UBC Theses and Dissertations

UBC Theses Logo

UBC Theses and Dissertations

Ernst Juengers "Innere Emigration" Juergens, Thorsten Arnd 1967

You don't seem to have a PDF reader installed, try download the pdf

Item Metadata

Download

Media
[if-you-see-this-DO-NOT-CLICK]
UBC_1969_A8 J84.pdf [ 6.56MB ]
[if-you-see-this-DO-NOT-CLICK]
Metadata
JSON: 1.0103928.json
JSON-LD: 1.0103928+ld.json
RDF/XML (Pretty): 1.0103928.xml
RDF/JSON: 1.0103928+rdf.json
Turtle: 1.0103928+rdf-turtle.txt
N-Triples: 1.0103928+rdf-ntriples.txt
Original Record: 1.0103928 +original-record.json
Full Text
1.0103928.txt
Citation
1.0103928.ris

Full Text

Ernst Juengers "Innere Emigration" by Thorsten Arnd Juergens B.A., University of British Columbia, 1964 A THE31S SUBMITTED IN PARTIAL FULFILMENT OF THE REQUIREMENTS FOR THE DEGREE OF MASTER of ARTS in the Department of GERMAN We accept this thesis as conforming to the required Standard THE UNIVERSITY OF BRITISH COLUMBIA July I967 In presenting this thesis in partial fulfilment of the requirements for an advanced degree at the University of British Columbia, I agree that the Library shall make it freely available for reference and Study. I further agree that permission for extensive copying of this thesis for scholarly purposes may be granted by the Head of my Department or by h.i.is representatives. It is understood that copying or publication of this thesis for financial gain shall not be allowed without my written permission. The Un i vers i ty(y6f B Vancouver 8, Canada Department of Abstrakt, Diese These 1st ein Versuch, Ernst Juengers innere Emi gration waehrend der Hitlerjahre zu behandeln, um damlt einen Beitrag zum Verstaendnis und zur Klaerung des Begriffs "innere Emigration" zu bringen. Im ersten Kapitel wird der Begriff der inneren Emigration im allgemeinen besprochen, die Entstehungs« geschlchte des Konzepts und die Moeglichkeit einer unabhaengi-* gen Existenz im totalitaeren dritten Reich* Nach dieser Einfueh-rung wendet sich die Diskussion den Werken Juengers zu. Die Wer~ ke, die gewaehlt wurden, sind folgende: das Essay Das abenteuer~  liche Herz, beide Fassungen (I929, 193*5), der Roman Auf den Mar- morklippen (1942), die Tagebuecher Strahlungen einschl. dem Nach~ kriegstagebuch Jahre der Okkupation und die Essays Ueber die  Linle (I95O) und Per Waldgang (195D. Durch die Auswahl der Werke wurde versucht, ein zusam-. menhaengendes Bild von Juengers Gedankenwelt von der Vorhitler>-zelt, durch die Hitlerzeit bis in die Spaetnachkriegszeit zu geben. Hieraus wird erkenntllch, dass Juenger schon vor der Hit** lerdiktatur ein verfremdeter Individualist der verinnerlichung und ein Pessimist in Hinslcht auf die Kulturentwicklung war. Seine lntrovertierte Existenz und seine Gedankenwelt erleich~ tern den Gang in die innere Emigration, die die schon zuvor be~ stehenden Veranlagungen nur verstaerkte.u. Waehrend der Hitler** jahre waechst Juengers intellektueller Wlderstand zu neuen - II -Formen. Boon werden die Erlebnisse an der Ostfront zu einem Wendepunkt, denn .hier eriischt in ihm im Angeslcht der G-reu-eltaten beinahe der musische Mensch. Anstatt zu kapitulieren, wendet sich Juenger zum Gegenkampf und eeht durch Der Friede (194k) zum aktiven geistisren Widerstand ueber, Auch in der Nachkriegszeit blieb_Juenger ein intellektueller Einzelgaen-ger; denn die Technokratie in Gestalt der Atombombe und der Nihili'smus bleiben eine totalitaere Gefahr fuer das Indivi-duum. Juengers Schicksal war das elnes hohen Geistes, der In einer ihm fremden Zeltepoche des kulturellen Verfalls lebte. Die Hitlerdiktatur sowie die innere Emigration waren nur Steigeruneen der allgemeinen Entwicklune der faktischen Urn-welt, dem Niederganer einer Kulturepoche: von ihr wendet Juen eer seinen Blick ab und erkennt einen metahistorischen Welten-plan der Urmaechte. Juenger relatlviert also die totalitaere Umwelt durch sein metaphyslsches Wertbewusstsein und nur aus diesem heraus kann Juengers Innere Emigration beurteilt wer~ de n. - Ill ~ INHALT SVERZEICHNIS: ABSTRAKT: Seite I I. KAPITEL EINLEITUNG, DER BEGRIFF DER "INNEREN EMIGRATION" Seite 1 II. KAPITEL DAS ABENTEUERLICHE HER2 ....... i-....... Seite g III. KAPITEL AUF DEN MARMORKLIPPEN Seite 2& IV. KAPITEL TAGEBUECHER 1939-19115 Seite kj VORWORT ..Seite 4g GAERTEN UND STRASSEN ......Seite 51 KRIEGSTAGEBUECHER OHNE PUBLIKATION...Seite 59 V. KAPITEL NACHSTRAHLUNGEN - JAHRE DER OKKUPATION Seite 77 VI. KAPITEL UEBER DIE LINIE ZUM PER WALDGANG...Seite $5 ABSCHLUSS Selte 0,4 FUSSNOTEN ....Seite 9g LI TER ATUR NACH WE IS ; Seite 10^ I. KAPITEL: EINFUEHRUNG Per Begriff "Innere Emigration", In den Jahren 1933 ~ 19.^5 befand 'slch die deutache Lite-ratur in der wohl nicht elnzigartigen Lage, einem totalen Staat gegenueberzustehen. Auswege bestanden nur in drei Richtungen: der Dichter verliess Peutschland und'wurde somlt ein Emigrant aus Opposition zu politischen Tendenzen seines Muttervolkes! er son-derte sich also physisch von seinem Vaterland ab, was Jedoch kei-ne Vernelnung des kulturellen Deutschlahds bedeutete.1 Als zwelte Moeglichkeit eroeffnete slch der einfache Weg, als Opportunist ein Mitlaeufer des totalen Staates zu werdenj ein Ausweg, den wohl kaum ein bedeutender deutscher Pichter waehlte, Als letzte und zugleich umstrittenste geistige Existenz glngen viele Pich ter, denen eine aeussere Emigration aus verschiedenen Gruenden nicht moeglich war Oder auch nicht wuenschenswert erschien, in eine "innere Emigration". Pieser Begrlff der inneren Emigration wurde in den ersten Nachkriegsjahren der Mittelpunkt einer gros-sen Kontroverse, die zwischen den Vertretern der aeusseren und 2 inneren Emigration ausgetragen wurde. Pen Anstoss zu dieser Kontroverse gab ein offener Brief, ln dem Walter von Molo den in Amerika lebenden Emigranten Thomas Mann aufforderte, nach Deutschland zurueckzukehren."^ Thomas Mann bewertete jegliche Existenzmoeglichkeit einer inneren Emigration negativ, auf welche sich Dichter wie Ernst Wlechert, Werner Bergengruen, Frank Thiess, Gottfried Benn und Ernst Juenger (um nur einige zu nennen) beriefen. "Es mag Aber-glaube seln, aber in meinen Augen sind Buecher, die von 1933~19i+5 in Deutschland ueberhaupt gedruckt werden konnten, weniger als wertlos und nicht in die Hand zu nehmen. Ein Geruch von Blut und Schande haftet ihnen an. Sie sollten elngestampft werden." Der Grund zu dleser Abschaetzung und Einstellung Thomas Manns liegt wohl tellweise in einer gewissen Entfremdung, die slch zwischen den aeusseren und inneren Emigranten in den zwoelf Jahren der Isolierung und des Abseitsstehens entwickelt hatte. Hier standen sich zwei fremde Gruppen kritisch gegenueber, von denen die aeus seren Emigranten die Heimat in der Hitlerzeit nur vom Ausland ge-sehen hatten, waehrend die zurueckgebliebenen Dichter beinahe voellig von der Aussenwelt und dem gelstlgen Austausch abgeschnit-ten worden waren. Folgllch bestand keinerlel Verstaendnis ueber die wirklichen Umstaende einer gelstlgen Existenz im totalen Staat und darueber, ob es ueberhaupt moeglich war, Werke, welche der na-r-tionalsozlalistlschen Ideologie nicht entsprachen, zu publizie-ren, Im Gefecht der Kontroverse kam es nicht elnmal zu einer aus-gesprochenen Definition des Begriffs "innere Emigration", Der Ausdruck "Innere Emigration" wurde von Frank Thiess in den ersten Jahren des dritten Reiches gepraegt. 1933 schrleb er in einem Brief an den Relchskulturwalter H, Hinkel in Hinsicht auf die Buecherverbrennung folgendes! "Mit verbrennung und Ver-feindung werde man die schoepferische Kraft der Nation nicht in neue Bahnen lenken. Das dritte Reich werde davon kelnen Nutzen - 3 -haben, denn die bereitwilligen Nachlaeufer blleben ohne jede Bedeutung und die unter den geistigen Deutschen, deren produk-tive Energie nach Ueberzeugung der Nationalsozialisten in fal-schen Bahnen liegen, wuerden niemals dureh Verbot Oder aeussere Druckmtttel gezwungen werden koennen, ihr Wesen zu verleugnen. Ihnen bliebe am Ende kein anderer Weg als die innere Emigra-6 tlon." Das Zitat deutet auf verschiedene Moeglichkeiten den Be-griff zu definieren. Eine Trennung von Mitlaeufern und dem gei-stig anderen Deutschland 1st hier das Haupttheraa. Perner zeigt slch der hoffnungslose Versuch Jeglicher Diktatur, die Grenzen der geistigen Preiheit zu ueberschreiten, sodass die Worte des Prelheitsliedes "Die Gedanken sind frei, wer kann sie erra-ten slch trotz moderner Unterdrueckung bestaetigen. Was Jedoch bedeuten die Worte innere Emigration? Das Adjektiv inne re sowie das Hauptwort Emigration sind zweideutlg, in demrsle geistlg wie physlsch interpretiert werden koennen, Innere heisst hiermlt innerhalb des physlschen dritten Relches und auch lnner-halb der geistigen Sphaere, Der Weg fuehrt in die Richtung nach innen, und es 1st besonders diese Verlnnerlichung, welche gei-stesgeschichtllch nicht einzigartig fuer die deutache LIteratur seit der Reformation war. Eine gelstige Auswanderung innerhalb des Vaterlandes erwies sich als traditloneller Weg, Emigration oder Auswanderung hingegen 1st eine Absonderung physisch oder geietig von der Identitaet des Geburtslandes, melst aus politl-schen, religioesen, wlrtschaftlichen oder gesellschaftlichen Gruenden. Der Hauptbeweggrund Jeglicher innerlichen oder aeusser*. _ lj. ~ lichen Emigration der Intellektuellen nach 1933 llegt wonl auf dem polltischen Gebiet. Ausser den juedischen Schriftstellern, die vor keine moralische Wahl gestellt wurden, musste jeder fuer sich eine Entscheidung treffen, welchen Weg er als Medium der polltischen Opposition waehlte. Von vornherein war es nicht jedem moeglich, Deutschland zu verlassen, und die Gruende elnes Zurueck-bleibens sind vielfaeltig. Vielen Dichtern war es wirtschaftlich nicht moeglich auszuwandern, andere erkannten die Nazityrannei zu spaet oder glaubten, dass es nur eln kurzes Durchgangsstadium sein wuerde. Am verstaendlichsten ist natuerlich das Bekenntnis, dass sie Deutschland nicht verliessen, well sie Deutsche waren und die Heimat selbst in den dunkelsten Zeiten als Naehrboden Hi res kuenstlerischen Schaffens ansahen. Die Motive sind vielfael tig, und bereits hier muss jeder Fall der inneren Emigration in-dividuell bewertet und abgeschaetzt werden. Eine absolute Wert-schaetzung dieser Existenz ist beinahe unmoegllch, da es sich hier nicht um eine einheitliche Gruppe handelte. Die innere Emigration fand in den Nachkriegsjahren natuer lich eine sehr unterschledliche Bewertung. Vor allem aber kri-stallislerten slch zwei Haupttendenzen innerhalb der Stellung-nahme: die der negatlven Kritik und die andere, ein Versuch der Verteidigung der Existenz der inneren Emigration. Schon Thomas Mann nahm eine aeusserst kritlsche Haltung gegenueber dem Inneren Emigranten ein, und es 1st F.Schonauer, der diese negative Kri tik aufgreift und weiterfuehrt. Er bewertet die innere Emigra tion als einen aesthetischen "Eskapismus", als Flucht ins Pri vate, als Rettung in neutrale Idylle, die den Krieg ohne kritische - 5 -Auselnandersetzung umgeht. Was F.Schonauer wirklich unternimmt, 1st die Zerstoerung des.Mythos der inneren Emigration, doch geht er von folgendem Ausgangspunkt aus, "[Es) wurde, was den Gegen-stand dieses 'Versuches' petrifft, nicht auf Objektlvltaet geach-tet, sondern Stellung genommen."^ Als ein typisches Beispiel ge-gen derartige Polemik, die die Werke der inneren Emigranten in einer Vereinfachung als seichte buergerliche Literatur hinstellt, kann Herbert Wlesners Kapitel "Innere Emigratioh" angesehen wer den, Wlesner versucht eine,"...moeglichst grosse Zahl von Auto-ren und Werken vorzustellen, auf die dieser, lm Einzelfall immer aufs neue zu pruefende Tatbestand der 'Inneren Emigration' zu-trifft." Also nur aus der individuellen Ideenwelt jedes einzel-nen Dichters heraus kann die innere Emigration bewertet und ver-standen werden, Im Gegensatz zu blsherigen Versuchen, welche sich haupt-saechlich mlt der inneren Emigration an Hand der biographischen Ereignisse verschledener Schriftsteller wie z.B. E.Wiechert, G-.Benn, W.Bergengruen und E.Juenger auselnandersetzten, oder den Begriff der Inneren Emigration als eine Abstraktion auf die Schrlft-steller uebertrugen, und dies meist mit polemlschen Abslchten, 1st es das Zlel dieser Arbeit, die Existenz einer inneren Emigra tion Juengers aus seinen Werken, also aus seiner Ideenwelt heraus, zu deuten, Nicht von aussen, sondern aus der Weltanschauung des Dichters und aus der Veraeusserlichung des Autors, dem Werk, waehrend dieser Jahre, soil versucht werden, einen objektlven Einblick in diese umstrittene Existenz zu erreichen. Das musische Werk 1st ja die gedankllche Verbindung zwischen Autor und Mitwelt - 6 -und sollte daher die innere Emigration am besten veransehaulichen. Bei der Fuelle des schriftlichen Materials musste eine Aus-wahl getroffen werden. Das Essay Das abenteuerliche Herz; in zwei Fassungen (1929, 1938) wurde als erstes Werk gewaehlt, denn hier war ein> progressives Bindeglied zwischen dem Frueh- und Spaet-werk Juengers. Da, die zWeite Fassung eine voellige Umarbeitung war, kann an den ,zwei •'Werken die Gemeinsamkeit und auch die Ver-schiedenheit der Thematik in, Bezug auf die innere Emigration herausgearbeltet werden. Als naechstes fiel die Auswahl auf das klasslsche Beispiel geistiger Opposition gegen die Despotie, den Roman Auf den Marmorkllppen (19|f2). Wiederum ein Verglelch zwi schen Fruehr- und Spaetwerk ergab sich aus den Tagebuechern Strah- lungen. Im Gegensatz zum ersten Weltkrieg, der im Stahlgewltter Audruck fand, handelt es sich um eine voellige Umorientierung in die Verinnerllchung im zweiten Weltkrieg. Zuglelch ergibt sich im Genre des Tagebuches die Moeglichkeit der direkten Mitteilung der persoenllchen Verinnerllchung und der faktischen Umwelt.Das Tage-buch war die voellige Subjektivierung, das Selbstgespraech, in dem das Ich zum Mittelpunkt aufruecktj mit anderen Worten eine Steigerung der Existenz der inneren Emigration und ihre direkte Veraeusserlichung. Obwohl der letzte Abschnitt Jahre der Okkupa- tion in die Nachkriegszelt faellt, klingt erst in dlesen Tagebe-richten Juengers innere Emigration aus, Zuletzt wurden die Essays Ueber die Llnie (1950), in dem Juenger die Ueberwindung des Nihl-lismus anstrebt, und Der Waldgang (1951), in welchem die Zeitge-stalt des inneren Emigranten erfasst wird, gewaehlt. In dlesen - 7 -zwel Essays gibt Juenger dann den letzten reflektierenden Be~ trachtungen seiner inneren Emigration Ausdruck. lie Hauptthemen Juengers innerer Emigration sind: die Bedrqhung des Schriftstellers durch die Umwelt schon in der Vorhitlerzeit, die Rolle, die das totalitaere Naziregime in Jueneers kulturellem Pessimismus als eine Steigerung spielt, die den Nledergang der Kulturepoche exemplaripch bevies. Wie Juengers intellektueller Wlderstand sich entwickelt und wel-che Formen er annlmmt und auf welche Gegenmaechte er sich be-ruft. Der We.ndenu.nkt in Juengers Kriegserlebnis an der Ost-front, wo im Angesicht der Schinderwelt sein musischer Mensch zu erloeschen droht. Dann der Uebergang zum aktiven geisti-gen Widerstand in Der Friede. Zuletzt Juengers verweilende Existenz als intellektueller Aussenseiter selbst nach dem Krieg. 1st es nicht so, dass nicht die Hitlerzeit, sondern der Ver-fall einer Kulturepoche, in der die Hitlermacht nur ein ver-staerkend.es Element war, Juengers wlrkliche Schicksalsnrob-lematlk war, und dass seine innere Emigration eigentlich nur in. seinem kulturellen Pessimismus verankert 1st? II. KAPITEL: DAS ABENTEUERLICHE HERZ Ernst Juengers zweite Fassung seines Essays "Das Abenteu- erliche Herz, welche 1939 er-schien, nimmt in Hinsicht auf die innere Emigration des Dichte.rs eine Schluesselstellung ein. Bel dleser neuen Fassung handelt es sich um eine voellige Umarbe.itung und Verdlchtung des im Jahre 1929 zuerst publlzierten Werkes,1 Die Thematik beider Fassungen ist trotz Umarbeitungen die-selbe geblleben, naemlich die Bedrohung des Ichs durch die Um-welt und die Suche nach dem Wesentllchen hinter den Oberflaechen. 2 (VII AH 1/ 96) . Doch bestehen, wie schon erwaehnt, trotz der in den Hauptzuegen gemeinsamen Thematik wesentliche Unterschiedet die hier nur in grossen Zuegen angefuehrt werden koennen^ Die erste Fassung traegt starke autobiograph!sche Zuege, in denen der Autor sich selbst kommentiert. Die persoenlichen Erlebnisse wur den in der Neufassung gestrlchen, wodurch das Werk zeitloser wur-de, Juengers Prosa in der zweiten Fassung bewegt sich mehr in einer getarnten surreal!stischen Sphaere, welche es der Zensur er** schwert, in diesem Werk eine direkte Zeitkritik zu erkennen. Es handelt sich also um Vexierprosa, das Medium des inneren Emigran-ten, der im Gauklerzelt mit Masken arbeitet (VII AH II/ 179), hin~ ter denen erst indirekt die Zeitkritik erlesbar wird, Allein die-se Veraenderung steigert das Abenteuerliche, welches auch dadurch gewinnt, dass neue, rlskante Erlebnisse, wie zum Beispiel die Ab~ schnltte Violette Endivlen und der Gberfoerster hlnzugefuegt wer den. Ueberhaupt besteht ein sehr bedeutender Unterschied in der Bedrohung, die das Ich erlebt. In der ersten Fassung sah der Autor hauptsaechlich die Zerstoerung des We sentlichen, des Her-zens, durch die Totalitaet von Technik und Materie. 1939 hatte sich die Lage so veraendert, dass nicht nur die kalte wissen-schaftliche Vernunft, sondern auch die politische Macht des Ober-foersters sich jetzt als Verbuendete ihre Gpfer suchten. Deut-lich wird hier, dass eine voellige Steigerung der Totalitaet stattgefunden hatte. Unter Totalitaet ist hier die Unterwe<rfung des moral!schen Individuums und seiner Freihelt von polltischen 3 oder auch andersartigen Maechten zu versteMa, Da die Gefahr sich gesteigert hatte, gestaltete slch die Neufassung geballter, straffer und diehter in Form und Stil der Prosa. Auch wurden neoromantische Tendenzen, wie zum Beispiel das Ideal des nai-ven Kindes gestrlchen. Obglelch Juenger slch eigentllch berelts vor dem dritten Reich mit der Problematik der persoenlichen Freiheit und mit den Urwerten beschaeftlgte, erweitert sich diese Thematik doch im Neuwerk. Die innere Emigration Juengers ist also keine voellige Neuexlstenz, sondern vlelmehr eine Rueck-bezlehung auf ein frueheres Stadium, welches jetzt aufgewertet, erneuert und erweitert wird. Vor allem wird die Erweiterung in Bezug auf die Figuren des verlorenen Postens, des Oberfoer-sters, der Schleife und des Nigromontanus und seiner Vexier*. bilder erkenntlich. Der linterschied zwischen den zwei Fassun-gen kann in folgender Weise verbildlicht werden: das erste Werk spuert den Untergang einer Zivilisation und versucht, der Wertzertruemmerung entgegen zu arbeiten; hierbei macht Juenger zwar den Fehler, dass er den Feind hauptsaechlich in der Techno-kratie sieht. In Hinslcht auf Die Marmorkllppen behandelt die Erstfassung die Krankheltszeichen des Kulturvolkes, bevor der - 10 -Oberfoerster auf der Ebene erscheint. Die zweite Fassung hin-gegen 1st. die Neugestaltung derselben Problematik, nachdem die Macht des Oberfoersters gesiegt hat. Es 1st die kuenstlerisch getarnte Veraeusserllchung des Autors, der "im Bauch des Levia thans" (VII AH II/ 2g2) lebt, erlebt und arbeitet urn "das Herz zu wahren." (VII AH II/ 282). Wichtig 1st, dass der Autor sich beim Schreiben des Neu-werkes auf die fruehere Fassung bezieht. (VII AH II/ lgO).Dies deutet darauf hln, dass gewisse Potenzen und Tendenzen in der Geistesentwlcklung Juengers bereits vor dem dritten Reich be-standen, welche es nun dem Dichter erleichtern, in eine innere Emigration zu gehen. Diese loglsche Welterentwicklung, sich in eine innere Emigration zurueckzuziehen, baut slch auf folgenden Elementen der Juengerschen Gelsteswelt auf: Juenger hatte in seinen Tagebueehern des ersten Weltkrleges bewiesen, dass er eine Begabung hatte, kuehl und. distanziert das Zeitgeschehen zu beobachten und zu berlchten. In den Schriften Die totale  Mobllmachung (1931) und Der Arbeiter (1932) wurde dann der Zeit geist und Zeittypu8 erfasst und vorausgedeutet, waehrend die Ga.be, introspektive und metaphysische Tiefwege zu verfolgen, slch in der ersten Fassung des Das Abenteuerllche Herz manife-stlerte. Juenger war folgllch, bevor er in eine innere Emigra tion ging, schon ein abenteuerlicher, aristokratischer Indivi dualist, der die Zeltentwicklung analysierte und kommentierte. Zugleich zeigt sich eine andere Seite, Indem er sich mit der metaphysischen Sphaere und der Verinnerlichung beschaeftigte. So besteht hler ein progressives Blndeglied zwlschen den - 11 -fruehen und den spaeteren Werken Juengers. Im Gegensatz zu Juengers ersten Publlkatlonen im dritten Reich; naemlich Blaetter und Stelne (1931!-), in dem bereits Ansaetze der nega-tiven Kritlk gegen das neue Reich bestehen, und Afrikanleche  Splele (1937), welches Juengers jugendliches Fremdenlegions-abenteuer schildert, befasst sich Das Abenteuerllche Herz ein~ gehend, wenn auch oft symbollsch mit der neuen Lebenslage und Problematic des Dichters im totalitaeren Staat. Die Thematik richtet slch auf die Verinnerllchung, Indivldualisierung, Pri-vatisierung und Distanzierung. Der Dichter verfolgt Gedanken-gaenge der Introspektion und wird somit nicht nur ein Beobachter der Umwelt, sondern auch seiner selbst. Der Weg fuehrt nach in-nen, zum Herzen, sodass man wohl hier zum ersten Mai in Juengers Werken von einer inneren Emigration reden kann. Im Rueckblick auf sein laengst abgelegtes Werk (VII AH I) sagt Juenger im Jahr 19381 folgendes "... man hat das Gefuehl, zu Zustaenden znrueckzukehren, die man abstreifte wie eine ver~ gilbte Schlangenhaut." (VII AH II/ lgO).Der Zustand, auf den Juenger sich hier bezieht, ist welter nichts als der elementare Nukleus der menschlichen Existenz; in dem das Herz die Hochburg undletzte private Zelle des Individuums verteidlgt. So stellt sich bald heraus, dass die Leitthematik dieses W|rkes mit frag-mentarischem Charakter die nicht zeitgebundene Verelnzelung dee 'Ichs' in einer feindlichen, totalitaeren Welt ist. Bereits Ti-tel und Untertitel lassen dieses vermuten, da Ja Abenteuer immer mit der Gefaehrdung der Existenz des Menschen (Herz) verbunden sind. Capricclos erklaert Juenger als naechtllche Scherze, die 12 -der Mensch in seiner Vereinsamung unter Gefahr erlebt.