e i l es Freude daran hat und n i c h t an Gottessuche denkt, der Schranken und Grenzen des S p i e l s bewusst. Noch wahrend der Frohsinn s i e e r f t t l l t , droht im H i n t e r -grund das Gespenst der Oede und G o t t v e r l a s s e n h e i t , das meistens durch Z w e i f e l an Gottes Nahesein hervorgerufen w i r d . 0 Gott, i c h b i n so mud, oh, Gott Der Wblkenmann und seine Frau Sie s p i e l e n mit mir himmelblaUg Im Sommer immer, l i e b e r Gott. Heimat- und T r o s t l o s i g k e i t sprechen aus dem Worte "mild", jedoch f l i h l t man noch d i e f e s t e Z u v e r s i c h t , dass Gott durch e r n s t h a f t e s Suchen wieder gefunden werden kann. Der Z w e i f e l hat noch n i c h t d ie Herrschaft itber den Glauben gewon-nen. In i h r e r Mtldigkeit i s t die D i c h t e r i n j a noch f a h i g , zu s p i e l e n oder s i c h 30 zum mindesten der S p i e l e des Sornmers zu e r i n n e r n . Auch das Wort "blau" b r i n g t j a i h r e n Glauben und i h r Vertrauen,. auch mitte n i n der Dunkelheit, zum Ausdruck. Verdunkelt v B l l i g e r Z w e i f e l i h r Herz, dann bedient s i e s i c h der Farbe grau oder 31 des Wortes Staub, das die g l e i c h e Bedeutung hat. I h r Glaube i s t noch so f e s t , dass es f l l r s i e e i g e n t l i c h keine andere Bergungsstatt g i b t , a l s die Arme Gottes. Der L i e b s t e hat versagt, Freundschaft z e r r i s s , aber d i e starken Arme d.es Ewigen si n d s t a r k , s i e trligen n i e . Im selben Gedicht h e i s s t es w e i t e r : - E i n Flammchen Seele. Oh, Gott und i s t s i e auch v o l l Fe.hle-Nimm s i e s t i l l i n deine Hande...„„ Damit s i e leuchtend i n d i r ende. Wie schon das Gedicht "Zebaoth" bewiess, i s t i h r S p i e l aber auch o f t ganz f r e i und ungehemmt. Keine Sorgen bedrilcken das Gemttt und r e i n e Dankbarkeit str(5mt aus dem Herzen. In solchen Augenblicken s i e h t die D i c h t e r i n i n s i c h s e l b s t den L i e b l i n g Gottes, das Urkind. Dann i s t a l l e s L e i d vergessen. Gott v e r g i b t sogar Todsllnden, w e i l i h r Suchen nach ihm a u f r i c h t i g war und einem k i n d l i c h e n Herzen e n t s p r i n g t . Im Ueberschwange so l c h e r Glttcksgefllhle entstehen Psalmen wie: 49. L i e d an Gott Ich suchte Gott auf i n n e r l i c h s t e n Wegen Und k r a u s e l t e d i e Lippe n i e zum Spott. In meinem Herzen f a l l t e i n Tranenregen; Wie s o i l i c h d i c h erkennen, l i e b e r Gott... Da i c h dein Kind bin,-schame i c h mich n i c h t , D i r ganz mein Herz vertrauend zu e n t f a l t e n . Schenk m i r - e i n Lichtchen von dem ewigen L i c h t ! Zwei Hande, d i e mich l i e b e n , s o l l e n es mir h a l t e n . Mein Angesieht barg i c h so o f t i n deinem Schoee-Ganz u n v e r h u l l t : du mflchtest es erkennen. Ich und die Srde wurden wie zwei S p i e l g e f a h r t e n gross! Und durfen 'du' d i c h beide, Gott der Weiten, nennen. 3 3 In diesem Gedicht w i r d unter anderem auch das ewige Leben der Seele angedeutet, denn schon am Anfang war s i e , d i e K u n s t l e r i n , b e i Gott, H i e r kommt die Lehre der Kabbala d i e von der Seelenwanderung s p r i c h t der D i c h t e r i n wieder zur H i l f e . Die D i c h t e r i n glaubt, dass s i e schon einmal auf der Welt gewesen s e i und nur so kann man Ausdrucke wie d i e , dass s i e 1002 j a h r i g s e i , verstehen. Die Kabbala l e h r t : " C l o s e l y connected w i t h t h i s view i s the d o c t r i n e of the t r a n s m i g r a t i o n of the s o u l , on which the Cabala l a y s great s t r e s s . In order that the s o u l may r e t u r n to i t s source, i t must p r e v i o u s l y have reached f u l l development of a l l i t s p e r f e c t i o n s i n t e r r e s t r i a l l i f e . I f i t has not f u l f i l l e d t h i s c o n d i t i o n i n the course of one l i f e , i t must begin a l l over again i n an other body; c o n t i n -u i n g i t u n t i l i t has completet i t s task. In i h r e r Prosa s p r i c h t d i e D i c h t e r i n ganz unzweideutig von d i e s e r Seelenwan-derung: "Und e i n a l t e r Rabe s e t z t e s i c h auf den Rand s e i n e r S t a t t e , der h i e s s Henoch und war Methusalems Vater. Nach f i n s t e r e r Seelenwanderung kam er e n d l i c h wieder i n Rabengestalt auf die Welt, w e i l er Wischnu, den Gott des Nachbar-35 v o l k e s , b e l e i d i g t h a t t e . " 50. Das Lichtchen, dass die Urseele schon b e i der SchOpfung e r h i e l t , kann h i e r auf d i e s e r Welt o f t verdunkelt werden^und darum muss der Mensch immer wieder Gott b i t t e n , ihm etwas von seinem Idchte zu schenken. Im Vorgang d i e s e r mensch-l i c h e n Verdunkelung, ver s p t i r t d i e D i c h t e r i n , dass s i c h d ie Verbindung zwischen Du und Du, Gott und dem Menschen, l o c k e r t . Manchmal i s t es i h r dann aber v e r -g6nnt, noch im Traume das Ruhen i n Gott zu versptlren, urn sogar dadurch neu e r l e u c h -t e t wieder zu erwachen, und k i n d l i c h kehrt die D i c h t e r i n im Gebet wieder zu Gott zurttck: "Ich traumte und sah v i e l e Menschen auf dem Erdenfleck, auch treue T i e r e und andachtige Baume, und einen k l e i n e n d u r c h s i c h t i g e n K i e s e l h e r a b r o l l e n vom P e l s , und s i c h mit Mensch und T i e r und Baum vereinen, und nach Gott ausschauen. Aber die unsichtbare Schnur, der leuchtende Docht, der uns mit dem Herrn der Welt v e r b i n d e t , f r e i im Weltenraum, beginnt s i c h zu l o c k e r n , aber auch d i e u n z e i t -l i c h e Bandschnur, d i e die VUlker und i h r e Menschen v e r e i n t e , von Gott geknotet." Das Lockern d i e s e r Bande von Mensch zu Gott, von Mensch zu Mensch und von Volk zu Volk b r i n g t L i e b l o s i g k e i t . Hass e r f u l l t d i e H-erzen. Weit von Gott e n t f e r n t i r r t das. Geschflpf und f a s t schwindet ihm dann der Mut f u r weitere Gottessuche. Das Gebet scheint d i e H e i l k r a f t v e r l o r e n zu haben. I s t es doch a l s ware Gott s e l b e r zu beschuldigen, der die Bande der Liebe und E i n t r a c h t n i c h t f e s t e r ge-knttpft hat. Wozu s o i l der Mensch noch w e i t e r suchen? Es muss s e i n Bemtthen j a doch v e r g e b l i c h s e i n . D e r a r t i g e Z w e i f e l an Gott und d i e Verzweiflung i n der t r o s t l o s e n Welt erscheinen dann i n Gedichten wie "0 i c h mOchte aus der Welt" und "0 i c h hab d i c h so l i e b " . B e i d i e s e r Betrachtung werde i c h mich des v o r t r e f f l i c h e n A r t i k e l s , Margarete Kuppers bedienen, die i n "Ein wiederentdecktes Gedicht der Lasker-Schueler" diese zwei Gedichte einander g e g e n t l b e r s t e l l t , 0 i c h mttchte aus der Welt! Aber auch f e r n von i h r I r r i c h , e i n P l a c k e r l i c h t . Um Gottes Grab.37 und Ueber dunkel Gestein Und schweigende Erde Muss i c h Ueber Gottes Grab. ,g Wie schmerzt mich meine Trauer. H i e r i s t Gott w i r k l i c h t o t ! Er i s t n i c h t i n dem Sinne t o t , wie die Kabbala l e h r t , dass Gott e i n s t einen KBrper besass und diesem Korper s t a r b , um die 39 Welt zu ers c h a f f e n . Jener Gott v e r l i e s s den KBrper, um G e i s t , j a L i c h t zu werden und das Dunkel der Welt zu durchleuchten, damit er dem irr e n d e n Menschen e i n Wegweiser s e i n ktinne, -~~ "Ueber Gottes Grafee", h i e r i s t das Ungluck u n h e i l b a r . Die Seele Gottes schwebt n i c h t mehr liber der Elrde. Noch weiss man, dass es e i n s t einen Gott gegeben hat, denn s e i n Grab zeugt j a von ihm. J e t z t i s t Gott t o t . Wo g i b t es da wohl Rettung? Aus der Welt mBchte die D i c h t e r i n , aus d i e s e r Welt, wo s i e e i n s t d i e Nahe Gottes i n k i n d l i c h e r E i n f a l t , im S p i e l e verspliren konnte. Doch wohin geht denn e i g e n t -l i c h noch irgend e i n Weg? Auf der Erde i s t wenigstens noch das Grab Gottes, welches immer wieder an das e i n s t i g e Dasein. e r i n n e r t . Wenn s i e "wie e i n I r r -l i c h t um Gottes Grab i r r t " , hat der Leser das G e f l i h l , a l s ob s i e am Grabe noch etwas Schutz fande, a l s ob es noch eine Hoffnung gabe, dass Gott vom Tode auf-erstehen mBchte, um seinem bedrangten Kinde Trost zu bringen. V e r z w e i f e l t e r aber k l i n g t d i e e r s t e Passung, "0 i c h hab d i c h so l i e b . " H i e r i r r t d i e D i c h t e r i n liber Gottes Grab hinweg. Der Weg f l l h r t i n s Leere. Da es keine Hoff nung mehr g i b t , i s t auch n i c h t einmal das Grab mehr eine S t a t t e des Verweilens. Es b l e i b t e i n Wandern ohne Ende. Dies e r i n n e r t an das B i l d des ewigen Juden Ahasveros, der keine Ruhe f i n d e t , und darum wird d i e Trauer der e i n z i g e R e i s e -gefahrte. 52. Wenn die D i c h t e r i n von solchen p e s s i m i s t i s c h e n Gefuhlen u b e r w a i t i g t w i r d , dann v e r l i e r t s i e j e g l i c h e s K i n d s e i n . S ie i s t unfahig zum Spielen^und damit schwindet i h r die Freude am Leben. Glaube und Z w e i f e l flihren e i g e n t l i c h mit der D i c h t e r i n e i n grausames Wechselspiel. Von glanzender HOhe geht es im nachsten Augenblick i n s T a l der Tranen. Von diesem Zustand s p r i c h t auch M.Kupper, wenn s i e s c h r e i b t : "Der wiederholte Einbruch des Z w e i f e l s i n das r e l i g i o s e W e l t b i l d der D i c h t e r i n M s s t s i c h von den AnfMngen i h r e r L y r i k b i s zu i h r e n l e t z t e n Versen v e r f o l g e n . So f e r n hab i c h mir n i e d i e Ewigkeit gedacht^.." (Aus der Feme) Warum hat Gott im Osten wetterleuchteni s i c h verzogen, (Abschied) Mit einem K l e i d aus Z w e i f e l war i c h angetan _ Das g r e i s e L e i d geweiht f u r mich am Z e i t r a d spann." Gewinnt d i e s e r Z w e i f e l d i e Oberhand f t l r langere Z e i t , zu lange, dann entringen s i c h i h r e r Brust Klagen wie: Es i s t e i n Weinen i n der Welt, A l s ob der l i e b e Gott gestorben war, Und der b l e i e r n e Schajjjten, der n i e d e r f a l l t , L a s t e t grabesschwer. A l s das l e t z t e und ernsteste S p i e l der k i n d l i c h e n Gottessuche, mBchte i c h noch das fragmentarische Schauspiel "Ich und I c h " betrachten. E i g e n t l i c h i s t es sinngemass k e i n Fragment,)obzwar d i e K r i t i k es a l s solches b e t r a c h t e t , denn das R a t s e l des Lebens wi r d j a von der sterbenden D i c h t e r i n g e l 5 s t . Dieses kurze Drama nennt Hoeltgen das Glaubensbekenntnis der D i c h t e r i n . Vom A l t e r gebrochen, gegen das s i e s i c h b i s zum l e t z t e n Augenblick mit a l l e r i h r e r K r a f t wehrte, s p i e l t E l s e Lasker-Schueler h i e r i h r l e t z t e s S p i e l , um dann heimzukehren und wiederum vor Gott i h r Dasein f o r t z U s e t z e n , so wie s i e es am Anfang der Welt, vor dem Leben getan. 53. Auf der Btthne ihres Herzens entrol.lt s i c h langsam das S p i e l der ^ enschheit. Die Urtragik des ^enschen, das "Wechselspiel zwischen entkernen und verkBrpern", hat den Menschen auf ^rrwege gefuhrt, wo er f e r n von Gott i n der Einsamkeit ver-schmachtet. Ich und Ich mttssen s i c h zum K ampfe s t e l l e n , um s i c h entweder auf immer zu trennen oder auf ewig zusammenzubleiben. Die Dualitat der beiden Seelen muss endlich i h r Ende erreichen. Wie schlecht die D i c h t e r i n auch auf Hofmannsthal zu sprechen war, der i h r e r Ansicht nach von a l i e n Dichtern der Welt borgte, da er selbst keine I n s p i r a t i o n hatte, so gebraucht Else ^asker-Schueler i n diesem Drama ein ahnliches M i t t e l , um ihre eigenen Ideen i n ein a l t e s , doch ewig wahres K l e i d zu hullen. Von Galderons " E l gran theatro del Mundo" und Hofmannsthals "Das grosse Welttheater" ubernimmt sie wohl die Idee der Weltenbiihne und nennt s i e i n ihrem P a l l e "Btlhne des Herzens." Auf dieser Bilhne wird durch Faust und die D i c h t e r i n s e l b s t das a l t e S p i e l der zwei Seelen aufgeftthrt. Noch einmal begibt die D i c h t e r i n s i c h auf den Weg der Gottessuche, auf die Suche des "Ebenichs", das s i e b i s dahin im Leben nie finden konnte. Das Unbehaustsein der Seele h i e r auf Erden i n der I l l u s i o n des KBrpers, sym-b o l i s i e r t Else Lasker-Schueler h i e r durch die Vogelscheuche, die ironischerweise das andere "Ich" d a r s t e l l t . Der Mensch, der im Paradiese den verbotenen Ap f e l ass, um zur g o t t l i c h e n Erkenntnis zu gelangen, um zwischen Gut und BBse unter-scheiden zu konnen, wie ihm die Schlange verhiess, i s t nicht gottahnlich gewor-den, sondern, im Gegensatz, von Gott entfernt worden. Al s Ebenich t r i t t im S p i e l andererseits, die D i c h t e r i n selbst a l s K l i n s t l e r i n auf, die wie die Vogelscheuche auch Gottfihnlichkeit verloren hat, dafilr aber die 5 4 . hflchste Stufe des Menschseins erfahren durfte. Hierzu sagt B r i g i t t e Baldrian: — "So erfahrt die Dic h t e r i n i h r Verwiesensein a u s s c h l i e s s l i c h auf das eigene ' i c h 1 , nach ihrem Sonderungserlebnis, durchaus nicht nur a l s Opfer, sondern g l e i c h z e i t i g hat s i e zu Wegen und Weisen des Daseins gefunden, die i h r , hatte s i e weiterhin i n f r a g l o s e r Uebereinstimmung mit Gott und der Welt gelebt, verschlossen g e b l i e -ben waren: sie erfahrt eine gewaltige Ausdehnung des Menschseins, die Fahigkeit zu einer grenzenlosen und ungebundenen Entfaltung der eigenen Krafte, i n einer '*45 g l e i c h z e i t i g furchtbaren und h e r r l i c h e n Unabhangigkeit.... Trotz des Glucksgefuhls uber die Entfaltung des Menschseins, sehnt die Di c h t e r i n s i c h doch stets nach dem gflttlichen Ebenich, nach der Yereinigung des Ich und Ich. Im Drama weist Else Lasker-Schueler dann wieder auf die Seelenwanderung hin. Die mude Seele kann nicht heim finden, weil sie ihre ErlOsung noch nicht erwirkt hat: ( j a , a l l e Seelen, die s i c h noch im Hause l e i b l i c h e r Gefangenschaft befinden,) .g Nicht im Himmel Ruhe finden, Es l i e g t i n der Macht des Einzelnen, sein Verweilen i n dieser Gefangenschaft zu verlangern oder zu kurzen. Die Kabbala sagt: "As regards the w i l l , we may-fear God and also love Him. Pear i s j u s t i f i e d as i t leads to love. In love i s formed the secret of divine unity, i t i s love that unites the higher and the lower stages, and that l i f t s erverything to the stage where a l l must be one.... The soul must r i s e to these higher planes of knowledge and w i l l , to the cont-emplation and love of God; and t h i s way i t returns to i t s source."47 Zu dieser Vereinigung mit dem gttttlichen Ebenich i s t die Dic h t e r i n bis j e t z t noch nicht gekommen. Sie i s t immer noch Vogelscheuche und Dich t e r i n . 55. H6rt, Publikum, die Mordgeschichte-Es handelt s i c h nicht etwa um Gesibhte..:. Da i c h mich t e i l t e i n zwei Halften kurz vor Tageslichte, ^ In zwei T e i l e , Ich und Ich.' Die Tragik dieser Spaltung l i e g t nun darin, dass diese zwei HSlften h i e r i n diesem Leben auf Erden nie zusammenfinden kbnnen,' Im nachsten B i l d erscheint der Teufel selber, dem a l s Urheber der SiAnde i n dieser Welt und damit dem Ur-heber der DualitMt des Menschen, die Hauptschuld z u f a l l t . Satan i s t aber ftlr E lse Lasker-Schueler, wie es die Kabbala auch l e h r t , im Gegensatz zur chrisb-l i c h e n Lehre, nicht das absolut Bose, wenn auch das Urbflse i n der Schopfung. Selbst der Teufel kann mit Gott versdnnt werden, wenn er Gott a l s Herrn der Schopfung anerkennt. So k a p i t u l i e r t Satan vor dem Oberherrn, dem Gott a l l e r Weiten, und kehrt zu seinem Urzustand zuruck, ins S p i e l . E i g e n t l i c h i s t auch h i e r eine P a r a l i e l e zu Goethe's Mephisto, der j a auch dadurch bei dem Herrn Gehor gewinnt, weil er e i g e n t l i c h i n dner s p i e l e r i s c h e n Weise vor Gott t r i t t , sagt d.er Schopfer von ihm doch: "Von a l i e n Geistern, die verneinen. 1st mir der 50 Schalk am wenigsten zur Last." In Lasker-Schuelers- Satan beweist s i c h wie bei keinem anderen i h r e r Gestalten, die erlSsende Kraft des S p i e l s , die Kind-werdung, die bezeugt, dass e i n Vater da sein muss, der der SchBpfer und Herr a l l e r Dinge i s t und der Gehorsam verlangen kann. Die D u a l i t a t , der der Mensch nun aber einmal ausgesetzt i s t , kann den Menschen zum absoluten Bgsen fuhren. Der Mensch verstockt dann vollkommen, ohne je g l i c h e Hoffnung auf Rettung. Wo Satan spielend, indem er ein Rad schlagt, die H611e ver-l a s s t , muss H i t l e r und sein Heer i n den Feuergluten versinken. H i t l e r , a l s Symbol des absolut Bosen, wird von seinen AnMngern b e g l e i t e t . Anstatt im l e t z t e n Augen-56. b l i c k e die rettende Hand Gottes zu ergreifen, bleiben s i e unwiderruflich mit dem Urbttsen verbunden und mit dem Ruf " H e i l H i t l e r " versinken s i e i n den ewigen Gluten. Zur Erde zuruckkehrend, erscheint Paust und Hephisto auf der Buhne. Faust wird h i e r das B e i s p i e l der inneren Dualitat "par excellence". Diese Spaltung seines ganzen Seins erkennt er am Ende des Lebens i n ganz besonderer K l a r h e i t , indem er f e s t s t e l l e n muss, dass sein ganzes Leben doch halb dem Guten und halb dem B8sen gewidmet war. "an starken Strahnen h i e l t e n wir das schwarz und weiss gefleckte 52 Pferd." Das Symbol schwarz und weiss bezeichnet h i e r z w e i f e l l o s jene Macht von der Goethe auch i n seinem "Faust" s p r i c h t , namlich das Gute und Bose im Menschen. Dort sagt Mephisto zu Faust, auf die Frage wer er e i g e n t l i c h s e i : / 53 "Ein T e i l von jener K r a f t , / Die s t e t s das Bttse w i l l und stets das Gute s c h a f f t . " Dieser, ihn stark beherrschenden Macht, i s t s i c h Faust i n Ich und Ich k l a r bewusst. Als Kind war die Du a l i t a t kaum bemerkbar, denn damals konnte er noch spi e l e n . Dessen erinnert s i c h Faust, wenn er sagt: Mein Lachen mit den Kinderaugen, Mein singendes springendes Lachen, Dieses Kinderlachen hat s i c h aber verandert, nachdem dr die Stufen des Lebens durchlaufen hat und von den We gen des Kindes oft &geirr,t i s t : Nun l a c h e l t es wie Grpisenlachen, Und l e i d e t Jugendnot Das Bewusstsein, dass das "BBse" im Menschen im Allgemeinen vorhanden i s t , veran-l a s s t die Dichterin dann nach diesem Uebel i n ihrem Inneren zu forschen, urn zu sehen, wie verderbend es auf s i e eingewirkt hat. Wichtig i s t i n den folgenden Szenen, dass sie das Schauspiel i n den Garten eines Augenarztes ve r l e g t . Der einst h e l l e B l i c k des Menschen scheint i n diesem Erden-57. leben wie vom Star verdunkelt zu s e i n . Kaum unterscheidet der Mensch noch, was Gut und B8se i s t . Wie und was s o i l er da wMhlen? Warum der Mensch dieses Dunkel durchwandern muss, i s t l e t z t h i n nicht ganz zu erklaren. "Nie wird auf dieser Welt, das Weltenratsel ganz geltfst:/ Im Kreis der Freunde ni c h t , im Wandel Ich 55 und Ich, im Tale zwisehen HBhen, und nicht im Arm der Liebsten • tanzumdrehn." Das diese Dualitat kein ewiger Zustand i s t , g ibt der D i c h t e r i n immer wieder K r a f t , nach der LOsung des Ratsels zu suchen. Der Sch8pfer selber hat es bestimmt, dass Ich und Ich einst zusammen kommen s o l l e n . Auf der Suche nach jenem GiStt-l i c h e n , wird der Mensch aber oft nrfide und sein Inneres verwundet. Die Wunde a l s Symbol des Unbeha/ustseins, der Gottesferne, wiederholt s i c h o f t im Werk der Lasker-Schueler..Die Vogelscheuche tragt eine t i e f e Narbe an der S t i r n . Auch Yussuf i s t dadurch gekennzeichnet. In"der Wupper" treten Gestalten auf, die e i g e n t l i c h verzerrte B i l d n i s s e , wie h i e r die Vogelscheuche, der Dichte-r i n andeuten s o l l e n . Es sind d r e i unbehauste Herumtreiber. Zu ihnen gehttrt zuerst einmal der Pendelfrederick, dem das l i n k e Auge ausgelaufen i s t und rot i n die Welt s t a r r t . Rot kann man h i e r wohl a l s Symbol fur Narbe, Wunde ansehen. Es i s t das li n k e Auge und damit deutet die D i c h t e r i n wohl an, dass das Auge der Seele, das Herz des ^enschenjverdunkelt und verwundet i s t . Dem Pendelfrederick zur Seite geht der Amadeus mit dem glasernen i^erzen, das jeden Augenblick zerbrechen kann. Keine Heilung gibt es f u r ihn. Auch Lange Anna i s t ein unbehauster Mensch. N i r -gends gehSrt er hin, nichts nennt er sein eigen. Er w i l l s i c h mit Gewalt selber helfen^und dabei verrenkt C a r l ihm den Arm. Verwundet s c h r e i t er auf. Bezeichnend fur a l l e d r e i i s t h i e r : Amadeus: "Ich sag euch, lang mach i c h so en Leben nicht mehr mit. Pendelfrederick, was hast de von dein Leben? 59. Pendelfrederick: grausig murmelnd: "Ich hab nix von's Leben, aber es hat mir zum Z e i t v e r t r e i b . " 56 Lange Anna: htthnisch: "So ein ve r f a u l t e s Z e i t v e r t r e i b ! " Auch die Berufung a l s D i c h t e r i n i s t eine schmerzliche Mission und hi n t e r l a s s t Wunden, "In meiner Stirne schmerzt die Furche/ Die t i e f e Krone mit dem dustern 5T L i c h t . " oder "Und weckte doch i n deinem ewigen Hause nicht den Tag/ M ein 58 Herz schamt s i c h vor d i r f a s t seiner tauben Narbe." Nach solchem Ringen und Leiden, i s t vom Menschen, dem Ebenbild Gottes s c h l i e s s l i c h nur noch eine Vogel-scheuche flbriggeblieben. Der gflttliche Punke kann aber auch nicht i n der Vogel-scheuche ganz erlBschen, das Dunkel im Leben nicht so t i e f sein, das nicht e i n S t r a h l des ewigen Lichtes eindringe. So schlagt es vom Turme Mitternacht. Die Kabbala l e h r t , dass dem B5sen i n den d r e i Stunden vor Mitternacht f r e i e Hand gegeben i s t , aber um die zwolfte Stunde kommt der Herr. Hier i s t es nun gerade die Vogelscheuche, die s i c h s o v i e l vom Gottlichen bewahrt hat, dass s i e den Schlag der Uhr zuerst hBrt und weiss, dass Erlflsung naht. Jenes "hbnere Wesen", von dem si e frliher s p r i c h t , e r f t t l l t und v e r k l a r t s i e . Weiter s p r i c h t aber auch die Andeutung, dass i h r Kragen einst "blau" gewesen, von dem GBttlichen, das i n i h r wohnt. Das andere Ich, die Dic h t e r i n , i s t von dem starken metaphysischen Sehen v B l l i g 59 erschopft. "Ich b i n so mttd! " Dieser Ausdruck, der auch recht o f t i n der L y r i k vorkommt," bezeichnet das Schwinden der l e t z t e n Lebenskrafte und des Mutes. Auch h i e r , auf der "Bunne des Herzens", sucht die Dichterin Zuflucht im S p i e l . Mit dem F a l l e n des Vorhangs i s t das Lebensspiel, das aus Glaube und Zweifel bestand, endlich ausgespielt. Die Dualitat i s t aufgehoben: "Geklart zum Schluss s i c h Ich und Ich verbindenl/ Wie es bestimmt doch einmal so i n a l l e r S t i l l e / Nach hflheren'i Testamentes W i l l e , " 5 9 . 60 Wo der Zeiger des roten Z i f f e r b l a t t e s noch einmal nach Gottosten g e s t e l l t wird, urn nie mehr verruckt zu werden, wo die erste Stunde der Ewigkeit begonnen, i n diesem Augenblick vereinigen s i c h Ich und Ich. Der Zweifel muss weichen. Vor jener hohen Macht des rettenden Glaubens k a p i t u l i e r t er. Die Rettung vor der Dualitat verwandelt den H eimkehrenden wieder zum Kinde. Wie in-'-.einem Spielreim k l i n g t es von den Lippen der erltJsten D i c h t e r i n . "Ich f r e u mich so, i c h freu ''61 mich so: Gott i s t 'da 1. So f a l l t der Vorhang. Das tragisch-groteske S p i e l der Gottessuche j_ st beendet; denn der Herr Zebaoth i s t gefunden. Wie kaum ein anderer Dichter, hat Else Lasker-Schueler erkannt, dass es eine Lebensnotwendigkeit i s t , e i n k i n d l i c h e s Herz zu bewahren, urn w i r k l i c h a u f r i c h t i g e Dankbarkeit dem Schopfer gegenuber ausdrtlcken zu kflnnen. V e r l i e r t der Mensch dieses Kindsein, so wird er heimatlos und l e i d e t unter bitterem Zweifel. Er v e r l e r n t zu spi e l e n . "Ich habe zu Hause e i n blaues K l a v i e r . / Und kenne 62 doch keine Note." Im Chaos der Welt kennt die D i c h t e r i n s i c h nicht mehr zurecht, die Welt i s t verroht, im Zweifel von Gott abgeirrt, die Noten des Lebens sind i h r unbekannt. Im Anblick der Natur f i n d e t die Irrende dann aber o f t zuruck zu Gott und i n solchen Augenblicken s t e i g t e i n tiberzeugendes Gebet zu Gott empor: "Aber einmal holte mich die Welt ab vom Schauplatz, wir sind narnlich zusammen zur Schule gegangen, siechat mir immer die Aufgaben gemacht und mir i n der R e l i -gion geholfen. Wir fuhren Hand i n Hand irn Kreis, isomer im Kreis! Welt l i e g t i n Welt wie Mensch i n Mensch, T i e r i n T i e r und Baum i n B l a t t und umgekehrt B l a t t wieder i n Baum und a l l e s i n a l l e s und a l l e s i n allem und A l l i n Gott. Amen. 60, So hort i n der zwoflten Stunde d i e D u a l i t a t des "enschen auf. " A l l e s i s t i n allem und A l l i n Gott," "Gott i s t da!" 61. I I I . K a p i t e l I r o n i e , Masken- und W o r t s p i e l . In den vorhergehenden K a p i t e l n wurde versucht, zu zeigen, wie die D i c h t e r i n im S p i e l Geborgensein und Ordnung fand, wenn s i e s i c h im Chaos des Lebens, i n der W i r k l i c h k e i t , n i c h t mehr zu h e l f e n wusste. S p i e l wurde w e i t e r M i t t e l der k i n d l i c h e n Gottessuche und Anbetung. In jenen K a p i t e l n e r s c h i e n das S p i e l n a t u r l i c h und i n s t i n k t i v , In manchen F a l l e n erkennt man aber auch e i n bewusstes S p i e l e n , das a l s e i n geschickt gewahltes M i t t e l ganz bestimmte Zwecke v e r f o l g t . E l s e Lasker-Schueler besass eine ganz besondere Begabung f t l r die E r f i n d u n g neuer S p i e l e . War eines beendet und hatte es damit seinen Reiz v e r l o r e n , so entstand e i n neues wie aus dem Blauen g e g r i f f e n . Die V i e l s e i t i g k e i t i h r e s S p i e l s drlic k t s i c h vor a l l e m dann auch i n Form der I r o n i e , des Maskenspiels und des Wortspiels aus. Es mag s c h w i e r i g s e i n I r o n i e a l s Erscheinung zu d e f i n i e r e n . J.A. Thomson sagt: "Irony, which i s a c r i t i c i s m of l i f e , i s as hard to define as poetry.""