(VII AH II/ 121), Dlese Gefahr manifestiert slch hauptsaechlich in den Figu-ren, die den Menschen bedraengen, wie zum Beispiel der schwarze Ritter, die Mauretanler oder der Oberfoerster. Um sich vor ihnen zu schuetzen, beruft sich Juenger auf einen alten Freund und Leh~ rer Nigromontanus, der symbolisch Juengers innere Stimme darstellt. Und es ist hier, dass die Verbindung zu dem Titelspruch von J.G.Hamann erkenntlich wird, denn Hamann strebte auch nach einer Verinnerlichung des Lebens und einer Harmonie in der metaphysi-schen Sphaere.. Auch bestehen Parallelen des Fragmentarischen, des sprlngenden Inhalts, der Anspielung, der Bildprosa und des Raet-selhaften zwischen Hamanns und Juengers Werken. "Den Samen von allem, was ich im Sinn habe, finde ich allenthalben." (VII AH 11/ 177).Dlesen Samen findet Juenger trotz gefaehrllcher Umwelt in seinem Herzen, in seiner inneren Emigration. Wie bei der Tigerli-lle, welche einem Gauklerzelt gleicht, erklingt die leise vorbe-reltende Musik nur im Inneren - im Kelch, im Herzen. (VII AH Il/l79)t Die Umwelt, In der das abehteuerliche Herz steht, ist cha~ otisch und feindlich, Es erweist slch, dass die Umwelt in der Erst-fassung bereits die Grundrisse der Gefahrenwelt der Neufassung enthielt. Vlele Alptraeume erkennt der Leser als uebernommen, doch findet eine Steigerung und Erweiterung vor allem der nicht technokratischen Gefahren in der spaeteren Fassung statt, indem neue, furchtbare, surrealistlsche Ereignisse und vor allem die Thematik der Despotie hinzugefuegt wurden. Dies wird besonders erkenntlich in dem Abschnitt Violette Endlvlen, in welchem der — 1 3 Mensch von seinen Mitmenschen den "Endlvlen'' ale Futter gegeben wird* Zu dieser Selbstzerstoerung kann Juenger nur kommentieren "Ich wusste nicht, dass die Zivilisation ... schon so weit fort-geschritten ist." (VII AH II/ 134). Darauf folgt die Figur des schwarzen Ritters, der pervers und sadistisch zwei Maedchen foi-tert, nicht ein Einzelfall sondern Folterqualen, die hinter jeder Tuer stattflnden, von denen aber der Mensch nie etwas erfaehrt. (VII AH 1/ 78: - AH II/ 196: und 197), Es ist eine Welt, in der das Individuum von einer donnerden Blechflaeche zur naechsten in den Abgrund gerissen wird - ohne Erkenntnls, dem Untergang entgegen. (VII AH 1/ 29-3O - AH II/ 186). Auch herrseht hier die Figur des Oberfoersters, eine wichtlge Neuerscheinung in der zweiten Fas sung, die spaeter in Auf den Marmorkllppen wieder erscheint. Der Oberfoerster ist eine tierische Tyrannenfigur, der andere klug ln seine gestellten Fallen zieht, um sie zu vernichten. (VII AH 11/ 217).Es entstehen Bilder von Maschinen, die selbstaendig, oh ne menschliches Handeln ruecksichtslos ihr Lied singen. (VII AH 1/ 153 - AH II/ 217 und 226). In elnem anderen Abenteuer begegnet dem Herzen das absolut Boese ln der Gestalt einer alten Frau, die Menschen schlachtet. Hier kommt Juenger zu der furchtbaren Ein~ sicht "Da wir Je&och nicht von Grund auf gut, die Alte dagegen vollkommen boese ist, so muessen wir unterliegen." (VII AH 1/135 • « AH II/ 225). Schriften von Marquis de Sade werden erwaehnt, in denen das Gfheul des Erdwolfs erklingt (VII AH 1/ I58 - AH II/ 228), waehrend ein Glueoksrad der Geschichte sich seine Opfer sucht. (VII AH II/ 329). Alle Traeume und Erlebnisse, die Juenger hier zusammenfuehrt, ergeben eine zeltbezogene, aber auch zeitlose totalitaere Umwelt, in der aeussere Maechte den Menschen regleren - 14 -und eine freie Wahl dem moralischen Indlviduum anscheinend ver-sagt 1st; es 1st eine Welt, in der Gedanken sowie Figuren die freie Existenz gefaehrden. Die Umwelt ist in beiden Fassungen der freien Entfaltung des Menschen feindlich. Jedoch scheint sich in der Erstfas&ung der totalitaere Charakter der Umwelt hervor-wiegend in dem versklavenden Einfluss der Technokratie auf den Menschen zu manifestieren. Das Politlsche klingt hier nur an, ist aber noch nicht in den Vordergrund gestellt. In der zweiten Fassung hingegen gewinnt der Gedanke des despotischen Machtstre-bens und sein Einfluss auf die menschliche Existenz danndie zeitbedingte Bedeutung. Juenger sucht nach Auswegen aus dieser existenziellen Not-1). lage. Er vermag durch seinen stereoskopischen Bllck "...die Dinge mit der inneren Zange...." zu erfassen, sodass "...die verborgene Harmonie der Dinge...." (VII AH 1/ g2 - AH II/ 200) erklingt. Sein freier historlscher Blick dagegen, der nicht mit dem ste-reoskopischen Blick zu verwechseln ist, vermag zu jenen "... Ma^en vorzudringen, die auf dem G-rund der Zeit verborgen sind, tief unter Ebbe und Flut." (VII AH/ 334). Die Mape, von denen Juenger hier spricht, sind die unveraenderlichen, fe-sten Zeichen, die die Harmonie der Welt bestlmmen, sie sind die Essenz alles Waitens. (VII AH II/ 334). Er erkennt In Homers Odyseee das Lied des menschlichen Geistes, welches trotz ueber-maechtiger Feinde sein Ziel erlangt. (VII AH 11/ 23I). Wie die Flgur des Fischhaendlers im letzten Abenteuer, geht Juenger in ein leises, zugleich aber verzweifeltes Selbstgespraech einer absoluten Existenz, das bedeutet eine voellig auf das 'Ichr - 15 -angewiesene Existenz (also eine beziehungslose), da der Gegenpol des 'Ions*, die Gesellschaft, zur gefaehrlichen Zone wurde. Er heruft sich auf das Elementare der Existenz, das Herz. Mit ihm beobachtet er die feindliche Umwelt mit der Elnsichtj "...dass es hier nicht mehr um Fische ging, sondern.dass ich auf dieser verlorenen Insel den Gesang des_ Menschen hoerte - zuglelch sein laut sich bruestendes und sein f luesterndes, flehendes Lied," -(VII AH II/ 337).Dies ist dieselbe Musik, die Juenger bereits am Anfang des Abenteuers aus dem Kelch der Tigerlilie anlockte. Als wiederentdeckte Losung waehlt Juenger jetzt "Erwachen und Tapferkeit." (VII AH 1/ 77 ~ AH II/ 325),Er ringt um eine er -neute Erkenntnls, von der er schon in der Erstfassung sprach, die die Oberflaeche der Umwelt durchbricht und die wahren Tiefen erkennt. Juenger schelnt sich jetzt noch mehr aus der Oeffentllch-keit in die private Sphaere zurueckzuziehen. In dieser Privatisie-rung erlebt er eine absolute Existenz; im dialektischen Selbs-t** gespraech fordern paradoxe Gedankengaenge zur Auselnandersetzung auf. "Wir schreiten nicht gradlinig fort, sondern In Wellenbe« weguhgen, und nicht von Stufe zu Stufe, sondern von Extrem zu Extrem0.. Unsere geistige Bahn gleicht dem Zeiger der Uhr, der slch unter Schlag und Gegenschlag des Pendels bewegt." (VII AH II/ 250), Der Dichter ©edauert diesen Zustand jedoch nicht, er fuehlt sich wie ln elnem Zentrum eines Zyklon, in dessen -'Wind--stille eine extreme Wirklichkeit unerlaubte Einblicke gestattet und das Truegerische verraet. (VII AH/ 25g),Indem er Hoehen und Tiefen durchlebt, versucht er eine neue Harmonie in der Meta-physik zu fi'nden, sein stereoskopischer Gehuss verlaesst die - 16 -phyelsche Welt. Es gilt, den Zwiespalt, der zwlschen Oberflae-che und Tlefe im Leben besteht, zu loesen. (VII AH II/ 182). Als Belspiel gilt hier das durchsichtige Krlstall, das trotz harter Oberflaeche innere Welten offenbart. Juenger erweitert die Krei-se des Abenteuers, nicht nur der Mensch'-wird im Inneren erforscht, sondern die Sprache, die Erlebnisse und sogar die Welt, denn das rechte Bild der Welt steht auch nur hinter einem Vexlerbild. (VII AH II/ 275).Das Ziel der Abenteuer ist das Elementare ln Jeder Sphaere, mit der der Mensch ln Bezlehung gelangt. Die Me-thodik, welche Nigromontanus, Juengers Innere Stimme verfolgt, 1st "... die Kunst der Lebensfuehrung, mit dem Unvergaenglichen als Ziel." (VII AH 11/ 275), Juenger scheint hier das Elementare dem Unvergaenglichen glelchzusetzen. Hleraus erschllesst sich auch die Bedeutung des Abschnittes Aus den Zeltungen, in dem eine Mutter ihre toten Soehne mit den folgenden Worten begruesst, "Hab ich euch endlich meine lieben Jungen.11 (VII AH II/ 255). Nicht die oberflaechlichen Maechte und Ereignisse walten, sondern das' ewig Elementare, das in den Tiefen verborgen liegt - das Muet-terliche siegt. Doch fuer Juenger braucht die Welt nicht aus den Fugen zu gehen (VII AH II/ 259), damlt er die verborgene Struktur erkennt; ihm ist die stereoskopische Wahrnehmung gegeben, indem er Flaeche und Tlefe zugleich auskosteti. (VII AH II/ 200 )5# Das Ueber-den-Dingen-Stehen, das Abseltsstehen mit der Erkenntnls einer aesthetischen Ordnung, die sich durch metaphysische Tiefen-abenteuer offenbart, gibt Juenger eine gewlsse innere Freiheit und Erloesung aus der totalitaeren Umwelt. .-17-Trotzdem erkennt er. die Zeitlage in der Figur des verlore-nen Postens, (VII AH II/ 267) welche er in sein eigenes Schicksal einbezleht. Diese Existenz 1st umgeben und bedingt von Gefahren und Unheil, sie 1st die Insel der Elite inmltten der Verfolgung, Aus dieser Exlstenznotlage ist es dem Menschen moeglich, schaerfer und klarer zu sehen, und er erkennt die Ordnung deutlicher. (VII AH 11/ 26g)„Durch die Umwelt bedrueckt, wird eine Lebens-entscheldung gefordert. Der verelnsamte, verlorene Posten ist ein Pruefstein, denn "Die stellvertretende Kraft des Einzelnen kann ungeheuer sein ••«»"_ (VII Ah\Il/ 270) und was noch wichtiger 1st, "Der Mensch handelt dann nicht mehr,, wie es seiner Erhaltung, sondern wie es seiner Bedeutung entsprlcht," (VII AH II/ 269)#Es wird nur zu deutlich, dass Juenger slch selbst in dieser Stel-lung des verlorenen Postens waehrend seiner inneren Emigrations^. Jahre sah. In dieser belspielhaften Existenz erkannte er Lebens** slnn, denn "... wenn Milllonen schweigen, kann ein guter Zeuge das Urtell wenden." (Vll AH 11/ 270). Nigromontanus lehrt von einer erlesenen Sehar, (VII AH 11/ 270)dle slch laengst in die innersten Raeume zurueckgezogen und die Bibliotheken und staubigen Arenen verlassen hat, (VII AH 1/ 33 - AH II/ I90). Trotz Rueckzug 1st diese Schar in dem "dunkelsten Tibet" nach wie vor an der Arbeit: eine Arbeit, die nicht voellig ispliert von der Umwelt vor sich geht. So helsst es, dass durch "...fihre] Hoehlen die Stroemung funkelt, die draussen jedes Muehlrad dreht «., - hier aber Jedem Zweck entfremdet und vom Herzen aufgefangen, die als die helssen, zitternden Wlegen aller Kraefte und Gewalten jedem aeusseren ~ lg Licht fuer immer entzogen sind." (VII AH i/ 33 - AH II/ 190). Dieser Rueckzug aus der Oeffentlichkelt wird zur Hauptthematik des Abschnittes Die Schlelfe. Wleder tritt Nigromontanus hervor und belehrt den Schueler Juenger, wie er-Lebenssinn und Lebens-, sicherheit in einer chaotischen Umwelt erhalten kann. Juenger gesteht auch, dass er die Lehren und Methodik dieses Nigromonta-nus beinahe ganz vergessen hat. Hier 1st also die Rueckkehr zu laengst abgestreiften Schlangenhaeuten..(VII AH II/ l80).Diese innere Lehrerfigur erweist sich als Experte der Vexierbllder und der Camouflage, er symbollsiert das wahre 'Ich1 hinter der Maske, die Existenz der Inneren Emigration, die slch nach aussen mit Kapuzen und Tarnkappen abschlrmt. (VII AH II/ 3l5).Die Fl-gtir der Schlelfe^ zelgt slch als Juengers letzte Rettung vor der totalltaeren Welt, sle 1st der naechste Schritttvon der Stufe des stereoskopischen Genusses ln die Entziehung des "Ichs' aus den empirischen Verhaeltnissen. (VII AH II/ 201).Die Schlelfe 1st die letzte Abwehr, der voellige Rueckzug des Individuums in "die herrliche Windstille der Einsamkeit." (VII AH II/ 202).Mit dieser Methodik glaubt slch Juenger den Anstuermen der Zelt zu entziehen„- In der voelligen Verelnsamung flndet er neue gelstlge Frelhelt, -die. voellig auf sich selbst angewiesene Existenz steigert sich zu intellektuellen Prozessen nie zuvor erreichter Einsichten. Voellig auf sich selbst gestellt "... findet der Mensch die rechten MaBe ..•." (VII AH 11/202). Von dieser Posi tion der persoenlichen Freiheit fuehrt. der Abenteuerpfad auf die hoechste Stufe der Schlelfe - Den Tod., Dies Stadium der Schlelfe steht Jedem Menschen offen, es 1st ",... die Tarnkappe aller: Tarn -kappen ..» die letzte und unangreifbare Burg aller Freien und 19 -Tapferen ...•"( VII AH II/ 203 ).Bedauernd gesteht Juenger, dass er die Lehre der Schleife vergassund den "Mauretanlern", den "Polytechriikern der Macht*, beitrat. (VII AH II/ 203), Juenger be-zieht slch hier in den Mauretanlern auf seine voruebergehende politische "Aktlvltaet In "nationallstischen., revolutionaeren Ver-baenden der Weimarer Republlk waehrend der "zweiten Haelfte der zwanziger Jahre. In der Figur der Schleife findet Juenger seine Hauptrichtllnie der inneren Emigration, welche sich mit den Be-griffen der stereoskoplschen Wahrnehmung und des verlorenen Po stens verelnigt. . ' * Indem Juenger die Schleife zieht, geht er zur Metaphyslk ueber. Metaphyslk 1st fuer Juenger der Versuch, die unsichtbare Ordnung hinter der physischen Welt zu erkennen; es ist die Ah-naeherung an die Lehre der letzten Gruende und Zusammenhaenge* des Seins und somit eine Suche* nach dem Urstoff. Die staerkere Hinwendung zur Metaphyslk, eine Tendenz die bereits vor dem drlt-ten Reich be stand, erlelchtert es Juenger, in die innere Emigra tion zu gehen. Zum metaphysischen Hauptschluessel (VII AH 1/ 194) gesellt sich noch eine zweite wichtlge Gabe; naemlich der kombinatorische Schluss. Es handelt slch um die geistlge Kraft, nicht fragmentarisch, sondern harmonisch die Einsichteh einzu-sondern. "Ein Denken, das sich nicht in abgesonderten und abge-tellten Wahrheiten bewegt." (VII AH II/ 19*0. Hier wird J.G.Ha-manns Einfluss auf Ernst Juenger erkenntlich, ^ wenn von der Fuehlung mit dem Ganzen (VII AH II/ 195) die Sprache ist; auch koennte dies als Neoromantizlsmus interpretlert werden. - 20 -In Hlnsicht auf Juengers Metaphysik und die Schlelfe kann die Standortbestimmung des Autors in seiner inneren Emi gration als folgende erkannt werden: innerhalb der historischen Ereignisse flndet Juenger einen ruhlgen, guenstlgen Beobachtungs-platz der Einsamkeit, von hier aus kann er die Stuerme ueberschau-en, waehrend er seine gei<?tlge Frelheit in der Metaphysik mlttels g der Schleife erhaelt, Dieser Standort des inneren Emigranten, sowie er sich in Das Abenteuerllohe Herz erweist, ist der Aus-gangspunkt einer spaeteren Q-estaltung der Zeltfigur des Wald- gaengergl (1951) • Dass diese beispielhafte Haltung des unabhaengigen Gei-stes, welche sowohl Flucht als auch Opposition ermoeglicht, zu-gleich seine Staerke und Schwaeche 1st. Ob eine Flucht bei Juen ger stattfand, bleibt einer Untersuchung seiner Werke vorbehal-ten. Die Fragestellung ist folgende J zeigt Juenger Opposition in selnen Schriften oder ist ein Fliehen erkenntlich? Wenn .la, ist diese Flucht eine Selbsterhaltung Oder nur ein Entfllehen und Ausweichen in die Verinnerlichung. Doch Juenger gibt hierzu sei ne elgene Erkenntnls "Auf verlorenem Posten muss das Leben sich entscheiden...." (VII AH II/ 270). Unter dem Druck der exlsten-zlalen Notlage wird der Mensch georueft. Die Schlelfe stellt den Menschen an den Scheideweg (VII AH II/ 202), auf dem so-gar das Schweigen oder die Annahme von Ehrungen schon eine Ka-pltulatlon bedeuten kann, (VII AH II/ 279). In Das Abenteuerllohe Herz entschied sich der Autor fuer die Opposition. Alleln durch seine geistige Unabhaengigkelt - 21 leistete er Widerstand gegen die Elngliederung in das totali taere Regime. Hinter diesen Traeumen und Abstraktionen werden immer wieder die zeitliohen und zuglelch zeltlosen Zustaende an-gegriffen. Jedoch verstecken sich diese Oppositionsspltzen hin ter dem hoechsten Stil der geschllffenen Dunkelhelt. (VIIl/652). Juenger splelt einen Partisanenkrieg gegen das Geistesleben des dritten Reiches, indem er sich hinter Metaphern, Metaphysik und Figuren versteckt. Er baut_ slch sein eigenes symbolisches Sy stem auf. Durch dieses Chiffrieren naehert slch Juenger natuer-10 lich oft "den Grenzen der Verstehbarkeit." Die Schriften und Mltteilungen bleiben somit auf einen kleinen Leserkreis begrenzt, der Aristokrat Juenger.ist nur einer kleinen gelstig eingeweih-ten Elite zugaengig. Diese Elite bildet also die Inseln Oder die verlorenen Posten, die inmitten der Verfolgung vom Schrecken vergessen werden (VII AH. Il/ 268.)' und die ihm unzugaenglich sind, da die Schreckensmacht sie nicht versteht. Die Methodik, welche der Autor benutzt, um seine Aussagen zu verstecken, kommt aus der Erkenntnls ",.„ dass auch die Sprache Tiefe und Oberflaeche be-sitzt." (VII AH 11/ I83). Was Juenger durch seine stereoskopische Wahrnehmung erkannte, verwendet er jetzt in der dlchterischen Praktik. Unter der Sprachoberflaeche fuegt er verborgene Bedeu-tungen hinzu, sodass der Leser zum Tiefenforscher werden muss, um die wahre Bedeutung hinter Juengers dlchterischen Bildern zu erleben. Dies gibt den Schriften das gewisse Abenteuerllohe und Magische. So sagt Juenger von seinem Lehrer Nigromontanus, dass er wie ein Tier im Dicklcht haust und es versteht, seine Spuren zu loeschen (VII AH.Il/ 200), denselben Pfad beschreitet der Schueler jetzt auf seinen Abenteuern. Es gilt, wie ein Licht-- 22 -strahl das Verborgene zu erhellen, aber selbst im Dunkeln zu verbleiben. (VII AH II/ 201), In voelliger Einsamkeit arbeitet Nigromontanus in bedrohten abgelegenen Gaerten. (VII AH II/ 271), Hier tragen Worte elnen tieferen Sinn und formen verkappte Bil-der. (VII AH 11/ 272),Es handelt sich also bei Juenger um eine Vexierbildprosa, diese wird zum Ausdrucksmedium seiner Inneren Emigration. Die Prosa muss der Leser verfolgen wie elnen "... Wild-pfad, der ueber Wolfsgruben fuehrt." (VII AH II/ 273).So macht Juenger sich selbst ein G-estaendnis, iridem er sagt, "... Ich uebernahm von Ihm [Nigromontanus] die Vorliebe fuer die verborge ne Korrespondenz, die zwischen den Dingen steht." (VII AH II/ 273). Ein Schriftstellertum zwischen den Zeilen 1st ja ein konventlo-neller Ausweg fuer Autoren im totalitaeren Staat. Obwohl Juenger nicht originell in seiner Methodik ist, so bringt er sie nlchts-destoweniger zu einem neuen Hoehepunkt, denn an geschliffener Dunkelheit fehlt es in seinem Stll nicht. Durch seine Vexierbil-der erhofft Juenger seinen Leser zu erschuettern, denn er ist slch bewusst, dass diese Verblueffung, Staunen, Schrecken und Heiterkeit hervorbringen koennen. Die Problematik llegt jedoch im Leser. Nicht jeder konnte diese lelse Musik, die in dem Gaukler-zelt leise erklang, erhoeren. (VII AH II/ 179).Die Vexierbild prosa war nun einmal nur der kleinen Elite zugaenglich, da die Grenzen der Verstehbarkeit beinah ueberschritten worden waren. Waere dies nicht der Fall gewesen, so haette die Literaturzen-sur es erkannt und als unerwuenscht verboten, Dem Inneren Emi-granten war hier ein Problem gestellt, indem die Frage entstand, wie durchsichtig die schriftstellerische Tarnkappe sein sollte. Gestalteten slch die Werke als undurchslchtig, bestand die Gefahr - 23-der Entdeckung, steigerte der Autor hingegen die Verkappung, so bestand die Gefahr der voelligen Entfremdung dem Leser ge-genueber. Juenger hie It sich unfraglich an der aeussersten Gren-ze des Verstaendlichen auf. Aber der Autor ist ueberzeugt, dass er mit dieser Methodik "... stets gewinnt, sei es ln der Zelle des Einsiedlers,, sei es im festlichen Palast," (VII AH II/ 275). Auch ist der Autor sich bewusst, dass sein Einfluss auf eine Min-derheit gerichtet ist, denn nur koenlgliche Augen koennen die Ein-heit in verworrenen Vexierbildern erblicken. (VII AH II/ 333), Das Abenteuerllohe Herz ist von Ge&ankengaengen, die dem Hitlerregime als unerwuenscht gelten mussten, durchwoben. So be** schreibt Juenger die Despotie als eine nach dem Muster des Tier-reiches geformte Macht. Dieser tierischen Macht, durch den Pur-purmantel symbolisiert, wird die geistlge Macht, der Stab aus Elfenbein entgegengesetzt, mit der Bemerkung, dass nur sie auf gutem Ursprung begruendet 1st, (VII AH II/ 230)„Auch befasst sich Juenger hier mit der Moeglichkeit einer beispielhaften Haltung im Angesicht der Despotie. "Diesen verzehrenden Trieben 1st eine Haltung entgegengesetzt, die man am besten als das Wohlwollen kennzeichnet ... Dieses Wohlwollen glelcht einem Licht, in dem allein die Wuerde des Menschen in rechter Weise erscheint." (VII AH II/ 230).Das bedeutet, dass die Wuerde des Menschen durch eine Haltung, die im Elfenbeinstab symbolisiert wird, im tyranni-schen Staate erhalten werden kann und soli. In Bezug auf die Re-nalssancetyrannen folgert Juenger dann aber, dass der Mensch ueber dem Tier steht, er sei ".,. naemlich der Herr des Raub-tiers," (VII AH II/ 265).Hierzu sagt H.Bastian, dass dies nur als '". 'Hlnweis auf die Notwendlgkeit einer moralisehen Ordnung 11 verstanden werden kann, Auch wundert slch Juenger, dass jeder Wahn so viele Heifer findet, die alte Welt trotz allem aber ihren Gang geht, ein Zeugnis davon , dass sie nach einem weisen Plan geordnet ist (VII AH II/-309), der wohl mit denen des drit-ten Reiches nichts gemeinsam hat. In dieser Bemerkung llegt ein gewisser Trost, da die alte Welt trotz bevorstehender Katastro-phe mit ihrem weisen Plan siegen wird, Untergruendig wird aber auch eine gewisse Opposition erkenntlich, denn Juenger wundert sich, dass jeder Wahn und somit der Wahn des dritten Reiches so viele Anhaenger findet. Die Idee einer inneren Emigration bestand ja darin, dass Trost und Wider-stand dem Leser im Werk angedeutet wurden, Trotz Unterwerfung unter den Zeitgeist fuehrt der Mensch "auf jedem Felde der Anschauung gegen ihn einen ewigen Pro-zess," (VII AH II/ 251).Hier besteht also eine Selbstheilung der Menschheit, Am deutlichsten tritt Juengers Ansplelung gegen das na tional sozlalistische Regime In seiner Farbsymbolik hervor, Vor allem die rote Farbe, eine der meist gebrauchten Farben des dritten Reiches, wird analysiert. Wenn es hier heisst, dass Gruende bestehen, mit rpter Farbe behutsam umzugehen (VII AH II/ 235)» 80 braucht kein Leser ein Kuenstler des Zwischenden^. zeilenlesens,zu sein. Von dieser Farbe geht ein Doppelspiel der Bedrohung und Anziehung aus (VII AH II/ 236), und es 1st ein Wagnis, sie zu tragen. (VII AH II/ 23&1),Hlnter lhr steht mei-stens eine toedllche Macht oder eine Verbindung mit Aufruhr - 25 -und Unordnung. Der rote Urstoff ueberflutet die Welt, bis er sich selbst verzehrt (VII AH II/ 238), sagt Juenger und deutet 12 hier den zwelten Weltkrleg und die Nlederlage an» Juenger bewies also in diesem Buch, dass er Mut hatte, in die Opposition zu gehen, dass er als geistiger Individualist sich ausserhalb der Gleichschaltung bewegte. Er wurde von der totalitaeren Umwelt in die Sphaere der Metaphysik, in der er sich als unabhaenglger Geist bewies, verdraengt. Hier ist also die Absonderung, die einer inneren Emigration zu Grunde liegt. Inner-halb Deutschlands sehliesst sich Juenger von der Umwelt ab und geht in die Verinnerlichung, ln der er kompromisslos denken kann. Doch besteht der Konflikt dieser inneren Welt Juengers, welche durch Nigromontanus symbolisiert ist, und der totalitaeren Um welt nach wie vor. Die Notlage bleibt trotz stereoskopiseher Sicht und trotz Schlelfe ein verlorener Posten, der genau gese-hen eine existenziale Notlage darstellt. H.P.Schwarz sieht hier "... eine metaphysische Verherrlichung des Einzelnen und seiner Moeglichkeiten." 