^ Weiter sagt er dann, dass wie man Poesie e i g e n t l i c h n i c h t so r e c h t beschreiben kann, wenn man s i e aber l i e s t , weiss, womit man es zu tun hat, so erkennt man auch I r o n i e im allgemeinen. Man weiss ganz e i n f a c h , dass e i n Ausdruck oder eine Be-merkung i r o n i s c h gemeint i s t . I r o n i e , e i n B e g r i f f ^ d e r von den Griechen U b e r l i e -f e r t i s t , bezeichnet dort o f t das G e g e n t e i l von dem sagen, was man w i r k l i c h meint, die sogenannte Kontrast-Theorie. Man konnte auch w e i t e r an i r o n i s c h e Ueberlegenheit denken, die im Werke ausgedrtickt w i r d . I r o n i e , die a l s K r i t i k des Lebens gebraucht w i r d , wie Thomson sagt, kann etwas Vernichtendes an s i c h haben, kann aber auch nur belehrend wirken. Im e r s t e n F a l l e grenzt der Ausdruck 62. v i e l l e i c h t schon o f t an Verspottung, im zweiten, wenn s i e verstanden w i r d , kann s i e gar a l s Humor aufgefasst werden. Zur I r o n i e gehttrt w e i t e r auch eine H i n t e r -g r u n d i g k e i t , d i e aber n i c h t i n U n v e r s t a n d l i c h k e i t ausarten darf. E i e r z u sagt Beda Allemann: " H i n t e r g r u n d i g k e i t 1 h e i s s t i n diesem Zusammenhang wohl bewusst verkappt und v e r s t e c k t , mit g e w o l l t e r und den Reiz des S p i e l e s entscheidend e r -hBhender Umstandlichkeit, aber es h e i s s t n i c h t i n s Unaufgehellte oder gar Myste-r i o s e fiihrend; solches i s t der i r o n i s c h e n Welt von Grund auf fremd, denn s i e i s t eine v o l l s t a n d i g durchleuchtete, wenn auch aus s p i e l e r i s c h e r A b s i c h t k u n s t l i c h 2 v e r s t e l l t e Welt." I r o n i e gehBrt vor allem i n s S p i e l g e b i e t und h i e r nochmals B.Allemann: "...was I r o n i e b e t r i f f t , seheint das Spielraumhafte a l s Kategorie s i c h von s e l b e r anzu-b i e t e n , gehBrt I r o n i e doch e i n d e u t i g e r noch a l s andere d i c h t e r i s c h e n Erscheinun-3 gen dem B e r e i c h des S p i e l e r i s c h e n zu." In dem Leben und Werk der D i c h t e r i n t r a t d ie I r o n i e wohl i n a l l den erwahnten Formen auf. Eine gewisse t r a g i s c h e I r o n i e e r s c h e i n t i n ihrem Wesen, und zwar bezeugen i h r e Taten o f t das Gegenteil i h r e r Wunsche. Erwahnt hatte i c h schon i h r Verlangen und Sehnen nach wahrer Freundschaft und Liebe, jedoch hatte s i e diese einmal e r r e i c h t , so war s i e n i c h t f a h i g d i e s e l b e zu pflegen und machte n i e einen Versuch e i n gestBrtes V e r h a l t n i s zu einem anderen Menschen i n Ordnung zu bringen. Sie war u n f a h i g , dem so h e i s s Gewunschten Dauer zu v e r l e i h e n . HBlt en kommentiert fiber d ie I r o n i e i n dem Wesenszwiespalt der D i c h t e r i n : "Aus S e l b s t - und Fremdschilderungen wissen w i r , dass i h r V e r h a l t n i s zum menschlichen Du b i s i n s hohe A l t e r e i n s t e t s wiederholtes, immer neu e r l e b t e s , rasches Durch-l a u f e n a l l e r Phasen von tandelndem S p i e l und gltthender Leidenschaft war, mit ebenso p l B t z l i Q h e n Umschlagen, Entfernungen, schmerzlich.es Ungentlgen und E i f e r -sucht. 63. Im folgenden K a p i t e l erscheinen i h r e Gemutsstimmungen wie i n einem K r e i s l a u f von H e i t e r k e i t und T r a u r i g k e i t , e i n K r e i s l a u f , der s i c h wie e i n festgeasfcztes Muster immer d e u t l i c h ? i n jedem grBsseren Prosasttlck w i e d e r h o l t . In ihrem r a -schen Wechsel der Empfindungen g l e i c h t die D i c h t e r i n einem Kinde, und i n Wirk-l i c h k e i t konnte s i e j a , was das M e i s t e r n des Lebens anbelangt, n i e zu den E r -wachsenen gezahlt werden. Das Leben war immer s t a r k e r a l s s i e s e l b e r . I h r Ver-sagen-druckte die D i c h t e r i n aber durchaus n i c h t immer i n k i n d l i c h e r ¥eise aus, sondern o f t durch launenhafte E i n f M l l e . Dann s p i e l t e s i e i n e i n e r i r o n i s c h i l b e r -legenen Weise mit a l l e m , das urn s i e war. S i e s p i e l t e mit dem eigenen Herzen, mit den t i e f s t e n und e h r l i c h s t e n Gefuhlen i h r e r Mitmenschen. Da waren Oppenheimer und Hofmannsthal, zwei grosse K u n s t l e r , d i e s i e unbarmherzig i n den Staub zog. Ihre S c M r f e erkennt man besonders i n "Ich raume auf-." Sie nannte s i c h s e l b s t einen "Feuerspeienden Berg," der im B e g r i f f war, Ordnung zu schaffen. "Was kommt dort von der H8h!...das F l a c k e r l i c h t vom Horeb, aber heute f l a c k e r e i c h n i c h t mehr, i c h brenne, g e l i e b t e S p i e l g e f a h r t e n im Himmel, i c h rauche, e i n f e u e r s p e i -5 ender Berg, i c h speie gluhenden Aschenregen, Unmenschen zu verschutten,..." In diesem Abschni-tt r i e f d i e D i c h t e r i n nur noch die S p i e l g e f a h r t e n im Himmel an, denn d i e j e n i g e n auf Erden f o l g t e n i h r i n i h r e r Laune n i c h t und boten i h r keine H i l f e an. Es s c h e i n t ^ a l s hatten auch d i e Preunde sie v e r l a s s e n . Die D i c h t e r i n musste h i e r erkennen, dass der Spiess s i c h umgekehrt h a t t e , und a n s t a t t , dass s i e mit den Menschen s p i e l t e , s p i e l t e man mit i h r . Wie E l s e Lasker-Schueler es sah, Ziehen die Verleger nur i h r e n Hutzen aus dem Schaffen der K u n s t l e r , ohne ihnen eine E x i s t e n z m o g l i c h k e i t dafur zu geben. In i h r e r Klage war s i e wohl b e r e c h t i g t , aber s i e kannte keine Grenzen i n den Be-schuldigungen. Sie v e r g l i c h den V e r l e g e r mit dem Satan und sagte: "So p i e t a t -64. l o s der Gedanke auch s e i n mag, -ob. Gott n i c h t s e l b s t jung und ungeduldig seine Schopfung, die Welt, dem Satan zu verlegen gab, der nun seinen Nutzen h e r a u s z i e h t ? -In h o l l i s c h e n Farben gebunden und e i t e l goldenen L e t t e r n , l i e g t das Buch des Ewi-gen auf dem T i s c h der E w i g k e i t , fiber das er seine Allmacht v e r l o r ? " Wie Gott seine Welt den f a l s c h e n Verlegern i n di e i HSnde gab, so sehen s i c h auch die K f i n s t l e r , "die Gottminiaturen" gezwungen, i h r e Schopfung i n d i e Hande i h r e r Verderber, den V e r l e g e r n , zu geben. WShrend E l s e Lasker-Schueler die D i c h t e r mit GBttern v e r g l i c h , bezeichnete s i e d i e V e r l e g e r a l s Verbrecher. Dabei schor s i e e i g e n t l i c h a l l e fiber einen Kamm. "Oder s o l l t e es s i c h b e i v i e l e n V erlegern um D o p p e l k r i m i n a l f a l l e handeln? Reiche Leute, die aus eigennutziger Laune s i c h Verlage e r o f f n e n , mit ihnen s p i e l e n , i h r e n d i c h -tenden Puppen Arme und Beine a u s r e i s s e n (wir l i e g e n j a a l l e i n der Rumpelkammer) 7 ...Abgeklappertes S p i e l z e u g im blendenden Schein des gemachten Namens." So s p i e l t e man mit E l s e Lasker-Schueler. Wie sah aber das S p i e l aus, das., s i e s e l b e r mit i h r e n Mitmenschen t r i e b ? Walter Muschg sagt h i e r z u : "Dichtung und Leben f l o s s e n i h r h i n r e i s s e n d , o f t auch bedenklich zusammen, so dass s i e i h r e be-sten Preunde gegen s i c h aufbrachte. S i e l i e s s keine Grenzen zwischen beiden g e l t e n , g sondern glaubte m i t t e n unter Unglaubigen an die Allmacht der Phantasie." Auch i n diesem Umstand i s t eine gewisse I r o n i e erkennbar. Die D i c h t e r i n konnte n i c h t erkennen, wo der Uebergang von der Dichtung zum Leben war, denn so wie d i e W i r k l i c h k e i t meistens von dem S p i e l oder einem Traume abgelflst w i r d , wie schon im l . K a p i t e l f e s t g e s t e l l t , so erkennt man i n der Dichtung auch noch zwei Stufen von Traumbildern, sozusagen Traum I und Traum I I . Im l e t z t e r e n kann sogar etwas 65. Prophetie vorhanden s e i n . So e r z a h l t H e i n r i c h F i s c h e r einen V o r f a l l . "Es war im Jahre 1 9 3 0 , und d i e D i c h t e r i n hatte i n Hannover eine Vorlesung aus ihrem Werk gegeben. A l s s i e zuruckkam, f r a g t e i c h s i e : "Wie war es, Frau Lasker-Schueler?' S i e antwortete: 'Furchtbar!' S t e l l e n S i e s i c h vor: i c h komme auf Podium, schaue i n s Publikum - und denkehcSie, der ganze S a a l v o l l mit dreihundert Metzgergesel-l e n , jeder e i n b l a n k g e s c h l i f f e n e s Messer i n der Hand. Und im nachsten Augenblick stu r z e n s i e aufs Podium, urn mich umzubringen.'...Warum... Sie s i e h t mich einen ' 9 Augenblick an und sagt nur e i n Wort: 'Antisemitismus'..." Das Publikum war wohl da, aber wie i n einem Traume sah die D i c h t e r i n , das i h r e ZuhBrer s i c h i n "Metzgergesellen verwandelten." T i e f e r und ganz von der gegen-wartigen W i r k l i c h k e i t g e l f l s t war Traum zwei, denn dort sah s i e die Zukunft, d i e Judenverfolgung, die e r s t e i n i g e Jahre spater e i n t r a f . Wie man s i c h dann aber o f t eines Traumes n i c h t e r i n n e r n kann, nachdem man erwacht, so wusste die Dich-t e r i n auch o f t s e l b e r n i c h t , was s i e e i g e n t l i c h i n ihrem Werk sagen w o l l t e . Ver-suchte jemand eines i h r e r Gedichte zu e r k l a r e n , so wurde s i e sehr nachdenklich und sagte wohl: "Ja, so kann dat jemeint s e i n . Gerade w e i l der D i c h t e r i n , wie W.Muschg sagt, Dichtung und Leben zusammenflossen, und s i e s i c h manchmal der Folgen i h r e s S p i e l e s mit dem Menschen kaum bewusst war, konnten die Freunde s i e e i g e n t l i c h n i c h t zur Rechenschaft Ziehen. Von diesem S p i e l mit den Menschen i s t besonders v i e l i n "Mein Herz" zu bemerken, wo s i e s i c h durchaus n i c h t scheute, d i e j e n i g e n mit dem Namen zu nennen, die s i e gerade unter d i e Lupe nahm. Ueberhaupt war ihre, I r o n i e keine K r i t i k des Lebens, sondern s t e t s sehr i n d i v i d u e l l f u r einen Lebenden gerechnet. 66. Die D i c h t e r i n war weiter unfahig, objektiv zu u r t e i l e n . A l l e Dinge hatten nur i n sofern Bedeutung, a l s s i e mit ihrem eigenen Masstab gemessen werden konnten. Diese ihre S u b j e k t i v i t a t erinnert wieder an die Eigenschaft des Kindes, welches keinen weiten Ausblick ins Leben hat. Die Folgen, die das Unausgeglichene i h r e r Geftthle und Bewertungen brachten, ftthrten die D i c h t e r i n nicht zu neuen Erkenntnissen. Sie le r n t e e i g e n t l i c h nie aus der Erfahrung, sondern t r i e b i h r S p i e l mit den Menschen weiter, wenn s i e dadurch auch ihre besten Preunde v e r l o r . Man konnte wohl kaum behaupten, dass die D i c h t e r i n beim Scheitern je etwas von Schuld bei s i c h selber suchte. Im Gegenteil, glaubte s i e noch, dass s i e mit den Menschen zu milde verfahre. "...immer bewerte i c h die Menschen f a s t ohne Ausnahme, zu hoch. 0, diese Verluste!'^ Wie die D i c h t e r i n es sah, wollen die meisten Menschen j a auch gar nicht auf einer i d e a l i s i e r t e n Hone wandeln, wie es der Dichter oft mochte, und s i e sind zufrieden, fur das gehalten zu werden, was s i e w i r k l i c h sind. Es seheint, a l s ob der Dichter auch nicht f a h i g ware, seine Mitmenschen zu etwas HBherem heranzubilden, sondern w i l l er von jenen verstanden sein, muss er zu ihnen hinabsteigen. V i e l l e i c h t k l i n g t h i e r wiederum Ueberhebung-aus diesen Worten, die ja i n der Ironie der Lasker-Schueler erkennbar i s t , wenn s i e sagt: "Ja, j a , man mtisste Clown werden, 12 um s i c h mit dem Publikum zu verstandigen, und damit man dran kommt." Wie Else Lasker-Schueler es sah, i s t es f u r den Menschen eine Ehre, vom Dichter verewigt zu werden, und darum s o l l t e man ihm mehr Rucksicht erzeigen und ihm mit Hoch-achtung begegnen. U r t e i l t man nach dem, was sie i n "Mein ^-erz" ausdriickte, dann erhalt man den Eindruck, dass es sogar etwas Besonderes s e i , von Poeten genannt zu werden, e i n e r l e i ob i n humoristisch-ironischer Weise oder ob mit Hochachtung. 67. In i h r e n schwedischen B r i e f e n scheute s i e s i c h s e l t e n , die Personen, d i e s i e k r i t i s i e r t j b e i n Namen zu nennen oder die Anspielung k l a r genug d a r z u s t e l l e n . S i c h e r l i c h haben i h r e Freunde und Bekannten i h r e n Wink mit dem Zaunplahl deut-l i c h und o f t wohl auch schmerzlich empfunden. H i e r e i n B e i s p i e l : "Sie w o l l e n s i c h das Leben nehmen, f a l l s i c h S i e im Sturm erwahne, oder haben Sie v o r , mich i n d i r e k t auf die Idee zu bringen? Zumal s i e annehmen konnten, dass i c h n i c h t sentimental b i n , i c h jedem seine Neigung l a s s e , vor a l i e n Dingen mirs n i c h t auf so e i n Menschenleben ankomme. Aber b i s j e t z t kamen Sie f u r mich noch n i c h t a l s Modell i n Frage weder a l s P o r t r a t noch a l s K a r i k a t u r . Zwar i s t es mir schon gelungen, aus e i n e r priiden N u l l e i n Wort zu formen. Aber gedulden Sie s i c h , s e i e n 13 Sie guten Mutes. Hochachtungsvoll." Ob der Sturm wohl e h r l i c h genug war, eine gegebene Antwort zu v e r f l f f e n t l i c h e n ? Wie E l s e Lasker-Schueler das Individuum i r o n i s c h s p i e l e n d b e u r t e i l t e und beschrieb, so konnte s i e s i c h auch i n g l e i c h e r Weise "ber e i n ganzes Volk sehr allgemein ausdrttcken: "...die Welt i s t a n g e f u l l t von Dienstmadchen und Knechten, (von armen und r e i c h e n , von g e b i l d e t e n und rohen); der Deutsche verwechselt immer Rohheit mit Urwuchs; und doch wurde mich eine K a r t o f f e l k n o l l e eher verstehen wie 1A so e i n urwuchsiger Mensch." Dass man diese i r o n i s c h e n Bemerkungen n i c h t gerade mit Dank annahm, i s t l e i c h t v o r s t e l l b a r , wenn man sonst ihrem Plaudern, das o f t dem eines Kindes g l i c h , iiberhaupt e i n Ohr schenkte. Jedoch kann man b e g r e i f e n , dass besonders das Herz eines Freundes v e r l e t z t werden musste, von dem die D i c h t e r i n i n i r o n i s c h e r und o f t s a r k a s t i s c h e r Weise sprach. E i g e n t l i c h aber hatten diese Aeusserungen kaum die A b s i c h t , b f i s w i l l i g zu s e i n , sondern s i e offenbarten immer wieder i h r e Freude 68. am S p i e l , und s e i es e i n S p i e l der Ueberlegenheit. Im Grunde genommen schatzte s i e Freundschaft sehr hoch, so lange s i e dauerte. "David und Jonathan" s p r i c h t von dem I d e a l der Freundschaft i n d i e s e r Weise: In der B i b e l stehen w i r geschrieben Buntums chlungen. Aber unsere Knabenspiele Leben w e i t e r im Ste r n . Ich b i n David Du mein S p i e l g e f a h r t e ; 0, w i r farben Unsere weissen ¥idderherzen r o t ! Wie d i e Knospen an den Liebespsalmen Unter Feiertagshimmel Deine Abschiedsaugen aber-Immer nimmst du s t i l l im Kusse Abschied. Und was s o i l d e in Herz .Noch ohne meines-Deine Sussnacht 6hne meine L i e d e r Dieses Gedicht i s t f r e i von Humor und I r o n i e , Freundschaft war f u r d i e D i c h t e r i n h e i l i g . Die Ueberzeugung, dass David ohne Jonathan n i c h t leben konnte, war a u f r i c h t i g und wahr. Auch E l s e Lasker-Schueler konnte n i c h t ohne Freunde leben, und doch s t e l l t e s i e zu grosse Forderungen an d i e s e l b e n . S i e ilberspannte den Bogen, und schon entfuhr der P f e i l , der verwundete. N i c h t bedenkend, dass s i e meistens s e l b e r die Ursache des Zwiespaltes war, versuchte s i e , d i e Schuld den Freunden zuzuschieben und ve r g r f l s s e r t e damit den R i s s . "Seitdem er s i c h den ganzen Hiddensommer n i c h t um mich bekummert hat, s i e h t er gar n i c h t mehr aus wie e i n Gr o s s f u r s t , sondern wie i c h i h n i n der Katerstimmurig a l s Langohr gemalen habe. Ich z e i g t e ihm s e i n B i l d , aber er weigert s i c h , das Cliche' zu bezahlen. ""^ 69. Im Grunde genommen war Else Lasker-Schueler sehr s t o l z auf ihre "Ausgefallenheit", wie sie es i n einem Br i e f e nennt. Bald e r h i e l t e n die Freunde schmeichelhafte •Namen, bald wurden s i e zur Karikatur. Ihre lebhafte Phantasie kam i h r dabei sehr zustatten. ¥ie es Peter Baum i n dem obigen Z i t a t erging, war er, nach i h r e r Ansicht, bald ein Grossfurst, bald ein Langohr. Manche i h r e r Freunde e r l e b -ten das gleiche Schicksal. Nur die Toten waren vor i h r e r Ironie sicher. Auch manche Kfinstler i h r e r Z e i t bekamen etwas von dieser angenommenen Ueberlegen-h e i t der D i c h t e r i n zu versptlren. So wird von einem V o r f a l l mit Gerhard Hauptmarm, dessen s c h r i f t s t e l l e r i s c h e A r b e i t sie durchaus hoch einschatzte, folgendes b e r i c h -t e t . Sie habe seinen Zorn dadurch verdient, dass s i e ihm gerade ins Gesicht hinein sagte,dass er wie Goethes Grossmutter aussehe. Schlimmer erging es aber jenen Kiinstlern, b e i denen s i e keine schdpferische Begabung erkennen wollte. Eines i h r e r bevorzugten Opfer war Max Oppenheimer. "Sie sind, nehme i c h an, i n Kokoschka v e r l i e b t und ihre B i l d e r sind abgepflfickte Werke, darum f e h l t ihnen 17 die Wurzel." "abgepfluckte Werke, die keine Wurzel haben". Eine wurzellose Pflanze kann nicht bestehen und mit dem vernichtenden, passendeh U r t e i l , pro-phezeite die D i c h t e r i n den B i l d e r n und damit auch dem Maler den Tod. Auf gleiche Weise begegnete Else Lasker-Schueler auch Hofmannsthal und v e r r i e t b e i der Beschreibung von "Jedermann". g l e i c h z e i t i g ihre Freude am Wortspiel, welches die Spitze des U r t e i l s etwas weniger scharf erscheinen l a s s t , "Ich war namlich i n jedermann oder h e i s s t es A l l e r l e i ? Ich glaube es h e i s s t A l l e r l e i f ur jeder-mann oder Jedermann fur A l l e r l e i : Herein meine Herrschaften ins Riesenkasperle, 18 ins B e r l i n e r Haennesken."" An Kurtchen, einen der Adressaten i h r e r schwedischen B r i e f e , schickte der "Prinz von Theben" folgendes Kompliment: "Lass deine Gemalde einrahmen i n Watte, Dich 70. 19 e i n s a l z e n , wo der P f e f f e r wachst." H i e r handelte es s i c h wiederum um eines i h r e r k a r i k a t u r h a f t e n P o r t r a t s , wofur Kurtchen ganz e i n f a c h das C l i c h e und a l l e damit verbundenen Rechnungen n i c h t bezahlen w o l l t e . B r i c h t dann die Freundschaft, so b r i c h t damit auch inirner wieder i h r Herz. L e i c h t s i n n i g l i b e r s c h r e i t e t s i e die Grenzen, die i h r die S p i e l r e g e l n , und die waren h i e r gerade, anderen n i c h t wehe zu tun, nun einmal vorsch r i e b e n , und schon war das Uhgluck geschehen. H e i m a t l o s i g k e i t und Einsamkeit waren die d i r e k t e n Folgen i h r e s o f t zu s c h n e l l e n 2 a n d e i n s . s 0 ging es von einem Extrem i n s andere. Fast schwermtttig geworden^nMhrte die D i c h t e r i n o f t einen Gedanken, namlich den des Selbstmordes, der b e i i h r aber auch zum T e i l dem t r o t z i g e n S p i e l eines be-l e i d i g t e n Kindes v e r g l e i c h b a r ware, E i g e n t l i c h kann man solche Gedanken n i c h t zu ernst nehmen. Selbstmordgedanken oder Beschreibungen derselben kommen auch nur i n der frttheren Dichtung v o r , wo die S p i e l l u s t j a noch sehr s t a r k ausge-pragt i s t . So h e i s s t es i n einem F a l l e : "Ich habe namlich gebeichtet, dass i c h mir ausserdem das Leben meiner beiden Preunde wegen hatte nehmen wollen am Gas-hahn, der aber a b g e s t e l l t worden s e i ; der ganze Gasometer i s t geholt worden. Ich konnte die Gasrechnung n i c h t bezahlen. Auch i n der M i l c h kann i c h mich' n i c h t 20 ersaufen. B o l l e b r i n g t keine mehr.tr In diesen Worten e r s c h e i n t Humor und b i t t e r e I r o n i e , eine K r i t i k des Lebens, das s i e n i c h t mit Reichtllmern begabt hat und e i n i n d i r e k t e s V e r u r t e i l e n i h r e r eigenen Eigenschaften, die s i e u n f a h i g machten, mit ihrem Gelde recht zu w i r t s c h a f t e n . Weiter war es n a t t l r l i c h auch e i n S p i e l mit den eigenen Geffihlen. S i e w o l l t e b e m i t l e i d e t s e i n , s i e w o l l t e s i c h auf jede mSgliche A r t und Weise zum M i t t e l p u n k t machen. Wie b e i einem Kinde guckte aber auch beim Gedanken des Selbstmordes schon e i n 71. schwach.es Lacheln durch die Tranen. N i c h t , dass es das uebel e n t f e r n t e , aber es schwachte es s i c h e r l i c h ab. Wie die Freundschaft, so wurde i h r auch die Liebe o f t nur e i n S p i e l z e u g . " S p i e l und Dichtung dringen i n a l l e Lebensbereiche vor. Sie s p i e l t mit Gott, wie das 21 "Weltscherzo" z e i g t e , s i e s p i e l t mit dem G e l i e b t e n " . Das S p i e l mit der Liebe hatte f u r die D i c h t e r i n , so lange es dauerte, etwas Reizendes, es war f r e i von a l l e r Schwere. Solche Liebesgedichte s i n d dann o f t ohne besondere T i e f e , s i e werden eine tandelnde Beschaftigung, urn die Langeweile des A l l t a g s zu v e r t r e i -ben. Dann konnte es aber auch geschehen, dass sogar "der S p i e l p r i n z " vom S p i e l mit der Liebe zuruckscheut, denn es konnte e i n b i t t e r e r Ernst daraus entstehen. "Den Slaven kann i c h j a n i c h t mehr ausstehen. Und der B i s c h o f i s t mir zu wert-v o l l zum S p i e l ; wenn e r das S p i e l ertragen konnteI ¥er e r t r a g t aber den Kopf und 22 Herzsprung." Wo die D i c h t e r i n sonst das S p i e l wohl unbewusst a l s eine Z u f l u c h t empfand, e r -kannte s i e im S p i e l mit der Liebe Verderben. Auch f u r s i e bedeutete es meistens, wie s i e vom B i s c h o f sagt: "Herz und Kopfsprung." Und doch konnte die D i c h t e r i n dieses S p i e l b i s i n s hohe A l t e r h i n e i n n i c h t u n t e r l a s s e n . In a l i e n i h r e n Liebesgedichten und i n der Prosa, die dieses Thema behandelt, kann s i c h der Leser des Gefuhls n i c h t erwehren, dass s i e besonders i n dem V e r h a l t n i s mit dem L i e b s t e n wusste, dass s i e s p i e l t e . Dieser Umstand schien s i e zu lMhmen und doch e r s c h e i n t es h i e r a n S p i e l t r i e b zu s e i n , der n i c h t unter i h r e r W i l l e n s -k o n t r o l l e stand. Wie der "gebrochene F l u g e l " (Gebet), bannte es d i e Frau an d i e Erde, a n s t a t t dass die Liebe i h r die L e i c h t i g k e i t gabe, s i c h aufzuschwingen, h i n -weg uber die- alfcaglichen Probleme des Lebens. Vor i h r stand immer das Gespenst 72. der Furcht, das i h r e Augen Bffnen konnte und s i e das ganze Kartenhaus zusammen-f a l l e n sehe. "Wir s p i e l t e n und bauten Tempel A p o l l . . . Wir s p i e l t e n mit dem 23 g l u c k l i c h s t e n Gltick." Die D i c h t e r i n wusste a l s o , dass s i e mit dem'Cluck nur s p i e l e . Besonders bezeichnend f t l r d i e L i e b e s l y r i k der D i c h t e r i n i s t der Ge-d i c h t s z y k l u s , der dem G i s e l h e e r gewidmet wurde. Dort erkennt man zwei E r s c h e i -nungen. E i n e r s e i t s is; es das bewusste und g e f a h r l i c h e S p i e l mit der Liebe und dann auch das Gltick, das der Mensch empfindet, der l i e b t und g i i e b t w i r d oder zum mindesten glaubt, dasssie g e l i e b t werde. Ob G o t t f r i e d Benn die D i c h t e r i n .je w i r k l i c h a l s Frau g e l i e b t hat, ware wohl b e s t r e i t b a r . Dieser Gedichtszyklus t r a g t e i n sehr e i n d r u c k s v o l l e s und bezeichnendes Motto: Der here KBnig G i s e l h e e r S t i e s s mit seinem Lan^enspeer M i t t e n i n mein Herz. H i e r handelte es s i c h um eine sonderbare Zusammenftlhrung zweier ganz gegensatz-l i c h e r Charaktere, G o t t f r i e d Benn hatte n i c h t nur n i c h t s K i n d l i c h e s , er e r t r u g es j a auch n i c h t , Kinder um s i c h zu haben, und s e i n Sohn und seine Tochter mussten be i Freunden erzogen werden, sondern er verstand auch die S p i e l l u s t eines k i n d -l i c h e n Gemtites n i c h t . Diesen Mann l i e b t e E l s e Lasker-Schueler und widmete ihm manche i h r e r t i e f s t e n Liebesgedichte. Spater war es dann immer wieder der Schalk, den i h r e eigene S p i e l f r e u d e hervorbrachte, der i h r h a l f , die Enttauschungen zu tiberwinden. In den Gedichten offenbarte s i c h i h r ganzes S c h i c k s a l . I h r Sehnen und Hoffen wird n i c h t e r f t l l l t , i h r e Liebe n i c h t e r w i d e r t . Jedoch, j e grausamer s i e a l s Liebende verstossen wurde, desto i n n i g e r v e r t r a u t e s i e dem Undankbaren, s i c h der Hoffnung hingebend, dass er i h r doch e n d l i c h Schutz b i e t e n werde. Das L i e d des S p i e l p r i n z e n . Wie kann i c h d i c h noch mehr li e b e n ? Ktissen s i c h zwei Sterne, Oder b i l d e n Wolken e i n B i l d -Wir s p i e l e n es schon zar t e r . Und i n deines Kinnes Grube Bau i c h mir ein Raubnest - ' 25 Bis du mich aufgefressen hast. Was wollte die D i c h t e r i n wohl mit dem l e t z t e n "Verse sagen? Hoffte s i e , dass Giselheer s ie so li e b e n wurde, dass sie i n dieser Liebe v B l l i g aufgehe, f ur immer geborgen seinwerde, oder ahnte s i e schon den Todesstoss, der i h r von dieser Seiis kommen k6nnte. Je inniger s i c h die Liebende ergab, desto k a l t e r wurde Giselheer. Merkte s i e endlich, dass es unmflglich war, das harte Herz a l s Lebende zu ruhren, so versuchte sieseine Aufmerksamkeit durch ihren Tod, natur-l i c h nur am gebrochenen Herzen, zu ruhren. "Wenn er mich so sahe, er wurde mich 26 lieben, er mag a l l e s was tot i s t , was er wegschaffen kann. So ein Barbar." Hier guckte auch schon wieder der Schalk hervor 5und man weiss, dass diese l e i c h -te Ironie eine heilende Wirkung auf das Herz der D i c h t e r i n ausubte. Wohl k l i n g t dieser Trostungsversuch wie Galgenhumor,und doch fuhrte er s i e wieder zurtick zu i h r e r K i n d l i c h k e i t und die D i c h t e r i n i s t f a h i g , i n kindlichem Gebet, inmitten der Macht und Dunkelheit s i c h an den Urheber der Liebe zu wenden. K l e i n S t e r b e l i e d . So s t i l l i c h bin A l l Blut r i n n t h i n . Wie weich umher. Nichts weiss i c h mehr. Mein H e r z noch k l e i n Starb l e i s an Pein. War blau und fromm! 