13 Denn selbst hier gibt es Grenzsituationen, in denen die aeussere Umwelt und die moralische Innenwelt des Menschen sich feindllch gegenueberstehen und in denen Kompro-misse getroffen werden. Ein voelliger Nonkonformismus wuerde auf der hoechsten Stufe der Schlelfe enden; naemlich dem Tod im Maertyrertum. Aus dieser Einsicht greift Juenger zur Tarnkappe, er wird zum Gauklerzelt, aus dem ein leises Selbstgespraech erklingt..Diese zweideutige Existenz der inneren Emigration machte sle be senders fragwuerdig, denn wo beglnnt und hoert die ' • « 26 -Maske und die G-aukelei auf. Juenger sah, dass die Welt sich in eine politische und morallsche Sphaere teilte, und dass die Moeg-liehkei.t einer aesthetischen Harmonie sich erschwerte , denn die Problematik, dass die morallsche Welt in der polltischen amora-lischen ja sogar unmoralischen Umwelt stand, konnte nicht ueber-sprungen werden. Man bewertete Juenger negativ, da er slch nicht absolut zur aeusserlichen Verteidigung der moralischen Innenwelt •IS einsetzte. Vielleicht wurde von Juenger zuvlel erwartet, man darf den Inneren Emigranten nicht mit einem Maertyrer vergleiche-n oder verwechseln. Zusammenfassend kann man von Juenger anhand des Das Abenteu-erliche Herz folgendes sagen: Von einem verlorenen Posten be-trachtete er die Welt "stereoskopisch" und erkannte hierdureh-eine aesthetlsche Harmonie.. Er entzog sich der Gefahr durch die Schleife, indem er die emplrischen Verhaeltnlsse zurueckliess, um in die Unzugaenglichkeit der Metaphyslk unterzutauchen, und verneinte es im preussischen Sinne im Dienst zu stehen. (VII AH II/ 259).Unter der Tarnung des Wortes sprach er nur noch.als Ari-stokrat des Geistes zu einem ausgewaehlten Leserkreis. So be-wegt sich Juengers Spekulation im Zeltlosen, in der Metaphyslk, der Transzendenz und Magle, geht aber vom Zeitlgen, Physischen 16 der Realltaet und der Empirie als Ausgangspunkt aus» Juengers Stellungnahme wird von K.Bastian als konservatlver Mut bewertet und vielleicht kann die Welt weder von Ernst Juenger als Menschen noch von-der Existenznotlage der Inneren Emigration mehr erwar-ten, Jedoch kann sich eine Eroerterung von Juengers Stellungs-nahme nicht der letzten Frage entziehent warum verliess Juenger Deutschland nicht? Die Antwort hierauf llegt vlelleicht In Juen gers Auf fassung, dass die Heimat fue.r inn das Muetterliche, das Elementare. darstellt, von dem er sich nie absonde.rn koenne. Also verweilte er im wihdstillen Nukleus des Hitlersturms und betrach-tete das chaotische Panorama; diese Betrachtungen Juengers ha-ben sich als zeitgeistig.einma.lig erwiesen. III. KAPITEL: AUF DEN MARMORKLTPPEN Als klassisches Beispiel geistiger Opposition und somlt als Zeugnis der inneren Emigration nimmt Juengers Werk Auf den Marmorklippen (1939) in der Literaturepoche des dritten Reiches eine einmallge Stellung ein. Es gibt wohl kaum eine Literaturge-schichte oder einen Zeitungsaufsatz. ueber die innere Emigration oder ueber die Literatur im dritten Reich,wo dieses Buch nicht erwaehnt wird. Es ist nicht erstaunlich, dass Kontroverse und diverse Einschaetzungen dieses Werkes seit der Publikatlon be-stehen. Waehrend viele Krltiker und Leser hier einen Schluessel-roman par excellence sahen, interpretlerten andere ihn als den 1 Bewels einer feigen Flucht in die utoplsche Zeit. Die Wahrheit liegt wohl in der Mltte, was Juenger mit diesem Werk beabsichtig te, das hat er selbst in seinem Buch und den spaeteren Tagebue-chern niedergelegt. Unfraglich besteht hier ein Versuch Juengers seine eigene existenzielle Notlage der Inneren Emigration zum Ausdruck zu bringen,. dies manlfestierte sich in dem Marmorkllp-penleben der beiden Brueder, die starke autobiographische Zuege aufweisen. Dass sein Werk eine Tendenzschrift oder ein Schlues-selroman sei, wird von Ernst Juenger selbst verneint. So sagt er am 3, Mai 19^5> also nach dem Zusammenbruch des dritten Reiches und zu einer Zeit, zu der er gerade von einer entgegengesetz-* ten Aussage Vorteil ernten konnte "Das Beispiel zeigt, wie in solchen Zeiten [drittes Reich} dle Phantasie des Lesers exege-tlsch mitwirkt - viel staerker, als es der Autor wuenscht. Der 'Oberfoerster' sollte bald Hitler bald Goerlhg bald Stalin sein - 29 -Derartiges hatte Ich zwar vorausgesehen, doch nicht beabsich-tigt. Die Identltaet von Typen unterliegt anderen Gesetzen als die der Individuen im Gesellschaftsroman." (III/ 451).Anhand dieser Aussage hatte er selbst, als er das Buch schrieb, nicht einen Zeitroman im Sinn, sondern einen zeitlosen Roman, in dem Typen erscheinen. Dies ist auch erkenntlich an der glassischen Landschaft, in der die Handlung stattfindet. Nicht in Deutsch land, sondern in einer Gegend, in der Griechenland, Rio de Ja neiro und Sueddeutschland verschmelzen (II/ 3^7.), spielen die zeitlosen Ereignisse. Gerade aber da der Roman zeitlos-klassisch ist, bestand kein Grund, warum nicht Parallelen zum dritten Reich gezogen werden sollten, Juenger wollte nur nicht, dass die ses Buch als voellig zeltbegrenzt interpretiert wird. Aus die-sem Grund sagt er "...'Auf den Marmorklippen', ein Buch, das mit dem •Arbeiter' das eine gemeinsam hat, dass die Vorgaenge in Deutschland zwar in seinen Rahmen passen, dass es aber nicht spezlell auf sle zugeschnitten war," (III/ 639).Auch gesteht der Autor, dass er Anregung aus dem Zeltgesehehen fand. Der Zerfall elnes Kulturvolkes, die innerliche Schwaechung der Zivilisa-tlon in Europa durch den ersten Weltkrieg 1st beinah identisch mit dem Leben an der Marina,, bevor der Oberfoerster die Macht gewinnt. Auch das langsame Umslchgrelfen der nledrigen, totalis taeren Macht, die sich allmaehlich aus den lmmer vorhandenen Suempfen erhebt und die Menschheit versklavt, hat Parallelen mit dem Aufstieg des Hitlerregimes. Ferner erschlen es Juenger sehr wahrscheinlich, dass die Entwicklung im dritten Reich den-selben Weg nehmen wuerde. Juenger laesst es frei, wer sich den w 30 -Schuh anziehen will (III/ 639), und es ist nicht erstaunlich, dass das dritte Reich in grossen Zuegen hier die richtlge Schuh-groesse vorfand, Dasos mit die sem Buch der Schrif ts teller ein ge« wisses Wagnls einglng, als er es 1939 veroeffentlichte, darueher besteht kein Zweifel. Die Auseinandersetzungen gingen bis in die "Spltzen" (III/ 639), indem Reichsleiter Buhler die schriftstel«* lerischen Anspielungen Juengers angriffj jedoch entschied Hitler zugunsten Juengers. (Ill/ 639).Ein weiteres Zeugnis ueber das Wagnis dieser Vexierprosa gibt Juangers Bruder Priedrich Georg, indem er in Hinsicht auf die "polltischen Auspizien" vor der Ver-oeffentlichung meinte, "Das verbieten sie dir entweder in den er «-sten lk Tagen Oder nie#" (II/ 67).Auch war sich Juenger selbst be~ wusst, dass dies ein gefaehrllches Unternehmen war, sonst haette er nicht noch 19^9 gesagt "Wenn ein neutraler Krltiker CNaef in einer Besprechung der Marmorkllppen in einer schweizer Zeitung], der ueber die Lage in Deutschland nicht im Zweifel sein kann, den Inhalt des Buches auf unsere polltischen Verhaeltnisse bezieht, so muss, wenn nicht Boesartigkeit, so doch Pahrlaessigkeit mit-walten." (Ill/ 35k),Es. erwles sich also, dass Juenger wiederum den Zeitgeist erfasst hatte, wenn auch diesmal in einer klassi-sehen Sphaere, die zeitlos ist. Gerade dieses zugleich Zeitbe-zogene aber nicht Zeitgebundene fuegt dem Buch eine Groesse bei und hebt es aue dem aehr begrenzten Genre der Kriegsliteratur, Die Hauptthematik der Marmorklippenwelt Ist das Umsich.* greifen der tierischen brutalen Macht des Oberfoersters und sei ner Schinderwelt. Das absolut Boese siegt in einer Zivllisation, .r 31 -die nicht absolut gut ist (VII/ 225), dies ist der wahre Grund der Niederlage. Wieder ist es eine totalitaere Umwelt, welche die Existenz des Indlviduums gefaehrdet und bedraengt. "Die Far*. be der Blumen am toedlichen Grat duerfen dem Auge nicht verblei-chen, und sei es eine handbreit neben dem Abgrunde. Das ist die Lage, die ich In den *Kllppen' schilderte." (Il/ ^52).Das ewig Schoene, die groessere Weltordnung darf dem Menschen nicht veiw bleichen, koennte es hier heissen, denn die Blume 1st fuer Juenger ein Symbol der aesthetlsohen Ordnung. Doch Juenger und sein Rau-tenklausenbruder Ortho wurden nicht erst durch die nihilistlsche Oder anarch!stische Tyrannei auf die Marmorklippen vertrieben; sle wohnten hier bereits zu Zeiten des Gluecks. Ein Beweis, dass sich die Existenz des Geistesmenschen zu jeder Zeit auf der Hoe-he der Marmorklippen abspielt, jedoch bedeutet dies nicht ein Leben im abgeschlossenen Elfenbeinturm (Ivory Tower). Die Klau-senbrueder uebersehen das Land, dies Klippeneinsiedlertum ist daher eher ein abseitsstehendes Beobachten, nicht eine voellige Isolation, Dafuer sprleht auch, dass die Gelehrten zweimal im Jahr zum Volk zurueckkehren und mit diesem felern. Wichtig 1st hlngegen, dass der Dichter bereits vorm Umsichgreifen der Ty rannei in einem Stadium der Verinnerlichung und der Eingezogen-heit lebt, und zu Zeiten der Bedrohung Jene Existenz nur gestei« gert wird. Die innere Emigration in Bezug auf Juenger zeigt sich also als eine verstaerkte Berufung auf sein eigentliches Abseitsstehen, ^ das wohlbemerkt aber die Vorgaenge der Um welt beobachtet. Waehrend Im Tal an der Marina, eine alte Zivilisation in einer christlichen Kultur von "Weln und Brot" lebt, betreiben die Klausenbrueder, die mehr Typen als Charaktere darstellen, in lhrer Abgesendertheit ein Leben des Geistes. Hier in para-diesischer Umgebung von weissen Lilien und zahmen Lanzenottern widmen sie ihre Zeit dem-Pflanzenstudium, Ein harmonisches Le ben, dessen Ziel es ist, die groessere und aesthetische Welt-ordnung zu erfassen. In den Blumen ruhen Zelchen des Unveraen-derliehen ",., wie in geheimer Bllderschrift, und die den Uhren glelch, auf denen stets die rechte Stunde zu lesen ist," (IX/ 230).Die Forschung erstrebt also, die Ordnung der Schoepfung zu erkennen und niederzuschreiben; Als weiteres Gebiet ihres Gei-steslebens erweist sioh das geschriebene Wort, denn in der Bi« • bliothek befinden sich saemtliche Dichter und Denker, ferner eine Sammlung von Woerterbuechern und Enzyklopaedien. Zwei wel— tere Personen leben hier auf den Klippen mit den Bruedern, und beide sind Symbolgestalten. Erlo, der Sohn des Erzaehlers, er-scheint als die klndliche naive Unschuld, welche ihn noch mit dem "All" verbindet. Nur er kann mit den Schlangen sprechen und spielen, auch ist er an der Pflanzenkunde interesslert. Die Koechin Lampusa dagegen personlflziert die elementare Frucht-barkeit, unter deren Obhut die Schlangen gedeihen und Pflan-zen trotz wuchernden Unkrauts die dreifache Frucht tragen* In dieses Leben laesst Juenger Jedoch eine niedrige ele mentare Macht einbrechen, den Oberfoerster, und indem dies ge-schleht, entsteht die zeitlose Problematlk, dass sich der Mensch des Geistes und der Kultur ploetzlich einer feindlichen niedrigen Macht gegehuebersleht. Hier gestaltet der Autor, wenn auch symbol!sch, die gleiche Situation, in der sich die Schrift-steller Deutschlands 1933 befanden. Obwohl F.Schonauer keinerlei Identifikation zwlschen der anarchist!schen Gestalt des Ober-foersters und dem Hitler-Regime sieht, so bestehen doch im we-3 sentlichen gewisse Parallelen, In einer Symboldichtung darf 4 man keine voellige Gleichhelt mit dem Zeitgeschehen-erwarteri,-sonst waere. sle zeitgebunden und zeitbegrenzt und eher eine Allegorie, Juenger wollte die Weltgesehlchte auf einer hoeheren Ebene erfassen; naemlich den sich lmmer wiederholenden Zyklus, in dem niedrige anarchlstische oder nlhilistische Maechte in die Kulturgeschichte elngreifen und das Geistesleben bedrohen. Juenger, stark von dem Kulturphilosophen 0. Spengler beein-flusst, sieht diesen Untergangsprozess elnes Kulturvolkes von elnem gleichen Standpunkt aus. Denn es 1st ja nicht die heraus-fordernde Macht des Oberfoersters, sondern eher die innere Schwaeche des Kulturvolkes, welche den Untergang bestlmmt. (IX/ 210).Es erscheint beinah, als ob hier eine hoehere kos-mische Macht die Vorgaenge steuert "Doch was sind Menschen Rat und Wille, wenn ln den Sternen schon der Untergang be-schlossen liegt ?" (IX/ 264).Der Untergang muss nicht nur kom-men, er 1st sogar noetlg, denn alles In der Weltordnung hat seine Stunde der Geburt, des Todes und der Wiedergeburt "Die Menschenordnung gleicht dem Kosmos darin, dass sle von Zeit zu Zeiten, um sich von neuem zu gebaehren, ins Feuer tauchen muss." (IX/ 230),Derartige historische Anslchten beeinflussten Juengers Standortsbestimmung in der inneren Emigration, Der Autor sah sich ih einer groesseren Katastrophe ,als nur dem Untergang Deutsche lands, er erkannte'hier ein Walten der hoeheren Weltordnung. Ge** rade diese Auffassung und Einsicht .verhinderte einen aktlven Wi-derstand, der letzthin doch sinnlos gewesen waere, Erfasst von Weltprozessen, ueber die er doch keine Kontrolle hatte, wollte. Juenger slch durch seinen passiven, konservativen Mut in die Spraehwelt retten und von hier aus Widerstand des Geistes lei** stene5 •QIQ totalitaere Umwelt, welche von dem Oberfoerster aufge-baut wird, ist letzthin im Prinzlp dieselbe, die Ernst Juenger und seine Schicksalsgefaehrten;In eine aeussere Oder innere Emi« gratlon zwangen. Die elementare Macht, durch den Oberfoerster verkoerpert, ist keine Neugeburt, sondern ein kulturfeindliches Element, das zu jeder Zeit in den Suempfen und tlefen Gruenden lauert. Von den Marmorklippen waren naemlich die Grenzen der menschllchen Welt erkennbar " •«« die Geblrge, In denen hohe Fre.i-helt doch ohne Fuelle bei Barbarenvoelkern wohnte••»•.", dem wird das andere Extrem entgegengesetzt die Suempfe und dunklen Gruende, aus denen blutlge Tyrannls drohte," (IX/214),Erst bei dieser Lebenssehau wird es erkenntlich wieviel dazu gehoert, dass das Korn geerntet und das Brot gebacken wird ... dass der Geist in Sicherhelt die Fluegel regen kann,11 (IX/214). Zwischen denExtremen der nledrigen Gewalt, ein Thema, das Juenger schon in Das Abenteuerliche Herz beschaeftlgte, und der barbarlschen Freiheit wird erst der Wert eines Kulturlebens erkenntlich, Gerade. das Kulturleben, also die Existenz des frelen Geistes, versuchen die Klausenbrueder auf deh Klippen und Juenger in der Inneren Emigration zu erhalten und zu verteidlgen, selbst wenn « 35 -sie auf elnem "verlorenen Posten" etehen. Mit der Erkenntnls "das Wort ist Koenig und Zauberer zugleich" (IX/ 2c4) vertiefen sle slch in ihre Arbeit, denn die Wortherrschaft sraehrt laenger als das Reich des Schwertes. Mit der langsam sich ausbreitenden Inbesitznahme des Oberfoersters, den ein Haueh von alter Macht umgibt, geht der Untergang der Kultur progressiv voran. Doch sind die Menschen selbst daran schuld, da sie den Oberfoerster duldeten, auch war er als grosser Herr bei den Mauretanlern angesehen. Juenger sohliesst sich selbst von dieser Schuld nicht aus, Er gestand, dass auch er frueher die sem Orden der Polytechnlker beigetre*. ten war. (VII/ 203, IX/ 206).Im Gegensatz zu den meisten ande-ren Mitmenschen erkannte Juenger die sen Irrtum zu elnem Zeit** punkt, als fast ganz Deutschland die Machtuebernahme bejubelte, "Es glbt Epochen des Nlederganges, in denen sich die Form ver~ wischt, die Innerst dem Leben vorgezeichnet ist." (IX/207). Dass Juenger die innerste Form nach einem Fehler, den er gerne gesteht, wiederfand und dann gegen die totalen Maechte vertei-digte, dafuer sind Nigromontanus Lehren und die Marmorklippen ein Bewels. Auch fluechtete Juenger in keine »... abgeschiede*-neh Zeiten Oder ferne Utopien, indes der Augenbliok verfliesst" (IX/ 207), dazu sind seine Schriftwerke der inneren Emigrations** perlode trotz zeltloser Sphaere vlel zu aktuell, Unter dem Pendelschlag von Macht und Uebermacht schrei** tet der Zeiger vor (IX/ 207) und gestaltet eine langsam um-slchgrelfende Totalitaet. Der Oberfoerster ist die Gegenmacht jeglicher besonnen Taetigkeit; war frueher die Dichterklause hochangesehen im Volk, so steht sie jetzt in Gefahr, zerstoert zu werden. (IX/ 226), Die Front des Kampfes wird voellig aus der physlschen Sphaere in die geistige verlegt, Es gilt, die "Quel le der Fuelle", den "Stand der Dienter" (IX/ 219) zu erhalten. Dem Zurueckzug in die Innerlichkelt folgt die Erkenntnls, daes bei dlesen Haendeln kein Ruhm zu gewinnen war, (IX/ 23O). Hat-ten die Klausenbrueder frueher aus Lehenspflicht, ohne "nachzu-gruebeln wo Recht und Unrecht war" (IX/ 229) im preussischen Sinne gedient (VIII/ 259), so gilt jetzt die Lehenspflicht dem Herzen. Obwohl das Studium ein von Gewalt gereinlgtes Leben (IX/ 23O) bietet, so koennen sich die Brueder trotz Eremitentum nicht von der physlschen Welt voellig abschliessen, Der Mord-schimmer der Campagnafront dringt bis an die Marmorklippen, Juenger hat hier die existenziale Notlage einer moral!schen Gelsteswelt und der inneren Emigration, die von der totalitae ren Umwelt umgeben 1st, einmalig symbolisch in dem Leben auf den Marmorklippen dargestellt. Trotz scharfer Klippen 1st eine voel lige Trennung beider Welten unmoeglich, so schlaegt die Brandung der niedrigen Macht Immer staerker und hoeher an die Klippen, waehrend oben die Klausenbrueder den Nebel der Tyrannei und die Schreckenstaten immer deutlicher wahrnehmen, Eine hoffnungs*. lose Situation des kompromisslosen Lebens der inneren Emigra tion, das letzthin doch in Kompromlssen oder In der Auswande rung in ein anderes Land Oder in den Tod enden muss. Hier tren-nen sich auch die autoblographlschen Parallelen zwischen Juen--ger und seinen Klausenbruedern, der Autor selbst hielt dem - 37 -Ansturm der Hitlerzelt auf selnen hohen Marmorklippen stand. Das Standhalten auf dieser abgesonderten Position manl-festlert slch im Mlttelteil des'Baches*. Nach einer Lagebespre-chung entschliessen slch Ortho und der Erzaehler "immer fester, allein durch reine Geistesmacht zu widerstehen." (IX/ 239)» Sie nehmen den ".»