0, Himmel komm. Sin t i e f e r S c h a l l -Nacht u b e r a l l . ' 74. Und doch, wie schon erwahnt, brachte die Liebe auch v i e l Glttck f u r die D i c h t e r i n . Mein L i e b e s l i e d . Auf deinen Wangen l i e g e n Goldene Tauben. Aber dein Herz i s t e i n Wirbelwind, Dein B l u t rauscht wie mein B l u t . Suss An Himbeerstrauchern v o r b e i . 0, i c h denke an d i c h — Die Nacht frage nur. Niemand kann so schbn Mit Deinen Handen s p i e l e n , Schltisser bauen, wie i c h Aus G o l d f i n g e r ; Burgen mit hohen Ttirmen! Strandrauber s i n d wir dann. Wenn du da b i s t , B i n i c h immer r e i c h . Du nimmst mich so zu d i r , Ich sehe dein H e r z sternen S c h i l l e r n d e Eidechsen Sind deine Geweide. Du b i s t ganz aus Gold - 23 A l l e Lippen h a l t e n den Atem an. Manches im Gedichte e r s c h e i n t nur a l s W o r t s p i e l e r e i eine Funktion zu haben,und doch i s t es gerade e i n Ausdruck, der besondere Bedeutung f t l r die D i c h t e r i n haben mochte. "Niemand kann so schon mit deinen Handen s p i e l e n . " Es s i n d d ie Hande e i n e r g e l i e b t e n Person, mit denen s i c h d i e Prau, d i e , wie gesagt, i h r e K i n d l i c h -k e i t n i e v e r l i e r t , b e s c h a f t i g t . Das g l e i c h e B i l d t r i t t gerade i n der L i e b e s -dichtung sehr o f t auf. 0, Deine Hande Sind meine Kinder. A l l e meine Spielsachen Liegen i n i h r e n Gruben. 75. Immer s p i e l e i c h Soldaten H i t deinen Fingern, k l e i n e R e i t e r , B i s s i e umfalien. Wie i c h s i e l i e b e ^ Deine Bubenhande, d i e zwei. In "mein H e r z » h e i s s t es: "Ich s p i e l e den ganzen Tag mit seinen Handen; jedem 30 F i n g e r habe i c h einen Ring a u f g e s e t z t . " 31 Und: "Was er wohl von meiner z i e l l o s e n Hand aus S p i e l und B l u t denkt." M r Lasker-Schueler, d i e j a meistens auf s i c h s e l b s t angewiesen war, scheinen die Hande e i n Symbol des G-eborgenseins und des Schutzes zu s e i n . Hande s i n d f a h i g , das Fallende vor zu schwerem Sturz zu s c M t z e n . Sindi es dann noch Hande der Liebe, dann kann man ihnen v B l l i g vertrauen. Das B i l d der Hande mag der D i c h t e r i n schon beim Lesen der prophetischen Bflcher a u f g e f a l l e n s e i n . Von seinem Volke sagte Gott Jehova: "Siehe, i c h habe d i c h i n meine Hande gezeichnet, und 32 deine Mauern s i n d mir a l l e Z e i t vor Augen." Liebe, die den Schutzlosen geduldig h a l t und den Schwachen t r a g t j w a r w e i t e r f t l r die D i c h t e r i n das e i n z i g e Gut, das der Mensch aus dem -^aradies g e r e t t e t hat. Liebe i s t Schutz, warmende Umhullung, Geborgensein. A l l diese Eigenschaften schloss das Symbol der Hande f u r s i e e i n . Darum konnte die D i c h t e r i n ohne Liebe n i c h t leben und musste mit i h r auch die Freuden und Leiden derselben auf s i c h nehmen. E i n w e i t e r e s , b i s j e t z t noch n i c h t erwahntes S p i e l , i s t das sehr b e l i e b t e Masken-s p i e l . Wie das S p i e l mit der Liebe, hat es negative und p o s i t i v e Auswirkungen. Es i s t eine A r t V e r s t e c k s p i e l , wo d i e D i c h t e r i n s i c h o f t vor den Menschen und-vor s i c h s e l b e r verstecken w o l l t e . 7 6 . Zum T e i l i s t Dichtung immer Maskierung, nur kommt dies bei einigen Dichtern k l a r e r zum Audruck a l s bei anderen. "The sight of the masked f i g u r e , as a purely aesthetic experience, c a r r i e s us beyond 'ordinary l i f e ' i nto a world where something other than daylight reigns; i t c a r r i e s us back i n t o the world 33 of the savage, the c h i l d and the poet, which i s the world of play." Die Maskierung i s t i n der Dichtung nach Huizinga also genau so zu Hause, wie das S p i e l selber. E i g e n t l i c h i s t es j a eine Art S p i e l . Else Lasker-Schueler verkleidete s i c h aber nicht nur i n eine Maske, weil s i e ihre Gedanken verbergen wollte, sondern s i e konnte s i c h selber o f t einfach nicht mehr ertragen und wollte ganz einfach etwas anderes, jemand anderen v o r s t e l l e n . Dieser Wunsch konnte nur i n der Maskierung er f t i l l t werden. In den Masken, die sie vor dem Tode ihres Sohnes gebrauchte, gelang es i h r auch w i r k l i c h vollkom-men, w i r k l i c h zu sein, was s i e v o r s t e l l t e . Der Gedanke, dass es nur S p i e l s e i , hatte dort keine G t l l t i g k e i t . Das Maskenspiel wurde die W i r k l i c h k e i t . "Telegramm: Eben regierender Prinz i n Theben geworden. Es lebe die Hauptstadt und mein Volk..' Oder: "Unglaubige: Mein Volk w i l l immer mein Gesicht sehen, meine Stimme hSren ...Mein B i l d wird 35 v e r t e i l t i n Theben." SpMter r i e f die alternde D i c h t e r i n dann aus: "Wenn i c h 36 noch wie einst der Malik ware!!" Nicht einmal der Wille zum S p i e l gab i h r die PMhigkeit, jene Maske noch einmal zu tragen. Die Ruckkehr zum Osten, und fu r Else Lasker-Schueler war der Orient j a Urheimat, gab der Dichterin nicht nur die MBglichkeit, etwas Schbneres zu s e i n , a l s s i e 77. i n W i r k l i c h k e i t war, sondern v e r l i e h i h r e r Dichtung einen v i e l weiteren S p i e l -raum. Die Bstlichen Metaphern und Symbole waren noch nicht so ausgeleert und verbraucht wie die des Abendlandes. Der morgenlandische Dichter ttbt i nsofern eine ganz andere Anwendung der Metaphern, dass er durch das Symbol den Gegen-stand ersetzt und nicht nur, wie es i n der westlichen L i t e r a t u r geschieht, Aehnlichkeit hervorhebt. E i g e n t l i c h wird der G-ebrauch der Metapher i n d i e s e r Weise auch eine Maske, die wie i n "Jakob" z.B. vor a l i e n Dingen Macht d a r s t e l l t . Das ganze Gedicht b l e i b t vcn Anfang b i s zum Ende unter der Maske des B u f f e l s . Jakob Jakob war der B u f f e l seiner Herde. Wenn er stampite mit den Hufen, Sprtihte unter ihm die Erde. Bfullend l i e s s er die gescheckten Brttder. Rannte i n den Urwald an die Elusse, S t i l l t e dort die Affenbisse. Durch die mtlden Schmerzen i n den Kndcheln Sank er vor dem Himmel fiebernd nieder, y. Und sein Ochsgesicht erschuf das Lacheln. Wie Else Lasker-Schueler s i c h i n i h r e r fruhen Dichtung gerne i n einer Maske zeigte, so erscheinen auch die Helden i h r e r Gedichte. Ihr ganzes Wesen passte j a auch i n die mythische Umgebung des Morgenlandes, dessen Dichter i h r zum V o r b i l d dienten. "Nicht etwa handelt es s i c h , wie bei Goethe, Rtlckert oder Platen, urn eine gelegentliche bildungsmassige Rezeption B s t l i c h e r St.offe und Pormen als eines zu hohen Spielen entliehenen Kostttms, sondern um den inneren Auftrag einer mythischen Wiederholung, eine eher e r l i t t e n e a l s beschworene, i n sussen Klagen s i c h ergehende Wiederauferstehung jahrtausendealter Herlcuhf-t e . " 3 8 Dieses Maskenspiel war bei Lasker-Schueler bald h e i t e r , schalkhaft, bald ernst und schwermutig. Einmal wahite sie die Verkleidung a b s i c h t l i c h , dann wieder 78. seheint s i e s i c h (lessen selber nicht k l a r bewusst zu s e i n . Welche Art dieses Maskenspiel auch immer annehmen mochte, es handelte s i c h b e i i h r nicht nur um blossen Z e i t v e r t r e i b , obwohl Langeweile f u r s i e e i n grosses Uebel war. Wie auch Baldrian f e s t s t e l l t , war dieses e i n S p i e l mit Hintergrun-den. Maskierung wurde der D i c h t e r i n geradezu Lebensnotwendigkeit, damit s i e i h r Ich, i h r Selbst im Chaos der Z e i t retten kbnne. Fast unzahlig sind die Masken, die die Dic h t e r i n trug. Einmal war s i e "Tino von Bagdad", "der Sp i e l p r i n z von Theben", "Lederstrumpf", "Jussuf A b i g a i l der d r i t t e " , "Dichterin Amaram", und v i e l e andere mehr. Es war ein V e r s t e c k s p i e l , wie es die Di c h t e r i n i n "Siehst du mich" beschrieb: "Dich hinzaubern und ver-/ 39 gehen lassen/ Immer sp i e l e i c h das eine S p i e l . " T a t s a c h l i c h wurde s i e nicht mude, dieses S p i e l fortzusetzen. aber i c h auch nicht a l l e i n e die Di c h t e r i n und die Tino von Bagdad bin, nicht nur der Prinz von Theben, zu g u t e r l e t z t nicht nur a l s Jussuf der Aegypter e x i s t i e r t habe, sondern i c h auch e i n kleines Madchen sein kann... . Als S p i e l p r i n z von Theben, i h r e r Lieblingsmaske, konnte s i c h die Di c h t e r i n einem recht heiteren S p i e l hingeben. In Gedanken versetzte s i e s i c h wohl tausende von Jahren zurttck und erlebte angespornt durch ihre lebhafte Phantasie, i n Wirk-l i c h k e i t jene noch so ungetrubte Zeiten. Daraals s p i e l t e n nicht nur k i n d l i c h e Menschen, sondern auch das ganze Volk, die ganze Stadt Theben. Jene Nation, das Volk von "Tausend und eine Nacht", besass noch eine Heimat, w e i l es spi e l e n konnte, weil es Zeit hatte, einem MMrchen zu lauschen, ein Maskenspiel aufzu-fuhren. "Meine Stadt Theben i s t eine Knospe Zebaoth. ^ e i n e stadt Theben b e g l e i -tet mich b e i jedem S c h r i t t . . . . I c h schickte dem unglaubigen R i t t e r l a u t e r S p i e l -79. sachen, a l s ob er mein Brtiderchen s e i - w e i l er e i n rot Kinderherz hat, w e i l er noch ein heimatliches Spielzimmer haben mBchte; einen Gralsoldaten aus Holz, 41 eine Schokoladentrojnpete, eine Spielfahne meiner Stadt Theben...." Wie diesem R i t t e r das Spielzimmer Heimat werden s o i l , so war auch der Prinz von Theben i n seinem Palast geborgen wie im Schosse der Mutter. "Wir s i t z e n beide auf dem Spielboden im al t e n Palast i n Theben und spielen zusammen mit Gerumpel, Holzbeinen und Wedeln der zertrummerten Schaukelpferde.... Ich b i n auch noch ganz k l e i n , i c h s p i e l e Verstecken mit meinen Handen oder Schimmern mit meinen 42 Fingern i n der Sonne." Past b i s zum Ende haben a l l e Erzahlungen im "Malik" etwas Leichtes und Heiteres Manchmal wird man wohl an den zweiten Weltkrieg erinnert, durch Szenen aus E r i e ztigen, wie sie der Kaiser v o l l f u n r t e , oder dadurch, dass er s i c h mit seinen Getreuen auf den Weg nach Russland begab, um Senna Hoy zu befreien. Jedoch i s t man s i c h dessen immer bewusst, dass es j a nur ein Marchen, ein S p i e l i s t , wo eben wie i n Traum I etwas von der W i r k l i c h k e i t noch widergespiegelt wird. In Theben wurde die verkannte und verachtete Judin e i n leuchtender Prinz, s i e wurde Malik, dem man Ehrfurcht z o l l e n musste. Er hatte nicht nur v o i l e Herr-schaft uber s i c h errungen, sondern auch die Herrschaft uber ein ganzes grosses Volk. Da ging es, umgekehrt wie im Leben, von einem Siegeszug zum anderen. Was der wahre Dichter nach i h r e r Meinung nach sein wollte, namlich e in A r i s t o k r a t , ein " L i e b l i n g Gottes", ein Kbnig, das wird der S p i e l p r i n z i n Theben. Als Kuhstlerin war Else Lasker-Schueler dann aber auch e h r l i c h genug zuzugeben, das sie dieses Wunschland nur im Traume oder im Spiele erreichen konnte: 80. Aus meiner Wimper hangt ein Stern, Es i s t so h e l l Wie s o i l i c h schlafen. Und mochte mit d i r Spielen - Ich habe keine Heimat -Wir sp i e l e n KBnig und Prinz. 43 Diese Fahigkeit, s i c h eine Heimat im Spiele zu erbauen, h a l f uber die schwersten Klippen des Lebens hinweg. Die D i c h t e r i n brauchte i n den heftigen Sturmen des Lebens nicht zu scheitern. Der Prohsinn, die Schalkhaftigkeit schien die Dualitat des Lebens aufzuheben und i h r Augenblicke der vollkommenen Freude zu bereiten, die die ganze Macht Mephistos dem Faust nicht bereiten konnte. Es war aber auch w i r k l i c h nur ein Augenblick und dann f o l g t e wieder das Leben der W i r k l i c h k e i t . Die frohe Maske verwandelte s i c h , und a l s S p i e l p r i n z durchlebte die D i c h t e r i n die Schrecken des Selbstmordes. Erschienen die Selbstmordversuche i n "Mein Herz" wie tandelndes S p i e l , so wurde es h i e r b i t t e r e r Ernst und i n die Tat umgesetzt. Die Masken der D i c h t e r i n sind nicht nur ernst und schwermutig, s i e konnen auch fa s t grotesk werden, wenn s i c h der S p i e l p r i n z der B i l d e r aus der primitiven Kultur bedient. Hier i s t die Beschreibung eines Kampfes i n der Stadt Theben. "Gestern h i e l t der Kampf b i s i n die Hacht. Drei gfangene Menschenfresser s p i e l t e n 45 nun mit meinen Soldaten vJiirf e l und sehnen s i c h nach ihrem jungen F l e i s c h . " Diese, bis dahin besprochene Maskierung geschieht i n vollem Bewusstsein und wurde durchaus mit Absicht ausgeffihrt. Die D i c h t e r i n hatte genitgend Grunde, der W i r k l i c h k e i t f u r Momente ausweichen zu wollen. Man alint aber auch ein Mas-kenspiel, wo Hintergrundigkeit herrscht, i s t s i c h aber nicht ganz k l a r , wie man Und da kam ein Augenblick, Ei n spielender, jauchzender Augenblic^ Und tanzte mit mir ins Leben zuruck." 81. die ^rsache dieses Versteckspiels ergrunden kbnnte. Zu dieser Art Maskierung kann man a l s a u f f a l l i g s t e s B e i s p i e l das Vorschatzen von i h r e r Unwissenheit oder ihrem Ungebildetsein, bringen, welches o f t sogar i n P r a h l e r e i ausartete. Wohl i s t es bekannt, das Lasker-Schueler nicht zu v i e l Schulbildung besass. Schon a l s Kind gelang es i h r , die Erwach'senen zu ttberzeu-gen, dass die Schule f u r i h r empfindliches Gemut nur schadlich sein werde. Das S p i e l , das s i e damals mit dem Arzt und den E l t e r n fuhrte, setzte s i e spater dann mit dem Leser f o r t . Werner Kraft erwahnt i n seinem ^achwort zu KAus dem ^achlass -, dass s i e wohl 46 gebildeter s e i , a l s s i e zugeben wolle. In ihrem Werk erkennt man dann auch l e i c h t , dass s i e i n der W e l t l i t e r a t u r sehr belesen war. Jedoch sagte die Di c h t e r i n ; 47 "Ich sel b s t lese j a nic h t , sehe mir aber die Achat- und Peuersteine...an." Und "Gelesen wenig im Leben, htichstens Tiergeschichten aus meiner Mutter B i b l i o -thek, was mir genugte, b l i e b verschont vom Drum und Dran. Lacheln Sie unglaubig, 48 H.P.? Nichtlesen war immer mein Manko,..." In "Ich und Ich" "Du scheinst be-lesen, Monsieur Vogelscheuche, i c h l a s im Leben wenig, Monsieur Vorgelscheuche, 49 denn i c h vertrage nicht die blatternden GerMusche." Aus diesem Z i t a t k l i n g t schon wieder etwas von i h r e r S e l b s t i r o n i e hervor, s t e l l t e die Vogelscheuche doch auch die Dichterin, das andere Ich dar. Weiter kann es dann heissen: "Sprechen Sie v i e l l e i c h t gerne uber L i t e r a t u r : 50 Ich hasse Prauen, die fiber L i t e r a t u r reden." Diesem Z i t a t konnte man g l e i c h ein anderes folgen lassen, wo die Di c h t e r i n erwahnt, dass s i e s i c h i n keine andere a l s i n ihre eigene L i t e r a t u r i n t e r e s s i e r e . In solchem F a l l e durfte man dann auch liber L i t e r a t u r sprechen. 82. Der Beweis i h r e r Bebsenheit i s t durch das ganze Werk zu finden. In "Ich und Ich" t r i t t Wilhelm T e l l vom U r i auf, neben ihm Charlotte von Stein, Hermann und Dorothea. Sie kannte die Helden der Heimatliteratur wie auch die v i e l e r anderer Lander. In "Mein Herz" begegnet man z.B. "Ich hasse die Liebe unter den Al l t a g l i c h e n , . . . L i e b e n durfen s i c h T r i s t a n und Isolde, Carmen und Escamillo, R o t c l i f f und Marie, Sappho und Aphrodite, der Moor von Yenedig und Desdemona, Wilhelm vom Kevlaar, Du, Herwarth, und Gretchen, Romeo und J u l i e t , Faust und 51 Gret chen,..." Solche Anspielungen ktJnnte man v i e l e finden. Im "Malik" er— scheinen R o l l e r , Caspar H auser, Carl Moor, der Grilne Heinrich, das Bauerlein aus Grimms Marchen, u.s.w. H a n d e l t es s i c h noch urn Dramen k5nnte man annehmen, dass sie die auf der Buhne kennengelernt habe, aber wenn s i e von Robinson, G u l l i v e r oder dem Trompeter von Sackingen s p r i c h t , kann man wohl annehmen, dass s i e auch ziemlich v i e l gelesen hatte. Sie konnte unter Umstanden sogar ganz l e i -dens'chaftlich lesen. "Bis zwei Uhr nachts l a s i c h im Ivissen gelehnt, v o l l Eisblumen die Fensterscheiben, k l e i n e r Mond uber meinem Bett, gefangen im Gewebe 52 das starke sitsse Buch: "Doktor D o l i t t l e und seine T i e r e . ' " Ob die D i c h t e r i n i n W i r k l i c h k e i t belesen war oder nicht, i s t weiter nicht so wichtig, obwohl interessant, dass s i e es nicht wahrhaben wollte. S i c h e r l i c h wird man immer wieder auf v i e l e Widerspruche, besonders i n ihrem Wesen, stos-sen, da man ausserdem auch so wenig aus ihrem Leben weiss. W.Kraft bemerkt i n diesem Zusammenhang: Wenn i c h aber a l l e Widerspruche i h r e r Existenz auf einen gemeinsamen ^enner bringen s o l l t e , so wurde i c h sagen: s i e l i e s s nur eine einzige k l a r e Tendenz erkennen, namlich die, von ihrem A l t e r keine Notiz zu nehmen und dieses Leben grundsatzlich ohne Ende fortzuftthren. Dass aber das A l t e r von i h r Notiz nahm, das machte das oft Groteske i h r e r Wirkung aus, gerade dann, wenn die schwarzen Diamanten i h r e r Augen daran erinnerten, wie unendlich r e i z v o l l s i e gewesen s e i n muss, al s s ie juhg war, und das Schlimmste i s t , dass sie 83. selbst sehr wohl wusste, was mit a l i e n KrMften sie nicht wissen wollte." Musste sie jenes Wissen a l s wahr erkennen, so versuchte die Di c h t e r i n s i c h i n S e l b s t i r o n i e zu verstecken, die i h r o f t grosse Befriedigung gab, wird s i e doch nie s i c h selber k r i t i s i e r e n , ohne auch auf den Mitmenschen i n o f t ziem-l i c h scharfer Weise hinzuweisen. "Aber i c h muss mir w i r k l i c h abgewBhnen, immer 54 von mir zu sprechen, wie Kokoschka i n Wien, der spr i c h t darum gar n i c h t . " Auch an Herwarth Walden s t e l l t s i e einmal die Frage,. warum er denn nichts mehr erzahle oder ob s i e inn nicht zu Worte kommen las s e . Sie b e t i t e l t e s i c h selber a l s dummes Schaf und bat Franz Mark i h r einen grunen Hammel zu malen, mit der 55 Bemerkung: "So was Ausgefallenes gibt es gar nicht mehr, ausser mir." Weiter. "Wie durfen Sie. s i c h erlauben, und, vor a l i e n Dingen mich, i n ihrem Vortrag mit Idioten anzureden, zumal Sie genau wissen, i c h bin I d i o t . Aber er-innern brauchen Sie raicht nicht daran, das i s t unzart, das i s t d i r e k t ordinar 56 von Ihnen." Wenn Else Lasker-Schueler i n diesem S p i e l der S e l b s t i r o n i e auch oft ihre Eigen-schaf ten, ihre Schwache v e r r i e t , so brachte sie das nur zum Ausdruck, wenn s i e dabei auch den Mitmenschen etwas verspotten konnte. Das schien ihre eigene U n w i l l i g k e i t etwas abzuschwachen. "Ich bin sehr neugierig geworden; i c h beginne mich zu fragen, ob i c h i n t e l l e k t u e l l bin oder stumpf? Manchmal denke i c h was, das geht tlber meine Grenzen; uber Eure Horizonte habe i c h wohl schon lange ge-dacht . " 5 7 Diese Art der lHchelnden Ironie war der Di c h t e r i n i n der besten Zeit ihres Lebens sehr eigen. Im spateren Leben bemerkt man dann aber o f t etwas Strenges und v i e l mehr E r n s t h a f t i g k e i t . Dann konnte i h r t a t s S c h l i c h niemand mehr helfen. 84. Wenn s i e es auch kaum ftlr n o t i g h i e l t , mit anderen Geduld zu tlben, mit s i c h selber musste s i e s i c h wohl i n dieser Tugend tlben: "Ich muss Geduld haben. 58 Ich habe Geduld mit mir." Ueberhaupt musste s i e lernen, mit s i c h selber zu leben. Ihre Eigenart konnte s i e nicht abschtltteln, wollte s ie w i r k l i c h schopfe-r i s c h grosse Werke hervorbringen. Ihre Mission musste s i e a l l e i n e r f t i l l e n und konnte auch von niemanden H i l f e erwarten, s i e musste ihren Weg a l l e i n gehen: "Die Gottheit Himmel im ^enschen i s t Genie.... mein Himmel macht mich nicht g l i i c k l i c h im i r d i s c h e n Sinne, i c h kann ihn nicht t e i l e n . Wunderbar aber spielen s i c h die t i e f s t e n Erinnerungen meines Blutes 59 i n dem Glanze meines Blaus wieder." Dem weiten Meere ftlhlte s i e s i c h verwandt und glaubte, dass s i e s i c h i n jenem wieder erkenne. Sie nannte es ihren einzigen Spielgefahrten und zeichnete auch damit e i n Selbstportrat, t e i l s i n s p i e l e r i s c h e r Ironie, t e i l s i n tragischem Ernst. "Mit den Stttrmen sturmend, mit den s i c h 60 muden Wellen ruhend; aber mit der Tragheit des Pliessens im Kampf." Eine andere Art von S p i e l , die schon im ersten ^ a p i t e l , bei der Betrachtung des Tibetteppichs-erwahnt wurde, war.-' das S p i e l mit den Worten. ; ,In "mein Herz" drtlckte die D i c h t e r i n s i c h so aus: "Ich sterbe am Leben und atme im Bilde wieder a u f . " ^ Obwohl s i c h die B i l d e r i n i h r e r Dichtung o f t wiederholen und obwohl i h r Wprtschatz nicht gross war, so s c h i l l e r n s i e doch i n a l i e n Regenbo-genfarben, s i e geben der Dichtung erst das Leben, erscheinen bald h e i t e r und ernst, bald neckend und t r a u r i g , schluchzend und jubelnd. In i h r e r Dichtung entdeckt man die Portsetzung der T r a d i t i o n v i e l e r Dichter und a l l e r Zeiten. Man konnte a l s Vergleich an den "Don Quichote" des Cervantes denken, an Wie-lands "Don S y l v i o " oder an K l e i s t s "der zerbrochene Krug". Sehr interessant wflre gerade ein Vergleich mit Heinrich Heine, mit dem s i e i n W i r k l i c h k e i t sehr 85-v i e l gemein hatte. Er s p i e l t e v i e l l e i c h t nicht so v i e l mit Worten a l s mit Ideen, was auch Afters bei Else Lasker-Schueler der F a l l i s t . Etwas Erhabenes oder hohere Werte^ werden durch eine Wortwendung i h r e r ganzen Erhabenheit ent-b l o s s t . "In mein Kind, wir waren Kinder", h e i s s t es: Und klagten, wie a l l e s besser Gewesen zu unserer Z e i t , Wie Lieb' und Treu und Glauben Verschwunden aus der Welt, Und wie so teuer der Kafgge, Und wie so r a r das Geld! Etwas lehnlich.es geschieht i n der Dichtung Lasker-Schuelers, wenn s i e i n Gedichten eine f a s t vollkommene, ebenmassige Versform hat und dann das Gedicht mit einem ganz unbedeutenden Wort ab s c h l i e s s t . An T r i s t a n Engel pf luckteri s i c h dein Lacheln Und schenkten es den Kindern Die spielen Sonne damit u cl • • • • Treffender noch sind manche Be i s p i e l e aus der Prosa, wo die D i c h t e r i n einen bekannten Vers oder ein a l t e s Sprichwort nahm und ihm eine ganz p l f l t z l i c h e , unerwartete Wendung gab. So h e i s s t es i n "Ich raume auf": "Wer nie sein Brot mit Tranen ass, der i s s t es i n dieser buchverheirateten Sippschaft gemein-64 s c h a f t l i c h am T i s c h . " Sehr oft bemerkt man ein grosses Vergniigen an dem Bewusstsein, dass sie die Sprache v f l l l i g beherrschte und dass es der D i c h t e r i n g l u c k l i c h erlaubt s e i , mit i h r zu machen, was immer i h r e i n f a l i e n wurde. "Die Sonne schien nicht; aber 65 i c h schien - auf der Spur zu s e i n . " Oder "Er wollte mich j a hauen - i c h meine • -, „66 m Fresco." O r i g i n e l und humoristisch wirkt meintens i h r Wuppertaler P i a t t . Von Heinrich 86. Heine borgte s i e h i e r . "Eck wees j e d e n f a l l s nich, wat s o e l l et bedeuten on wroem eck so traureg bin, Du wackels em Schaukelstuhl meek oemer durch ming S i n n . 1 , 6 7 Ab und zu kommen volksttimliche Ausdrticke, die man heute noch auf dem B e r l i n e r Bahnhof htiren konnte, i n der Prosa vor: "Man t r i f f t j a Manner und Prauen, die i n die Zahne mit der Zunge kriechen beim Verdauen, durch die gesegneten Mahl-zeitbacken und Vor- und Hinter- und sauer gewordenen Milchzahne f l o t e n und stfhnen. Zu dieser Art von S p i e l e r e i bemerkt B r i g i t t e Baldrian: "Es s e i noch die Prage g e s t e l l t , ob es s i c h b ei Else Lasker-Schueler nicht mttglicherweise um eine L'art pour l ' a r t S p i e l e r e i mit der dichterischen Sprache handelt, die die ¥orte und B i l d e r e i n s e t z t , a l l e i n a l s a s t h e t i s c h - s i n n l i c h e Bindung, die v i e l d e u t i g s ein w i l l und mutwillig die B i l d e r zertrttmmert und durcheinanderwttrfelt, um zu ver-b l u f f e n , i n Erstaunen und Erwartung zu setzen, einem Geheimnis gegenuber, dass 69 es gar nicht g i b t . " Schwer seheint es dieses S p i e l mit Worten zu erklaren. Auch B. Baldrian seheint nicht ganz im klaren zu se i n . Anscheinend i s t das S p i e l w i r k l i c h nur asthetisch, L'art pour l ' a r t und doch gerade weil es ein S p i e l i s t , hatte es eine Bedeutung fur die Empfindungen und Gefiihle der D i c h t e r i n . S p i e l war ftlr s i e niemals nur eine aethetische BeschSftigung, sondern ein ganz bestimmtes M i t t e l zum Zweck, namlich, wie schon so oft gesagt, ein M i t t e l , das Leben ertragen zukbnnen. Wohl kann es geschehen, dass der Leser von der Musik der Sprache eingenommen xsrird und dartlber v i e l l e i c h t gar nicht auf den Sinn der Worte achtet. Wie bei Nietzsche, i s t j a auch die Prosa der Else Lasker-Schueler reine Poesie, getragen vom Rhyth-87. mus der Worter. Was Mar t i n i von jenem sagt, t r i f f t auch f ur diese D i c h t e r i n zu: "AUs der Prosa des Zarathustra entwickelte er den Zyklus seiner freirhythmischen Dionysos-Dithyramben..., 'welche er s i c h s e l b s t zusang,. dass er seine l e t z t e 70 Einsamkeit ertruge'." Nun ein B e i s p i e l aus "Ich tanze i n der Moschee." ".. . h i e r steht noch der Schein meiner Fttsse, meine Schultern zucken l e i s e - machmede, macheii, immer wiegen meine Lenden meinen Leib, wie einen dunkelgoldenen Stern. 