„ Kampf mit der Elnsicht auf, dass es Waffen gibt, die staerker sind als jene, die schneiden »o..H (IX/ 239).Als Lehrer erweist sich Pater Lampros, eine chrlsfe ll che Figur des Schweigens und der Weisheit. Pater Lampros ist eigentllch nicht von dieser Welt, "Er, der gleich elnem Traeu-mer hinter Klostermauern lebte, sei von uns alien vlelleicht allein in voller Wirklichkelt." (IX/ 238). Man bemerkt hier zum ersten Mal bei Juenger eine Annaeherung an die christlichen. Lehren. In der Geistesmacht dieses Lampros liegt eine andere Moeglichkelt einer inneren Emigration, die slch mehr auf dem christlichen Glauben aufbaut, denn letzthln ist doch die Idee des gelstlgen Wlderstandes festi in der christlichen Geschichte verankert*^ So uebersieht Lampros das Spiel besser als jeder an** dere (IX/ 238), sein Lebensziel und -zweek llegen in der Meta physik, im Jenseits. Von ihm erlernen die Brueder das Mysterium der Vollendung "im Geistesglanze der Symmetrle" (IX/ 237) und, dass nur das Streben nach dieser, nicht aber die Vollendung auf der Erde dem Menschen gegeben iste (IX/ 293), Mit dlesem starken christlichen Einfluss vertiefen slch die Brueder ln die Sprache, "Denn wir erkannten im Wort die Zauberklaenge, vor deren Strahlen die Tyrannenmacht erblasst, Dreieinigkeit sind das Wort, die Freihelt, der Gelst." (IX/ 2^0). In diesen Worten kri-stallisiert sich die ganze innerliche Selbstbehauptung Juen gers gegen jegliche Macht der Tyrannis« Das sind dann die "unzerstoerbaren Zellen" der inneren Emigration, aus denen der Autor "aus jeder Phrase der Vernichtung wie durch offene To re aus einem Festgemach in immer strahlendere geht," (IX/ 2^1). Der Sinn des Lebens wird jetzt die Wiederholung der "Schoepfung im Vergaenglichen," (IX/ 2^1) d,h, die Dichtung wird Lebenssinn und G-egenmacht der totalitaeren Maechte, Derartiger Lebenssinn erweist sich aber auch als nicht voellig zufriedenstellend, da ja der Schriftsteller im Leserpublikum einen Widerhall finden muss; nur dann im Druck hat sein Werk den 11 Siege 1 der Abge-schlossenheit." (IX/ 243)„Zu Zeiten des Nledergangs sieht sich der Dichter zur Einsamkelt verurtellt. (IX/ 2^3).Juenger war in dieser Hinslcht nicht voellig verelnsamt, trotzdem er als uner-wuenschter Autor eingestuft wurde, gelang es ihm, bis 19^1 Neu-g erscheinungen zu publizieren* Verelnsamt war er in seiner inne ren Emigration genau so wie die Klippeneremiten, Der aufgeweck-te und interessierte Leserkreis war klein, denn "•»«, dass vor den Tauben zu muslzieren ein schlechtes Handwerk sei" (IX/ 2^3 )> darueber waren slch die inneren Emigranten elnig. Die Klausenbrueder in lhrer Elngezogenheit erlebten be reits ein Schicksal, welches Juenger erst in den Kriegsjahren bevorstand. Mit dem Umsichgrelfen der Macht des Oberfoersters erweist sich die Sprache nichtmehr als Sicherheit, sondern "... dass wir bis in die Traumtiefen dringen mussten, um die Bedrohung zu bestehen." (IX/ 2^9).Die Anfaenge der Traumerleb-- 39 ~ nisse ersohlenen schon Das Abenteuerllohe Herz (AH I und AH II) und steigern sich mit der Katastrophe in den spaeteren Tagebue-chern. Auch von der Verbrennung der Manuskripte ist jetzt die 9 Rede. Das Verbrennen der Werke lehrte Nigromontanus und nennt es "die Sicherhelt lm Nichts", da die schriftstellerische Schoepfung "... im Unsichtbaren weit slcherer als hinter Pan^r zertueren aufgehoben sei." (IX/ 244).Hatten die Nazis Buecher verbrannt, um die Freihelt des Geistes zu unterbrechen, so konnte dieselbe Methode die unabhaengigen freien Gedanken der Emigranten vor der Verfolgung schuetzen. Trotz Eingezogenheit, und obwohl die Klausenbrueder die Schrecken der aeusseren Welt von Berichten kannten, wird die direkte Gegenueberstellung der geistigen Existenz mit der unumgaenglichen faktlschen Umwelt zur Pruefung. Auf der Suche nach einer Blume, dem roten Waldvogel, stoesst der Erzaehler auf die Schandstelle der Tyrannei, das Schinderhaus. Hier bricht der Nebel, und der morallsche Mensch der Innerlichkelt, der Ge«. dankenwelt erlebt eine Konfrontatlon mit dem Allerniedrigsten, dem Unmenschlichen lm Menschen. Dies ist das Zentrum des Zy-klons, in dem der Mensch eine ueberhoehte Wirklichkelt erlebt, (IX/ 259 und VII/ 25g).Erst jetzt kommt die furchtbare Erkennt nls, auf welchen dunklen Kellern die Schloesser der Tyrannei sich aufbauten. (IX/ 254). Gedanken werden jetzt von Gefuehlen ueberholt, denn hier ist "... im Innersten die Lebensmelodle, auch ihre dunkelste, auch ihre tiefste Seite...." (IX/ 254) ergriffen. Im Licht dieser Wahrheit "schwelgen Musen", denn - ko -Menschenwuerde und-frelhelt sind hier von der roten Macht fuer immer verletzt. "Es gibt Erfahrungen, die uns von Neuem zur Pruefung zwingen • (IX/ 257) sagt der Erzaehler. Juen ger selbst hat diese direkte Gegenueberstellung mit der Wirk-lichkeit der Schlnderhuetten nie erlebt, er hat nur indirekt von den Brutalitaeten dieser erfahren. Unfraglich ist Jedoch, dass derartige Pruefungen die Existenz der Inneren Emigration herausgefordert haetten. Vielleicht ist es gerade eine direkte Konfrontation, die nicht nur dem inneren Emigranten, sondern dem ganzen deutschen Volk daraals gefehlt hatte, und die uns heutzu-tage genau so fehlt. Juenger gesteht, "dann schweigen Musen" (IX/ 25^)j von hier gibt es nur zwei Moeglichkelten, den ak« tiven Waffengang oder den passlven Untergang. Der Erzaehler der Marmorklippen waehlte den aktiven Waffengang wohlgemerkt mit den folgenden Gedanken, "Wir zogen in die Lemurenwaelder ohne Menschenrecht und Satzung, in denen kein Ruhm zu ernten war." (IX/ 272), Juenger ist slch voll be-wusst, dass dies nlchts mehr mit einem edlen Rlttertum zu tun hatte, die Zeiten waren fuer ewig vorbei. Auch sind sich die Klausenbrueder bewusst, dass weder Braquemart noch der Junge Prinz die Situation retten koennen. Ist der Oberfoerster ein Anarchist der Waelder, eine Bestie, so erscheint Braquemart, der Fuehrer der Mauretanier als ein Versklaver, ein Nihilist der Wueste; beide haben daher vlel Aehnlichkeit in Sinnen und Trach-ten. Ein Zeichen, dass Juenger selbst den Schritt Ueber die Li me (1950) nahm und den Nihillsmus genau so negativ bewertete wie kl ~ die niedrige angeborene Macht des Oberfoersters. Trotz ererb-ter Groesse hlngegen ist der Prinz dekadent, denn sein Erbgut ist Todesgut. (IX/ 26o),Aus diesen Gruenden muessen belde Ge*» genspieler dem Oberfoerster unterliegen, sie verschwinden in der Schlnderhuette Oder im Kampf, Den letzten Angriff gegen den Ober foerster fuehrt der alte Belovar, in dem das Beste, Natuerlich-ste, Urstaemmige der Weidengruende verkoerpert ist. In ihm brennt ein natuerlicher Hass und ein Rachegefuehl gegen den Oberfoer*. ster, doch erweist sich nur zu schnell, dass er der Lage nicht gewachsen ist. Der Widerstand mit physischen Waffen muss der roten Meute unterliegen, nur ein geistiger Widerstand, also die innere Emigration hat Sinn, nur er kann sich gegen den Kultur** untergang vfelleicht behaupten. Die menschllche Geschichte hat den Punkt erreicht, an dem sle "...ins reine Daemonenwesen ab~ zugleiten droht." (IX/ 278).Ein apokalyptischer Untergang 1st unaufhaltbar. Beim Anblick des Puerstenschaedels In der Schin** derhuette fuehlt der Erzaehler, wie das hohe Beispiel uns $ur Gefolgschaft fuehrt...." (IX/ 283), und er schwoert lieber, "... mit den Freien einsam zu fallen, als mit Knechten in den Triumpf zu gehen." (IX/ 283).Hier gehen Symbolik und spaetere Wirklichkelt auseinander, Juenger war nicht gewillt, ein Bel« spiel auf der hoechsteh ethischen Ebene zu setzen, noch mit den Freien einsam zu fallen, daran hinderten ihn schon seine kultur— historischen Ansichten. Er sieht seine Aufgabe im schriftstelle» rischen Schaffen, das aus dem Zeitgeschehen seine Inspiration zog. In seiner inneren Emigration schafft er das Buch gleich einer Ellipse mit zwei Brennpunkten, ln deren einem der Autor ~ 42 und in deren anderem die Tatsachen stehen. (II/.300). Nach dem voelligen Unterliegen rettet slch der Erzaehler, verfolgt von der Bluthundmeute, auf die Klippen.10 Vor dieser Meute koennen sich die inneren Emigranten auf ihren Klippen nur durch die von Erio zur Verteidigung aufgerufenen Lanzenottern retten. In dieser Schlacht slegt das elementare Schlangengift, die Qulntessenz ueber das Blut der Hunde (II/ 53), bibllseh-symbolisch 1st es der Triumpf des Gelstes ueber die niedrige Hundemacht. Nicht der Kampf mit physischen Waffen, sondern die Geistesmacht, die Schlange, ist die Waffe gegen die Meute und den Oberfoerster. In dieser Szene manifeBtiert Juenger die Rechtfertigung seiner Haltung des hohen Gelstes der inneren Emigration. Lampusa erweist sich jetzt ohne MItleid als ur*» wuecheige Gestalt der Pruchtbarkelt "der Jeder Sieger als Eldam" (IX/ 290) recht ist. Trotz Sieg ueber die Hunde verlassen die Brueder ihre Marmorklippen, das Haus des Geisteslebens hat sich als verlorener Posten lm wahrsten Sinne des Wortes erwle-sen. Die Brandung der Tyrannei treibt die inneren Emigranten doch aus dem Land, derin die Notexlstenz auf welssen Marmorklip** pen, umgeben von weissen Lllien, muss letzthln doch den An» stuermen der totalitaeren Umwelt, in der sie stehen, weichen. So geht das Werk vieler Jahre der Geistesarbeit In Plammen auf, in die "Sicherheit des NIchtsH ueber. Auch Pater Lampros geht mit der Erkenntnls in den Flammentod, dass wir auf "dieser Er** de nicht auf Vollendung rechnen" (IX/ 293) duerfen. Die Macht des Oberfoersters hat mit ihrer Standarte des roten Eberkopfes, ihren Schinderhuetten und dem heidnischen, prlmltiven Goetzen-glauben gesiegt, die Zlvilisation der Rebe und des Korns unter-lag durch ihre elgenen Schwaechen der "Zeit des Glueckes." Jetzt geht es den Schreibern, Versmachern und Philosophen ans Leder. (IX/ 295). Aus den inneren Emigranten auf verlorenem PO-sten werden jetzt wirkliche Auswanderer, sie verlassen die Ma rina und gehen in das Gebirge, in dem die Preiheit noch lebt, Sie retten also ihr Ich und ihre geistige Existenz vor dem Sieg des absolut Boesen. Ein letzter Trost bleibt ihnen noch, Fuersten sind Menschen, vom Weib geboren, und kehren zu ihrem Staub ... Weil denn kein Mensch uns helfen kann, Rufen wir Gott um Hilfe an, (IX/ 296), In dieser Untergangsstimmung liegt die Hoffnung auf eine Wen-dung oder in einem neuen Gegenpendelschlag der groesseren Welt-ordnung. Nur sie koennten die Preiheit in den Bergen sichern und erhalten, denn sonst waere auch dieses neue Vaterhaus des 11 Friedens (IX/ 298) nur ein neuer verlorener Posten. Oder will Juenger andeuten, dass die niedrige Macht nur in der Ebene wal-ten kann? Symbollsch deutet er dies vielleicht an, in der Wirk-lichkeit aber nicht. Bedeutet dieses Ende der Marmorklippen, dass Juenger mit dem Gedanken spielte, seine innere Emigration aufzugeben und in eine aeussere Emigration zu gehen? wohl kaum, Der Krltiker muss hier sehr vorsichtig sein, in wieweit der Erzaehler und sein Schicksal autobiographisch sind. Die Muse fuehrt die Wahrhelt in den Bereich der Dlchtung. Was sich in diesem Buch manife-stiert,, ist- die Problematik der Existenz einer inneren Emigra tion in einer Welt, die nach dem Vorbild der Schinderhuetten ge-bildet ist. (II/ 511). In diesem Schriftwerk beweist Juenger, dass er nicht gedankenlos in die Innere Emigration ging. Er baute die se voruebergehende Notexistenz, und als genau das hatte er sie- er-kannt, auf seiner Weltanschauung auf. Auch bewies er, dass er die Problematik seiner Verinnerlichung voll erfasst hatte; er war sich der Schwaechen und der eventuellen Konfrontationen mehr als be-wusst. "Dieses Buch ist voller Hinweise auf die morallschen Moeg-lichkelten, die elnem vergleichsweise freien und unabhaenglgen 12' Gelst in der Despotie offenstehen." Eine moralische und aesthe-tische Welt der verinnerten Unabhaengigkelt musste mit der to*. talitaeren Umwelt, in der sie stand, in Konflikt geraten und so-mit Kompromisse fordern. Die Kompromisse waren fuer Juenger an-scheinend nie zu gross, um sich ln seinem "konservativen Mut" zur letzten Konsequenz zu entscheiden. Einen gewlssen Mut zeig-te Juenger, indem er dieses Buch zu publizieren wagte. Die sym~ bolische Mehrdeutigkeit,fordert dazu auf, Parallelen zum Zeit-geschehen zu Ziehen. Die Gegenueberstellung von zeitloser "hoher Freiheit" und "blutiger Tyrannis" ist erstrangig vor allem, wenn man den Roman als einen Auedruek des Verhaeltnisses zwi-13 schen Autor und Umwelt betrachtet. Die Vexierprosa Juengers erwies sich hier als hervor— ragende Tarnkappe. Es ist die Vieldeutigkelt in einer zeit-losen Handlung, welche die Publikation im dritten Reich ueber-haupt ermoeglichte. Trotz der vielen Moeglichkeiten, das Buch auf verschiedenen Ebenen zu lnterpretieren, verstanden die mei-sten Leser, es auf die Zeitproblematik zu beziehen, Hatte Juenger im Das Abenteuerllche Herz die G-renzen der Verstehbar-keit beinah ueberschritten, gelang es ihm in Auf den Marmor  klippen die goldene Mitte zwischen Tarnung und Mlttellung zu treffen. Allein schon dies Gelingen macht dieses Buch zum klassischen Beispiel der inneren Emigration, waehrend die Zeit-loslgkeit der Konfrontatlon von totaler Macht und Ge.ist dem Werk die Raenge der Weltliteratur eroeffneten. Juenger ist hier kein Aesthet im Sinn der Schoengeiste-rei, sondern ein Aesthet, der das Wesentliche im Menschen, die geistige Welt vor der Totalitaet schuetzt. Hauptsaechlich baut sich seine Haltung auf eine geschichtsphilosophische An-schauung auf, und es 1st aus dieser heraus, dass der Kritiker Juengers innere Emigration bewerten sollte. Das Phaenomen des dritten Reiches ist nicht einmalig, es wird relativiert durch den ewigen Zyklus der Geschichte, welcher zwischen kulturellem Zerfall und Wiedergeburt das Scnicksal der Menscnhelt bestimmt. In derartiger Lage ist weder die auussere noch die innere Emi gration eine Antwort auf die Problematic Es gibt keine Loe-sung im Kampf gegen das Boese, denn die niedrige elementare Macht liegt sowohl wie die geistige Macht im Menschen selbst verankert, Hier gilt es, nicht zu fliehen, sondern die Menschen-wuerde und die hoehere Potenz des Geistes zu erhalten. Mit • - 46 ~ physlscher Gewalt gegen den Oberfoerster anzukaempfen, hatte slch als slnnlos erwiesen. Gegen die Verkoerperung der niedri-gen Maechte gilt fuer Juenger nur die Gegenposition der geisti gen Opposition, nur der Schlange gelang es, die blutige Hunde-meute zurueckzuhalten und zu toeten. Waehrend der Mensch in sei ner Notexistenz, aus der nur "ein konsekriertes Schwert" (IX/ 29^) die Erloesung bringen kann, auf eine Wiedergeburt der Z1-vilisation wartet, muss er die Macht vertreten und berufen, wel~ che geschwaecht dem Oberfoerster zu unterliegen droht, naemlich die geistige Macht. « 47 r IV. KAPITELt TAGEBUECHER 1939 ~ 19^5« 1939 hatte sich das dritte Reich fuer den katastrophalen zwelten Weltkrieg entschlqssen. Durch diese Entscheidung trat auch eine neue Lehensproblematik fuer den inneren Emigranten ein. Das voellige passive Abseitsstehen war in den gestelgerten Er*. eignlssen beinah unmoeglich. Die Forderung des totalen Staates erweiterte die Gleichschaltung, sodass jetzt unter dem Banner der Vaterlandsverteldigung der Mensch total gezwungen wurde, ein Glied der Gruppe zu werden. Um die neue Lebenslage zu er-fassen, ging Juenger zum Genre des Tagebuches ueber. Wieder greift der Kuenstler auf sein Fruehwerk zurueck, indem er hier das Medium des Tagebuches, welches er bereits im ersten Welt krieg benutzte, neu aufnimmt. Zwischen den beiden Weltkrlegen llegen aber Jahre der Reife und Umorientierung„ Der Unterschled der beiden Krlegstagebuecher ist schon in den Titeln erkennt lich; waren die jugendlichen Kriegserlebnisse ein faszinie-rendes, berauschendes Stahlgewltter, so lautet der Tltel jetzt Strahlungen; die zuerst die Strahlen des Zeitgeschehens und zweitens die kosmischen Strahlen/darstellen. Beide faengt Juen ger In slch auf und strahlt sie In einer indlrekten Gegenueber— stellung in seinen Aufzeichnungen zurueck. Die apokalyptische Umwelt und die aesthetische Ordnung fangen sich im Brennpunkt, dem Dichter, welcher belde Stroemungen hauptsaechlich in Ge-danken und Traeumen veraeusserlicht. So erweist Juenger, dass er nicht mehr der aktive Kaempfer des SchlachtfeIdes ist, er nimmt kg « die Position des passiven Beobachters ein, der als Kaempfer des erhoehten Gelstes die Katastrophe ueberstehen moechte. Die jetzt noch verstaerkte Totalitaet zwang den Dichter in die Gegenstellung der erhoehten Individualltaet, in welcher auch das kuenstlerische Werk nun zum dlalektischen Selbstge*. spraech der Einsamkeit ueberging. Der fragmentarische Charakter der Tagebuchform gab dem Autor eine erweiterte Freihelt der Gedanken und der Form, die ihm lm geschlossenen Werk nicht offenstand. Daher wird dies Medium zu Juengers Sphaere der Verv* aeusserlichung seiner inneren Emigration waehrend der Krlegs— jahre. Im Bereich der Tagesaufzeichnungen konnte er die phy~ sische mit der metaphysischen Welt, das Zeitige mit dem Zeit-losen, die posltiven mit den negatlven Bildern verbinden, hier konnte er seine dialektlsche Innenspannung erfassen. Die Haupt-merkmale des Tagebuches sind die "... Absetzung des Geistes vom Gegenstand, des Autors von der Welt,.." (Il/ 12), also Einsamkeit und Abseitsstehen, zugleich aber kuehle Beobachtung, Auch glaubte Juenger, dass sein G-runderlebnis, welches er in den Tagebuechern zum Ausdruck bringt, ein exemplarisches, typlsches Erlebnis seiner Generation 1st. So sagte er schon in dem ta«* gebuchartigen Werk Das Abenteuerllohe Herz (1) "Aus diesem Be« wusstsein fdes exemplarlsch-typischen Erlebnisses] heraus mei-ne ich auch, wenn ich mich mit mlr beschaeftige, nicht eigent-lich mich, sondern das, was dieser Erscheinung zugrunde llegt und was somit in seinem gueltigsten und dem Zufall entzogensten Slnne auch jeder dndere fuer sich in Anspruch nehmen darf«" ~ 49 ~ (VIII/ 28*).Ferae r ermoeglicht dies Genre die gesteigerten Er»-lebnisse der mit hoher Geschwindigkeit vorueberf liegenden Eiv* elgnlsse in Bildern festzuhalten. Auf dem verlorenen Posten der Notexistenz hatte Juenger weder Zeit noch Ruhe zur geschlos** senen Schoepfung. Das Tagebuch wird fuer Juenger das letzt-. moegllche Gespraech im totalen Staat (II/ 13), allein diese Auf** fassung macht eine Veraenderung der Inneren Emigration erkennt** lich. Ausser der Moeglichkeit des letzten Selbstgespraeches hat das Tagebuch noch eine zweite Funktion, es kann sich dem Logbuch annaehern. "Das sind Notizen auf der Fahrt durch Mee*. re, in denen der Sog des Malstroms fuehlbar wird und Ungeheuer auftauchen," (II/ 13)»Juenger erfasst die Katastrophe auf gei— stiger Bahn, dies ist ".«,» fuerchterlicher als die realen Schreckena..#M (II/ 13). Seine Tagebuecher werden zu hle.rogly«. phischen Schrif ten, in, denen seismographische Auf zelchnungen das Erdbeben der Hitlerzeit^, den Zeitgeist registrieren, waeh-rend der Autor abseits stehend die Haltiing der geistigen Macht elnnimmt,"1" Vorwort Die Hauptthematik seiner Tagebuecher hat Juenger in dem spaeter hinzugefuegten Vorwort (19^9) angedeutet; naemlich, dass er die transzendente aesthetische Ordnung der Katastrophe, dem Zerfall der gesellschaftlichen Ordnung entgegenstellt. In die** ser Hinsicht identiflziert sich Juenger mit den 1 Matrosen im Eismeer, auch sie fuehren ein Tagebuch, waehrend sie in Einsam» keit lelden. (II/ 12 undlll/ 372).Die Matrosen sowie auch Juen*. ger leben auf elnem verlorenen Posten, glelchzeitig walten politiach-historisohe Auselnandersetzungen in Europe, Doch wird den "politischen Figuren" und ihren "Schachzuegen" (II/ 11) Jegliche Bedeutung abgesprochen, denn in der neuen Kos** mographle, deren "...Oaten wichtiger als die der Staaten und Krlegsgeschiohte sind" (II/ 12), liegen die wirkllchen "Schick-saIssprueche". Was das Leben also an Wirklichkelt bestimmt, sind nicht die apokalyptlschen Geschichtsereignisse, sondern die kosmologische Ordnung, die daruebersteht und welche durch den Intellekt erkannt wird. Die hlstorischen Katastrophen gleichen einer kurzfristigen Flut, die wieder verebbt. (II/ 14). Die hoehere Kosmologie und die flutartige Katastrophe fangen sich in Juengers StrahlungenJ "Darunter sei einmal der Ein-druck verstanden, den die Welt und ihre Objekte auf den Autor hervorrufen, das felne G-itter von Licht und Schatten, das durch sie gebildet wird," (II/ 15).Das bedeutet, dass die Gegenpole der Umwelt in einer dialektischen Verlnnerllchung von Licht und Schatten, also in der Doppelspannung der inneren Emigration, der verabsolutierten Existenz erlebt werden. "Die Gegenstaende sind mannigfaltig, oft widersprechend, ja selbst polar ... die sich in unserem Inneren abstimmen." (II/ 15).Was Juenger an** strebt, ist die Harmonisierung dieser entgegengesetzten Strahlen, er will hinter den Strahlenbildern sinnvolle Muster wie £. B. das kosmische Muster der Blume erkennen, Oder den Untergang6» strahlen derartige Muster der aesthetisohen Ordnung entgegen* stellen. Die Tagebuecher ueberschreiten die Grenzen der zeit-llchen Berichterstattung und werden zum "... metaphysischen Lehrgang zwischen Gleictinissen: die Ordnung der sichtbaren Dinge nach ihrem unsichtbaren Rang." (II/ l6). Wenige erkannten eine derartige Inschrift, sodass Juenger selbst nach dem Kriege sagt'e so gibt es Werke fuer die wir erst heute als Leser reif ge-worden sind." (Il/ 14). Die Tagebuecher hatten also nur einen aeusserst begrenzten Einfluss auf die Oeffentlichkeit. Sie wa-ren ein welterer Schritt vorwaerts in der Isolierung, die aber immer noch Zins aus dem Zei;tgeschehen zieht. Der innere Emigrant Juenger subjektivierte slch Jetzt voellig, indem er das eigene Ich zum Zentrum seines Werkes bestimmt. Hier liegt die letzte p Privatisierung. Gaerten und Strassen Das erste Tagebuch und zugleich das einzige publizierte waehrend der Hitlerzeit beginnt fuenf Monate vor dem Kriege und schildert dann den Frankrelchfeldzug. Ueber dieses Werk sagte Juenger spaeter "Ich liebte damals, in Vexierblldern fuer Men schen oder solche, die es blelben wollten, die Lage anzudeuten... (II/ 20). Gerade dieser geschilderten Lage wollte sich Juenger aber geistig sowohl wie auch physisch entZiehen; indem er die Grosstadt, den Nukleus und die Brutstaette des totalen Staates verlless, wanderte Juenger praktisch im physlschen Slnne inner halb des Reiches nach Klrchhorst aus, er sonderte sich aus den Konzentrationsstaetten des Volkes ab. Auf dem Land fuehrte er praktisch ein Marmorklippenleben. Im Garten und auf den vielen Wald- und Feldspaziergaengen widmet er sich der Natur, der kos-mologischen Ordnung, er verfolgt sein naturwissenschaftliches Interesse und fuehlt sich voellig erdverbunden. Von einer Plucht aus der Umwelt und ihren Erelgnissen kann hier jedoch nicht gesprochen werden, hinter dem Vexierbild des Gaertners und Bctanikers steht ein Gegenspieler des Oberfoersters, (III/ 325). Die Beschaeftigung mit der Natur, dem Ewigen und,Wesentlichen wird hier zum gelstlgen Gegengewicht der totalitaeren Welt, in der die Wertzertruemmerung fortschreitet. Die Natur und die Er kenntnls ihrer Muster ist Juengers erstes Bereich gelstiger Freiheit, Das zweite und an Bedeutung nicht, mlndere Frelheits-gebiet ist die kuenstlerische Schoepfung. Der erste Zeitabschnitt des Tagebuches ueberschneidet sich mit. dem Abschluss der zeit-kritischen Marmorklippen (28. Juli 1939), ausserdem ist die Nlederschrift des Tageberiehtes eine Veraeusserlichung der frei en Gedankensphaere. Aber nicht nur das selbstgeschriebene Wort beschaeftigt Juenger, er befasst sich mit den Werken der Welt-literatur, Ein weiteres Schutzgebiet der persoenlichen Freiheit 1st die Traumwelt, welche sich der Gleichschaltung des tota len Staates voellig entzieht, Daher 1st es nicht erstaunlich, dass die traumatischen Erlebniese im direkten Verhaeltnis zum'' totalen Krleg gesteigert werden. Urifraglich liegen hier Bewei- . ' se fuer einen unabhaengigen Geist innerhalb des dritten Reiches, Die innere Emigration, in der Juenger waehrend seiner Klrehhorster Tage lebt, 1st von keiner Dauer, da der totale Staat progressiv weitere Kreise zieht. Die moralische kleine Welt Juengers steht ln einer kaltbluetigen politischen Sphaere, die nach neuen Gewalttaten strebt. Juenger war sich dessen be* wusst, da er "Hinsichtlich der Wahrnahmung der historischen Real!taeten vorgeschaltet ist. (Ill/ 153).Schonfuenf - 53 -Monate vor Kriegsbeginn geht er zum Tagebuch ueber, dem letzt-moeglichen Gespraech. (II/ 37/33). Die Zeit wird zu einem Eng—•• pass (II/ 4g), in dem fuer den Menschen nur eine Hoffnung be-steht: "... dass man den"Menschen zunaechst in sich gebaehren muss." (II/ 64). Die Subjektivierung des Ichs schreitet vor und gewinnt also immer mehr Bedeutung. Im Angesicht der Unmen-schen beruft Juenger das Menschliche, hier liegt seine geisti ge Freiheit und seine Opposition zur Umwelt. Denn nicht der vom Mechanismus geblendete, sondern der fuehlende und denkende Mensch wird ueberleben. (II/ 69). Das Ueberleben ist sogar eine Verantwortung fuer die geistige Elite, nur sie koennen den Sinn fuer die aesthetische Ordnung waehrend der Katastrophe erhal-ten und gegen diese mit ihm anarbeiten. Den groe.ssten Kompromiss, den der Engpass der Zeit