71 Derwi, Derwisch, e i n Stern i s t sein Leib, Machmede, macheii." Wurde man diese Prosa i n etwas anderer Form aufschreiben, so sahe es wohl so aus: Hier steht noch der Schein meines Fusses, Meine Schultern zucken l e i s e -Machmede, macheii Immer wiegen meine Lenden meinen Leib Wie e i n dunkelgoldener Stern. Derwi, Derwisch, Ein Stern i s t mein Leib-Machmede, macheii In diesem l y r i s c h e n Abschnitt sind es gerade einige Klanggebilde, die das ganze beherrschen und zwar: steht, Schein, Schulter und Stern, wie auch noch die Wiederholung des wiegenden Lautes "m." machmede, macheii, immer, meine, oder A l l i t e r a t i o n i n Lenden und Leib. In der Ly r i k zaubert Else Lasker-Schueler dann erst recht ein Bliltenreich von wohlklingenden Worten hervor: "Schluchzend uber Schluchten ". (Rast) "...lauschende Blumen/ Im summenden Laub" (Heimlich zur Nacht) "Ich hbrte deine S c h r i t t e seufzen" (Ruth) Gerade diese angefuhrten Gedichtszeilen, die astheti s c h anmuten, erwecken t i e f e Gefuhle und Empfindungen und eine t i e f e Gedankenwelt, v o l l e r Bedeutung. Die wichtige R o l l e , die das S p i e l i n Leben und i n der Dichtung der Else Lasker-Schueler s p i e l t e , i s t wohl noch nicht genugend erkannt worden und auch i n diesen Betrachtungen nicht erschopft. Ohne S p i e l ware ihre L y r i k nicht denkbar. Und doch, im A l t e r , wo s i e nicht mehr f a h i g i s t zum S p i e l , konnte sie s i c h i n gewissen Momenten, l e i d e r nur se i t e n , aufraffen, um noch einige der bekanntesten Gedichte zu schreiben. Aus diesen Gedichten merkt man dann, dass s i e wohl sehr einsam geworden war. Schwermut spri c h t aus den Worten, Mit diesen Gedichten hatte die Di c h t e r i n die l e t z t e R e i f e e r r e i c h t , s i e war kaum mehr einem Kinde vergleichbar und damit war sie dem Spielzimmer dieser Welt entwachsen. Ich weiss Ich weiss, dass i c h bald sterben muss Es leuchten doch a l l e B&ume Nach langersehntem J u l i k u s s -Fahl werden meine Traume-Nie dichtete i c h einen truberen Schluss In den Bi l d e r n meiner Reime. Eine Blume b r i c h s t du.mir zum Gruss-Ich l i e b t e s i e schon im Keime. Doch i c h weiss, dass i c h bald sterben muss. Mein Odem schwebt uber Gottes F l u s s -Ich setze l e i s e meinen Fuss ^ Auf den Pfad zum ewigen Heime. 89. Schlussbemerkungen: Mit dem A l t e r verschwindet im Leben der D i c h t e r i n die Fahigkeit zum S p i e l und somit i s t s i e einer Verzweiflung ausgesetzt, aus der s i e nichts mehr retten kann. Die S p i e l - und Traumheimat i s t z e r s t c r t , denn s i e hat jene Lander i n der W i r k l i c h k e i t e r l e b t . Palastina, das L and i h r e r Vater, brachte schwere und b i t t e r e Enttauschungen. Jussuf i s t einsam geworden oder, was v i e l schlimmer i s t , er i s t nicht mehr Jussuf von Theben. Ich habe keine Schwestern mehr und keine Briider. Der Winter s p i e l t e mit dem Tode i n deij Western Und Reif e r s t a r r t e a l l e L i e b e s l i e d e r . Der "/inter des Lebens hat j e t z t die Herrschaft ubernommen. Die Liebe, wie s i e i n einem Gedichte sagt, i s t das einzige Stuck Paradies, das der Mensch aus der Schtfpfung gerettet hatte, aber h i e r sind a l l e L i e b e s l i e d e r erstant. Wohl erinnert s i c h die Di c h t e r i n auch h i e r noch ans S p i e l , aber es i s t eines mit dem Tode, e i g e n t l i c h kein S p i e l , denn Tod wie auch A l t e r sind unumgangliche Wirklichkeiten, die s i c h durch kein Maskenspiel, durch keine Traumerei vertreiben Lassen. Wo das S p i e l nun versagt hat, h i l f t die I r o n i e , die Tage v o l l e r Langweile und B i t t e r k e i t auszufullen oder sie zu bekampfen. "Mein Gesicht i s t nun wie ein Stein, i c h habe Muhe, es zu bewegen. S o i l man s t o l z darauf sein; es braucht einem kein 2 Denkmal mehr gesetzt werden." Im Geiste durchwandert die mfide G r e i s i n noch einmal i h r Leben und kommt zu einem Schlussergebnis: Es war das S p i e l , das i h r i n den Wirren des Lebens Heilung gab, das Ordnung und Frieden urn s i e schuf. Von jenem S p i e l f e l d e hat das; Leben s i e dann aber s c h l i e s s l i c h doch verdrangt> und s i e findet den Weg nicht mehr zurttck. Ihr Herz wurde gezwungen die Kindlichkeit,aufzugeben,und darum kann.sie nicht mehr leben. "Mein ^-erz musste zu v i e l e Lasten tragen; oft bin ich.?b8se den Menschen, 90. da sie mir nicht Zeit l i e s s e n zu sp i e l e n mit der Felder Beeren und goldenen Zitronen und Palmenfruchten und den bun-tai Blumen der Wiesen; vor allem mit des Strandes Huschel, a l l den lebendigen Spielsachen i n dem weiten Haus der Welt." In h e l l e r e n Augenblicken macht die D i c h t e r i n dann doch ab und zu den Versuch, die Yergangenheit nochmals zu erleben. Y i e l l e i c h t la"sst s i c h das E r s t a r r t s e i n , das Altwerden doch zurilckdrangen. Hoffnungsvoll beginnt dann der Yersuch zu s p i e l e n . 4 "Ich beginne zu sp i e l e n auf seiner Buhne: Joseph und seine BrMer." Ganz anders k l i n g t es h i e r , a l s i n der friiheren Dichtung. Es i s t i n W i r k l i c h k e i t kein S p i e l mehr, sondern nur ein gedanklicher Yersuch,und zwar ein misslungener. Hier spr i c h t s i e vom Spielen auf einer Buhne. Frtther hiess es ganz einfach und tiberzeugt: Ich bin der Prinz von Theben, Ich b i n der Malik oder Tino von Bagdad. Was s i e im "Malik" oder i n "Mein Herz" beschreibt, empfindet s i e i n den Augen-bl i c k e n durchaus nicht a l s Buhnenspiel, sondern a l s eigentliche W i r k l i c h k e i t . Jenes Gefuhl wirkte heilend auf s i e . Die Vergangenheit i s t aber nicht mehr zu-ruckzurufen und der misslungene Yersuch macht ihre ganze Stimmung nur noch wehmutiger und oft b i t t e r . "Wenn i c h noch wie einst der Malik ware!! So bin 5 i c h aber eine arme N u l l , wenn auch zuweilen: somnambull." E i g e n t l i c h befindet s i c h die grosse L y r i k e r i n i n ihrem A l t e r i n einem bedauerns-xferten Zustand. Jene Di c h t e r i n , die einst i n B e r l i n s t o l z a u s r i e f : "Erst komme i c h - und dann a l l e s was L y r i k h e i s s t i n Deutschland...."^ Damals stand auf 7 i h r e r Miene geschrieben: "Ihr seid mir schon hereingefalien." J e t z t aber seheint es, a l s habe s i e selbst das S p i e l verloren ;und s i e s e i hereingefallen. Dammerung Ich halte meine Augen halb verschlossen Graunrfitig i s t mein Herz und wolkenreich Und suche eine ^and der meinen g l e i c h Mich hat das Leben, i c h hab es verstossen.^ 91 Deutlicher noch merkt man die Yerfassung Else Lasker-Schuelers i n "Abschied'' 9 *'Ich hab' die Welt, die Welt hat mich betrogen." Die D i c h t e r i n f u h l t s i c h verstossen, nicht nur von ihren Freunden, sondern auch von i h r e r I n s p i r a t i o n . In der Regel verkennt s i e dann auch die wohlgemeinte H i l f e , die i h r ihre Preunde fcrotz ihres herben Benehmens anbieten. "Ich l i e b e keinen Menschen mehr i n der Welt, i c h w i l l auch von denen nichts wissen, die mir gut-taten. BSstaten stacheln wenigstens an.""^ Noch durchwandert die Di c h t e r i n die Strassen Jerusalems, den "Vorhimmel der Himmel", wie s i e i n "Hebraerland" s i c h einst so schon ausgedrtlckt. Aber auch Jerusalem hat s i c h geandert. Versteint wie i h r eigenes Herz oder i h r Gesicht l i e g t die h e i l i g e Stadt nun da. Jerusalem Gott baute aus Seinem Rilckgrat: Palastina aus einem einzigen Knochen: Jerusalem Ich wandle wie durch Mausoleen-Versteint i s t unsere H e i l i g e Stadt Es ruhen Steine i n den Betten i h r e r Seen Stat t Wasserseiden, die de..' s p i e l t e n : Kommen und Yergehn Es starren Griinde hart den Wanderer an-Und er versinkt i n ihre': starren Nachte. Ich habe Angst, die i c h nicht tlberwaltgen kann. Wenn du doch kam,es±.... Im l i c h t e n Abendmantel e i n g e h u l l t -Und. meines Tages DMmmerstunde nMlimest-Mein Arm umrahmte dich, e i n h i l f r e i c h Heiligenschein. Wie einst wenn i c h im Dunkel meines Herzens l i t t -Da deine Augen beide: blaue Wolken. Sie nstonen mich aus meinem Trtibsinn mit. Wenn du doch kamest-In das Land der Ahnen-Du wurdest wie ein K i n d l e i n mich ermahnen: Jerusalem-effahre Auferstehn! Es grits sen uiis Des 'einzigen Gottes' lebendige Palinen, ^ Grunende Hande, die des Lebens Odem saen. 92. Hier e r k l i n g t auch wieder die Sehnsucht nach dem Kindsein, der Fahigkeit zum S p i e l . "Du wiirdest wie e i n K i n d l e i n mich ermahnen." oder "...die da s p i e l t e n : Kommen und Vergehn." "Spielten" wird i n der Yergangenheit gebraucht. Ware es auch e i n S p i e l von Kommen und Yergehen, oder i n anderen Worten, eines, das von leurzer Dauer ware, auf einmal anfangt und genau so p l A t z l i c h aufhBrt, so brachte es vortlbergehend doch Linderung. Aber aus den toten Seen starren nur kahle Steine dem Wanderer entgegen, und kein Wasser ergiesst s i c h spielend daru-ber hin. Was muss diese Frau a l l e s e r l i t t e n haben, die endlich zugeben muss, dass s i e a l l e s verloren hat, die keinen Sinn im Leben sieht und doch Angst vor dem Altwerden, dem Sterben hat! "Und jedes B i l d , das i c h i n dieser Welt gewann,/ Yerlor i c h doppelt und auch das was ..ich ersann." In "Ich und Ich" s t i r b t die Di c h t e r i n . Mit dem Tode vergeht auch das Yerlangen nach dem S p i e l . Und doch hat man noch eine kleine Ahnung, a l s ob die D i c h t e r i n noch einmal zu sp i e l e n versuche, "Das rechte Augenlid bewegt s i c h l e i s e auf 13 und zu und - z i r p t - " Ist es w i r k l i c h e i n l e t z t e r verstimmter Laut, wie Werner Kraft sagt, oder i s t es im Gegenteil e i n l e t z t e s verschmitztes Zwinkern, ein heimliches S p i e l , das nur der Eingeweihte versteht, dem es sagen w i l l , das jeder Augenblick spielend verbracht, s i c h im Leben gelohnt hat? Bringt dass Zirpen nicht nochmals jenes Fltlstern hervor, das i n "Der a l t e Tibetteppich" verspMrbar war? Diese Fragen werden wohl Immer offen bleiben. Jedoch kann h i e r v i e l l e i c h t der Versuch gemacht werden, die Frage nach der Bedeutung des Spiels i n der Dichtung der Else Lasker-Schueler, wie sie i n der E i n l e i t u n g aufgeworfen wurde, zu beantworten. Zuerst entstand die Frage, ob der S p i e l t r i e b dieser D i c h t e r i n mit dem der Roman-9 3 . t i k e r vergleichbar s e i , indem er eine damonisch treibende Kraft d a r s t e l l t , die kaum unter der Willensmacht des ^ enschen steht. Von Damonie kann man jedoch im F a l l e Else Lasker-Schueler nicht sprechen. Ihr S p i e l , obwohl oft von einem starken S p i e l t r i e b beherrscht, bringt s i e nie zum Absturz, sondern hebt s i e uber die Abgrtta.de des Lebens hinweg. Ueberstark i s t v i e l l e i c h t o f t der Zweifel, aber auch dieser kann s ie nie von Gott abbringen. I s t der Zweifel einmal uberwunden, und dazu v e r h i l f t i h r meistens der Glaube an die erlOsende Kraft des S p i e l s , dann wird i h r Vertrauen urn s o v i e l grosser und starker. Hat weiter i h r S p i e l etwas mit dem Zerstflrungstrieb, der s i c h besonders i n der Sprache bemerkbar macht, mit dem der Dadaisten und Expressionisten ge-meinsam? Diese Frage kann mit Ja beantwortet werden, aber wiederum nur i n dem Sinne, das wohl a l t e Werte z e r s t 8 r t werden, daftlr aber neue auftreten, die die Dinge von einer b i s dahin ganz unbekannten Seite beleuchten und der Sprache i n der Dichtung einen ganz unerwarteten Reichtum geben. Max Rychner weist auf 14 das Wort "allerlanden" hin, das. wohl kaum i n einem WBrterbuch vor der Z e i t der D i c h t e r i n vertreten war, j e t z t aber ganz einfach zum deutschen Sprachge-brauch geh8rt. Andere, sehr treffende Neubildungen sind "Ebenich", dieses andere Ich, nach dem die D i c h t e r i n i h r ganzes Leben suchte. Unvergesslich b l e i b t nattir-l i c h auch das B i l d des gebrochenen F l l l g