von Juenger forderte, war der Armeedienst; sich im preussischen Sinne in den Dienst des Leviathans zu stellen. Fuer Juenger gab es keine Verweigerung dieses Dienstes. Seine Jugendllche solda-tische Erziehung, sein Nationalgefuehl und die Problematik der Selbsterhaltung stellten eine Verweigerung der Wehrpfllcht ausser Frage. In den Tagebuechern wird nicht einmal die Moeg-llchkeit einer Dienstverweigerung in Erwaegung gezogen. Ver-aeusserlicht wird hingegen der Gedanke, im Wlderspiel zwischen Freiheit und Schicksal zu stehen, und dass es hier auf die aufrechte Haltung des Menschen ankommt. (II/ 73). "Das Leben verwandelt sich in eine Pruefung und wir werden sie nie be-stehen," (II/ 75)• Juengers Worte naehern slch hier dem Goethe-zitat, "Ihr fuehrt ins Leben uns hinein / Ihr lasst den Armen - 5^ ~ schuldlg werden.e,#n 3 Die innere moralische Existenz des Men** schen muss sich in der aeusseren Existenz kompromittieren, ist sich aber folgendem bewusst "...eines Tages werden die Telle mit denen wir innen und aussen sind addiert." (Il/ 77),Indirekt erkennt der Leser somit doch ein Bedenken Juengers hirtsiuhllifch des Armeedienstee. AlBsich Juenger das erste Mal wie der in einer Uniform sieht, betrachtet er das Spiegelbild mit Ironie als eine krebsartige Rueckversetzung in "vorgelebte Lagen." (II/ 70). Die Armee wird Juengers zweite physische Emigration innerhalb des Reiches. Gottfried Benn sagte elnst "Die Armee ist die aristokratischste Form der Emigration." ^ In Bezug auf Juenger treffen Benns Worte zu? obwohl das Heer ein Werkzeug Hitlers geworden war, bestanden hier noch Zellen einer vergangenen Zeit. Am 13. November 1941 schreibt Juenger, sie bilden inner** halb der Militaermaschine: "... eine Art von Farbzelle, von geistlger Ritterschaft, die im Bauche des Leviathans tagt und noch den Blick, das Herz zu wahren sucht fuer die Schwachen und Schutzlosen." (II/ 282). Vom aktiven enthusiast!sohen Dienst kann bei Juenger nicht gesprochen werden, seine Haltung ist passiv aber menschlich # der Kriegsdienst wird nie zum Le-benssinn oder zur Aufgabe. Genau betrachtet uebertraegt Juenger sein Kirchhorster Klausenleben auf sein Armeeleben. Die Einsam keit geniessend (II/ 109) lebt er abgesondert von der Truppe ln Schilfhuetten, er verfolgt nach wie vor sein Naturinteresse. In Hinsicht auf seine frele Kunstsphaere gesteht Juenger, dass er lieber von Athene die Kunst M... zwanzig Worte so zu fuegen, ** -55 **** dass ein vollkommener Satz durch sie gebildet wird8 erlernte, anstatt von Bellona zu erfahren wie man zwanzig Regimen-ter ins Treffen fuehrt...." (II/ 175).Dass derartlge Gestaend-nisse im militaerischen dritten Reich als unerwuenscht galten, 1st selbstverstaendllch, denn Juenger stellt den Lorbeer der Muse ueber den der gewaltmaessigen historlsohen Auseinander— setzung. Im Bereich der Weltliteratur erweitert er seine freie Sphaere. Vor allem sympathisiert er mit Hebbels Schicksal (II/ *§£>), der auch die Gegenueberstellung der persoenlichen Freiheit mit der Umwelt durchlebte. Er grelft zur Bibellektuere, in der Juenger die Urgeschichte erkennt, in welcher das Wesent*» liche, das Ewigmenschliche in zeitloser Bedeutung dargestellt wird. (Il/ 97)*Die BIbel wurde waehrend der Kriegsjahre zu Juengers Begleiter, Immer wieder erwaehnt er die Hellige Schrift als ein "offenes Buch" in den Tagesberichten. Er erkannte in diesem Bucn das Prophetischej nicht als theologisches Werk, sondern als "Handbuch alien Wissens" (II/ 14) und "Geschichte des Menschen" (II/ 97) liest er das Buch aller Buecher. Hier fand Juenger das Vexierbild des 73* Psalms, den er zu seinem 45. Geburtstag liest. Der nichterwaehnte Psalmtitel lautet "Anfechtung und Trost des Frommen bejunGlueck der Gottlosen" und ist in seiner zeitlichen Anspielung elndeutlg. Dies war ein gelungener Handgriff der schriftstellerischen Camouflage, denn Anfechtung und Trost verknuepften sich hier. Das waren also die Fluchten, durch die der Autor seine Leser langsam in seine eigene Welt fuehrt, (11/ 12), und aus diesen Gruenden wur de dem Leser geraten, die Prosa wie durch ein Gitterwerk zu lesen. (11/ 106),Den Zensurbehoerden gelang das erst nach - 56 -einem Jahr. Als sich Juenger dann weigerte, die "Arabeske" zu streichen, erschien das Tagebuch auf dem Index. Es erstaunt auch nicht, A. Stifter, den Schriftsteller des sanften Gesetzes, unter Juengers Leselektu&re anzutreffen. Nicht die Katastrophe, vielmehr das Ewige ist von Bedeutung, "Die Menschengeschichte weicht ab, auf das Mechanische oder Daemonische zu, kehrt aber zu den Normen zurueck...." (II/ 169). Auch steigern sich die traumhaften Erlebnisse des Schriftstellers. In dieser gesetzlosen Sphaere des Traums kommentlert der Autor den totalen Krieg, der die menschliche Existenz ueberail gefaehrdet. So helsst es im Traum eines un-sinnlgen Erlebnisses, "Wie kann derartiges geschehen, wenn es nicht zur Belehrung dienen soil?" (Il/ 119). Der Kosmos wird hier als ein paedagoglsch.es Bereich erkannt, in dem es tiefere Gesetze gibt als die der Kulturen. (Il/ 128). Ueber seine Traum-erlebnlsse gesteht Juenger "Solche Feste feierst du Nacht fuer Nacht ... Wir steigen wie durch Schaechte in unsere Tiefe, un-sere Mlnengaenge ein." (II/ 115). In Gaerten und Strassen er-kennt der Leser sehr bald, dass Juenger bedraengt von der Tota-« litaet der Umwelt, innerlich seine Freiheit aufbaut, sei es in der Sphaere der Natur, der Kunst oder des Traumes. Der Autor erklaert sich als unabhaenglger Geist durch seine Haltung in diesen Bereichen. Im Gegensatz zum ersten Weltkrieg, in dem der Dichter ..0 die hohen Orden fuer die Erlegung von Gegnern (11/ I96) erhielt, ist jetzt die einzige Auszeichnung %„. das Baendchen fuer den Rettungsgang...." (II/ I96). Hier kristalllsiert sich Juengers geistige Wandlung, damals der aktive Kampf, jetzt die Rueckbezlehung auf den Keiin des Indlviduellen, des Menschliehen. Die Tendenz: in Juenger, slch ahf das alte Ewlge zu berufen, dies ins Schneckenhaus z'urueckkehren, zelgt seine konservati-ve Einstellung. Das Menschliche soil wleder entdeckt und aufge-wertet werden, die alten Schaetze der Kultur sollen erhalten werden, denn sie sind ein organischer Tell des kultur-ellen Wachstums, Anstatt dem zerstoererischen Zeitgeist zu folgen, erwacht in Juenger eine Gegenstellung. Er wird zum Schutz-herrn der Kunstschaetze, Kathedralen und Museen (II/ iSB) und letzthin auch der Menschen auf dem Frankrelchfeldzug. Frahkrelch wird beinah zu Juengers neuer Geistesheimat, des- . sen alte Buecher und Manuskripte ihn faszlnieren, Obwohl der Soldat in Ihm es bedauert, dass er an kelnen aktiven Kaempfen teilnimmt, so begruesst er es fuer die Leidenden. (Il/ 191)» Er versucht, das menschliche Leiden um sich herum zu mildern, indem er Essen an die Gefangenen (II/ 173) austeilt und, wenn immer moeglich, der Gerechtigkeit beisteht. (Il/ 17^)» Gerade im Leiden llegt fuer Juenger aber eine "hoehere heilende Kraft" (II/ 169), die zur.Normallslerung der mensch liehen Geschichte fuehrt. Und auf diese Wiederherstellung der Norm wartet Juenger, fuer den jetzt im reinen Ueberste-hen der Katastrophe schon Verdienst llegt. (Il/ 9^). Waeh-rend er die Katastrophe zu ueberleben versucht, beruft « 58" ~ sich Juenger nicht nur auf seine geistige Freiheit, sondern stellt der zerstoererischen totalen Macht die wesentlichen Werte der groesseren kosmoldglschen Ordnung entgegen* K.O, Paetel sagt sehr richtig: MEs wird gerade durch das An-derssein, gemessen an der Wertakala des Oberflaechengesche*. hens, die staerkste Verneinung der herrschenden Werte ausge-sprochen, die denkbar Ist ... Die Ablehnung erfolgt in der Haltung, nicht im Iffirgument." Das Leben "... ist gelungen, wenn wir auch nur ahnen und ahnen lassen, was ewig in ihm eingebettet liegt." (Il/ 224).Beide Objekte erreichte Juenger in Gaerten und Strassen und gab somit aus seiner inneren Emi gration Widerstand und Trost* Juenger erkannte, dass im Engpass dee Zerfalls "... unse« re historischen, philosophiachen, moralischen Mittel ... verw sagen, und dass wir anderer Waffen beduerftig Bind." (II/ 200/ 201).Im Niedergang der menschlichen Mittel berief er slch auf die kosmologische Ordnung als Wert. Auch war er sich bewusst, dass in derartigen Sltuationen der Mensch fehlen kannj wovor er aber aufpassen muss ist, dass "... der Keim, die Zelle des gerechten Lebens in ihm erhalten bleibt." (Il/ 205).Vielieicht hat Juenger gefehlt, als er in den Dlenst dee Leviathans trat, aber der Keim des gerechten Lebens erstarb in ihm nicht. In der voelligen Wartzertruemmerung, vor der Nietzsche schon ge-warnt hatte, raet Juenger dass man den Menschen zunaechst in sioh gebaehren muss." (II/ 64) (Dies sind beinah Worte eines Expressionlsten.).In den Wprten liegt Juengers Antwort zum dritten Reich, dies 1st der Sinn seiner inneren Emigration. Er weigerte sich, gleichzuschalten und unterzutauchen in die bleichen Eintagsfliegenschwaerme, mit deren Koerper der, Weltmeohanismus die Achsen schmiert," (Il/ Kriegatagebueoher ohne Publikation. Nachdem das erste Tagebuch Saerten und 3trassen auf dem Index erschien, ging Juenger in ein absolutes Selbstgespraech ueber. Er machte keine Versuche, die Welterfuehrung des ersten Tagebuches zu publizieren. Polglich lebte er ohne Leserkreis, also Ohne den Widerhall seiner Umwelt und schrieb praktisch genommen nur noch fuer slch selbst. Ihm blieb ein Trost, naem-lich Ooethes Worte "Doch im Innersten ist!s getan" und Wie-lands Oedanken dass er auf einer einsamen Insel seine Wer* ke mit glelchem Eifer geschrleben haette, in der Gewissheit, dass sie von den Musen gehoert wuerden." (11/ 12).Denn Juenger sah sich als Saenger und Verteidiger der musischen Sprache auf Erden, hlerin lag bereits Lebenssinn und ein Innerer r'Zwang zum Schreiben. So geht der Autor in das naechste Stadium der inneren Emigration ueber « ohne Publikation - In dem nur die Hoffnung auf eine spaetere Veroeffentlichung bestehen blieb, Eigentlich sind die folgenden Tagebuecher in Hinsicht auf das Genre und die Thematik eine logische Weiterfuehrung des ersten Tagebuches. Als solche schildern sie die dueatere Steigerung der Katastrophe und Juengers vergeblichen Versuch, dieser Katastrophe von seiner Position des verlorenen Postens den Gelst als eine Macht entgegenzustellen und als Mensch Ab-> itaad.zu wahren. Juenger sagte, "Meine Lage ist die eines Mannes, der in der Wueste zwischen einem Daemon und einem Leich-nam haust. Der Daemon fordert ihn zur Handlung auf, der Lelch-nam zur Sympathie. Schon oefters im Leben ist es der muslsche Mensch gewesen, der mlr in meinen Krisen zur Hilfe kam." (II/ 253). Aber selbst der musische Mensch laeuft Gefahr, im Angesicht der daemon!schen Schlnderwelt zu verstummen. Schon am 3« Dezem-ber 19^1 lautet der Tagebericht, "Es gibt Untaten, die die Welt lm ganzen, In ihrem slnnvollen Zusammenhang beruehren, dann kann auch der musische Mensch sich nicht mehr dem Schoenen, er muss slch der Freiheit weihen." (11/ 2t?9). Eine Entzauberung des mu-sischen Menschen wird in den Tagebuechern immer vernehmlicher; vor allem nachdem Juenger von der Ostfront zurueckkehrt, scheint es als ob der totale Staat doch indirekt die private Kammer, die kuenstlerlsche Sphaere in Juenger verstummen lassen kann# "Der Hauch der Schlnderwelt wird oft so spuerbar, dass jede Lust zur Arbeit, zur Formung von Bildern und Gedanken erstirbt," (II/ ^52). Gegen den Verlust des muslschen Menschen kaempfte der Schriftsteller an, denn er weiss, dass ohne ihn die Haltung der inneren Emigration sinnlos wird. "Die Farben der Blumen am toedlichen Grat duerfen dem Auge nicht verbleichen, und sei es eine Handbreit neben dem Abgrund. Das ist die Lage, die ich in den "Klippen1 schilderte." (Il/ 453), Der Aesthet!zismus muss dem Menschen trotz Schlnderwelt erhalten bleiben, denn in ihm liegt ein Bereich der geistigen Macht. Nur deshalb entscheidet slch Juenger, den Versuch nicht zu machen, die Schreckensstaet-ten in Russland anzusehen; "Auch der Schau sind Grenzen gesetzt, - 61 -sonst muesste man zu solchem Zutritt hoehere Weihen empfan-gen haben, als sie die Zelt verleiht." (II/ 464). Derartige Aussagen machen es erkenntlich, dass die innere Emigration wirklich ein verlorener Posten war, der zugleich auch am ver-lieren war. Ein Jahr vor Kriegsende beschrelbt Juenger seine Situation zum letzten Mal MMeln Ort ist an der Spitze einer Bruecke, die ueber einen dunklen Strom geschlagen wird. Die Exi stenz auf diesem vorgeschobenen Bogen wird mit Jedem Tage unhalt-barer, der Absturz drohender, falls nicht von drueben spiegel-bildlich ihm die Entsprechung, die Vervollkommnung entgegensetzt. Aber das andere Ufer liegt im Nebel - ... Das ist die theolo-glsche, die psychologische, die politische Situation.11 (III/ 263). Juenger fuehlte sich anhand seiner Tageberichte in staendiger Ge« fahr, aus der Inneren Emigration verdraengt zu werden. Deshalb fuehlt er sich in groesserer Qefahr als im ersten Weltkrieg, denn in diesem Krieg wird der innerliche Mensch von der Daemonen-sphaere gefaehrdet. (Ill/ 174). In der selbstaendigen Verinner-lichung fehlt jedoch der Gegenpol oder die zweite Brueekenhaeli te, naemlich die Gesellschaft. Obwohl Juenger ein sehr aktives Gesellschaftsleben in Paris fuehrte, war es doch nur eine kleine Elite der Gesellschaf t, die sich hier gefunden hatte. Ja selbst in den Widerstandskreisen zeigt slch Juenger als ein Einzel-gaenger, denn er enthaelt sich Jeglieher Attentatsplaene. In Hinsicht auf die Umwelt, auf die Masse der Gesellschaft, war der Autor ein existenzlaler Elnzelgaenger, da die Greueltaten der Gesellschaft sogar seine musische Existenz bedraengten. Waehrend der "Anblick der Vernichtungsmittel" (II/ 247) - 62 -und der "echauerliohe Mechanismus der Toetung" (II/ 280), die "eisige Tltanenwelt" (II/ 450 und 457) gestalten, sucht der Tagebuchschreiber oefter "die Einsamkeit wie eine Hoehle auf", (II/ 247).Die Hoehle ist aber kein Fluchtort, sondern eine Po sition der Besinnung, denn In der Einsamkeit wird Juenger von einer intellektuellen-morallschen Zwieepaeltigkeit ergrlffen. Obglelch das Tagebuch "... nur eine gewisse Schicht der Vor-faelle, die sich In der gelstlgen und der physischen Sphaere vollziehen"- erfasstj denn das "Was uns lm Innersten beschaef-. tigt, entzleht slch der Mitteilung, Ja fast der Wahrnehmung" (II/ 284), scheint trotz allem die innere Doppelspannung hln«-durch. Einerseits moechte Juenger gegen den Daemon handeln, andererselts erkennt er die Zwecklosigkeit Jeglichen aktiven Wlderstandes der Gewalt. Gewaltanwendung 1st weder der Weg zur Freiheit, dies erwies slch schon in Auf den Marmorklippen, noch waere es ohne Schaden fuer das Individuum. (Il/ 245).Dem ent-gegen steht dann der Gedanke "Wo Menschen den Kampf auf geisti« ger Stufe fuehren, beziehen sie den Tod in ihre Strategie mit ein" (II/ 279 )> dles trifft wohl auf Juengers utopisch-hoff-nungsvoile Friedensschrift zu. Schon 1941/42, noch bevor der Wendepunkt des Krieges erreicht wurde, glng der Autor zum akti ven Kampf auf geistiger Stufe ueber und schrieb einen ver-sohluesselten Friedensaufruf, welchen er spaeter verbrannte. Ein Jahr vor dem Hltlerattentat unternahm er erneut die Nle-derschrift dieser Friedensschrift, dlesmal im Klartext.(III/ 113).Es ist hier nicht von Bedeutung, dass Juengers Frieden nle realisiert wurde, wlchtlg vielmehr war der Aufruf als ein -63 -aktiver geistiger Beitrag des anderen Deutschlands. Denn Juen ger schrieb selbst zur Zeit der ersten Niederschrift "Er [der AutorJ schreibt als Mensch, der fuer den Menschen die Feder fuehrt. Insofern spendet er zunaechst sich selbst, dann fuer die anderen mit." (II/ 309).Doch erkennt. Juenger schon bevor das Attentat auf Hitler stattfindet, dass "... die morallsche Substanz zum Zuge draengt, nicht die politische." (III/ 264). Physisch zu handeln, waere aber fuer Juenger, obwohl er in den Widerstandskreisen verkehrte, in denen er als passiver Gast auch ein Einzelgaenger war, nicht die Antwort auf die Katastro phe, denn "... die Stunden regulieren sich aus dem Inneren der Uhr." (II/ 246).Der Konflikt der Katastrophe, die Gegenueber** stellung von Schlnderwelt und aesthetlscher Ordnung liegen im Menschen selber. Es sind zwei Seiten der menschlichen Natur, von denen die niedrigere Veranlagung Jetzt an Macht gewinnt. Der Zerfall llegt im Menschen selber. "Lange schon hatte sich In uns der Zuendstoff gehaeuft, nun wird von aussen die Lunte angelegt. Aus un serem Inneren. kommt die Explosion. " (II/ 317)» Dieselbe Auffassung vertritt Juenger in Hlnsicht auf den 2o. Ju-li 1944 "Wenn Knlebolo faellt, wird die Hydra einen neuen Kopf bilden." (Ill/ 251).Eine Desertation sowie ein aktiver Widerv* stand erweisen sich in Juengers Zeltbild und in selnen ge-schichts-philosophischen Auffassungen als sinnlos, da das "... labyrinthische der Lage nur in uns selber llegt." (II/ 245).Derartige dialektische Selbstgespraeche Juengers sind kei ne morallsche Wankelmuetigkeit, die zwischen aktivem Widerstand und passiver aushaltender Verinnerllchung schwankt. Gerade die - 64 Zwiespaeltlgkeit ist ein Zeugnis eines ethlschen Menschen, der um:/; Klaerung rlngt, dies aber wohlbemerkt innerhalb seiner Welt anschauung ausfuehrt. Unfraglich wird hier aber doch eine unter-gruendige Resignation oder Absage erkenntlich. Als ein Herr S. den Autor fragt! "... ob der morallsche Mensch heute gewillt sei, in die Wirkllchkelt einzutreten und ob dies Aussicht bletet"? (Il/ 3i?6) bewertet Juenger die Prage als Utopismus aus der Er** kenntnis, dass im Kampf gegen das absolut Boese der Standort einer inneren Emigration bereits nur begrenzte Aussicht bietet; naemllch die eines stoischen Aushaltens des hohen Geistes. Im Zerfall der Zlvilisation wird fuer Juenger die Macht des Geistes die Gegenmacht und somit zur Gegenposition. Da die musische und morallsche Sphaere im Menschen be-droht 1st, richtet Juenger sein Interesse auf den Menschen und das Menschliche; also auf das Wesentliche des Lebens und der Zl vilisation. HMan kann auf alles verzichten, wenn nur die Menschen nicht verlorengehen," (II/ 290).Zur Thematik des Menschen fuegt sich das Motiv des Leidens, welches immer staerker in den Berlcto* ten anklingt. Das Leiden bildet eine tiefere Verbindung einer Leidensgemeinschaft. Juenger berichtet ueber sich selbst, dass er "... durch die lndividuelle Oberflaeche zu dem hindurchge-drungen war indem wir alle einlg sind und uns verstehen: zum Schmerz, zum Leid, das auf dem Grunde ruht." (II/ 258) Zugleich erkennt der Autor einen Erzlehungsprozess im Schmerz, "Wir mues— sen steigen, auch durch Leiden; dann wird die Welt fassbar," (II/ 246).Eine Wiedergeburt des Kulturvolkea erscheint erst moeg*. lioh, nachdem die Menschheit durch das Leidenstal gegangen ist, - 65 -der Prozess des Niederganges muss sich also erst vollenden, be-vor eine Aenderung eintreten kann. Nachdem Juenger in Paris eine Judenverhaftung miterlebt, sagt er sich;"Ich darf keinen Augen*. blick vergessen, dass ich von Unglueeklichen, von bis in das Tief-ste Leidenden amgeben bin. Was waere ich sonst auch fuer ein Mensch, was fuer ein Offi^ler." (II/ 363 und kq6)#Dies wird zu einem Grundsatz fuer lhn waehrend der Kriegsjahre, Zweifellos sind das nicht die Worte eines kalten gefuehlslosen Aestheten (Schoengeist)• Der Beobachter will selbst, wenn er die Gewaltta-ten nicht verhindern kann, noch seine Menschiichkeit erhalten, Erkenntlich wird das in einem Hinrichtungsbericht eines Fahnen« fluechtigen. (Il/ 253).Nicht die Worte eines Offiziers erfassen die Vorgaenge, es ist der Mensch, dem hier die Zerstoerung des Menschen ".,, in grauenhafter Weise deutlich geworden ist," (II/ 256).Obwohl das Kuenstlerauge auch noch im Untergang die Schoenheit festhaelt, wie z.B, "Die Stadt mit ihren roten Tuermen und Kuppeln lag in gewaltlger Schoenheit, gleich einem Kelche, der zur toedlichen Befruchtung ueberflogen wird. Alles war Schau ~ spiel, war reine, von Schmerz bejahfce, und erhoehte Macht", (III/ 281) haelt Juenger dann das Menschliche innerhalb der Ka« tastrophe mit folgendem Bild fesU "Ich sah eine Frau an mir voruebergehen, die hellen Traenen fi'elen ihr wie Regen vom Ge*»-slcht," (III/ 357).Unfraglich gewinnt der Mensch in den letzten Tagebuechern fuer Juenger an Bedeutung. Im Niedergang der Masse muss das Menschliche im Prlva tie bent erhalten werden. Was der Einzelmensch durch sein Leiden einerseits in den Tagesberichten gewinnt, verliert er andererseits, indem Juenger — 66 — die langsame Verrohung der Gesellschaft und ihrer Mitglieder "seismographisch" aufzelchnet. Die moderne Welt reglert vom "... absoluten Staat doch ohne Arlstokratie ... macht Kata*-strophen moeglich, von deren Umfang man noch keine Vorstel-lung besitzt." (II/ 278);Ueber den Umfang des langsamen Nieder ganges der Mitmenschen in einem verrohten Poebelstaat 1st sich Juenger wohl bewusst. Der Verlust der Rechtsauffassung und die "moralische Farbblindheit" (III/ 94) schreitet vor. "Das Stre-ben nach Macht urn jeden Prels verhaertet-den Menschen ...." (Ill/ 97),Der Geist der Zerstoerung gewinnt (II/ 84), sodass-sogar Geistliche vom Ausrottungswahn erfasst sind. (Ill/ 165)," Die Umwelt wird von roher Gewalt reglert (II/ 187)."Nun haben die Geslchter sich veraendert: sie werden nicht nur mueder, ve rhae rate r- und duerftiger, sondern auch lm moral!schen Sinne haesslicher." (III/ 2o6).Der Mensch sieht seinesgleichen nur noch als Rohstoff. (Ill/ 233).In der "kainitischen Kultur" (III/ 359) und in dem waltenden Nihilismus erkennt Juenger Parallelen zum Schlcksal Sodoms. (Ill/ 175).Dass derartige apo-kalyptlsche Tendenzen eine wachsende Verfremdung in Juenger foerderten, ist zu erwarten. Er fuehlt slch als Aussenseiter des Poebelstaates, als Aristokrat des Geistes steht er ueber den Entwicklungen, Der Lebenssinn des Indlviduums und der Ge sellschaf t teilten sich, der Aristokrat moechte sich absondern, denn inn ergreift ein Ekel vor der Uniform, als er von den Taten der Schinderhuetten erfaehrt ... "Das alte Rittertum ist tot; die Kriege werden von Technikern gefuehrt. Der Mensch hat also jenen Stand erreicht... Da sieht er seinesgleichen als - 67 -Ungezlefer an." (Il/ .493).Es war Juengers,Lebenstragik, dass er als gelstlger und romantischer Rltter in einer Epoche des Poe-belstaates und der Untermaechte lebte, Ohne Identifikation wird seine Existenz polarisch einsam. Juengers Sehnsucht gleieht der eines Polarforschers. "Der Polarkreis 1st das Absolute, in wel~ chem keine differenzierte, sondern nur die Urkraft noch.bestehen kann," (III/ 277).Auch heisst es ueber diese Polarregionen, dass esdort keine Nationalitaeten gibtj "da gibt es nur noch Maenner." (Ill/ 277)4 In einen Gemeinschaftskrels von geistigen Kosmopollten, der in dem Be re i ch de r Urkraft lebt und denkt, wuenscht sich Juen ger hinein. Staendlg nimmt Juenger Gegenpositionen^ein, nur aus ihnen heraus sieht er eine Ueberwindung der Schlnderwelt moeg** lich. So stellt er der physlschen Macht die geistige musische Kraft entgegen, der nationale Poebelstaat wird durch die aristo-kratische Haltung eines kulturellen Kosmopollten konfrontiert, die Untermaechte werden von der Sehnsucht'nach den und mit der Erkenntnis-der metaphysischen Urkraefte bekaempft. Was nach wie vor bestehen bleibt,, 1st der gemeinsame Schicksalsweg durch die Katastrophe j" Der Mensch hat das Gefuehl,. in einer grossen Mas chi ne zu stecken, in der es nur passive Teilnahme gibt." (11/ 4S2). Kurz nach dem Kriege sagte Juenger! "Solange noch ein Buch zur Hand und Musse zum Lesen da ist, kann eine Lage nicht verzwelfelt, nicht gaenzlich unfrei sein." (Ill/ 513).Und es war der Buchbereich,: in welchen slch der Autor waehrend der Kriegsjahre vor der Unfrelheit und Verzwelflung rettete. Kaum ein Tagesbericht enthaslt sich, Juengers Leselektuere anzufueh-~ Sg ~ ren. An erster Stelle steht hier die Bibel, und wie schon er-waehnt wurde, liest er diese nicht als religioeser Mensch. Die Bibel 1st fuer Juenger das Buch der Buecher, welches durch sei-nen offenen Charakter zum Zeitbegleiter wird. Hier findet er die Problematik seiner eigenen inneren Emigration; naemlich die Gegen-ueberstellung von satanischen Maechten, dem schwarzen Nihilismus im Menschen mit der transzendenten aesthetischen Ordnung, in wel-» cher die Erhoehung des Menschen liegt, Nur ln dieser Hinsicht be-6 steht eine Annaeherung Juengers an den christlichen Glauben, denn er sagt "Ich muss mir Gott zunaechat beweisen, ehe Ich an lhn glau-ben kann," (III/ 106),Das gellngt Juenger in der gottlosen Kriegs-zeit aber nie J "Der Weg zu Gott in unserer Zeit 1st ungeheuer' weit^ als haette der Mensch sich in den grenzenlosen Raeumen verlrrt, die sein Ingenium erf and, Daher liegt auch in der be-scheidensten Annaeherung ein grosses Verdienst. Gott muss neu" konzipiert werden," (III/ 67).Es erscheint, dass die Schinder-welt ein gottloser Raum 1st, in dem das Niedrlge, das Daemonic sche zur Norm wurde; Vielleicht erst nachdem neun Zehntel der Menschheit ausgerottet sind, kann der Mensch "zur Schrift als zum Gesetz zurueck" kehren, (III/ l66).In der Zwischenzeit ver-blelbt ein Trost, dass Gott ",., die Stadt verschonen will, so-lange sle noch zehn Gerechte birgt ,,, ein Symbol der ungeheuren Verantwortung des Elnzelnen ln dieser Zeit." (Ill/ 175).Das 1st der Sinn Juengers lnnerer.Emigration, die sich, obwohl nicht auf den christlichen Glauben, doch auf die christliche Kulturwelt aufbaut. In der Bibel, die er verdlesseitigt, fahd Juenger daher den Urstoff der europaeischen Kultur, den er zwelmal waehrend - 69 -der-Kriegs jahre durchlas. Im 90. Psalm las er den "tragischen Gesang der Elntagsfliege." (III/ 96). Der Titel lautet "Gottes Ewlgkeit, der suendigen Menschen Vergaenglichkelt.." Juenger sah hier seine geschichtsphllosophlschen Anschauungen bestaetigt. Als zweite Lektuere wendet sich Juenger den Tagebuechern Leon Bloys zu. In Bloy sieht er einen Gelstesgefaehrten, einen "an-tlmodernen Eremiten" (III/ IS), der auch in seiner Umwelt als ein Verfremdeter lebte. Beide, Juenger und Bloy, gaben ihrer Le» benstragik. im Genre des Tagebuches Ausdruck, beide stellen der hoelllseh-niedrlgen Umwelt die transzendente aesthetische Ord« nung entgegen, und gemeinsam haben sie "... den Elndruck des Todes der menschlichen Seele ueberhaupt." (III/ lg).Schon in E.A, Poes Werken, die den Mahlstrom des Unterganges schilderten, fuehlte Juenger eine Vorausnahme der zeitigen Katastrophe, jetzt liest ,er A, Huxleys Schriften und interpretiert ihn als "... Anar chist mit konservativen Erinnerungen, der gegen den Nihilismus in Stellung geht." (Ill/ l6o).Dem Zeitgeschehen entsprechend liest Juenger in den_letzten Tagen des dritten Reiches Depertles Baende Geschichte der Schlffbruechlgen (III/ 370)."Der Schiff-bruch stellt die Frage, ob hoehere Ordnung als die staatliche vorhanden 1st... Nur sie kann Rettung bringen...." (Ill/ 376) Im Studium des Schiffbruches llegt fuer den Autor ein Zeitschlues-sel seiner Epoche, "Der Untergang der 'Titanic' ist ihr bedeu-tendes Vorzeichen." (III/ 363).In dieser Katstrophe wurde die ueberhebliche Technokratie, der Stolz der "eisigen Titanenwelt" von kosmologischen Maechten in den Abgrund gerissen. Es ist un-moegllch, Juengers saemtliche Lektuere zu behandeln, jedoch wird 70 « es an den Hauptbeisplelen erkenntlich, dass in ihr ein Gegenge-wicht zum Zeltgeschehen fuer den inneren Emigranten be stand. In-mitten der Entzauberung fand der Geist Nahrung inc.Tausend und eine Nacht, Offenbarung in der Bibel, die- Philosophie der Stoa in Boethius Schrift Consolations und-Erkenntnls der Katastrophe in Poes und Huxleys Gedankenwelt. Hinzuzufuegen sind noch die Ge-maelde H. Boschs und Breugels, welche schon im Mittelalter die daemonische Landschaft, In der Juenger lebt, malten. Die Sprache war eine andere Hochburg der inneren Emigra-tion, schon in Auf den Marmorklippen war das Wort "... die Zau** berklinge, vor deren Stahl die Tyrannenmacht erblasst." (IX/ 2^0). Das Wort und die Sprache sind das Werkzeug des Dichters, er ge-braucht sie nicht nur zur Veraeusserlichung seiner Gedanken, son dern er lebt in der Sprachwelt, sie ist eine Sphaere seiner Exi stenz, ein Tell seiner selbst: "Wenn.alle Gebaeude zerstoert sein werden, bleibt doch die Sprache bestehen als Zauberschloss .... Dort In den Schaechten .... wird man noch weilen keennen und dieser Welt verlorengehen. "• (III/ 23). Immer wieder .treten '• Reflexionen ueber den Sprachgebrauch in den TageB'berichten a.uf.i! " ... der Dienst an dem und mit dem Wort (Ill/ I09), hat fuer Juenger mehr Bedeutung als der Dienst fuers dritte Reich. Im Sprachgebiet verblndet sich die geistige Freiheit mit der Mu se, in ihm "... liegt die Sehnsueht nach den rechten Ma^en, nach denen das Universum geschaffen 1st...." (Ill/ 109)^Fuer Juenger lag hierin eine Gegenwelt, welche er der Umwelt gegenueber-stellt, denn diese kulturelle Gegenmacht war ein gelstlges tra-ditionelles Bindeglied zum Mitmenschen der .Yergangenheit, der Zu-- 71 -kunft und der Gegenwart. "Die Spraohe ist das aelteste und ehr-wuerdigste Gebaeude, das uns erhalten geblieben ist ••••" (III/ 120). Hier war ein geistiges Element, an das man slch auf verlo-rehem Posten klammern konnte. (Ill/ 176). Obwohl das Sprachgut zu dem Kollektlvbesltz der Gesellschaf t zaehlt, konnte Juenger seine Unabhaengigkeit und seinen hohen Gelst in dieser Sphaere in einem aeusserst individuallsierten Stil manifestieren. Der in-trovertierte Autor fand in der Sprache die Verbindung zur Muse, die Veraeusserlichung seiner Doppelspannung und eins der weni-gen verbliebenen Gemeingueter, das noch eine Bruecke zur Gesell*» schaft darstellte. Eine weitere Preiheit seiner gegen den Zeitgeist gerich-teten Geslnnung erhlelt sich Juenger in seinem Gesellschaftsle« ben. In Paris zog der Autor immer weitere gesellschaftilche Krei-se und triff t da bei das Kaleidoskop der geistigen und kulturel** len Elite der Pariser Kriegsjahre. So begegnen Juenger die Stroe -mungen des europaeischen Geistesiebens, und es ist ein Zeugnis seines geistigen Kosmopo11tenturns, welches im scharfen Kontrast zum engstirnigen Kulturnationalismus der Hitlerzeit erscheint. Persoenlichkeiten der Kunstwelt wie z.B* Cocteau, Jean Landeau, Giraudoux, Leautaud, Henri Thomas und Picasso tauchen in Juen gers Leben auf, hierzu kommen noch Persoenlichkeiten der Indu-strie, Diplomatie und Politik, Im Militaer fanden sich auch Gleich*. gesinnte, hier trafen sich die Maenner des alten Soldatentums im "Raphael" oder "George V.". Hans Speidel und Helnrich v.Stuelp-nagel gehoerten zu dieser geistigen Ritterschaft, welche im Bau-che des Leviathans Oppositionsgedanken austauschten. Ihnen ver*» - 72 -dankt der Autor die Prptektlon, die seine physische innere Emigration innerhalb der Armee ©rmoeglichte. Viele der Namen, mit denen Juenger hier verkehrte, tauchen spaeter In Verbin-dung mit dem Hitler—Attentat wieder auf. Auch Juenger wurde ver-daechtigt (III/ 250), obwohl er nur ein passlver Aussenseiter innerhalb der Widerstandsgruppe war. In den Oberschichten der' Armee kreiste in den letzten Tagen des Krieges Juengers hoff** nungsvolle Friedensschrift, die auch von Rommel geleseh wurde, (III/ 265).Unfraglich bewies' die Gesellschaftssphaere eine Un-abhaengigkeit eines europaeischen Intellektuellen, der sich dem milltaerischen sowohl als auch dem politischen Geschehen ent-zleht. In den Tagebueehern steht Juengers Privatleben lm Vorder*. grund und der Krieg als duestere Daemonenwelt und Gefahr im Hin-tergrund. In den weitlaeufigen, vielzaehligen und fragmentarischen Tagesberichten 1st es beinahe unmoeglich, alle Aussagen zu er-fassen. Doch kristallisieren sich gewisse Hauptstroemungen des abenteuerlichen, selbstaendigen, hohen Gelstes, und es sind die se, die das Blld der Juengerschen inneren Emigration bestimmen., Als erstes sei hier zu erwaehnen, dass in den Tagesberichten eine untergrueridige Entsagung langsam aber staendig an Kraft gewinnt waehrend die Daemonie der Umwelt sich staendig steigert und einen Gipfelpunkt in den Kaukaslschen Aufzelchnungen findet. Juenger versucht vergeblich Abstand dem Zeitgeschehen gegenueber zu erhai ten, seine menschllchen Gefuehle sind staerker. So verstummte der musische Mensch beinahe in Juenger, als er an der Ostfront mit der Schinderwelt konfrontiert wird. Er gesteht spaeter; "mein moralisches Verhaeltnis zu den Menschen wird auf die Dauer zu anstrengend .., Ich muss lndessen einen Stand erreichen wie der Arzt den Kranken betrachten kann," (III/ 279).Auch sagt Juenger, nachdem er Photos einer Schinderhuette gesehen hat te, "Der Anblick bewegte mich zur Korrektur der Friedensschrlft.11 (III/ 29^). Juengers Position der inneren Emigration war wirk-lich ein verlorener Posten, zu der Erkenntnls 1st der Autor sel ber in den Tagebuechern gekommen. Es war die Verlorenheit eines Andersdenkenden, der in einer totalitaeren Umwelt, welche in die Daemonensphaere abzugleiten drohte, (II/ I.69) lebte, Regiert wur -de von Juengers Gegenspieler Knlebolo, von dem er 1942 folgendes erkennen muss! "Bei Kniebolo wird die Wandlung von Diabolos zum Satanas jetzt deutlich." (II/ 335).Ein Willensmessen (II/ 323) mit dem Satanas ist aber immer ein verlorener Posten, vor allem wenn man nicht selbst Satanas 1st, So lebt Juenger in seinen Kriegsbuechern zwischen zwei Polen, der Gesellschaft und seiner eigenen Verinnerllchung, Jegliehe Forderung oder auch Annaeherung an die Gesellschaft war ein Kompromiss, denn sie war identisch mit dem Daemonischen, Natlonalistischen und Totalitaeren. Es war eine verrohte Poebelmasse geworden, die gewisse Kompromisse von jedem Mltglled erzwang, und spmit auch von Juenger. Der zwelte Pol, die verinnerlichte Welt des Autors, blldeten dagegen das Menschliche, die Geistesmacht der Erkenntnls und Muse, und ein Kosmopolitentum. Das Ideal war, den Maechten der Verlnnerlichung zu folgen, welches aber nicht voll verwirklicht werden konnte, da die introvertierte Welt in der Aussenwelt stand, Juenger musste bald erkennen,, dass Jene Forderungen erzwang, und dass er der Resignierende war. Die Suche nach einem Ausgleich zwischen dem -7^ -Inneren Ich und der totalen Gesellschaft war die erste Dop*» pelspannung, in der Juenger lebte. Da er der Aussenwelt gegenueber ein Fremdling war, er-lebte Juenger die voellig auf slch gestellte Existenz, das ver-absolutierte, isolierte Dasein. Er schloss slch innerlich der Aussenwelt gegenueber ab, verblieb aber ein passiver Zeitbe-obachter und Krltiker. In der introvertierten Abgeschlossenhelt erlebt Juenger die zweite Doppelspannung: naemlich die morallsche, ohne Identifikatlon mit den Mitmenschen musste er selbstaendig die innere, Zwlespaeltigkeit bestehen. In seiner Verinnerlichung baut sich der Autor Gegenwelten oder Gegenpositionen auf, aus denen er slch gegen die Daemonenwelt als freier, unabhaengiger Geist behaupten kann. In Gaerten und Strassen sind drei dieser Gegengewichte erkenntlich: 1, die Natur als Erkenntnisgebiet der kosmologischen Ordnung, 2. die kuenstlerische Sphaere als freies Geistesbereich, und 3. die Traumwelt als Ersatz fuer die verfremdete Aussenwelt, Die spaeteren Tagebuecher zeigen, dass die Natur bedingt durch das Pariser Stadtleben in den Hinter-grund tritt, der musische Mensch von der Schau der Schinder-welt bedroht und geschwaeeht wird, und nur die traumhaften Er-lebnlsse ungestoert weiterbestehen, Eine staendige Bedeutung als innerllche Gegenwelt hat das Sprachbereich. Eine zunehmen-de Stellung nimmt die verdiesseitlgte Bibel und die Stoa ein, (11/ 112 - 113). Als gelstiger Ritter, in dem noch romantlsche Tendenzen erkenntlich sind, stellt sich Juenger ueber die Ge sellschaf t und beruft sich auf Werte, die ausserhalb des poll--75 -tisch-hlstorischen Bereichs liegen. Die Hauptwerte sind die Menschenseele und die metaphysische Ordnung. Besteht die Ge fahr, dass die Menschllchkeit in der Masse untergeht, so muss sie in der Verinnerllchung erhalten bleiben. Juenger beweist aber seine groesste geistige Ueberlegenhelt, indem er Jegliche " Problematlk vom metaphysischen Standpunkt aus analysiert, also das Gegenwaertige, Politische ueberschreitet. So ist der Krieg nicht mehr ein Nationalkrieg, sondern ein Weltbuergerkrieg. (II/ 433). Der Niedergang 1st nicht der Deutschlands, sondern vom ge-schichtsphilosophischen Standpunkt gesehen, der Niedergang einer Kulturgesellschaft, die durch den paedagoglschen, kosmischen Prozess des Leidens hindurchgehen muss, bevor eine Wiedergeburt stattfinden kann. Was sich in Juengers Umwelt abspielt, 1st die Auferstehung der niedrlgen Urmaechtej die Daemonenwelt unter-Jocht die Geisteswelt. Hier gait es fuer Juenger, stoisch dies ihm aufgelegte Schlcksal zu ueberstehen, indem er die kosmologi-sche Ordnung, die Weltordnung im Blick behaeIt, denn nur sie ist die eigentliche Bestimmung. "Ich bin einfaeltig gewesen und wer-de mich wieder elnfalten." (III/ 170). In diesen Worten liegt eine romantische Sehnsucht zu den Ma|5en des Universums zurueckzu-kehren, in die Metaphyslk ueberzugeheni "Als metaphyslsches We-sen ist Jeder Mensch im Unlversum Mittelpunkt und in dieser Stel-lung auch durch die fernsten Pixsterne nicht zu beeintraechtigen. Die Raumkullssen, vor deren Anblick uns schwindelt, slnken im Augenblick des Todes dahln, zugunsten der Wlrklichkeit." (III/ 340). Also erst im Tod geht der Mensch in die wahre Wlrklichkeit ueber, und erst in der Todesstunde der Katastrophe gelten Boethi-us Worte "besiegte Erde schenk uns die Sterne" (III/ 4l5) oder, - 7° -in anderen Worten, schenk uns unsere aesthetische, kosmologi-sche Ordnung wleder, dies ist das Ziel Juengers gnostischer Verinnerliehung. Es erweist sich also letzthin, dass Juengers innere Emi** gration auf dem Aesthetlzismus (hier nicht im schoengeistigen Sinne) aufgebaut wird. Dieser Aesthetlzismus geht von einer voellig konzentrierten Subjektivltaet aus, und es ist die ueber*. legene Geistesmacht, von der aus Juenger zwischen Schicksal und geistiger Freiheit auf verlorenem Posten kaempft. Ein typisches Belsplel des aktiven geistigen Widerstandee war Juengers Frie densschrif t, in der er voruebergehend innerhalb seiner schrift-stellerischen Berufung selnen Blick hoffnungsvoll auf die Sterv* ne richtete. (Il/ 20).Im Aesthetlzismus manifestlert slch Juen gers Nonkompromissmus, waehrend der Tod seines Sonnes, der Juen** ger schwer erschuetterte, der Zins fuer den Kompromiss an das Schicksal wird, dem man sich stoisch geben muss, denn physlscher Widerstand waere sinnlos. "Wer nicht in den Konflikt mit elnbe*. griffen ist, soil Gott danken, doch ist er deshalb nicht zum Richter legitimiert." (Ill/ 279).vDem Individuum, das in die Ka-tastrophe hlneingezogen wird, verblelbt jedoch eine Souveraeni-taet, die Entscheidung ueber Boese und Gut (III/ 337), ueber Dae-monie oder Kosmologie, die Wahl zwischen den erniedrigenden Oder erhoehenden Potenzen in ihm selbst & Schinderwelt oder Geist. V. KAPITEL NACHSTRAHLUNGEN - 1JAHRE DER OKKUPATION* Mit der Erloeaung des Dlchters aus seiner inneren Emi gration kllngen auch die Tagehuecher langsam aus*1 In dem Nach-kriegstagebuch findet der Autor den Abschluss zu selnen Strah-lungen. Doch sucht der Leser vergebens nach einer wirklichen Veraenderung in Juengers Gedankenwelt. Die Nachkriegszeit ist keine Friedenszeit, sondern der Nachhall des Zusammenbruchs, in welchem Flue cht lilmge und Gefangene durch eine Truemmerwelt Zie hen. Obwohl Juenger aus der Totalitaet der Hltlerzelt erloest ist, bleibt er ein Verfremdeter in seiner Umwelt. Nach wie vor waltet die Macht der Technokratie, die sich jetzt zur Atombom-ben-Epoche entwlckelt hat, und nach wie vor bleibt die Gefahr des Nihilismus bestehen. Juenger wendet sich von dieser modernen Welt ab und richtet seinen Blick auf sein introvertiertes Wert-bewusstsein, Hinter der empirischen Welt, dem Gegenwaertigen und Vergaengllchen sucht er den Mlttelpunkt, die transzendente Ord nung, das Zeitlose und Unvergaengllchej um diese metaphysischen Werte baut sich dann sein Lebenssinn auf. Es ist die metaphysi sche Sicherheit im Untergang, an die slch Juenger haelt. Der transzendente Weltplan wird daher in dem letzten Tagebuch zum Hauptthema. Juenger, der vor allem seine innere Emigration auf dieser Anschauung aufbaute, gibt hier seinen geschlchtsphiloso-phlschen Gedanken, die das Gegenwaertlge relativleren, erneut Ausdruck. Hinzu fuegt sich die Thematik des Kuenstlers; sein Le benssinn und seine Standortbestimmung in den Jahren des dritten Reiches. Als drltte gedankliche Hauptstroemung beschaeftigt sich - 7& -Juenger mit der Schuldfrage und seiner eigenen Taetigkeit in der Hitlerzeit. Hleraus ergibt sich Juengers Schicksal? "... ich leide an einer mir fremden Zeit" liest der Autor in den Schrif-ten von Saint ExupeVy und erwldert: "das ist das Leiden der hoe-heren Geister in dieser Zeit." (Ill/ 6?>2). Juenger waere auch ohne Hitler-Regime ein polarisch Einsamer gewesen, das dritte Reich verstaerkte die Verfremdung nur noch mehr. Genau so war seine innere Emigration nur eine erneute und verstaerkte Berufung der bereits bestehenden Verinnerlichung. Das letzte Tagebuch be*, weist die Zeltproblematik, in der Juenger sich zu befinden glaub-te. Nicht die Hitlerzeit, sondern der Niedergang einer Kultur-epoche, in der die Hitlermacht nur eine Stelgerung war, sind Juengers Schicksal, von dem er sich abwendet in der Erkenntnls einer hoeheren Weltordnung. Die innere Arbeit ist und bleibt der Ausweg fuer Juenger aus der Gegenwart. Juenger stellt in seiner Weltanschauung die empirische Welt als fragwuerdlgen Wert hln: "... was hat es zu bedeuten, dass die menschlichen Plaene, subspecie aeternitates, sich in Rauch verwandeln, und das umso gewlsser, Je intelligenter sie gesponnen sind? Hinter der Menge von Plaenen und Utopien muss ein anderer und unveraenderlicher Plan verborgen sein ...." (II/ Nach dem unveraenderlichen Plan orientlert Juenger sein Leben, denn er ist das Ziel des Lebens. So sind die Tem-pel und Grabmaeler diesseitige Vorhoefe des transzendenten Weltplanes, "... sie CTempel und Grabmaeler] zeichnen den Welt-plan ahnungsvoller nach." (Ill/ k&6). In ihnen llegt die Verbin-dung zu einer hoeheren Ordnung, und dies ist die Richtung des Wiedereinfaeltigwerdens in.der Metaphysik. Nachtraegllch er-klaert sich jetzt auch Juengers grosses Interesse an Grabmae-lern und am Tod waehrend der letzten KriegsJahre. Das Leben als solches ist fuer Juenger nur ein Vorhof zu einer hoeheren Wirk lichkelt, daher waere es auch slnnlos, sich den epochalen Plae-nen der Technokratle und des "Arbelters" hinzugeben, Weder waere die Skepsis des Nihil!smus, die deri transzendenten Weltplan ne-giert, die Antwort auf; die Gegenwart. Nur die Erkenntnls des unveraenderlichen Weltplans hat wahren Lebensslnn. Juenger haelt-sichsdaher aus dem zeitlichen Geschehen heraus und sieht die Kulturentwicklung als wellenfoermigen Zyklus. "Jede untergehende Macht umschliesst die aufgehende, verwirkllcht sie in lhrem Untergang als Matrize, als Keimboden. In diesem Sinne bleiben die Untergaenge eplsodisch, notwendig sogar raumschaffend." (III/ 487). Der hohe Geist relativiert durch seine gesehiehts-philisophischen Anschauungen das Zeitgeschehen, indem er zur metaphysischen Urmacht zurueckgeht, "Aufgang und, Untergang lassen sich vom empirischen Standort aus nicht beurteilen," (III/ 488). Doch besteht lm Untergang ein Wert der "hoeheren Paedagogik"; "..