e l s , das wohl a l s Wortbildung keine neue Erscheinung i s t , aber doch a l s B i l d , a l s Symbol, eine Welt v o l l e r Leiden und Erfolg.losigke.it': d a r s t e l l t . Nur "SternenMnde" sind f a h i g auf der "zerbrochenen 15 K l a v i a t u r " des Herzens zu sp i e l e n . Wohl mag man versuchen diese grosse L y r i k e r i n , und manche i h r e r Gedichte xrerden s i c h e r l i c h Dauer haben, einer bekannten l i t e r a r i s c h e n Richtung anzupassen. Der 94. Versuch ¥ird immer unbefriedigend bleiben. Man hat Else Lasker-Schueler i n die begrenzte Literaturbewegung der Expressionisten einzureihen versucht, jedoch wie schon am Anfang erwahnt, hat s i e doch auch recht v i e l mit den Romantikern gemein-sam. Letzten Endes wird diese D i c h t e r i n mit ihrem jttdisch-morgenlandischen Erbe, vermischt mit abendlandischer Kultur kaum i n eine gesetzte Richtung und Form hineinpassen. In i h r sind sozusagen zwei Pole.vorhanden, die s i c h bald t r e f f e n , s i c h bald bekampfen. Die D i c h t e r i n l e i d e t unter der Kalte im Norden und unter der unertraglichen Hitze im Suden. Sie i s t im wahren Sinne des v/ortes eine Ver-kflrperung von Heines Gedicht: E i n Fichtenbaum steht einsam Im Norden auf kahler Hah' Ihn s c h l a f e r t ; mit weisser Decke Umhttllen ihn E i s und Schnee. Er traumt von einer Palme, Die f e r n im Morgenland Einsam und schweigend traujgt Auf brennender Felsenwand. Auf einsamer Hah' steht auch Else Lasker-Schueler, die deutsche Burgerin und der Prinz von Theben. ITur im Traum oder im S p e i l geschieht w i r k l i c h das schein-bar Unmogliche: die zwei Pole t r e f f e n zusammen. Die ^ alme nahert s i c h dem Fichten-baum und fur kurze Z e i t i s t Kalte und Hitze vergessen. Dieser Traum oder i h r S p i e l i s t ftlr Else Lasker-Schueler t a t s a a h l i c h "ein Sich-in-die-Luft-Erheben, 17 ein Ballastabwerfen". Es i s t ein "frflhliches Reich, wo der Mensch jeder 18 Fesseln enthoben i s t , " j a , wo "er erst da ganz Mensch i s t , wenn er s p i e l t . " ABKDERZUNGEN FUER DEN GEBRAUCH DER FUSSNOTEN DER VJERKE ELSE LASKER-SCHUELER'S: 1. Aus dem Nachlass A.d.N. 2. Dichtungen und Doku.mente D.u.D. 3. Gedichte G. 4- Prosa und Schauspiele P.u.Sch. I 96. FUSSNOTEN EINLEITIJNG 1. S c h i l l e r , F r i e d r i c h 2. Huizinga, John 3. Plato 4. Kroloxtf, K a r l 5. D. u. D., p. 565 6. Mflrike, E. 7. A. d.N., p. 162 8. Liede, A l f r e d 9. Ibi d . . p. 26 I. KAPITE1 "Ueber die asthetische Erziehung des Menschen i n einer Reihe von Briefen", Samtliche werke, C a r l Hauser Verlag, Muhchen, 1959, p.667« Homo Ludens, Roy Publishers, New York, 1950, p.9. The Laws, J.M.Dent & Sons Ltd., London; E.P.Dutton & Co. Inc., New York, 1934, p.187. Aspekte zeit/renflssischer deutscher L y r i k , L i s t Verlag, Munchen, 1963, p.109. B r i e f e , J.G. Gotta'sche Buchhandlung Nachf., Stutt-gart, 1959, p.74-Dichtung a l s S p i e l , Walter De Gruyter & Co., B e r l i n 1963, Band 1, p. 50-51. 1. D. u. D., p. 601. 2. Huizinga, John, 3- Plato 4. Huizinga, John Homo Ludens, Roy Publishers, New York, 1950, p.134* The Laws, J.M.Dent & Sons Ltd., London; E.P.Dutton & Co. Inc., New York, 1934, p. 187-188. Homo Ludens, Roy Publishers, New York, 1950, p. 119. 5. Goethe, Johann Wolfgang von "Der Sammler und die Seinigen", Werke, Chris-San Wegner Verlag, Hamburg, 1956, Vol. 12, p.96 6. P. u. Sch., p. 628 7. I b i d . , p, 628 97. 8. G., p. 76. 9. Ibid., p. 348. 10. A. d. N., p. 102. 11. Friedmann, Hermann & Mann, Otto Deutsche L i t e r a t u r im 20.Jahrhunderts Wolfgang Rothe Verlag, Heidelberg, 4-Auflage, 1961, p.37« 12. P. u. Sch., p. 741. 1 3 . Ginzberg, Louis. Jewish Law and Lore, Meridian Books, The Jewish Pu b l i c a t i o n Society of America, Philadelphia, 1962, p. 188. 14. P. u. Sch., p. 502. 15. Ibid., p. 532. 16. Ginzberg, Louis Jegish Law and Lore, Meridian Books, The Jewish Pu b l i c a t i o n Society of America, Philadelphia, 1962, p. 190. 17. P. u. Sch., p. 776. 18. Zohar. The Book of Splendor, Schocken Books, New York, 1949, p. 33. 19. G., p. 292. 20. Luke 19:40. 21. G., p,:c293. 22. I b i d . , p. 168. 23. Muschg, Walter 24. D. u. D., p. 565. 25. G., p. 169-2.6. Ibid., p. 13-"Else Lasker-Schueler", i n Von Tr a k l zu Brecht, R.Piper & Co., Verlag, Muhchen, 1961, p.135. 93. 27. P o l i t z e r , Heinz. 28. G., p. 164. 2 9 . I b i d . , p. 48. 30. P. u. Sen., p. 518 31. Ibid., p. 348. 32. Ibid., p. 322 33- Peterich,. Eckart 34. Ibid., p. 472. 35- P. u. Sch. p. 628. 36. Ibid., p. 627-628. 37. Huizinga, John 38. P. u. Sch., p. 611. 39. Ibid., p. 370 40. Ibid., p. 778. 41. Goethe, Johann Wolfgang 42. Ibid., p. 460. 43. Bauschinger, S i g r i d 44. Peterich, Eckart 45- P. u. Sch., p. 387. 46. G., p. 276. 47. P. u. Sch., p. 789. 48. D. u. D., p. 553. 49- Ibid., p. 537 "The Blue Piano of Else Lasker-Schueler", Commentary,American Jewish Committee, New York, 1950, Vol. 9, p.342. "Else Lasker-Schueler", i n Hochland, Kiisel-Verlag Munchen und Kempten, 44.Jahrgang, Heft 5, Juni 1952, p. 470. Homo Ludens, Roy Publishers, New York, 1950, p.129 von Wilhelm Meisters Wander.jahre, C h r i s t i a n Wegner Verlag, Hamburg 1956, Vol.8, p.126. Die Symbolik des Mutterlichen im Werk Else Lader- Schuelers, Frankfurt am Main, I960, p. 98. "Else Lasker-Schueler", i n Hochland, KQsel-Verlag Munchen und Kempten, October 1951, p. 472. 99. 50. A. d. N., p. 150. 51. P. u. Sch., p. 332. 52. Ib i d . , p. 302. 53. Ibid., p. 464. 54- Ibid., p. 486. 55. Ibid., p. 438. 56. Ibid., p. 639-57. G., p. 39. 58. P. u. Sch., p. 816. 59. I b i d . , p. 928. 60. K r a f t , Werner "Else Lasker-Schuler", Neue Schweizer Rundschau, Neue Folge, Zurich, p. 487. 61. P. u. Sch., p. 312. 62. D. u. D.', p. 586. 63. S c h i l l e r , F r i e d r i c h von "Ueber die asthetische Erziehung des Menschen i n einer Reihe von Br i e f e n " Samtliche Werke, C a r l Hauser Verlag, Munchen, 1959, p. 618. 64. G., p. 327 I I . KAPITEL 1. P. u. Sch., p. 928 2. G., p. 76. 3. Huizinga, John Homo Ludens, Roy Publishers, New York, 1950, p.25-26 4. Sacharja 8:5, The B i b l e . 5. Mathaeus 19:14, The Bible 6. P. u. Sch., p. 691. 7. Ibid., p. 678. 8. Ib i d . , p. 306. 100. 9. Ibid., p. 169-170. 10. Ibid., p. 821-822. 11. D. u. D., p. 419. 12. P. u. Sch., p. 608. 13. Goethe, Johann Wolfgang von "Die Natur", Werke, C h r i s t i a n Wegner Verlag, Hamburg, 1956, Vol. 13, p. 46. 14. Psalm 104:26, The Bible 15. Plato The Laws, J.M.Dent & Sons Ltd., London; E.P. Dutton & Co.Inc. 1934, p. 380. 16. D. u. D. p. 200. 17. 2 Samuel 6:5, The Bible 18. 2 Samuel 6:14, The Bible 19. P. u. Sch., p. 545. 20. Cyprian, M.F. "Else Lasker-Schuler", Hochland, KBsel-Verlag Munchen und Kempten, 1917/18," 15.1 Jahrgang, p. 374-376. 21. G., p. 138. 22. Cyprian, M.F. "Else La3cer-3chueler", Hochland, KBsel-Verlag Munchen und Kempten, 1917/18, 15.1 Jahrgang, p. 374-376. 23. G., p. 315. 24. D. u. D., p. 590. 25. P. u. Sch., p. 795-26. Jer.emia 31:14, The B i b l e . 27. P. u. Sch., p. 681. 28. Sprllche Salomos 8:27-31, 34-35. 29. G., p. 338. 30. Blau bezeichnet allgemein etwasSakrales, wie M. Kupper beweist. In "Gott h8r" h e i s s t es:"Gott hBr...In d.einer blauen Lieblingsfarbe/Sang i c h das Lied von deines Himmels Dach-". 101. 31. In "Ergraut kommt seine Welt zurttck: ""Gott weint- ergraut kommt seine Welt zurttck/Die Er i n seiner SchHpfung s c h n i t t , im hirnmlichen TUrkise." 32. G'.p. 338. 33- Ibid., p. 315 34. Ginzberg, Louis. Jewish Law and Lore. Meridian Books, The Jewish P u b l i c a t i o n Society of .America, P h i l a -delphia, 1962, p. 231-232. 35. P. u. Sch., p. 90. 36. A. d. N., p. 77-37. G., p. 222. 38. A. d. N., p. 141. 39. "In der Kabbala steht, dass die Gottheit s i c h entdunkelte, bevor s i e die Welt erschuf. Es i s t nicht anders zu verstehen, a l s dass Gott einst einen KBrper besass wie wir, s i c h selbst e r l f i s t e , was wir sterben nennen... P. u. Sch., p. 741-742. 40. Kupper, Margarete "Ein wiederentdecktes Gedicht von Else Lasker-Schueler!!' Germanisch-PLpmanische Monatsschrift. N.P., G.Winter Heidelberg, Vol. XIII,.I 1963, p. 90. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. G., p. 328. Ibi d . , p. 318. Ibi d . , p. 349. G., p. 149. Baldrian, B r i g i t t e A. d. N., p. 88. Ginzberg, Louis. A. d. N., p. 88. Form und Struktur der B i l d l i c h k e i t bei Else Lasker- Schfller. Freiburg, 1962, p i 89. Jewish Law and Lore. Meridian Books, The Jewish P u b l i c a t i o n Society of America, P h i l a -delphia, 1962, p. 232. 49- Es i s t denkbar, dass. die D i c h t e r i n bei dieser Teilung ein B i l d aus der agyptisehen Mythologie vor Augen hat. Namlich das, wo die Gflttin I r i s s i c h i n zwei Halften t e i l t , urn die Menschen zu erschaffen. 102. 50. Goethe, Johann Wolfgang von "Faust, E r s t e r T e i l " "Goethes Werke" Hermann BBhlau, Weimar, 1887, p. 23. 51. A. d. IT., p. 88. 52. Ibid., p. 93. 53. Goethe, Johann Wolfgang von "Faust"', E r s t e r T e i l " "Goethes Werke". Hermann BBhlau, Weimar, 1887, p. 67. 54. A. d. N., p. 92. 55. Ibid., p. 100. 56. D. u. D., p. 346. 57. G., p. 171. 58. Ibid., p. 321. 59. A. d. IT., p. 99. 60. Ibid., p. 89. 61. Ibid., p. 103-62. G., p. 337. 63. P. u. Sch., p. 609. I I I . KAPITEL 1. Thomson,J. A. 2. Allemann, Beda 3. I b i d . , p. 10. 4. HBltgen, K.J. 5. P. u. Sch,, p. 536. 6. Ibid., p. 528. 7. Ibid., p. 545. 8. Muschg, Walter Irony, George A l l e n & Unwin Ltd., London, 1926, p.2. Ironie und Dichtung, Gunther Neske Pf u l l i n g e n , 1956 p. 17. Uhtersuchungen zur L y r i k der Else Lgeker-Schueler Bonn, 1955, p. 7. "Else Lasker-Schueler", i n Von T r a k l zu Brecht, R. Piper & Co. Verlag, Munchen, 1961, p. 118. 103. 9. D. u. D.,p. 603. 10. Ibid., p. 616. 11. P. u. Sch., p. 339. 12. Ibid., p. 315. 13. Ibid., p. 340-341. 14. Ib i d . , p. 343. 15. G., p. 162. 16. P. u. Sch., p. 324. 17. Ibid., p. 342. 18. Ibid., p. 375. 19. I b i d . , p. 364. 20. P.u. Sch. p. 297, 21. Bauschinger , S i g r i d 22. P. u. Sch. p. 314. 23. G. p. 28. 2§. Ibid., p. 201. 25. Ibid., p. 209. 26. P. u. Sch. p. 408. 27. G., p. 213. 28. Ibid., p. 180. 29. I b i d . , p. 203. 30. P. u. Sch., p. 378. 31.Ibid., p. 358. 32. Jesaja, 49:16. 33. Huizinga, John 34. P. u. Sch., p. 385 35. Ibid., p. 391.. Die Symbolik des Mfttterlichen im Werk Else Lasker-S c M l e r s , Frankfurt am Main, I960, p. 140. Homo Ludens, Roy Publishers, New York, 1950, p. 26. 104. 36. D. u. D., p. 557. 37. p. 557. 38. Kemp?, Friedhelm "Else Lasker-Schueler", in Hochland, KBsel-Yerlag Mttnchen und Kempten, 1948/49, p. 103. 39- G., p. 182. 40. P. u. Sch., p. 309. 41.Ibid., p. 402. 42. Ibid., p. 414. 43. G., p. 206. 44. Ibid., p. 67. 45- P. u. Sch., p. 412. 46. A. d. N. p. 159 47. Ibid., p. 655. 48. Ibid., p. 324-325. 49. A- d. N., p. 96. 50. D. u. D,, p. 594. 51. P. u. Sch., p. 343-344. 52. Ibid., p. 642. 53. A. d. N.,p. 156. 54. P. u. Sch,, p. 318 55- Ibid., p. 405. 56. Ibid., p. 369. 57. Ibid., p. 373. 58. Ibid., p. 565. 59. Ibid., p. 331. 60. Ibid., p. 957. 61. Ibid., p. 357. 1 0 5 . 6 2 . F i e d l e r , H.G. (ed.) The Oxford Book of German Verse, Oxford, at the Clarendon Press, 1 9 5 7 , p. 3 2 0 . 6 3 . G., p. 199-6 4 . P. u. Sch., p. 535-6 5 . Ibid., p.562. 6 6 . I b i d . , p. 333-6 7 . Ibid., p. 661 6 8 . Ibid., p. 6 5 4 . 6 9 . Ibid., p. 13-7 0 . M a r t i n i , F r i t z Deutsche Literaturgeschichte, A l f r e d Kroner Verlag, Stuttgart, 1 9 6 3 , p. 4 6 6 . 7 1 . P. u. Sch., p. 61. 72. G., p. 3 5 0 . SCHLUSSBEMERKUJTGEN 1. G., p. 339. 2. P. u. Sch., p. 403-3. I b i d . , p. 486. 4. Ibid., p. 964. 5. D. u. D., p. 557. 6. Ib i d . , p. 578. 7. I b i d . , p. 578. 8. A. d. N., p. 110. 9. G., p. 313. 10. P. u. Sch., p. 403-11. G., p. 334. 12. Ibid., p. 349. 13. A. d. S., p. 101. 14. "Gebet". 106. 15. "Mein blaues K l a v i e r " 16. F i e d l e r , H.G.(ed. ) 17. Krolow, K a r l . 18. S c h i l l e r , F r i e d r i c h von BThe Oxford Book of German Verse, at the Clarendon Press, Oxford, 1957, p. 109. Aspekte zeitgenflssischer deutscher Lyrik, L i s t Verlag, Munchen, 1963. "Ueber die asthetische Erziehung des Menschen i n einer Reihe von Briefen", Samtliche Werke, C a r l Hauser Verlag, Munchen, 1959, P« 618. 107. BIBLIOGRAPHIE I. WERKE DER DICHTERIN Lasker-Schueler, Else Lasker-Schueler, Else Lasker-Schueler, Else Lasker-Schueler, Else Dichtung und Dokuraente. Munchen, KBsel Verlag, 1951 Gedichte 1902-1945. Munchen, KBsel Yerlag 1961 Prosa und Schauspiele. Munchen, KBsel Yerlag 1962 Yerse und Prosa aus dem Nachlass, Munchen, KBsel Verlag, 1961 II. ALLGEMEINE LITERARISCHE UND PHILOSOPHISCHE 3CHRIFTEN Allemann, Beda Ironie und Dichtung. P f u l l i n g e n , Gunther Neske-Verlag, 1956 Bruns, Hans Das a l t e und neue Testament. Basel, Brunnen-Verlag, GMBH, 1961 Duwe, W i l l i Deutsche Dichtung des 20.Jahrhunderts. 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