„ er liegt lm Zwang zur Ausschau nach der an deren Selte,..." (Ill/ 488). Die andere Seite ist das ruhende Zentrum des Unvergaenglichen, nach dem Juenger seinen Bllck. richtet. Sein Weltblld und die zeltllche Geschichte bauen sich praktisch auf physischen Gesetzen auf, in denen zwei Maechte, die niedere Schindermacht und die erhoehende Geistesmacht, gegenelnander arbelten und einen ewigen Wandel von Dekadenz, also Untergang, und Wiedergeburt erzeugen. Gewinnt die eine Macht Ueberhand, so traegt sie bereits die Gegenmacht in sich, - go -die den naechsten Pendelschlag vollziehen wird. Die Kultur von "Wein und Korn" enthaelt die Dekadenz des Unterganges und die Sumpfmaeehte, waehrend die Schinderwelt die Ausschau nach der Gegenmacht, die Geistesmacht gebiert. Juenger selber sah sich als eine derartige Gegenmacht des hohen Geistes im Zerfall einer Zivilisation und in der Welt des absolut Boesen, zugleich hatte er den ruhenden Mlttelpunkt der Metaphysik gefunden, der •ausserhalb jeglicher zeitlichen Wandlung lag, "Alle Kulturen, die diesen Namen verdienen, beruhen auf Graeberdienst." (III/ 579).Erst in der Wuerdigung der transzendenten hoeheren Wirk-lichkeit erreicht der Mensch die Essenz des Lebens, erst dann wird eine Zivilisation zur Kulturmacht. Nachdem Juenger zwoelf Jahre als lnnerer Emigrant lebte, erscheint es als eine logische Folgerung, dass er jetzt noch einmal den Standort des musischen Menschen und seiner Freiheit in der totalitaeren Untergangswelt erlaeutert, "Ein Maler will malen, ein Saenger singen und keine Politlk machen, und das umso eher, je mehr er zum Werk geboren ... ist." (Ill/ 494). Die Lebensaufgabe ist also die Muse und der Ausweg aus der Totalitaet folgendert "Wo die Dinge ueberhaupt das MaJJ ver-lieren, ,chineslsch, werden, liegt einer der moeglichen Aus-wege des Kuenstlers, der sich weder zum Barden noch zum Maerty-rer berufen fuehlt, in der Versagung der inneren Anteilnahme unter Wahrung der Zeremonle." (Ill/ 494).In diesen Worten wird das Juengersche Doppelleben der inneren Emigration noch einmal erfasst. Juenger, weder Barde noch Maertyrer, lebte und gestaltete dort wo es "chlnesisch" wurde, also in Traeumen, in - gl -der Vexierprosa und In der Metaphyslk - In grenzenlosen Ge-bieten. Seine Aufgabe war es, geistige Freiheit und Trost durch sein Kunstwerk mitzutellen und zu spenden. (Ill/ 5liO."Die Auf gabe des Autors, soweit sie fuer andere Sinn hat, 1st Stiftung geistiger Heimat, geistiger Resldenz, Das mag eine bescheidene Nische mit einem Bild sein ... Oder kosmischer Raum." (Ill/ 6(31). Bei Juenger war es wohl eher der kosmische Raum, der der Gede entgegengestellt wurde. "Die Orte fohne DlchterJ sind zwar noch bewohnbar, aber sie werden-unwirtlich, sinnlos, im Inneren unbe-kannt." (Ill/ 6oi). Erkenntlich wird, dass Juenger slch als gei stige Gegenmacht im Bauche des Leviathans sah und in dieser Po sition sich weit ueberlegen fuehlte, "Die Dichtung bezwlngt die Welt viel tiefer und dauerhafter als jedes Wissen, jede Politik." (Ill/ 601) Keine physische Macht'kann sich letzthin gegen die Dichtung und gegen den- Intellekt behaupten11 "Nicht starke Mittel, sondern starke Geister aendern die Welt," (III/ 64-3).Wenn Juenger aber von starken Geistern sprlcht,, heisst das zugleich die Er kenntnls einer metaphysischen Ordnung. Der Geist 1st die Macht, durch welche -,:der Mensch sich ueber seine zeiOicne Existenz er-heben kann. " ... in dem er das drueckende Bewusstsein der Schwere abwlrft, sich von ihr erloestt Im Rausch, im Traum, in der Liebesumarmung, der Meditation, der Ekstasls, und vor allem im Tode, der den Koerper als den Praeger der Schwerkraft ab-streift und als Zeityernichter wlrkt." (Ill/ 6gO).Das Leben ist somit fuer Juenger wlrklich nur Vorhof. Seine ganze innere Emi gration war ein Versuch, schon im Leben das Zeitliche abzustrei-fen, aus der Erkenntnls "Nicht die Oberflaechen aendern die Tie-- 82 -fe, sondern die Tlefe die Oberflaeche...." (III/ 671)* Daher ist auch "... das We sen, das wir in solchen abgelegenen Raeumen [TraeumeJ treiben, wichtiger als alle Arbeit bei Tageslicht." (III/ 626). Man kann bei Juenger lmmer wleder beobachten, wie die empirische Umwelt relativiert wird, indem er vom Physischen ins Metaphysische, vom Gegenwaertigen in die Transzendenz, von der Oberflaeche in die Tiefe, von der Aussenwelt in die Innenwelt uebergeht. Nur aus diesem introvertierten Wertbewusstsein heraus kann Juengers Werk und Leben verstanden werden. Juenger war nicht der Mensch, seine Position der inneren f. Emigration zu verteldigen, so sind die letzten Tagebuchberichte p keine Rechtfertlgung. Doch beschaeftigt sich der Autor mit der Schuldfrage der vergangenen Jahre. "Wer das Gerlcht sucht, wird es nur in seinem Inneren findenj dort wird die Sanktion ertellt." (Ill/ 467). Schon in seiner Friedensschrift sagte er, " ... die Schaendung war derart, dass sie das menschliche Geschlecht be~ ruehrt und kelner sich der Mitschuld entZiehen kann." (V/ 211). Also wieder eine typlsche Juengersche Erwelterung der Fragestel-lung, jede Problematik wird von ihm mit anderen Ma|3en geme^en. Die Kollektivschuld. faellt auf die ganze Menschhelt, denn die niedrige Sumpfmacht liegt in jedem Menschen und in jeder Kul« tur, genau so kann das Gerlcht nur lm Inneren gefunden werden, Obwohl der Autor sich einer Rechtfertigung enthaelt, flndet der Leser doch Aussagen ueber seine Taetigkeit waehrend der Kriegs-Jahre. So berichtet Juenger ueber das heikle Geschaeft der Briefzensur: "Es war ein Posten ... an dem wir es nicht recht machen koennen, weder nach oben noch nach unten, weder nach aussen noch in der eigenen Brust." (Ill/ ^57)» Juenger veraeusserlicht nachtraeglich die moralische Zwiespaeltigkeit, in der der inne re Emigrant stand, wenn er zum Handeln in der Aussenwelt ge-zwungen war^"Man kann nur approximatlv handeln: mehr oder weni-ger richtig, mehr oder weniger verkehrt." (Ill/ 457).Der Mensch stand zwischen handeln und nichthandeln, war aber in jeder Hin-sicht verantwortlich, selbst in einer passiven Stellungnahme lag eine ethische Entscheldung. (Ill/ 4&14). Juenger sagt selbst von dlesen Jahren "... man war auch Im Innersten im Zweifronten-krieg." (Ill/ 533).Ueber die Moegllchkeit des Handelns gegen das Regime sieht Juenger retrospektlve die Lage als folgende: "Man sass in einem Zug, dessen Fahrt slch rasend beschleunlgte, von dem abzuspringen von Monat zu ,Monat aussichtsloser, selbst-moerderischer war. Die Frage muss also verneint werden." (Ill/ 53D. In den abklingenden Tagesberichten fand Juengers Innere Emigration ihren Abschluss. Hier gab er seinen Werten und sei ner Weltanschauung noch einmal Ausdruck und vollendete die fragmentarlschen Gedanken der Strahlungen. Dass das Zeitgesche-hen nur ein ewiger Wandel war, hinter dem ein transzendenter Weltplan liegt, und dass die Metaphyslk die wahre Heimat des Menschen 1st, wird hier noch einmal erfasst, "Wenn uns die Welt erschuettert scheint, kann ein Blick auf eine Blume die Ordnung wieder herstellen." (III/ 5g6).Es war Lebenssinn und Aufgabe des Kuenstlers, den Blick und die Erkenntnls dessen, was sich in der Blume kristallisiert, zu erhalten und somit Trost und geistige Heimat slch selbst und dem Leser zu spenden. - Bk -Nach Jahren eines Lebens auf verlorenem Posten schliesst Juen ger das letzte Gespraech im totalen Staat mit Goethes Worten "denn im Innersten ists getan." (Ill/ 6g6).Nicht nur llegt die Entscheidung zwischen Schlnderwelt und Geist im Innersten, son dern die Vorbereitung fuer den Moment, in dem das Zeitige abge-streift wird und der Mensch in die unveraenderliche hoehere Wlrklichkeit eingeht, Juenger hatte sich schon im Leben immer mehr dieser inneren Arbeit hingegeben, sodass seine innere Emi gration aus der verfremdeten totalitaeren Welt in die Transzen-denz fuehrte, dort fand er die Preiheit ausserhalb seines fak-tlschen Schicksals. - 85 -VI. KAPITEL: fUEBER DIE LINIE' ZUM 'PER WALDGANG'. Mit dem Essay Ueber die Linie (1950), das sich haupt-saechlich mit der Ueberwindung des Nihllismus befasst, geht Juenger auch auf die Problematik des Indlviduums und seiner Freiheit im Bereich des Leviathans ein. Pie Thematik der inne ren Emigration, der Unabhaengigkeit in der totalitaeren Umwelt, 1st also nicht mit dem Nledergang des Hltlerregimes abgeschlos-sen, Eine Gefahr der "auswegslosen Umstellung des Menschen" (V/ 313) durch Tyrannei und Technokratie besteht nach wie vor, Juenger lehnt Jeglichen offenen Widerstand als sinnlos ab, "Sich siehtbar machen ... heisst dem Leviathan gerade den Dienst erweisen •..•" (V/ 282), und es waere verbrecherisch, derartiges dem Unterjochten zu raten. Die Gebiete des Widerstan*. des und der Freiheit liegen",,. im Ungeordneten und Ungesonder** ten, in jenen Gebieten, die zwar organisierbar, doch nicht zur Organisation zu zaehlen sind," (V/ 282),Aus diesen Berelehen heraus raet Juenger, den Widerstand zu leisten; naemlich aus dem Urquell des Seins ",,, aus dem er eines Tages wie ein Loewe hervorbrechen wird," (V/ 282),Vier Bereiche, in die eine Ty-rannenmacht nicht elnbrechen kann, hat der abenteuerllohe hohe Geist fuer den Leser ausgespaeht, Zuerst waere da der Tod (V/ 282), der die Furcht Jeglicher Uebermacht negiert, indem der Mensch ln die Transzendenz uebergeht, Nichts ist den Maeehten, die auf Furcht aufgebaut sind, verhasster als die Metaphysik, Als naechste Gegenmacht waehlt Juenger den Eros ",,, wo sich — s6 — zwei Menschen lieben, entziehen sie dem Leviathan Gebiet (V/ 2c?3). Die Macht der Liebe besteht auch In der Freundschaft« In der menschlichen Hingabe liegt eine Urkraft, die unzerstoer— barist. Das dritte Bereich der Freiheit ist das musische Leben, die Kunst in der die metaphgrsiohe Sinngebung Ausdruck findet. "Wir muessen heute. den bewussten Geist zum Instrument ausbil-den, das erloest. Er ist uns der Stoff des Unaussprechlichen, und seine Bilder lassen sich auch mit unseren Mitteln erhoehen ins ewig Gueltige." (V/ 2&k)mDie letzte Macht des freien Geistes ist das Denken, welches in das Unvermessene gerichtet ist. "Wenn nun im Dichter die Sprache slch Fruchtboden gleich in geistige Sphaeren woelbt, so senkt sie im Denken die Wurzel in das Un-gesonderte hlnab." (V/ 2&S) Die Freiheitsgebiete, die Juenger hier anfuehrt, sind eine Ueberwindung des Leviathans und der Technokratie, aber noch wlchtiger des Nihilismus, der die wirk— liche Zeitproblematik &arstellt. Nicht durch physische Maechte, sondern durch das "Ewig Gueltige" findet der Mensch seine Frei heit ausserhalb des Zeitlichenj in der Erkenntnls, dass das Ich Transzendenz hat (Tod), dass Eros die Urmacht des Menschlichen ist, dass der musische Mensch in seiner Schoepfung das Metaphy-sische und die Umwelt verbindet und der Geist neue Erkenntnls im Ungesonderten durch seine Dankkraft sucht. Der Nihiiismus wird mit den unvergaenglichen Urwerten konfrontiert und durch sie negiert. Die Lehre der Unabhaengigkelt, der Freiheit in dem epo-chenhaften Weltgeschehen, erreicht einen Hoehepunkt im Der WaId- gang (I951). "Der Waldgang ist das freie Verhalten in der Kata-- 27 -strophe," (V/ 38>6). Juenger gestaltet oder vielmehr erfasst hier die Zeitgestalt des Waldgaengers, in grossen Zuegen ein innerer Emigrant, obwohl er sich lm Gegensatz zum Waldgaenger der phy-slschen Sabotage enthielt. Das Essay ist kein praktisches Hand-buch des Widerstandes, eher ist es ein Versuch, die Moeglich-keiten des freien Geistes in der Welt der Uebermaechte und des Nihllismus von verschiedenen Perspektiven zu erlaeutern, Zuerst bespricht Juenger die Slnnlosigkeit des Wider standes innerhalb einer Wahl oder des politischen Mechanismus ueberhaupt, "Der Wahlvorgang 1st zum automatischen Konzert geworden, das der Veranstalter bestimmt," (V/ 323).Eine Nein-stimme ist genau das, was der Leviathan in seinen plebiszit-haften Wahlen als Gegengewicht braucht und erwartet. (V/ 303), Hierdurch kann er erstens beweisen, dass die Freiheit zum Nein-sagen noch be steht,, waehrend er zweitens seine Gegner zahlen— maessig erkennt. Indem der Mensch aus Notwendigkeit Ja waehlt, zerstoert er die Statistik der Uebermacht, Viel erfolgreicher sei es, das Neln ln hieroglyphischer Bilderschrift in die Oef-fentlichkelt zu tragen, anstatt es auf einem privaten Wahl-zettel zu vermerken, "Das waere ein erster Schritt aus der statistisch ueberwachten und beherrschten Welt," (V/ 305). Die Antwort auf die Welt des nihilistischen Leviathans kulminiert lm Waldgang, in der Verteidigung und Erhaltung der Freiheit des Elnzelnen, "Der Waldgang schafft innerhalb die ser Ordnung fZeltalter des Arbeiters^ die Bewegung, die sie von dem zoologlschen Gebilde trennt," (V/ 308).Es ist die Un-- gg abhaengigkeitserklaerung weniger Menschen hohen Geistes, die nun eine kleine Elite bilden " ... die sowohl wissen, was die Zeit verlangt, als auch noch etwas mehr." (V/ 30g).Anstatt offenen Widerstand zu lelsten, konzentriert sich diese Elite in der unsichtbaren Offensive "... es verbergen sich Woelfe in der grauen Herde^d.h. Naturen, die noch wissen, was Freiheit ist." (V/ 311).Der Waldgang verteidlgt die Freiheit gegen die Notwendlgkeit, "Die auswegslose Umstellung des Menschen ...." (V/ 313).Von dieser unsichtbaren und getarnten Position der Unabhaengigkeit sucht er die Schwaechen der Tyrannei, Seine Triebkraft ist das urspruengliche Verhaeltnis zur Freiheit, das er zur Gegenmaeht des Automatismus aufstellt. Hierbei kommen ihm drel Hilfsmaechte zur Hand! die Kunst, Philosophie und Theolo-gie. (V/ 317)."Insofern der Autor in ihre Tiefe (Auseinander-setzung des Elnzelnen mit dem technischen Kollektiv) eindringt, wird er selbst zum Waldgaenger, denn Autorschaft ist nur ein Name fuer Unabhaengigkeit." (V/ 3lg).Anhand dieses Zitates ist der Waldgang nur eine Neuformulierung Juengers eigener Emigra tion. Indem das Kunstwerk die Freiheit und Welt harmonisiert, bricht es die Furcht der Uebermaechte in der Umwelt. Worum es Juenger eigentlich im Waldgang geht, ist die Wiederentdeckung des Menschen. "Der hoehere Rhythmus der Ge schichte kann ueberhaupt dahin gedeutet werden, dass der Mensch sich periodisch wiederentdeckt." (V/ 324). Anstatt unter der Mas ks der zeitlichen Notwendigkeit erpresst zu werden, wendet er sich der hoeheren Wlrklichkeit zu und erkennt die wahren Ur-kraefte hinter der epochenhaften Schablone. Vor allem ist die-se Erkenntnls lm Mythos gegeben. "Mythos ist keine Vorgeschich-te; es ist zeitlose Wirklichkelt, die sich in der Ge.schichte wiederholt," (V/ 326). Natuerlich erkennt der Leser lm Waldgang den nordischen Mythos (V/ 329.) des selbstaendlgen und ausge-sonderten Einzelgaengers, der sich gegen die Gesellschaft und den Zeitgeist behauptet. "Er laesst sich von keiner Uebermacht das Gesetz vorschreiben ... Und gedenkt slch zu verteidigen, in-dem er nicht nur Mittel und Ideen der Zeit verwendet, sondern zu-gleich den Zugang offenhaelt zu Maechten, die den zeitlichen ueberlegen und niemals rein in Bewegung aufzuloesen.sind," (V/ 327).Der Wald wird zur ueberzeitlichen Seinsgewissheit, er ist der ruhende Mlttelpunkt auf der Titanik oder lm Reich des Leviathans, hier liegt die Erloesung aus der Notwendigkeit, "Ge-lingt es dem Menschen auch nur fuer unmessbare Augenblicke in sie CSehatzkammer des Seins^j einzutreten, so wird er Slcherheit gewinnen: das Zeitliche wird-nicht nur das Drohende verlieren, sondern ihn sinnveil anmuten." (V/ 328).Die grosse Aufgabe des Dichters als Waldgaenger ist es, den Menschen durch das musische Werk zu helfen, sich zurueckzufinden. (v/ 331). Dass der Kampf um die Freiheit gegen die Notwendigkelt ein sich ewig wlederholender Zyklus ist, deutet slch in der Religion sowie auch im Mythos an. (V/ 332).Ein zeitiges Bei** spiel dieser geschlchtllchen Auselnandersetzung waere Russland*^" "Der Waldgang ist auch fuer den Russen das Kernproblem." (V/ 332). So wird in Juengers geschlchts-philosophischer Ideenwelt die Freiheit zur Hauptauseinandersetzung der Geschichte: "...hier .. - 90. -gegen die Daemonenreiche, dort gegen das bloss zoologische Ge~ s.chehen." (v/ 332).Im Angesicht der Uebermaechte muss der Mensch die Freiheit ewig fuer slch erneut erkaempfen. Im Streben nach Erloesung-aus der Unfreiheit gewinnt der Mensch Erkenntnls des Seins,,er befreit sich also aus der epochenhaften Schicksals^ sphaere. "Wir kommen im Bewusstseinsstil zu Einsichten, wie sie dem indischen Bllde vom Schleler der Maja entsprechen oder der ewigen Weltzeitf olge,,/die Zarathustra lehrt," (V/ 34l)„Der Ge« sehichtsphilosophie des Niederganges und der Wledergeburt fuegt Juenger noch seine historia in mcS zu: "... das The ma., das in un-endllcher Verschledenheit von Zeit und Raum sich abwandelt 1st ein und dasselbe, und in diesem Sinne gibt es nicht nur Geschich te der Kulturen, sondern Menschheitsgesehichte, welche eben Ge» schichte in der Substanz, im Nusskern, Geschichte des Menschen 1st. Sie wiederholt sich in jedem Lebenslauf«" (V/ 342),In der Geschiehtsmetaphysik, die Juenger hier zum Ausdruck bringt, llegt der Kern seiner Ideenwelt, in der.Erkenntnls des Seins findet er das transzendente Ewige, das hinter dem zeitigen hi-storischen Geschehnissen als wahrer Lebenssinn steht, Allein die Erkenntnls erloest den Menschen aus der bedrohenden nihilistischen totalitaeren Welt in eine Freiheit, die elementar ist. "Hier ruht die wahre historlsche Substanz, in der Begegnung des Men-schen mit sich selbst, d.h. mit seiner goettllchen Macht" (V/ 344), sagt Juenger, indem er das klassische Beispiel des sokratlschen Todes anfuehrt. Der Mensch als Wesen, das sich der Transzendenz bewusst und verbunden fuehlt und sich dadurch ueber das Zeltllche erhebt, das ist der Waldgaenger und Innere — 91 -Emigrant, den Juenger verkoerperte, Die Freiheit zu verteidlgen erfordert hohen Mut, denn hier heisst es, vollkommen selbstaendig gegen die polltischen Maechte und den Nihllismus anzugehen. Der Wahlspruch des Wald» gaengers ist "Jetzt und Hier" (V/ 355), da sein Gefuehl fuer die elementare Freiheit zur unahhaenglgen Aktion auffordert* Selbst als kleine Elite kann die Konfrontation dieser mit dem Leviathan zu einer grossen Gefahr ausarten. Wilhelm Tell war es i-a-uch moeg -lich, als Einzelner die Geschichtsentwlcklung zu beeinflussen, und es sind diese Einzelganger, die immer wieder in der Weltge** schichte auftauchen und in sie im Namen der Freiheit eingrei-fen. In iha?©r Selbstaendigkeit geht die Verantwortung auf das Individuum ueber, da die Zeitkrise die Institutionen der Gesell» schaft fragwuerdig mscht. In Zeiten der Krise bestehen weder Slt-te noch Gesetz,, das Ich muss diese im Kern des eigenen Seins fin-den, "Er steigt zu den noch nicht in die Kanaele der Institution verteilten Quellen der Sittlichke.it herab." (V/ 371), Juenger nennt den Waldgaenger einen konkreten Einzelnen, der eine Begeg** nung mit dem Ich erlebt; man kann das auch in anderen Worten als die verabsolutlerte Existenz des inneren Emigranten auslegen. In dieser Position muss sich der Mensch folgendem bewusst bleiben, "Herrschaft wird nur von jenen kommen koennen, denen die Kenntnis der menschlichen Urma^.e erhalten blieb und die durch keine Uebermacht zum Verzlcht auf menschliches Handeln zu brin-geri sind»" (V/ 370).Hier llegt die Entscheidung von "Entweder « Oder" (V/ 372) im Waldgaenger, denn zwischen Leviathan und Urma kann keine Neutralltaet bestehen. Das "Sosein", also die q\uali~ tative Existenz, stand auch fuer Juenger ueber "dem Dasein" (v/ 375), da seine geistige Gegenposition in der inneren Emi gration wirklich nicht als Neutralitaet ausgelegt werden kann, Der Waldgaenger sowohl als auch Juenger hatten erkannt, welche Maechte im Kampf mit den Uebermaechten ausschlaggebend waren, "Die neue Freiheit 1st die alte, ist absolute Freiheit im Zeit-gewand; denn immer wieder und trotz alien Listen des Zeitgelstes zu ihrem Triumpf zu fuehren: das 1st der Sinn der geschichtli-chen Welt." (V/ 375). Erst in dem letzten Abschnitt offenbart Juenger dem Leser das laengst vorauszusehende Faktum, "..# der Ort des Wortes 1st der Wald." (V/ 383).Das ist also die Quelle des Juengerschen Waldganges und seiner Inneren Emigration. "Das Wort ist Stoff des Gelstes und dient als solcher zu den kuehnsten Bruecken-schlaegen; es let zugleich das hoechste Machtmlttel." (V/ 3S4-), Fuer Juenger bestehen daher zwel Arten der Geschichte, die der physischen Welt und die der Sprache des Geistes; "... diese zweite umschliesst nicht nur den hoeheren Elnblick, sondern auch die wlrkendere Kraft. Selbst das Gemeine muss sich immer wieder an dieser Kraft beleben." (V/ 38k),Durch die Sprache ge« llngt es dem Dichter immer wieder, inmitten des Verfalls wie ein Loewe aus der Wueste hervorzubrechen,(V/ J&k).Juenger findet in der Sprache den ruhenden Mittelpunkt, es ist der direkte Ausdruck des Seins, hier kann der Mensch durch die zeitliche Maskierung in die Tiefen steigen zu Jenem Urquell, den schon Goethes Faust suchte. "Und mit den Wassern steigt neue Frucht-barkelt herauf." (V/ 385). -93~-Aus diesen Essays laesst sich schliessen, dass Juenger nicht nur den Schritt ueber die Linie des Nihllismus unternom-men hatte, es war zugleich ein Schritt aus der zeitlichen fak-tischen Umwelt. Die menschlichen Weltplaene der Technlk und der Uebermaechte, die sich stets veraendernde Erscheinungswelt wurde verlassen, und Juenger emigrierte Innerhalb des Sprachbereichs in die verinnerlichte Unabhaengigkeit. Die Hybris der Umwelt wurde fuer eine neue Oder vielmehr fuer die alte elementare Hei-» mat des metahistorischen Weltenplans eingetauscht. Der abenteu erllohe Geist Juengers emigrierte aus der Einsicht, "...das gan-ze Maschinenwesen soil uns vielleicht zur besseren Kenntnis un-serer selbst verhelfen - zur Kenntnis dessen, war wir nicht sind." (Ill/ l6o),Der Waldgang oder die innere Emigration war also keine Flucht, es war auch keine Auswanderung, sondern eher eine Zurueckwanderung in das Vaterhaus, in die Tiefe des Seins, das in der unvergaenglichen ewigen Transzendenz steht - hier lag Juengers Aesthetlzismus. - 9^ -ABSCHLUSS Betrachtet man Juengers Innere Emigration nun noch ein mal kurz mit einem Rueckblick auf die in dieser Arbeit bespro-chenen Werke, so zelgt es slch, dass Juenger innerhalb seiner Ideenwelt einen ehrlichen,nethischen Versuch gemacht hat, die Existenz einer lnneren-Emigration zu leben. Diese Wertschaetzung mag manchem Leser vielleicht zuerst fragwuerdlg erscheinen, doch darf man Juenger nicht von aussen nach innen interpretieren, welches die meisten polemischen Abhandlungen versuchten. Juen ger ist ein eigenartiger Elnzelgaenger, in dem sich verschiede-ne G-eistesstroemungen der deutschen Kultur kreuzten, und folg-llch ist eine Interpretation nur aus der Begegnung mit dieser sehr individualisierten Juengersehen Geisteswelt moeglich. Juengers Fruehwerke deuteten Tendenzen der Verinner11-chung und des abseits stehenden hohen Geistes, der die slch langsam vertotalisierende und vernihilisierende Umwelt beobach-tete, an. Also schon in der Vorhitlerzeit•war Juenger ein ver-einsamter Geist, der in einer ihm fremden Epoche des'kulturellen Nlederganges lebte, Diese Veranlagungen erleichterten Juengers Uebergang in die innere Emigration, welche eigentlich die Sub-jektivierung erweiterte und st.eigerte. Das Hitlerregime war fuer Juenger nur das fortgeschrittene Stadium des Zerfalls der Zivilisation. In dieser Daemonenwelt erkannte er als einzige Gegenmacht die Geistesmacht an, und auf diese beruft sich Juenger Immer staerker. Durch Geist relativiert er das Zeitgeschehen - 95 ~ und erkennt einen hoeheren Weltplan als den des epoohalen Zeit-geschehens. Seine musische Existenz ist geistige Freiheit, die von dieser hoeheren metaphysischen aesthetischen Ordnung singt. Im Bereich der Sprache glaubte Juenger seine Mission, den inne ren Zwang der Muse, zu manlfestieren und zu veraeusserllehen. Er stellte seinen Aesthetlzismus dem Niedergang entgegen und sprach vom Leben als Vorbereitung zu einer hoeheren Existenz; naemlich dem menschllchen Leben Innerhalb der ewlgen Transzen denz, Zur selben Zeit war Juenger ein seismographlscher Beobach-ter seiner schicksalshaften Umwelt, aus der er slch trotz hohen Geistes nicht voellig absondern konnte. Letzthin stand Juengers verinnerlichte subjektivierte Geisteswelt doch noch in der Dae-monen- und Schinderwelt, die aus reiner Selbsterhaltung von Juen ger Kompromisse forderte. Aus diesem Grund erwles sich die Exi stenz der inneren Emigration dann auch bald als ein verlorener Posten. Verloren aber nur in Hlnslcht auf die diesseitige Exi stenz, denn die "Dreieinigkeit" von Wort, Freiheit und Geist wuerde letzthin doch die Tyrannenmacht ueberwinden und eine Wie-dergeburt erleben. Bis diese Wiedergeburt der Menschenordnung das Tageslicht erblieken wuerde, war es die Aufgabe einer klei nen geistigen Elite, die Maechte, die den Menschen erhoehen, zu erhalten; hier liegt Juengers wirklicher Sinn der inneren Emi gration. Sein Leben war nicht nur Vorbereitung zu einer hoeheren Existenz, sondern auch Vorbereitung zu einer Wiedergeburt der aesthetischen Ordnung in der menschllchen Gesellschaft. Dass diese Wiedergeburt mit dem Ende des zweiten Weltkrieges nicht stattfand, zeigt sich In Juengers Spaetwerk, welches den inneren - 96 -Emigranten als Waldge anger erf asst. Vie'lleicht liegt hier die Erklaerung, warum Juengers Werke seiner inneren Emigration die Grenzen einer epochehaften Krlegsliteratur ueberschreiten. Der Erfolg eines geistigen Widerstandes des inneren Emi granten Juenger ist wohl sehr beschraenkt gewesen. Doch kam es schliesslich nicht auf die Wirksamkelt des geistigen Widerstan des an, sondern auf die menschliche Haltung. Innerhalb seiner Begabung und seines"Bereiches der Muse hat Juenger unfraglich seinen konservativepi Mut in den Werken der Vexierprosa im drit ten Reich bewiesen. Dass diese geistige Opposition ein Schwimmen gegen den Strom der Zeit war und daher nur von wenigen gewuer-digt und anerkannt wurde, war Juengers Schicksal. Schon in Auf den Marmorklippen hatte er erkannt, dass das Musizieren vor Tauben wenig Zweck hat. Doch hat sich Juenger nie von seinem Schicksal dispensiert, als abenteuerlicher Geist hat er sich da-gegen behauptet selbst auf verlorenem Posten.. Auch ergab er sich keiner moralischen Wankelmuetigkeit oder dem Mitlaeufertum. In seiner verabsolutierten Existenz, also vollkommen auf sich selbst gestellt, durchlebte er zwar Doppelspannungen zwischen dem Ich und der Gesellschaft, dem inneren und dem aeusseren Ich. und so-gar dem Ich in sich selbst. Die dialektlschen Selbstgespraeche sind aber keine Wankelmuetigkeit, sondern ein aesthetisches und mora-lisches Bemuehen :,umV. K-laerung. Juenger hatte im Niedergang den metaphysischen Ruhepunkt erkannt, der ihm lnmitten des Zy-klons Sicherheit gab. Um diesen Mittelpunkt dreht sich Juengers Leben, meist in einer polarischeri Vielseitigkeit, die sich in - 97 -den Werken veraeusserlicht. Er war ein Tlefenforscher geworden, der die unslchtbare Ordnung hinter der sichtbaren Oberflaeche entdeckt hatte, und somit alles nur von einem metaphysischen Wertbewusstsein aus urteilte - slch also ueber die Dinge stell-te. Von dem irdischen Schicksal des epochalen Zeitgeschehens konnte er sich aber trotz Metaphyslk und Aesthetlzlsmus nicht r: befreien; da physischer Widerstand sinnlos war, gab er sich dem Schicksal als stoischer hoher Geist, der sich durch seine mensch liche Haltung des Anderssein zu. behaupten versuchte. Innerhalb seiner Gedankenwelt und seinem individuallslerten Wertbewusst~ sein hat Juenger wahrlich versucht, den Konflikt zwischen der Gesellschaft (Kompromiss) und dem Ich (Non-Konformismus) als Innerer Emigrant zu bestehen, Innerhalb einer Welt der Daemone, in der die Schindergrube zur Norm geworden war, erhielt er sich den kosmologischen Blick - die Hoffnung und den Trost. PUSSNOTEN I. KAPITEL EINFUEHRUNG ^ G.Benn verneint, dass es damals einen wirklichen Begriff der Emigration in Deutschland gab. "Es war mehr eine Demon stration als eine Offensive, mehr ein Ausweichen als eine Ak-•tion. Emigration als Fuehrerfronde war keln bei uns bekannter Begriff." (G.Benn, Doppelleben, Wiesbaden, 1955, S.781). Erkennt lich wird, dass der jetzlge Begriff der aeusseren sowohl als der inneren Emigration erst damals entstand. 2 J.F.G.Grosser, Die grosse Kontroverse. Ein Brlefwechsel um  Deutschland (Hamburg, 1963).. ~ 3 Thomas Manns negative Antwort verknuepfte sich sofort mit der Schuldfrage des deutschen Volkes und der Rolle der in Deutschland verbliebenen Intellektuellen. Die wirkliche Fra-gestellung der Polemlk war eine moralisch-ethische Standorts-bestimmung der inneren Emigranten. ^ J.F.G.Grosser, Die grosse Kontroverse, S.31. 5 Das bedeutet nicht, dass Dichter nicht eine gewisse Vor-' stellung von diesem Begriff hatten. So charakterisiert Thomas Mann einen Inneren Emigranten Dr.phil. Serenus Zeitblom in seinem Roman Doktor Faustus (194-7), auch Ernst Juenger er-fasst die Zeitgestalt des Inneren Emigranten in dem Essay Der  Waldgaenger (I95I), waehrend G.Benn seine innere Emigration in der Selbstdarstellung Doppelleben (1950) rechtfertlgt. 6 J.F.G.Grosser, Die grosse Kontroverse, S. 23-24. 7 F.Schonauer, Deutsche Llteratur Im dritten Reich (Olten und Freiburg 1. Breisgau, I96I), S.12. ^ H.Wiesner, "Innere Emigration,11 H.Kunisc'h. Handbuch der  deutschen Gegenwartsliteratur (Muenchen, 1965), S.6g9. II. KAPITEL 1 G.Loose befasst slch mit der struktiven Veraenderung bei-der Fassungen des Essays Das Abenteuerliche Herz in seinem Ar-tikel "Ernst Juengers Kampf um die Form," Modern Language  Notes, Vol. LXV (1950), 3.1. Slehe auch F.Schonauers Disser tation, Die zwei Fassungen von 'Das Abenteuerliche Herz1 - lei-der nicht erhaeltlich. - 99 d Saemtliche Zitate und Nachweise, die sich auf Juengers Werke beziehen, sind in dieser Arbeit auf folgende Weise an-gegebent (VII/ 96). Die roemische Ziffer bezleht slch auf das Werk (Band) und'die arabische Zahl auf die Seitenzahl. Ernst Juenger, Werke (Stuttgart, i960). Der Leser wird hier gebe-ten, zur Kenntnis zu nehmen,. dass Zitate, die sowohl in der ersten als auch in der zweiten Fassung zu finden sind, als (VII AH I/...- AH II/,..)' angefuehrt werden; waehrend Zita te, die eine Erweiterung.der Thematik in der zweiten Fassung darstelleri, nur als (VII AH II/..,) bezeichnet sind. 3 Ich beziehe mich hier auf die Definition der Woerter "Totalitaet" und "totalitaer", wie sie in dem Duden, Recht- schrelbung der deutschen Sprache (Mannheim, i960), S. 65b, zu finden 1st: die- Gesamthe.it umfassend, ganzheitlich, G-e-samtheit, Vollstaendigkeit, G-anzheit. Die Bedeutung der Woer~ ter be.zieht sich nicht nur auf die politische Sphaere. ^ "Stereoskopisch wahrnehmen heisst, ein und demselben To ne glelchzeitlg zwei Slnnesqualitaeten abgewinnen, und zwar durch ein einziges Sinnesorgan.11 (VII AH 1/79 - AH 5 Nicht jedem Menschen ist diese Art der Wahrnehmung ge-schenkt und nicht viele Leser koennen dieser Magie folgen, es ist nicht erstaunlich, dass Juengers Werke nur von einer 11.., winzigen G-esellschaf t befluegelter Gaeste umkreist....." wird. (VII AH I.I/lgl) Juenger ist sich bewusst, dass seine G-eisteswelt aus einer kleinen gelstig aristokrat!schen Elite besteht, 6 Die Figur der Schlelfe wurde in der Erstfassung nur mit den folgenden Worten erwaehnt, "Das Leben ist eine Schlelfe, die sich im Dunklen schuerzt und loest." (VII AH I/67) In der zweiten Fassung wird diese zeitllch bedeutende Figur sehr erweitert, sodass ihr ein ganzer Abschnitt gewidmet wurde. . 7 H.P. Schwarz In seinem Buch Der konservatlve Anarchist, Polltlk und Zeitkrltlk Er.nst Juengers (Freiburg i. Breisgau, , 19b2), bespricht ln einem kurzen Exkurs J,G. Hamanns Ein-fluss als Lehrer Juengers, 8 Vorwort von H.L. Arnold, Wandlung und Wiederkehr (Aachen, 1956), S.21. - 100 -9 A. Auer, "Nachtraeglich zum Jubelfest - Ernst Juenger und die formlerte Gesellschaf t," Welmarer Beltraege, Heft k (I966X, S.594. 10 Ebd., S.5&17. 11 K.Bastian, Das Politlsche bei Ernst Juenger (Heidel berg, 1961), S.lW* • . 12 Kritiker wie K.Bastian sehen hierin eine Herauforde-rung gegenueber Hitler und seiner Regierung, Er sagt, "Juenger schlug hier sicher ebenso bewusst einen lei sen aber verstaendllchen politischen Unterton an ...."(K.Bastian, Das Polltische bei Ernst Juenger, S.I53.) Auch G.Nebel 1st der Auffassung, das Buch sei"... von Angriffen auf .Hitler' nicht fre1, ;obwohl sie (2.Fassung) sich der Politik ent-haelt und sich dem hieroglyphischen Dominospiel der neuen . Metaphyslk erglbt ...." (G.Nebel, Ernst Juenger, Wuppertal, 19^9, S.lW G.Nebel verkannte hierbei, dass die Zweitfas-sung sich getarnter gestaltet, und dass gerade hlnter die sen Hleroglyphen politlsche Untertoene klingen. Ueberhaupt ueber-sieht der Kritiker im Neuwerk die politlsche .Diskussion in Hinsicht auf die Despotenmacht, 13 H.P. Schwarz, Per konservative Anarchist, S.13&1. K.Bastian, Das Politlsche bei Ernst Juenger, S.157*. Als Beispiel derartlger negativer Krltik siehe P. De Mendelssohn, Der Geist In der Despotie (Berlin, 1953). 1(2 V.Katzmann ermittelt dies in dem Artikel "Magischer Realismus" in der Festschrift Wandlung und Wiederkehr. III. KAPITEL 1 H.Wiesner in dem Kapitel "Innere Emigration" (H.Kunisch, Handbuch der deutschen Gegenwartsllteratur) sagt, "Dieses von Wilhelm Kahle als das 'Hauptwerk der innerdeutschen Widerstands-dichtung1 bezelchnete Buch wurde damals als der Schluesselro-man des NS und auch der Juengerschen Wandlung von 1Mauretanler1 zum moenchischen Bewohner der auf den Marmorklippen gelegenen Rautenklause par excellence gelesen." (S.7l4) Im Gegensatz hierzu steht Frank Schonauers nicht auf Objektivitaet gerich-tete Stellungnahme. Er sieht die Juengersche Position als die "... eines Autors, der sich zurueckgezogen hat; und zwar, das ist entscheidend, in eine sehr kuenstliche, sehr utopische Welt. Die Herbarien-der Rautenklause, jenem idylllschen Ort unweit der 'Marmorklippen1 sind keine Waff en des Widerstandes.11 F.Scho-nauer, Deutsche Literatur im dritten Reich, S.I53. - 101 ~ 2 E.Langgaesser In Ihrer Ansprache "Schriftstellerunter der Hitler-Diktatur" sagte in Bezug auf die innere Emigration: "Wohln haetten sie auch als Dichter auswandern sollert, wenn nicht tiefer in den Raum ihrer Sprache hinein ... waehrend das Vakuum um sle anwuchs, die Wueste, der Dschungel, die Kasemat-te." Ost und West, l.Jahrg., Heft k, S.37. 3 P.Schonauer, Deutsche Llteratur im dritten Reich, S.I53. ^ K.Bastian, Das Polltlsche bei Ernst Juenger, S.159* 5."Fuer sich selbst jedoch beruft er sich, wie er in »Auf den Marmorklippen1 formulierte, gegenueber Jeder Form gesell-schaftlicher Umwaelzung auf das Primat der persoenlichen Selbst-findung im Rahmen einer neuen Gegenpdsitlon und zwar ausserhalb jeder nicht dem inneren ErnSt der Lage entsprechenden ,Aktion'.M K.O.Paetel, Ernst Juenger, Bibliographie (Stuttgart,1953), s. 23. ^ Obwohl Juenger spaeter in Paris in Widerstandskreisen ver-kehrte und dem Regime verdaechtig war, enthielt er slch dem offenen physischen Widerstand und blieb auch hier ein Einzel-gaenger der geistigen Opposition. Auch verliess Juenger im Gegensatz zu den Klausenbruedern nie das Deutsche Reich, er wurde also nie Auswanderer. 7 E.Wiecherts und W.Bergengruens innere Emigration 1st hauptsaechllch auf dem christlichen Glauben aufgebaut. ^ D.Strothmann, Nationalsozlalistische Llteraturpolltlk (Bonn, i960), Tabelle Nr. 7 a. 9 Viele Innere Emigranten haben waehrend der Hitlerzeit eigene Schriftwerke verbrannt, um sich vor Gestapountersuchun-gen zu retten und zu schuetzen. 10 Von hier aus sieht er die Vernichtung als goldenen Schim-mer und hoert nicht die Wehklagen weinender Muetter und Kinder. Puer derartige aesthetische Wahrnehmungen (schoengeistig) wurde Juenger als kaltbluetiger Aesthet angefeindet,,vor allem von Peter De Mendelssohn in seinen Schriften Per Geist in der Despo tie und Gegenstrahlungen. Um dem zu entgegnerysagt H.P.Schwarz sehr richtig, "Kein Leser der Marmorklippen wird freilich leugnen wollen, dass wichtige Beimischungen eines aesthetisch-sentimentalischen Eskaplsmus in dieses Buch eingegangen sind. Falsch waere es indessen und eine Verkennung der eigentlichen Aussage der Erzaehlung, wollte man darin den ausschlaggebenden Faktor erkennen." H.P.Schwarz, Der konservative Anarchist, 8. I36. - 102 -Ein kalter Beobachter ist Juenger unfraglich, dies mag auf seine naturwissenschaftliche Bildung zurueokzufuehren sein, und dass er Aesthet ist, kann man ihm als Kuenstler nicht uebelnehmen. Juenger hat im Rahmen seiner kuehlen nuechternen Natur dann auch die Schrecken der Schlnderwelt erfasst und geschildert. 11 H.Plard in seinem Kapitel "Ernst Juengers Wende" in Wandlung und Wlederkehr sagt, dass der "Prieden des Vater-hauses" sehr wahrscheinlich auf den Tod weist. (S.119) Dies erscheint als reine Spekulation, fuer die keine literatur-kritischen Beweise gefunden wurden. 12 P.De Mendelssohn, Der Geist in der Despotie (Berlin, 1953), 8.184. K.Bastian, Das Politlsche bei Ernst Juenger, S.I59. ^ "Dies schmale Baendchen wurde als Schluesselroman und Absage gedeutet. So lasen wir es (damals) und manche Be-schluesse erlaubten den Schluss. Heute lesen wir es als Schau der Schreckenswelt an sich ueberzeitlich und ueberraeumllch." E.Kolbinger, "Ernst Juenger - ein spaeter Dank," Schwelzer  Rundschau, Jahrg.65, Nr.10-11 (1966), 8.634. 15 H.Becher, S.J., Ernst Juenger (Warendorf, 194-9), S.66. IV. KAPITEL 1 P.De Mendelssohn unterscheldet Juengers Tagebuecher von den "echten" Tagebuechern, "... hier ist zwischen dem 'echten' Tagebuch zu unterschelden, das unverfaelscht an den Leser heran-tritt als ein authentischer aeusserer und lnnerer Erlebnisbe-richt und dem hergerichteten, dem zugerechtgemachten.,.. dem frl-sierten und auf Hochglanz polierten, das Urspruengllchkeit vortaeuscht, wo mit Bedacht nachtraeglich interpoliert, weg-gelassen und ediert worden ist." P.De Mendelssohn, Der Geist in der Despotie, S.177. Diese Kritlk ist vielleicht zu negatlv, doch kommen dem Leser manchmal Bedenken, inwiewelt Juengers Berichte ein dlrekter Ausdruck der Erlebnisse sind und wo Juenger mit Absicht gewoll-te Effekte gestaltet. 2 Hierzu sagt P.De Mendelssohn, "Das schoepferische Moment tritt sehr weit zurueck, wenn es nicht ganz ausscheidet, es wird kein Werk mehr hervorgebracht, denn man selbst ist das Werk." P.De Mendelssohn, Der Geist in der Despotie, S.177* K.G.Just sieht den Tagebuchschreiber als Antlpoden des moder-nen Lyrikers. "... er lotet mit den Strahlungen des eigenen Ich die Welt aus und faengt dann die im Auftreffen auf die Dinge gebrochenen Strahlen wieder auf. Dabei ordnet und arrangiert er die aufgefangenen Bilder zu vollkommen in sich geschlossenen - 103 -und ausgewogehen Mustern," (H.G-, Just, Uebergaenge, Berlin und Muenchen, 1966,8. hi). Von einem voelligen Ausscheiden des Schoepferlschen kann wohl bei Juengers Prosa nie die Rede sein* ^ J.W. Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Harfenspieler-lied, ^ G-.Benn, Doppelleben, S. llo. 5 K.O. Paetel, Ernst Juenger., pie Wandlung eines deutschen  Dichters und .Patrloten , (New. York, 194b), S. 72» ~ 6 H.Becher, S.J., sieht eine Umorientlerung Juengers in den Strahlungen, es handelt sich aber eher um einenAnnaeherung, H, Beeher, S. J., Ernst Juenger. V. KAPITEL 1 So nehmen die Tagesberichte des Jahres 19^5 zweldrittel des Werkes ein, waehrend die Jahre 1946-485 nur ein Drlttel ausmachen. p G-. Benn unternahm eine Rechtfertlgung seiner inneren Emi gration in seinem Werk Doppelleben. VI. KAPITEL B. Pasternak glng auch waehrend der Stallndiktatur in eine Innere Emigration - 104 -LITERATURNA CHWEIS Juenger, Ernst. Werke. 10 Baende, Stuttgart: Ernst Klett Verlag, i960. SEKUNDAERLITERATUR Abusch, A. "Die Begegnund der Inneren und aeusseren Emigranten in der deutschen Literatur,11 Aufbau, Nr.2 (1947), 223. Arnold, Heinz,L. Wandlung und Wlederkehr. Festschrift zum  70. Geburtstage Ernst Juengers. Herausgegeben von H.L.Arnold, Aachen: Verlag, Text und Kritlk Dr.Rudolf Georgi, 1956. A,uer, Annemarie. "Nachtraeglich zum Jubelfest - Ernst Juenger und "die formierte Gesellschaf t," Weimarer Beitraege , Heft 4 (1966), Berlin: Aufbauverlag, 581. Bastlan, K. Das Politlsche bei Ernst Juenger. Non-Konformlsmus und Kompromiss der Innerlichkelt. Dissertation, Heidelberg,' T_6T_ _ Becher, H., S.J. Ernst Juenger. Warendorf, Westfalen: Verlag J.Schnellsche Buchhandlung, 19^9. Benn, G. Doppelleben. Wiesbaden: Limesverlag, 1955-Benn, G. Ausdruckswelt. Wiesbaden: Limesverlag, 195^. De.Mendelssohn, P. Per Geist ln der Despotie. Berlin: F.A.Herbig Verlagsbuchhandlung (Walter Kahnert), 1953. De Mendelssohn P. "Gegenstrahlungen," Der Monat, Jahrg. 2, Nr.14 (Nov.1949), 149. Dawson, J.Stephens. Interpretation of Dictatorship in the Work of Certain Modern German Authors, Dissertation, University of Toronto, 1963. Duwe, W. Deutsche Dichtung des 20. Jahrhunderts. Band 2, Zuerich: Orell Fussli-Verlag, 1962. Grosser, J.F.G. Die grosse Kontroverse. Ein Briefwechsel um Deutschland. Hamburg, Genf, Paris: Nagel-Verlag, 19^3. Heidegger, M. "Ueber die Linie," Freundschaftliche Begegnun-gen. Festschrift fuer Ernst Juenger zum bO. Geburtstag. Frankfurt a. Main: Vittorio"Klostermann, 1955. Hock. E. "Das andere Deutschland sieht sich," Hochland, Nr.40 (1947-48), 8. Just, K.G. Uebergaenge. Bern und Muenchen: Franke Verlag, 1966. Kahle, W. Geschichte der deutsfihen Dichtung. Muenster: Verlag Regensberg, 1964. Kaiser, H. Mythos, Rausch und Reaktlon. Berlin: Aufbau Verlag, I962. Klieneberger, H.R. "The 'Innere Emigration' a Disputed Issue in Twentieth-Century German Literature," Monatshefte, Nr.4 (Apr.-May, 1965), 171. Kolbinger, Edgar. "Ernst Juenger - ein spaeter Dank," Schwelzer Rundschau. 65.Jahrg., Heft 10-11 (Okt.-Nov. 1966), 632. v.Krockow, Dr.Christian,Graf. Die Entscheldung, eine Unter-suchung ueber E.Juenger, C.Schmitt, M.Heidegger. Heraus gegeben von Prof. Dr.Flesser, Stuttgart: Ferdinand Erke Verlag, 1958. - 105 -Langgaesser, E. "Schriftsteller unter der Hitler-Diktatur,11 Ost und West. 1. Jahrg., Heft 4, 36. Loewy, E. Literatur unterm Hakenkreuz. Frankfurt a.Main: Europaeische Verlagsanstalt, 1966, Loose, G, Ernst Juenger. Frankfurt a. Main: Vittorio Kloster-mann, 1957. Loose, G. "Ernst Juengers 'Kampf um die Form' dargestellt an den beiden Fassungen des Buches vom 1abenteuerlichen Herz'," Modern Language Notes, Vol.LXV, Nr.1 (Jan. 1950), 1. Mohier, Arnim. Die Schleife. Dokumentation zum Weg Ernst  Juengers. Zusammengestellt yon A.Mohier, Zuerich: Verlag Ar.che, 1955. Nebel, G. Ernst Juenger. Abenteuer des Geistes. Wuppertal: Mares Verlag, I949, Paetel, K.O. Ernst Juenger. Die Wandlung eines deutschen Dlch- ters und Patrloten. New York: Verlag Friedrlch Krause, 194-6. Paetel, K.O. Ernst Juenger. Bibliographie, Stuttgart: Verlag Galerie Lutz und Meyer, 1953. Plard, H. "Ernst Juenger und die Krise der Gegenwart," Tell II, Unlversitas. 13.Jahrg. (1956), Heft 12, 1279. Pongs, H. Im Umbruch der Zeit. Goettlngen: Goettinger Verlags anstalt, 1950^ Schonauer, F. Deutsche Literatur-Im dritten Reich. Olten und Freiburg i. Breisgau: Walter-Verlag, 1961, Schwarz, H.P. Der Conservative Anarchist. Polltlk und Zeit  kritik Ernst Juengers. Freiburg i. Breisgau: Verlag Rombach, 1962.. ~ • ' Strothmann, D. Nationalsozlalistische Literaturpolltlk. Bonn: H.Bonvler & Co. Verlag, i960. ' Usinger, F. "Abenteuer und Geschichte," Die Neue Rundschau, 61. Jahrg,, Heft 2 (I950), 246. • : ~ Weissenborn, G, Der lautlose Aufstand, R0R0R0 Verlag, 1962, Wiesner, Herbert. "Innere Emigration,11 H.Kunisch, Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur.' Muenchen: Nymphenburger Verlagshandlung,. 1965, Wulf, J. Literatur und Dichtung im dritten Reich. Guetersloh: Slegbert Mohn-Verlag, 1963, 

Cite

Citation Scheme:

    

Usage Statistics

Country Views Downloads
Germany 19 15
China 12 2
United States 9 0
Poland 1 0
City Views Downloads
Unknown 14 11
Shenzhen 9 2
Berlin 6 4
Ashburn 6 0
Mountain View 3 0
Beijing 3 0

{[{ mDataHeader[type] }]} {[{ month[type] }]} {[{ tData[type] }]}
Download Stats

Share

Embed

Customize your widget with the following options, then copy and paste the code below into the HTML of your page to embed this item in your website.
                        
                            <div id="ubcOpenCollectionsWidgetDisplay">
                            <script id="ubcOpenCollectionsWidget"
                            src="{[{embed.src}]}"
                            data-item="{[{embed.item}]}"
                            data-collection="{[{embed.collection}]}"
                            data-metadata="{[{embed.showMetadata}]}"
                            data-width="{[{embed.width}]}"
                            async >
                            </script>
                            </div>
                        
                    
IIIF logo Our image viewer uses the IIIF 2.0 standard. To load this item in other compatible viewers, use this url:
http://iiif.library.ubc.ca/presentation/dsp.831.1-0103928/manifest

Comment

Related Items